Eine Glock kaufen, macht das noch Sinn?

Die Glock war eine geniale Entwicklung! Sie wird seit etwa 35 Jahren gebaut, ohne große Verbesserungen/Veränderungen. Das zeigt zum einen, wie gut das Konzept damals war. Das Konzept war wegweisend für ganze Generationen von Pistolen. Das Kunststoffgriffstück hat aber H&K als erstes auf den Markt gebracht mit der VP70. Meine Glock 17 hatte ich etwa 9 Jahren. Ich habe mit ihr etwa 5000 Schuss verschossen und hatte etwa 4 Ladehemmungen, wobei min. 2 aufgrund schlechter Munition zustande kamen. Ich hatte lange überlegt sie zu verkaufen, aber sie war einfach meine Pistole mit der ich einiges erlebt hatte und ich wusste, dass sie mich nie im Stich lässt wenn ich sie brauchen würde. Aber als ich eines Tages die Heckler & Koch SFP9-SK in den Händen hielt war meine Entscheidung innerhalb weniger Minuten gefallen, meine Glock zu verkaufen und zu ersetzen.

Die Glock ist bereits lange veraltet. Ihr Sicherheitskonzept hat zwei große Probleme. Der Abzug ist für eine Verteidigungspistole zu leicht, so dass es immer wieder zu Unfällen damit kommt. Gerade im privaten Bereich wo oft keine hochwertigen Holster verwendet werden kann es schnell dazu kommen, dass sich etwas im Abzug verfängt. Das Konzept derartiger Waffen ist für hochwertige Behördenholster ausgelegt. Das zweite Problem ist, dass man zum Zerlegen den Abzug betätigen muss, was für eine moderne Pistole völlig inakzeptabel ist. Es ist eine simple Rechnung zu wie vielen "Schusslösern" es jährlich kommt, wenn eine Polizeibehörde die Glock anschafft. Aus diesem Grund dürfen Polizisten in manchen US Staaten ihr Glock, zum Putzen nicht zerlegen, dafür werden die Revisionen in sehr kurzen Abständen durchgeführt, wobei sie in die Werkstatt geht. Ein weiteres großes Problem für Behördenaufträge war bisher, dass der Verschlussfang nur auf einer Seite war und sich auch nicht verlegen ließ. Alleine damit erfüllte sie in Deutschland nicht die technische Richtlinie für Polizeiwaffen.

 

Privatpersonen kaufen sich Pistolen, mit leichtem Abzug und ohne Sicherungshebel, weil sie das wollen, was auch die Behörden haben. Aber sie überlegen nicht, ob diese Waffen für sie überhaupt sinn machen. Ich konnte nicht raus finden, welche Pistole der Polizist in dem Video in seiner Freizeit getragen hat, aber ob es eine Glock war oder nicht, spielt gar keine so große Rolle. Wichtig ist bei diesem Video nur, dass es zu vielen derartigen Unfällen kommt.

 Jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Warum sollte man heutzutage eine Glock 17 für 700,- kaufen, wenn man eine H&K SFP9 für 750,- bekommt? Oder eine CZ P10 für nur 480 Euro. Meiner Meinung nach kann die Antwort nur das umfangreiche Angebot an Zubehör für die Glock sein. Ich selber lehne aber fast alle Tuningmaßnahmen, und Anbauten von Zubehör, an Verteidigungswaffen entschieden ab. Sportschützen können das ja gerne machen, aber wer eine Verteidigungswaffe will sollte sich lieber auf die Konstruktion der Hersteller verlassen, wie sie ist. HIER erzähle ich bereits etwas über meine Erfahrungen mit derartigen Umbauten.

Und auch wer so eine kleine und schmale Pistole wie die Glock 43 haben möchte, sollte sich lieber die Walther PPS oder die Sig365 anschauen. Auch Taurus hat einige derartige Waffen für wenig Geld.

