Meinen zweiten und aktuellen Bericht zum Thema findet ihr HIER. Einige Informationen aus diesem ersten Bericht hier sind mittlerweile veraltet. Ich investiere aktuell aber lieber meine Zeit auf das Berichten, über meinen aktuellen Sachstand. Irgendwann werde ich den ersten Bericht löschen, bzw. umschreiben. Aktuell lasse ich ihn hier aber noch stehen, damit alles nachvollziehbar ist.

 


Das Ende der PTB Zulassungspflicht für Schreckschusswaffen

"Die wollen alle Waffen aus dem Volk haben", oder "bald werden auch Luftgewehre verboten" hört man immer wieder. Ich halte von solchem Stammtischgerede überhaupt nichts. Denn es entspricht nicht dem, was in unserer Gesetzgebung wirklich passiert. Natürlich wird unser Waffenrecht immer strenger, aber nicht wegen einem "bösen Willen", sondern wegen der vorherrschenden politischen Meinung. Und im "Mainstream" haben Waffenbesitzer halt keinen so guten Stand. Aber mit jeder Änderung des WaffG kamen auch relevante Erleichterungen. Vor einigen Jahren wurde der leidige Anscheinswaffenparagraph gestrichen, und jetzt wurden erhebliche Erleichterungen bei den Schalldämpfern, Nachtsichtvorsatzgeräten und den Schreckschusswaffen erlassen. Das Waffengesetz ist leider der Spielball der Politik, denn ihm wird fälschlicherweise unterstellt, dass es einen großen Einfluss auf die öffentliche Sicherheit hat. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. England hat ein sehr strenges Waffenrecht und erlebt eine furchtbare Welle der Gewaltkriminalität. London hat inzwischen sogar eine höhere Mordrate als New York. Die Schweiz hat ein sehr liberales Waffenrecht und ist sehr sicher. So einfach sieht man, dass Gewaltkriminalität ein gesellschaftliches Problem ist und ein strenges Waffenrecht daran nichts ändern kann. Für die Waffenbesitzer haben die regelmäßigen Änderungen im WaffG jedoch immer eine erhebliche Bedeutung. So wie die Politik endlich verstehen muss, dass die Sicherheitsprobleme nichts mit Jägern, Sportschützen, Paintballspielern oder Luftgewehrbesitzern zu tun haben, müssen Waffenbesitzer aufhören einen Sinn hinter den endlosen Regeln unseres WaffG zu suchen. Die EU wollte etwas gegen Salutwaffen unternehmen, weil mit reaktivierten Salut VZ58 Sturmgewehren Terroranschläge verübt wurden. Das waren sehr spezielle Salutwaffen, die so nur in wenigen Mitgliedsländern der EU erlaubt waren. Betroffen von den EU Vorgaben ist jetzt aber auch jeder Besitzer eines historisch bedeutsamen Salut K98k, den er vor 30 Jahren mal bei Frankonia gekauft hat. Eine Waffenart ohne jede Deliktrelevanz. Das Waffenrecht wurde also völlig überreguliert. Im Umkehrschluss hat die EU selber Vorgaben für Schreckschusswaffen erlassen. Und damit sind jetzt genau diese Schreckschusswaffen überall erlaubt worden, die reihenweise illegal zu scharfen Waffen konvertiert wurden. Mit PTB zugelassenen Schreckschusswaffen war das bisher fast unmöglich. Noch dazu hat das deutsche System mit den PTB Bauartzulassungen perfekt funktioniert.

 

Das "Verbot" der "ungefährlichen" und geschichtlich interessanten Salutwaffen und die Freigabe der "unsicheren" und deliktrelevanten Schreckschusswaffen ist zeitgleich im selben Gesetz erfolgt. Soll man das verstehen? Nein, man nimmt es hin und hält sich an die Gesetze.

Zoraki 906 Schreckschusspistole mit der PTB-Zulassungsnummer 946 und der Beschriftung "ESC GmbH".
Zoraki 906 Schreckschusspistole mit der PTB-Zulassungsnummer 946 und der Beschriftung "ESC GmbH".
Zoraki 906 Schreckschusspistole in 9mm PAK ohne PTB. Die Laufsperre ist etwas dünner als bei der deutschen PTB-Version.
Zoraki 906 Schreckschusspistole in 9mm PAK ohne PTB. Die Laufsperre ist etwas dünner als bei der deutschen PTB-Version.