(Quelle: https://www.czub.cz/en/firearms-and-products-product/cz-p-10-m)

 

Schaut Euch mal die gerade eben vorgestellte CZ P-10 Micro an. Auf den ersten Blick unterscheidet sie nicht viel von der Glock 43. Sie hat zum Zerlegen einen Stift der seitlich aus dem Gehäuse gedrückt werden muss. Das ist zwar umständlicher, als ein Hebel, aber es ist viel sicherer. Zusätzlich verfügt sie über keinen äußeren Verschlussfanghebel. Das hat nur bedingt etwas damit zu tun, dass man die Waffe schmaler machen will. Denn bei der modernen Waffenhaltung, wo beide Daumen seitlich am Griffstück anliegen, wird ein Verschlussfanghebel fast immer nach unten gedrückt und die Waffe bleibt nach dem letzten Schuss nicht mehr offen. Die neue russische Armeepistole Udav hat aus diesem Grund ebenfalls keinen Verschlussfanghebel mehr. Zusätzlich wird die P-10 Micro 100 Euro weniger kosten, als eine Glock, und bereits mit einem Tritiumvisier ausgeliefert. 

 

Glock wird vermutlich das selbe Schicksal erleiden wie Mag-Lite. Mag-Lite gibt es zwar noch, aber sie stellen nur noch "Schwachsinn" her, den niemand mehr haben möchte. In 20 Jahren wird Glock den Anschluss verpasst haben und ist weg vom Markt. Seit der Einführung der Glock 17 hat beispielsweise H&K die USP, P2000, P 30 und SFP9 auf den Markt gebracht. Jeweils in ganzen Modellfamilien in unterschiedlichen Größen, mit Trainigswaffen usw. Glock bedeutet für mich Stillstand bei der Waffenentwicklung. Und das ist sicher nicht das was Schützen anstreben.

Meine Glock hat mich lange begleitet, meist beim Jagdschutz.
Meine Glock hat mich lange begleitet, meist beim Jagdschutz.

Mittlerweile konnte ich nicht nur mit der 4. Generation der Glock, sondern auch mit der Glock 46 (Behördenwaffe mit Drehlauf), etwas Erfahrungen sammeln. Und ich bleibe bei meinem Fazit: Glock wird in einigen Jahren massiven Schiffbruch erleiden... Ich würde mir keine Glock mehr kaufen! Und ganz sicher würde ich auch keine Glock 46 kaufen.

Ich habe mal mit einem RUAG Vertreter gesprochen. Das ist der Generalimporteur von Glock in Deutschland. Er meinte, dass die Glock kein Sicherheitsproblem beim Zerlegen hat. "Schießunfälle beim Zerlegen würden bei Behörden nur aufgrund mangelnder Ausbildung zustande kommen". Das ist komplett falsch! Wenn eine Behörde 10.000 bewaffnete Mitarbeiter hat kann man nach wenigen Jahren schnell errechnen zu wie vielen Schusslösern es im nächsten Jahr beim Waffenreinigen kommen wird. Das hat nichts mit der Ausbildung der Waffenträger zu tun! Man kann die Einsatzkräfte ausbilden wie man will, es wird dennoch zu Unfällen kommen. Es ist schlichtweg ein Sicherheitsproblem der Glock. Und der Hersteller hat kein Interesse dieses massive Problem zu lösen. Das ist ganz schön schwach. Andere Hersteller lösen solche Probleme schnell, Glock interessiert das aber überhaupt nicht. Und das Problem auf die Nutzer abzuwälzen und denen die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben ist erbärmlich.

 

Den Verkauft meiner Glock bereue ist überhaupt nicht. Schaut Euch mal Pistolen an wie die Rex Delta, die IWI Masada, die Beretta APX, H&K SFP9, die Steyr A2 MF oder die Sig P320 an. Mit diesen modernen Pistolen kann Glock technisch schon lange nicht mehr mithalten. Und da ich vor allem aus Österreich viel Kritik für meine Meinung bekommen habe will Ich Euch auch klar sagen, dass Steyr dieses Sicherheitsproblem schnell erkannt hat. Die alte Steyr M9 Pistole musste auch zum Zerlegen abgeschlagen werden. Aber da die Mitarbeiter von Steyr Verantwortung übernommen haben, wurde dieses Problem sehr schnell gelöst. Und die aktuellen Steyr Pistolen sind technisch auf dem neuesten Stand und den Glock Pistolen schlichtweg überlegen.

 

Nachtrag von 12/2019:

So viele Mails habe ich von Euch hierzu bekommen... Dass ich mir mit meiner Meinung keine Freunde mache ist mir klar, aber bisher konnte noch niemand meine Meinung ändern. Und zum Glück bin ich ein unabhängiger Blogger und kann offen und ehrlich meine Meinung sagen.

Blind an eine Marke glauben...

Nachtrag von 01/2020:

Das sagte Tommy Lee Jones 1993 im Film "auf der Flucht". Das ist jetzt 27 Jahre her. Ich sage heute jedem potentiellen Glock Käufer: "Fällt Dir nichts Besseres ein"

Ich habe so viele Zuschriften von Euch bekommen wegen meiner Meinung zur Glock. Die meisten davon waren sehr kritisch. Bei einigen konnte man sogar Zorn gegen meine Meinung raus hören. Aber einige waren auch dabei die mir 100%ig Recht gegeben haben. Vor etwa 4 Wochen hab ich eine interessante Mail eines Leser bekommen der meinte, dass man bei Glock sieht, wie viele Menschen blind an eine Marke glauben, ohne dabei etwas zu hinterfragen. Und in den letzten Tagen kam eine Mail, wo mir ein Leser von zwei "Schusslösern" beim Zerlegen der Glock berichtete, die sehr gut ausgebildeten Berufswaffenträgern (aus Spezialeinheiten) passiert sind. Und auch in meinem Umfeld kam es zu einem Unfall mit einer Glock, wobei ich die Details nicht öffentlich darlegen will. Und überlegt jetzt noch Folgendes: Kaum ein privater Glock Besitzer (Jäger und Sportschützen) wird von seinem "Schusslöser" erzählen, den er Zuhause hatte? Berufswaffenträger sind idR. gezwungen "Schusslöser" zu melden, private Waffenbesitzer hüllen mit etwas Spachtelmasse meist den Mantel des Schweigens darüber. Die Dunkelziffer liegt dabei also logischerweise sehr hoch.

 

Ich verstehe warum ich böse Mails zu diesem Bericht hier bekomme. Schützen und Waffenträger wollen sich eine gute Pistole kaufen, sie holen sich Rat ein und kommen zu dem Schluss, dass die Glock die beste Pistole am Markt ist, bzw. dass man mit ihr nichts falsch macht. Und schließlich führen tausende Behörden weltweit diese Pistole und daher sind sie stolz auf ihren Kauf. Und dann lesen sie das hier auf meinem Blog und fühlen sich gekränkt. Und nicht nur, dass ich ihre Wahl kritisiere, ich muss auch Unrecht haben, denn schließlich kaufen immer noch Behörden die Glock.... Aber wäre unsere Welt nicht langweilig wenn alle die selbe Meinung hätten? Ich sage auch offen, dass ich E-Autos scheiße und sinnlos finde, obwohl ich mir auch mit dieser Meinung nur wenig Freunde mache. Seit einigen Jahren mache ich um den Glock Stand auf der IWA einen großen Bogen. Neuigkeiten gibt es dort eh nicht zu sehen. Aber hunderte Menschen belagern den Stand und berichten über kleine Designänderungen, als ob Glock mit "Front Serrations" , oder einer anderen Oberflächenfarbe usw. das Rad neu erfunden hätte.

Andere Waffenhersteller machen es besser Als Glock!

Die EGP65 war die günstigste und einfachste Schreckschusspistole von Erma. Sie besitzt eine simple und geniale "Zwangssteuerung". Der Abzugsbügel ist nach hinten so verlängert, dass er zum Zerlegen nur nach unten gezogen werden kann, wenn zuvor das Magazin entfernt wurde.

Bei der Walther PPS wird die Waffe gefahrlos entspannt durch das Entfernen des Griffrückens. Erst danach wird der Zerlegehebel betätigt.

Die H&K SFP9 besitzt ebenfalls eine "Zwangssteuerung". Erst nach dem Entnehmen des Magazins und dem Zurückziehen vom Verschluss kann der Zerlegehebel umgelegt werden. Es ist daher unmöglich, dass sich nach dem Zerlegen noch eine Patrone in der Waffe befindet. Den Abzug muss man bei diesen Waffen zum Zerlegen nicht betätigen. Mit diesem Sicherheitskonzept der SFP9 kann kaum eine andere Dienstpistole mithalten. Dieses Sicherheitskonzept ist dermaßen genial, dass es für manche Beschaffer schwer wird den Kauf anderer Dienstpistolen zu vertreten. Und dennoch glauben viele Waffenbesitzer die Verleumdungen der Konkurrenz gegen H&K (angebliche Absprachen mit den Beschaffern von Behörden usw.).