Seit dem 01.09.2020 gilt das hier:

WaffG neu Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2:

Erlaubnisfreier Erwerb und Besitz:

1.3 Schreckschuss-, Reizstoff-und Signalwaffen,a)die der zugelassenen Bauart nach § 8 des Beschussgesetzes entsprechen und das Zulassungszeichen nach Anlage 1 Abbildung 2 zur Ersten Verordnung zum Waffengesetz vom 24. Mai 1976 (BGBl. I S. 1285) in der zum Zeitpunkt des Inkrafttretensdieses Gesetzes geltenden Fassung oder ein durch Rechtsverordnung nach § 25 Nummer 1 bestimmtes Zeichen tragen oder

b)die den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaates entsprechen, die dieser der Europäischen Kommission nach Artikel 4 Absatz 2 der Durchführungsrichtlinie (EU) 2019/69 der Kommission vom 16. Januar 2019 zur Festlegung technischer Spezifikationen für Schreckschuss-und Signalwaffen gemäß der Richtlinie 91/477/EWG des Rates über die Kontrolle des Erwerbs und des Besitzes von Waffen als Maßnahme zur Umsetzung dieser Durchführungsrichtlinie mitgeteilt hat;

 

Unterabschnitt 3:

Entbehrlichkeit einzelner Erlaubnisvoraussetzungen

2.Führen ohne Sachkunde-, Bedürfnis-und Haftpflichtversicherungsnachweis (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 bis 5) -Kleiner Waffenschein2.1 Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen nach Unterabschnitt 2 Nr. 1.3.(man darf diese EU-Schreckschusswaffen also auch mit dem kleinen Waffenschein führen. Dafür sollte man aber einen entsprechenden Nachtrag von der Waffenbehörde rein schreiben lassen)

Die aktuelle Lage 09/2020:

So wie ich das WaffG verstehe wird es die PTB Prüfungen für deutsche SSW weiter geben. Aber kaum ein deutscher Hersteller wird sich den strengen Auflagen der PTB noch unterwerfen, denn die Waffen müssen lediglich den "Rechtsvorschriften eines anderen EU Landes entsprechen". Es muss keine Bauartzulassung mehr erfolgen und die Waffen müssen der PTB überhaupt nicht mehr vorgelegt werden. Vermutlich wird lediglich der Hersteller und Importeur in der Verantwortung stehen, korrekt hergestellte Waffen auf den Markt zu bringen. Notwendig ist dann nur noch der Beschuss. Das "Verbringen" dieser Waffen nach Deutschland (Import) ist übrigens ebenfalls, nach der Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2 Nr. 7 WaffG erlaubnisfrei.

 

Nachtrag vom 21.09.2020: Auf den kleinen Waffenscheinen steht drauf, dass sie nur für Schreckschusswaffen mit PTB Zeichen gelten. Das steht jetzt aber im Widerspruch zum WaffG. Die genaue Rechtslage dazu ist etwas kompliziert. Aber der Waffenschein ist nur ein Dokument, was erlaubt und verboten ist, steht aber im Gesetz. Bei manchen kleinen Waffenscheinen ist es aber eine Auflage, dass sie nur für PTB-Waffen gelten, dann wäre ein Verstoß dagegen eine Ordnungswidrigkeit. Ich würde daher jetzt zur Waffenbehörde gehen, und um einen entsprechenden Nachtrag im Waffenschein bitten, dass er "auch zum Führen von Schreckschusswaffen ohne PTB-Zeichen, gem. Anlage 2 Abschnitt 2 Nr. 1.3 WaffG gilt". Da es glasklar im WaffG erlaubt ist, sollte so ein Nachtrag auch kein Problem sein.

 

Rechtssicherheit:

Bisher war das einfach, bei einer Polizeikontrolle zeigte das PTB Zulassungszeichen die Rechtsstellung der Waffe sofort. Aber das funktioniert jetzt nicht mehr. Wünschenswert wäre es, wenn den Waffen eine Konformitätsbescheinigung über die Durchführungsrichtlinie EU 2019/69 beigelegt wird. Das ist bisher nicht der Fall, aber auch nicht zwingend vorgeschrieben. Wenn ich mir jetzt eine EU-Schreckschusswaffe kaufen würde, würde ich das nur im Fachhandel machen und mir den Kaufbeleg gut aufheben. So kann man beweisen, dass man die Waffe nach dem Inkrafttreten der Verordnung gekauft hat. Und im Fachhandel kann man auch erwarten, dass nur Richtlinien konforme Waffen verkauft werden.

 

Wie geht es jetzt weiter:

Wir warten darauf, was der Fachhandel in Deutschland macht und was er anbietet. Die Preise für die begehrten alten PTB Zulassungen werden vermutlich etwas nachlassen und einige werden erkennen, dass die PTB unseren Markt nicht nur vor "unsicheren" Schreckschusswaffen, sondern auch vor qualitativ sehr schlechten Modellen geschützt hat. Und natürlich werden bei Personenkontrollen Polizisten an der nicht mehr nachprüfbaren Rechtslage verzweifeln. Und hoffentlich legt endlich ein Händler eine vollautomatische Schreckschusswaffe dem BKA zur Prüfung vor und auch eine mit fest verbauter Waffenlampe.

In der Visier 09/2020 wird auf das Thema kurz eingegangen und es werden einige Länder aufgelistet, die die Richtlinie bereits umgesetzt und der EU mitgeteilt haben. Ich empfele jedem Interessierten, sich das Heft zu kaufen. Ich werde den dortigen Bericht, aus Urheberrechtsgründen, hier nicht veröffentlichen.

Das Schreiben des VDB, aus dem der folgende Auszug stammt, könnt Ihr HIER runterladen.

Vor wenigen Tagen hat die PTB zur Waffenrechtsänderung, gegenüber einem LKA, Stellung genommen. Auf die Details dieses Schreibens kann ich nicht eingehen. Die PTB ist jedoch der Meinung, dass alle im EU-Ausland am Markt befindlichen Schreckschusswaffen derzeit WBK pflichtig sind. Sie stützen ihre Aussage darauf, dass ihnen keine ausländischen Schreckschusswaffen bekannt sind, die die Anforderungen der EU Richtlinie 2019/69 erfüllen. Da in der Richtlinie überall "soll" und nicht "muss" steht, habe ich persönlich eine etwas andere Meinung zu der Sache, als die PTB. Denn dann würden ja auch alle EU Länder, die die Richtlinie bereits umgesetzt haben und weiterhin Schreckschusswaffen verkaufen, etwas falsch machen. Wichtig zu erwähnen ist auch noch, dass Deutschland diese Richtlinie zu später umgesetzt hat. Die EU hat die Umsetzung bis spätestes 01/2020 vorgeschrieben. Vielleicht versucht die PTB gerade auch nur ihre Stellung zu behaupten. Aber durch die Rechtsmeinung der PTB muss ich doch derzeit davon abraten, sich im Ausland Schreckschusswaffen zu kaufen. Ich würde daher, solange es nichts Gegenteiliges von offizieller Seite gibt, nur Schreckschusswaffen bei einem Fachhändler kaufen, für die eine "Konformitätsbescheinigung" vorhanden ist, so wie es das BMI in seinem Schreiben sagt.

 

Nachtrag von 11/2020: Der Betreiber des Youtubekanals "Freie Waffen Reviews Germany" hat meinen kompletten Bericht hier, in ein fast wortgleiches 12 minütiges Video verarbeitet und damit geklaut. Es folgten von ihm Lügen und Ausreden. Das Video wurde mittlerweile, wegen dem von mir eingeleiteten Verfahren bzgl. einem Urheberrechtsverstoß, gelöscht. Der Betreiber des Kanals ist auf meinem Blog nicht mehr willkommen! Ich betreibe diesen Blog kostenlos und werbefrei und ich mache das gerne. Aber alleine in diesem Bericht steckt eine wochenlange Arbeit und die lasse ich mir nicht von jemand, der keine eigenen Ideen hat, "klauen".

 

Nachtrag 01/2021 - EU Schreckschusswaffen

Es ist aktuell sehr ruhig bezüglich der EU-Schreckschusswaffen. Weil man diesbezüglich eben kaum etwas von offiziellen Stellen hört, habe ich in großem Umfang versucht Stellungnahmen von Behörden einzuholen und habe Kontakt mit ausländischen Großhändlern und Herstellern gesucht. Die Meisten haben mir Auskünfte verweigert, und wollten überhaupt nichts zum Thema sagen. Es zeichnet sich derzeit ab, dass ein deutsches Gesetz in Kraft getreten ist, ohne dass dafür alle anderen Rahmenbedingungen vorgelegen sind. Die erste wichtige Tatsache ist, dass das deutsche Waffengesetz die entsprechenden Schreckschusswaffen bereits jetzt frei stellt und sie der WBK Pflicht nicht mehr unterliegen. Wenn Behörden etwas anderes sagen, ist das schlichtweg falsch. Aber die Richtlinie EU 2019/69 sieht vor, dass alle Schreckschusswaffen durch ein Prüfverfahren müssen, das sie auf Ihre Konformität hin testet (beachtet die gegenteilige BMI Stellungnahme weiter oben, dass eine Konformitätsbescheinigung des Herstellers ausreichen würde). Und jetzt kommt eben der zweite wichtige Faktor, die Mitgliedsstaaten haben die behördeninternen "Meldewege" noch nicht aufgebaut. Keine deutsche Behörde, egal ob Waffenbehörde, BKA, LKA, Polizei, Beschussamt, PTB, Staatsanwaltschaft, Gerichte usw., kann derzeit eine ausländische Schreckschusswaffe rechtlich einstufen. Die PTB mag vielleicht bei einer speziellen Waffe der Meinung sein, dass diese nicht EU2019/69 konform ist. Aber Die PTB weiß überhaupt nicht, ob ein ausländisches Beschussamt bereits vor Monaten eine gegenteilige Konformitätsbescheinigung für dieses Waffenmodell erlassen hat.

 

Ein ausländischer Waffen-Großhändler hat mir mitgeteilt, dass die Schreckschusswaffen von zwei unterschiedlichen Herstellern, von zwei unterschiedlichen Prüfinstituten im EU-Ausland, als EU2019/69 konform bestätigt wurden (bereits vor vielen Monaten). Da mir bisher, trotz umfangreicher Bemühungen, keine schriftlichen Belege für diese Aussage vorliegen, kann ich dazu keine weiteren Details nennen. Wir merken hier zwar nicht viel davon, aber auch die anderen Mitgliedsländern sind zur Umsetzung der Richtlinie verpflichtet und sie kommen dem auch nach. Es ist sogar Deutschland, dass die Richtlinie mehrere Monate zu spät in nationales Recht umgesetzt hat. Wie Ihr in Artikel 4 Absatz 1 EU2019/69 entnehmen könnt, hätte jeder Mitgliedsstaat die Richtlinie bis spätestens zum 17.01.2020 umsetzen müssen.

 

Ich selber kenne übrigens keine Rechtsgrundlage für ein, in der EU einheitliches, Prüfzeichen (ähnlich dem PTB Zeichen), dass die EU2019/69 Konformität belegen soll. Ich konnte in der Richtlinie nichts entsprechendes finden und auch sonst ist mir nicht bekannt, dass die Mitgliedsländer etwas derartiges auf den geprüften Waffen aufbringen sollen. Natürlich würde das Sinn machen, aber wer versucht ein Gesetz mit einem "Sinn" zu verstehen, der wird sofort scheitern. Es zählt das, was im Gesetz steht. Und es gilt eben nicht das, was "Sinn" machen würde. Davon abgesehen setzen die Mitgliedsländer weitere Details national um, also können einzelne Staaten natürlich auch spezielle EU2019/69 Prüfzeichen einführen. Ich VERMUTE, dass die meisten Mitgliedsländer die Konformitätsprüfung schlichtweg zusammen mit der Beschussprüfung durchführen werden.

 

Ich rate immer noch dringend davon ab, sich jetzt im Ausland Schreckschusswaffen, ohne EU2019/69 Konformitätsbescheinigung, zu kaufen. Das kann sehr schnell ein Strafverfahren zur Folge haben. Die Meinungen der deutschen Behörden, zu diesem Thema, gehen immer noch massiv auseinander. Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, kenne ich weitere Details. Aber auch auf Anfragen hin, werde ich diese nicht nennen. Mir ist sehr wohl bewusst, wie viele das hier lesen. Jeder ist für sein Handeln selber verantwortlich. Und genau daher, kann ich es selber nicht verantworten hier zu sagen "...XY ist erlaubt...", weil ich weiß, dass das einige Behörden es eben anders sehen.


Sind vollautomatische Schreckschusswaffen jetzt erlaubt?

(Den folgenden Bericht habe ich etwa 03/2020 geschrieben)

 

 

Das WaffG-neu wurde erlassen und gilt ab Herbst 2020. Es ist wie es ist und wir müssen damit leben. Aber versuchen wir doch uns auf die wenigen guten Punkte daran zu konzentrieren:

Bei der in Deutschland von der PTB zugelassenen Version der Zoraki 925 ist die dritte Stellung des Feuerwahlhebels, für Dauerfeuer, deaktiviert.
Bei der in Deutschland von der PTB zugelassenen Version der Zoraki 925 ist die dritte Stellung des Feuerwahlhebels, für Dauerfeuer, deaktiviert.
Das hier ist die vollautomatische Zoraki "914-TD Auto" Schreckschusspistole in 9mm PAK ohne PTB-Zulassung. Die Sicherung hat drei Stellungen.
Das hier ist die vollautomatische Zoraki "914-TD Auto" Schreckschusspistole in 9mm PAK ohne PTB-Zulassung. Die Sicherung hat drei Stellungen.

Wie komme ich jetzt zu der These, dass vollautomatische Schreckschusswaffen bald in Deutschland erlaubt sind? Vollautomatische Schreckschusswaffen waren auch bisher überhaupt nicht verboten! Sie waren lediglich "erlaubnispflichtige, den Schusswaffen gleichgestellte Gegenstände" Denn das Verbot von Vollautomaten gilt nicht für Schreckschusswaffen, was in der WaffVwV steht.

 

"Tragbare Gegenstände nach Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2 Nummer 1.3 zum Abschießen von Munition, bei denen kein Geschoss durch den Lauf getrieben wird, gelten nicht als halb- oder vollautomatische Schusswaffen." (also nach 1.3 Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen) (HIER zu finden unter Abschnitt 1 Abschnitt 1Unterabschnitt 1 Nr. 2.2).

 

Im WaffG wird klar zwischen "Lauf" und "Gaslauf" unterschieden, und ein Geschoss wird bei Schreckschusswaffen auch nicht dort durch getrieben. Und Schreckschusswaffen sind auch Gegenstände nach Ablage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1.3. Man muss sich also sogar fragen, ob mit dieser Formulierung nicht sogar schon längst vollautomatische Schreckschusswaffen erlaubt werden sollten und die PTB diese jedoch eigenmächtig am Markt blockiert hat. Vollautomatische Luftdruckwaffen werden in diesem Absatz aber den verbotenen Vollautomaten zugerechnet.

 

Es war bisher so, dass die PTB keine Bauartzulassung für solche Waffen erteilt hat. Auf welcher Rechtsgrundlage das passiert ist weiß ich leider nicht. Die Frage ist also vor allem, ob das Handeln der PTB überhaupt rechtmäßig war? Die bisherigen nationalen Anforderungen für diese Zulassungen findet man in der BeschussV Anlage 1 Nr. 4. Auch dort gibt es keine Grundlage für ein Verbot vollautomatischer Schreckschusswaffen.

 

Da mit dem neuen Waffenrecht aber nun auch ausländische Schreckschusswaffen hier in Deutschland erlaubt werden, dürfen diese auch hier frei verkauft werden, wenn sie die neuen EU Anforderungen erfüllen und entsprechend gekennzeichnet sind. Diese rechtliche Regelung ist aber sehr neu und die jeweiligen Länder müssen das erst entsprechend umsetzen. Sie müssen also selber etwas ähnliches wie eine PTB-Prüfung schaffen. Die neuen EU Vorschriften für die Zulassung von Schreckschusswaffen sind hier zu finden: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0069. Und auch dort sind Vollautomaten nicht verboten.

 

Mit den neuen EU Gesetzen sollten bei uns auch Kaliber wie 8mm knall und .22 lang wieder bei Neuwaffen, mit ausländischer EU-Zulassung, möglich sein. Es sollten damit aber sogar alle CIP Kaliber für diese Zulassungen möglich sein, also auch z.B. .35R Knall.

 

Fazit:

Meiner Meinung nach wird es vermutlich noch etwa 1-2 Jahre dauern, bis wir solche Waffen wie die CSA Scorpion, oder die Zoraki 925, mit Dauerfeuerhebel hier in Deutschland kaufen können. Das ist jedenfalls meine Meinung und Auslegung der Rechtslage. Ob ich mit allem hier Recht habe kann ich natürlich auch nicht garantieren. Interessanterweise sind bei uns inzwischen auch Feuerwerkskörper aus dem EU-Ausland erlaubt worden, wenn sie in die Klasse 1 und 2 fallen. Das wurde so gemacht, damit Deutschland nicht weiter die ausländischen Hersteller mit der BAM-Zulassung benachteiligen kann.

 

Nachtrag von 08/2020:

Der VDB hat einige Fragen vom BMI beantworten lassen und das BMI meint, dass vollautomatische Schreckschusswaffen nicht erlaubt werden. Das BMI hat leider seine Aussage nicht anhand des WaffG dargelegt, weil ich dennoch denke, dass meine Rechtstheorie nicht von der Hand zu weisen ist. Nachzulesen ist das hier auf Seite 3:

https://www.vdb-waffen.de/downloads/editor/91yfw2_de.pdf

 

Wenn ein Waffenhändler einen BKA Feststellungsbescheid für eine vollautomatische "EU-Schreckschusswaffe" beantragt, wird sich vielleicht doch raus stellen, dass das BMI mit seiner Meinung Unrecht hat. Und vielleicht liege aber auch ich falsch.

 

 

Darf man mit EU-Schreckschusswaffen Pyros verschießen?

Wenn eine EU Regelung über nationale Gesetze drüber gestülpt wird, ist davon auszugehen, dass dabei auch etwas schief läuft. So ist es jetzt auch mit dem Schießen an Silvester.

Es gibt, bei den beiden hier gezeigten Abschussbechern, relevante Unterschiede im Aufbau. Sie stammen beide von Zoraki 906. Der Abschussbecher von der PTB geprüfte Pistole ist extra dafür gemacht, dass die pyrotechnischen 15mm Feuerwerkspatronen nicht mehr als 7,5 Joule entwickeln. Das ist eine der Anforderungen zur PTB Zulassung und es ist eine weitere Anforderung zum Schießen mit 15mm Feuerwerksmunition auf dem eigenen Grundstück. 

Die EU-Schreckschusswaffen sind von der Erlaubnispflicht für den Erwerb und Besitz frei gestellt. Mit Kartuschen darf man auf seinem eigenen befriedeten Besitztum ebenfalls damit schießen (gem. §12 Absatz 4 Nr. 1b WaffG). Aber das Schießen mit pyrotechnischer 15mm Munition ist laut §12 Absatz 4 Nr. 1a WaffG nur erlaubt, wenn die Geschosse die Mündungsenergie von 7,5 Joule nicht übersteigen. Aufgrund der Unterschiede in der Bauart VERMUTE ich, dass der hier gezeigte Abschussbecher einer EU-Zoraki 906 mehr als 7,5 Joule erreicht. Auch wenn das jetzt alles für den normalen Besitzer einer Schreckschusswaffe nicht mehr nachvollziehbar ist, meiner Meinung nach hat kein Käufer einer EU-Schreckschusswaffe mehr Rechtssicherheit, beim Silvesterschießen. Woher soll er wissen wie hoch die Mündungsenergie seiner Waffe ist? Sanktioniert wäre dieser Verstöß übrigens als Ordnungswidrigkeit ("Schieß-OWI"genannt). Es wäre also wegen der vorhandenen Rechtsunsicherheit eine Anpassung des genannten §12 Absatz 4 Nr. 1a erforderlich.

PTB Version (schwarz):

Breite waffenseitige Öffnung, damit das Einschrauben trotz der längeren und spitzen Laufsperre möglich ist.

Ca. 1,8mm Gaskanal im Becher

scharfkantig abzweigender Entlastungsgaskanal mit ca. 5,8mm Durchmesser

 

 

 

EU Version (silber):

Längeres Gewinde, da bei der EU-Version die Laufsperre tiefer im Lauf liegt

Rechtwinklig abzweigender Entlastungsgaskanal mit ca. 5mm Durchmesser

Ca. 2,8mm Gaskanal