 

Nachtrag 02/2020: Und auch wenn ich mittlerweile für diesen Bericht hier sogar beleidigt werde, werde ich weiterhin meine Meinung öffentlich sagen. kauft gerne weiterhin Glock Pistolen und habt Freude daran. Ich habe aber bereits einmal mit eigenen Augen gesehen welches Unheil die Kombination einer Glock mit einem minderwertigen Holster angerichtet hat. Und weil das hier von so vielen gelesen wird erzähle ich Euch noch eine weitere kleine Geschichte zur Glock. Ein älterer Bekannter von mir (Jäger, Büchsenmachermeister und Olympiaschütze) besaß eine Glock 43. Diese trug er immer fertig geladen in der Hosentasche! Und eines Tages sah ich mit eigenen Augen wie er seine Glock entlud, er hatte hierbei den Finger am Abzug, richtete sie gegen seinen Bauch und drückte mit der linken Hand den Verschluss zurück! Ich erzähle genau dieses eigene Erlebnis hier, weil bzgl. der Glock immer über den sicheren Umgang von Berufswaffenträgern, mit ihren Dienstwaffen, gelästert wird. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass dieser bei Jägern und Sportschützen wesentlich schlechter ist. Und auch dieser Bekannte von mir meinte, dass er sehr gut mit Waffen umgehen kann....

 

Und wenn Ihr mir nicht glaubt, ist hier eine entsprechende Erzählung eines englischen Polizisten. Er berichtet ebenfalls von einer "erstaunlichen Zahl versehentlicher Schusslöser" aus den dienstlichen Glock 17. Das Buch habe ich mir vor einigen Jahren in London am Flughafen gekauft. Es scheint mir eine zuverlässigere Quelle zu sein, wie das Stammtischgerede im Schützenverein.

 

 

Die Glock 17 wird bei fast allen bewaffneten Einheiten der englischen Polizei verwendet (Buch: Terror Cops von Harry Keeble und Kris Hollington).
Die Glock 17 wird bei fast allen bewaffneten Einheiten der englischen Polizei verwendet (Buch: Terror Cops von Harry Keeble und Kris Hollington).
Meine eigenen Erfahrungen fand ich in diesem Buch bestätigt. Ein Bändel verfing sich, beim Holstern, im Abzug der Glock und ein Beamter war schwer verletzt.
Meine eigenen Erfahrungen fand ich in diesem Buch bestätigt. Ein Bändel verfing sich, beim Holstern, im Abzug der Glock und ein Beamter war schwer verletzt.

 

Tut mir bitte einen Gefallen und schreibt mir keine Lesermails mehr zu diesem Bericht hier, wenn Ihr mir erzählen wollt, dass "die Glock so toll ist...". Ich habe im Laufe der Jahre hunderte gegenteilige Meinungen gehört und sie sind mir mittlerweile recht egal. Es ist Euch unbenommen einen eigenen Blog zu betreiben mit dem Titel "Glock Pistolen sind so toll...". Aber das hier ist mein Blog, hier sage ich meine Meinung, die nicht von der Industrie beeinfluss ist und da veröffentliche ich auch sicher keine Gastbeiträge mit "Die Glock Pistolen sind so toll...", wenn ich sie selber für handhabungsunsicher halte.

 

Ihr dürft gerne weiter über mich lästern, mich als dumm und unwissend bezeichnen und beleidigen. Aber beschwert Euch nicht, wenn auch Ihr eines Tages das Blut eines Glock-Unfalls weg putzen müsst und im Krankenhaus um das Leben eines Euch lieben Menschen bangen müsst, wie ich vor einigen Jahren.

 

Nachtrag von 07/2020: Das riesige Interesse an diesem Bericht hier lässt nicht nach und auch nicht die diesbezüglichen Verleumdungen gegen mich. Offenbar beschäftigt die "Glock Fans" mein Bericht aus irgend einem Grund doch sehr... sie schaffen es jedenfalls nicht ihn zu ignorieren. Nicht ich habe ein Problem mit der sicheren Handhabung der Glock, aber sehr viele andere Waffenbesitzer, bei denen sich täglich Schüsse beim Zerlegen lösen! Und dass nicht nur ich das System der Glock für problematisch halte beweisen die Entwicklungen der modernen Steyr Pistolen und der CZ-P10M, wo genau das selbe System geändert wurde.

 

Glock Pistolen kritisieren ist wie "Jehova" sagen: