Eine Glock kaufen, macht das noch Sinn?

Die Glock war eine geniale Entwicklung! Sie wird seit etwa 35 Jahren gebaut, ohne große Verbesserungen/Veränderungen. Das zeigt wie gut das Konzept damals war. Das Konzept war wegweisend für ganze Generationen von Pistolen. Das Kunststoffgriffstück hat aber H&K als erstes auf den Markt gebracht mit der VP70. Meine Glock 17 hatte ich etwa 9 Jahre. Ich habe mit ihr etwa 5000 Schuss verschossen und hatte etwa 4 Ladehemmungen, wobei min. 2 aufgrund schlechter Munition zustande kamen. Ich hatte lange überlegt sie zu verkaufen, aber sie war einfach meine Pistole mit der ich einiges erlebt hatte und ich wusste, dass sie mich nie im Stich lässt wenn ich sie brauchen würde. Aber als ich eines Tages die Heckler & Koch SFP9-SK in den Händen hielt war meine Entscheidung innerhalb weniger Minuten gefallen, meine Glock zu verkaufen und zu ersetzen.

Die Glock ist bereits lange veraltet. Ihr Sicherheitskonzept hat zwei große Probleme. Der Abzug ist für eine Verteidigungspistole zu leicht, so dass es immer wieder zu Unfällen damit kommt. Gerade im privaten Bereich wo oft keine hochwertigen Holster verwendet werden kann es schnell dazu kommen, dass sich etwas im Abzug verfängt. Das Konzept derartiger Waffen ist für hochwertige Behördenholster ausgelegt. Das zweite Problem ist, dass man zum Zerlegen den Abzug betätigen muss, was für eine moderne Pistole völlig inakzeptabel ist. Es ist eine simple Rechnung zu wie vielen "Schusslösern" es jährlich kommt, wenn eine Polizeibehörde die Glock anschafft. Aus diesem Grund dürfen Polizisten in manchen US Staaten ihr Glock, zum Putzen nicht zerlegen, dafür werden die Revisionen in sehr kurzen Abständen durchgeführt, wobei sie in die Werkstatt geht. Ein weiteres großes Problem für Behördenaufträge war bisher, dass der Verschlussfang nur auf einer Seite war und sich auch nicht verlegen ließ. Alleine damit erfüllte sie in Deutschland nicht die technische Richtlinie für Polizeiwaffen.

 

Privatpersonen kaufen sich Pistolen, mit leichtem Abzug und ohne Sicherungshebel, weil sie das wollen, was auch die Behörden haben. Aber sie überlegen nicht, ob diese Waffen für sie überhaupt sinn machen. Ich konnte nicht raus finden, welche Pistole der Polizist in dem Video in seiner Freizeit getragen hat, aber ob es eine Glock war oder nicht, spielt gar keine so große Rolle. Wichtig ist bei diesem Video nur, dass es zu vielen derartigen Unfällen kommt. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Dienstpistolen und Verteidigungspistolen.

 Jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Warum sollte man heutzutage eine Glock 17 für 700,- kaufen, wenn man eine H&K SFP9 für 750,- bekommt? Oder eine CZ P10 für nur 480 Euro. Meiner Meinung nach kann die Antwort nur das umfangreiche Angebot an Zubehör für die Glock sein. Ich selber lehne aber fast alle Tuningmaßnahmen, und Anbauten von Zubehör, an Verteidigungswaffen entschieden ab. Sportschützen können das ja gerne machen, aber wer eine Verteidigungswaffe will sollte sich lieber auf die Konstruktion der Hersteller verlassen, wie sie ist. HIER erzähle ich bereits etwas über meine Erfahrungen mit derartigen Umbauten.

Und auch wer so eine kleine und schmale Pistole wie die Glock 43 haben möchte, sollte sich lieber die Walther PPS oder die Sig365 anschauen. Auch Taurus hat einige derartige Waffen für wenig Geld.

(Quelle: https://www.czub.cz/en/firearms-and-products-product/cz-p-10-m)

 

Schaut Euch mal die gerade eben vorgestellte CZ P-10 Micro an. Auf den ersten Blick unterscheidet sie nicht viel von der Glock 43. Sie hat zum Zerlegen aber einen Stift der seitlich aus dem Gehäuse gedrückt werden muss. Das ist zwar umständlicher, als ein Hebel, aber es ist viel sicherer. Zusätzlich verfügt sie über keinen äußeren Verschlussfanghebel. Das hat nur bedingt etwas damit zu tun, dass man die Waffe schmaler machen will. Denn bei der modernen Waffenhaltung, wo beide Daumen seitlich am Griffstück anliegen, wird ein Verschlussfanghebel fast immer nach unten gedrückt und die Waffe bleibt nach dem letzten Schuss nicht mehr offen. Die neue russische Armeepistole Udav hat aus diesem Grund ebenfalls keinen Verschlussfanghebel mehr. Zusätzlich wird die P-10 Micro 100 Euro weniger kosten, als eine Glock, und bereits mit einem Tritiumvisier ausgeliefert. 

 

Glock wird vermutlich das selbe Schicksal erleiden wie Mag-Lite. Mag-Lite gibt es zwar noch, aber sie stellen nur noch "Schwachsinn" her, den niemand mehr haben möchte. In 20 Jahren wird Glock den Anschluss verpasst haben und ist weg vom Markt. Seit der Einführung der Glock 17 hat beispielsweise H&K die USP, P2000, P 30 und SFP9 auf den Markt gebracht. Jeweils in ganzen Modellfamilien in unterschiedlichen Größen, mit Trainigswaffen usw. Glock bedeutet für mich Stillstand bei der Waffenentwicklung. Und das ist sicher nicht das was Schützen anstreben.

Meine Glock hat mich lange begleitet, meist beim Jagdschutz.
Meine Glock hat mich lange begleitet, meist beim Jagdschutz.

Mittlerweile konnte ich nicht nur mit der 4. Generation der Glock, sondern auch mit der Glock 46 (Behördenwaffe mit Drehlauf), etwas Erfahrungen sammeln. Und ich bleibe bei meinem Fazit: Glock wird in einigen Jahren massiven Schiffbruch erleiden... Ich würde mir keine Glock mehr kaufen! Und ganz sicher würde ich auch keine Glock 46 kaufen.

Ich habe mal mit einem RUAG Vertreter gesprochen. Das ist der Generalimporteur von Glock in Deutschland. Er meinte, dass die Glock kein Sicherheitsproblem beim Zerlegen hat. "Schießunfälle beim Zerlegen würden bei Behörden nur aufgrund mangelnder Ausbildung zustande kommen". Das ist komplett falsch! Wenn eine Behörde 10.000 bewaffnete Mitarbeiter hat kann man nach wenigen Jahren schnell errechnen zu wie vielen Schusslösern es im nächsten Jahr beim Waffenreinigen kommen wird. Das hat nichts mit der Ausbildung der Waffenträger zu tun! Man kann die Einsatzkräfte ausbilden wie man will, es wird dennoch zu Unfällen kommen. Es ist schlichtweg ein Sicherheitsproblem der Glock. Und der Hersteller hat kein Interesse dieses massive Problem zu lösen. Das ist ganz schön schwach. Andere Hersteller lösen solche Probleme schnell, Glock interessiert das aber überhaupt nicht. Und das Problem auf die Nutzer abzuwälzen und denen die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben ist erbärmlich.

 

Den Verkauft meiner Glock bereue ist überhaupt nicht. Schaut Euch mal Pistolen an wie die Rex Delta, die IWI Masada, Walther PPQBeretta APX, H&K SFP9, die Steyr A2 MF oder die Sig P320 an. Mit diesen modernen Pistolen kann Glock technisch schon lange nicht mehr mithalten. Und da ich vor allem aus Österreich viel Kritik für meine Meinung bekommen habe will Ich Euch auch klar sagen, dass Steyr dieses Sicherheitsproblem schnell erkannt hat. Die alte Steyr M9 Pistole musste auch zum Zerlegen abgeschlagen werden. Aber da die Mitarbeiter von Steyr Verantwortung übernommen haben, wurde dieses Problem sehr schnell gelöst. Und die aktuellen Steyr Pistolen sind technisch auf dem neuesten Stand und den Glock Pistolen schlichtweg überlegen.

 

Nachtrag von 12/2019:

So viele Mails habe ich von Euch hierzu bekommen... Dass ich mir mit meiner Meinung keine Freunde mache ist mir klar, aber bisher konnte noch niemand meine Meinung ändern. Und zum Glück bin ich ein unabhängiger Blogger und kann offen und ehrlich meine Meinung sagen.

Blind an eine Marke glauben...

Das sagte Tommy Lee Jones 1993 im Film "auf der Flucht". Das ist jetzt 27 Jahre her. Ich sage heute jedem potentiellen Glock Käufer: "Fällt Dir nichts Besseres ein"

Ich habe so viele Zuschriften von Euch bekommen wegen meiner Meinung zur Glock. Die meisten davon waren sehr kritisch. Bei einigen konnte man sogar Zorn gegen meine Meinung raus hören. Aber einige waren auch dabei die mir 100%ig Recht gegeben haben. Vor etwa 4 Wochen hab ich eine interessante Mail eines Leser bekommen der meinte, dass man bei Glock sieht, wie viele Menschen blind an eine Marke glauben, ohne dabei etwas zu hinterfragen. Und in den letzten Tagen kam eine Mail, wo mir ein Leser von zwei "Schusslösern" beim Zerlegen der Glock berichtete, die sehr gut ausgebildeten Berufswaffenträgern (aus Spezialeinheiten) passiert sind. Und auch in meinem Umfeld kam es zu einem Unfall mit einer Glock, wobei ich die Details nicht öffentlich darlegen will. Und überlegt jetzt noch Folgendes: Kaum ein privater Glock Besitzer (Jäger und Sportschützen) wird von seinem "Schusslöser" erzählen, den er Zuhause hatte? Berufswaffenträger sind idR. gezwungen "Schusslöser" zu melden, private Waffenbesitzer hüllen mit etwas Spachtelmasse meist den Mantel des Schweigens darüber. Die Dunkelziffer liegt dabei also logischerweise sehr hoch.

 

Ich verstehe warum ich böse Mails zu diesem Bericht hier bekomme. Schützen und Waffenträger wollen sich eine gute Pistole kaufen, sie holen sich Rat ein und kommen zu dem Schluss, dass die Glock die beste Pistole am Markt ist, bzw. dass man mit ihr nichts falsch macht. Und schließlich führen tausende Behörden weltweit diese Pistole und daher sind sie stolz auf ihren Kauf. Und dann lesen sie das hier auf meinem Blog und fühlen sich gekränkt. Und nicht nur, dass ich ihre Wahl kritisiere, ich muss auch Unrecht haben, denn schließlich kaufen immer noch Behörden die Glock.... Aber wäre unsere Welt nicht langweilig wenn alle die selbe Meinung hätten? Ich sage auch offen, dass ich E-Autos scheiße und sinnlos finde, obwohl ich mir auch mit dieser Meinung nur wenig Freunde mache. Seit einigen Jahren mache ich um den Glock Stand auf der IWA einen großen Bogen. Neuigkeiten gibt es dort eh nicht zu sehen. Aber hunderte Menschen belagern den Stand und berichten über kleine Designänderungen, als ob Glock mit "Front Serrations" , oder einer anderen Oberflächenfarbe usw. das Rad neu erfunden hätte.

Andere Waffenhersteller machen es besser Als Glock!

Die EGP65 war die günstigste und einfachste Schreckschusspistole von Erma. Sie besitzt eine simple und geniale "Zwangssteuerung". Der Abzugsbügel ist nach hinten so verlängert, dass er zum Zerlegen nur nach unten gezogen werden kann, wenn zuvor das Magazin entfernt wurde.

Bei der Walther PPS wird die Waffe gefahrlos entspannt durch das Entfernen des Griffrückens. Erst danach wird der Zerlegehebel betätigt.

Die H&K SFP9 besitzt ebenfalls eine "Zwangssteuerung". Erst nach dem Entnehmen des Magazins und dem Zurückziehen vom Verschluss kann der Zerlegehebel umgelegt werden. Es ist daher unmöglich, dass sich nach dem Zerlegen noch eine Patrone in der Waffe befindet. Den Abzug muss man bei diesen Waffen zum Zerlegen nicht betätigen. Mit diesem Sicherheitskonzept der SFP9 kann kaum eine andere Dienstpistole mithalten. Dieses Sicherheitskonzept ist dermaßen genial, dass es für manche Beschaffer schwer wird den Kauf anderer Dienstpistolen zu vertreten. Und dennoch glauben viele Waffenbesitzer die Verleumdungen der Konkurrenz gegen H&K (angebliche Absprachen mit den Beschaffern von Behörden usw.).

 

Nachtrag 02/2020: Und auch wenn ich mittlerweile für diesen Bericht hier sogar beleidigt werde, werde ich weiterhin meine Meinung öffentlich sagen. kauft gerne weiterhin Glock Pistolen und habt Freude daran. Ich habe aber bereits einmal mit eigenen Augen gesehen welches Unheil die Kombination einer Glock mit einem minderwertigen Holster angerichtet hat. Und weil das hier von so vielen gelesen wird erzähle ich Euch noch eine weitere kleine Geschichte zur Glock. Ein älterer Bekannter von mir (Jäger, Büchsenmachermeister und Olympiaschütze) besaß eine Glock 43. Diese trug er immer fertig geladen in der Hosentasche! Und eines Tages sah ich mit eigenen Augen wie er seine Glock entlud, er hatte hierbei den Finger am Abzug, richtete sie gegen seinen Bauch und drückte mit der linken Hand den Verschluss zurück! Ich erzähle genau dieses eigene Erlebnis hier, weil bzgl. der Glock immer über den sicheren Umgang von Berufswaffenträgern, mit ihren Dienstwaffen, gelästert wird. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass dieser bei Jägern und Sportschützen wesentlich schlechter ist. Und auch dieser Bekannte von mir meinte, dass er sehr gut mit Waffen umgehen kann....

 

Und wenn Ihr mir nicht glaubt, ist hier eine entsprechende Erzählung eines englischen Polizisten. Er berichtet ebenfalls von einer "erstaunlichen Zahl versehentlicher Schusslöser" aus den dienstlichen Glock 17. Das Buch habe ich mir vor einigen Jahren in London am Flughafen gekauft. Es scheint mir eine zuverlässigere Quelle zu sein, wie das Stammtischgerede im Schützenverein.

 

 

Die Glock 17 wird bei fast allen bewaffneten Einheiten der englischen Polizei verwendet (Buch: Terror Cops von Harry Keeble und Kris Hollington).
Die Glock 17 wird bei fast allen bewaffneten Einheiten der englischen Polizei verwendet (Buch: Terror Cops von Harry Keeble und Kris Hollington).
Meine eigenen Erfahrungen fand ich in diesem Buch bestätigt. Ein Bändel verfing sich, beim Holstern, im Abzug der Glock und ein Beamter war schwer verletzt.
Meine eigenen Erfahrungen fand ich in diesem Buch bestätigt. Ein Bändel verfing sich, beim Holstern, im Abzug der Glock und ein Beamter war schwer verletzt.

 

Tut mir bitte einen Gefallen und schreibt mir keine Lesermails mehr zu diesem Bericht hier, wenn Ihr mir erzählen wollt, dass "die Glock so toll ist...". Ich habe im Laufe der Jahre hunderte gegenteilige Meinungen gehört und sie sind mir mittlerweile recht egal. Es ist Euch unbenommen einen eigenen Blog zu betreiben mit dem Titel "Glock Pistolen sind so toll...". Aber das hier ist mein Blog, hier sage ich meine Meinung, die nicht von der Industrie beeinfluss ist und da veröffentliche ich auch sicher keine Gastbeiträge mit "Die Glock Pistolen sind so toll...", wenn ich sie selber für handhabungsunsicher halte.

 

Ihr dürft gerne weiter über mich lästern, mich als dumm und unwissend bezeichnen und beleidigen. Aber beschwert Euch nicht, wenn auch Ihr eines Tages das Blut eines Glock-Unfalls weg putzen müsst und im Krankenhaus um das Leben eines Euch lieben Menschen bangen müsst, wie ich vor einigen Jahren.

 

Nachtrag von 07/2020: Das riesige Interesse an diesem Bericht hier lässt nicht nach und auch nicht die diesbezüglichen Verleumdungen gegen mich. Offenbar beschäftigt die "Glock Fans" mein Bericht aus irgend einem Grund doch sehr... sie schaffen es jedenfalls nicht ihn zu ignorieren. Nicht ich habe ein Problem mit der sicheren Handhabung der Glock, aber sehr viele andere Waffenbesitzer, bei denen sich täglich Schüsse beim Zerlegen lösen! Und dass nicht nur ich das System der Glock für problematisch halte beweisen die Entwicklungen der modernen Steyr Pistolen und der CZ-P10M, wo genau das selbe System geändert wurde.

 

Glock Pistolen kritisieren ist wie "Jehova" sagen:

 

Nachtrag von 09/2021: Wer hätte das nur gedacht, die Panik Käufer versuchen alle Ihre Glocks gegen sinnvollere Waffen einzutauschen. Schaut Euch auch dieses Video von diesem Waffengeschäft an, wo sie bei min. 9:37 erzählt, dass viele zu jeder Pistole Glock sagen, weil sie noch nie von etwas anderem gehört haben ("blind an eine Marke glauben").

Nachtrag von 10/2021: Ich habe gerade von einem Leser das Buch "Glock - The Rise of Americas Gun" von Paul Barrett ausgeliehen. Darin findet man viele sehr interessante Informationen.

Seite 146-147: Hoffentlich kennt jeder Glock Besitzer Massad Ayoob. Er ist vermutlich der wichtigste Experte für das Verteidigungsschießen in den USA. Er meint, dass die Glock eine Militär und Sportpistole ist. Er hielt sie aber für keine Selbstverteidigungswaffe, wegen dem fehlenden Sicherungshebel und dem zu leichtgängigen Abzug. Er meinte, dass dieses verantwortlunglose Handeln genau so wäre, wie wenn ein Autohersteller behauptet, dass man keine Sicherheitsgurte und Airbags braucht, man müsste ja nur einen Unfall vermeiden.

 

Hast Du übrigens gewusst, warum die Bauweise der Glock Koffer geändert wurde? Viele Glock Besitzer haben die geladenen Pistolen in die Box gelegt. Hierbei hat der Dorn der Box, der im Abzugsbügel zu liegen kommt, den Abzug betätigt.

Eine Dienstpistole ist eine schlechte private Verteidigungswaffe!

Ein Freund hat meinen Bericht über die Glock kritisiert. Er meinte, dass ich die Glock Besitzer als dumm darstellen würde. Auch er fühlte sich merkbar angegriffen. Damit hatte ich nicht gerechnet, obwohl ich mich regelmäßig über seine Glock lustig gemacht hatte. Offenbar habe ich mich hier auf dem Blog und ihm gegenüber doch etwas falsch verhalten. Ich bitte alle Glock Besitzer, die sich wirklich von mir angegriffen fühlen, das zu entschuldigen. Durch die vielen persönlichen Angriffe auf mich, die dieser Bericht hier initiiert hat, die Lügen und Verleumdungen im Internet gegen mich usw. habe ich mich vielleicht auch etwas falsch verhalten und ausgdrückt. Aber ich sage Euch auch, woher das vermutlich gekommen ist. Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass mich selber direkt ein Glock-Unfall betroffen hat (es war ein Freund von mir, der dabei fast gestorben wäre). Hierbei hat es sich eben nicht um einen vermeidbaren Handhabungsfehler beim Zerlegen gehandelt. Er hat die Pistole lediglich falsch gegriffen und ist in den Abzug gekommen. So ein Erlebnis bringt einen dazu die Waffentechnik und Handhabung in einem ganz anderen Licht zu sehen. Sicherheit ist nämlich wichtiger als eine schnelle Schussbereitschaft! Bevor ich einen Nachtrag hier geschrieben habe erzählte mir ein Leser, dass sich eben bei einem seiner Freunde (SEK Beamter) ein Schuss aus der Glock gelöst hat. Ich schrieb meinen Nachtrag und zwei Tage später lese ich im Internet, "Der Tactical-Dad ist zu dumm um vor dem Zerlegen eine Sicherheitsüberprüfung durchzuführen". Das macht einen natürlich zornig. Nein, nicht ich bin zu blöd dafür, ich berichte nur über diese Gefahren und will Euch meine eigenen Erfahrungen weitergeben. Und genau das sind die Gründe, warum mein Bericht hier teilweise vielleicht etwas arrogant und überheblich rüber gekommen ist. Aber glaubt mir eines, von diesen Unfällen erfährt meist niemand etwas, sie stehen idR. nicht in der Presse. Egal ob sie im privaten oder dienstlichen Bereich passieren. Auf Facebook wird auch niemand groß rum erzählen, dass er eben seinen Garderobenschrank "erschossen" hat, oder in die Entladekiste seines Sicherheitsdienstes geschossen hat.

 

Es geht mir um zwei Punkte und ich habe den Eindruck, dass diese von vielen Lesern etwas missverstanden werden. Es geht mir hier nur zum Teil darum, die Glock zu kritisieren. Wie ich schon weiter oben geschrieben habe, halte ich sie für hochwertig, zuverlässig und bewährt (aber eben auch für veraltet, überbewertet und gefährlich). Es geht mir hier nämlich auch um einen Punkt, den viele (fast alle) moderne Dienstpistolen haben. Sie sind so konstruiert, dass sie sofort feuerbereit sind. Das war schon eine Forderung aus den 70er Jahren. Es kam bei den Walther PP und PPK immer wieder vor, dass Polizisten schießen wollten, aber im Stress das Entsichern oder Durchladen (je nach vorherigem Ladezustand) vergessen hatten. Das wollte man verhindern und es wurden die Walther P5, Sig-Sauer P6 und H&K P7 eingeführt. Dazu kommt der immer gleich bleibende Abzugswiderstand. Da DAO Pistolen sich wirklich nicht toll schießen, schätzen alle das teil vorgespannte System der Glock.

 

Es geht auch um den Unterschied, zwischen dem Schießen auf dem Schießstand (aus Spaß und als Hobby) und dem täglichen Tragen einer Selbstverteidigungswaffe. Das sind völlig unterschiedliche Blickwinkel. Ein Sportschütze hat mal das Verhalten eines Polizisten kritisiert, weil dieser vor vielen Jahren seine Walther PP unterladen getragen hat. Aber wenn es dem Sportschützen schon mal passiert wäre, dass ein besoffener Vollidot versucht hat ihm die Pistole zu entreißen, um ihn zu erschießen, würde der Sportschütze das auch anders sehen (es gibt kaum einen Streifepolizisten dem das noch nicht passiert ist). Es geht nicht darum, dass man sofort schießen kann, dass man so schnell wie möglich einen Magazinwechsel durchführen kann usw. Es geht tatsächlich darum, dass die Pistole nicht gesehen wird, dass sie täglich dabei ist, dass sie einem nicht sofort entrissen werden kann (!), dass sie zuverlässig und vor allem eben auch sicher ist. Stelle dir vor, dass den ganzen Tag eine schussbereite Pistole, mit leichtgängigem Abzug, auf deinen eigenen Körper gerichtet ist. Das ist nämlich bei einer Glock im IWB-Appendix Carry der Fall. Und alle anderen Trageweisen machen im privaten Bereich kaum Sinn. Ich selber trage schon seit vielen Jahren fast täglich eine Pistole bei mir. Das war erst eine Walther PPK. Die war mir damals ausreichend (das Image dieser Pistole spielte natürlich auch mit rein). Sie hatte einen DA/SA Abzug und ich benutzte den Sicherungshebel. Als ich aber zur Walther PPS gewechselte bin, deren Abzug zum Glück einiges schwergängiger ist als bei einer Glock, änderte sich aber etwas. Bereits nach wenigen Tagen spürte ich, wie gefährlich das fertig geladene Tragen so einer Waffe im privaten Bereich ist.

 

Ich will Euch von einem Fehler erzählen, der mir selber passiert ist. Ich habe eine Weile auch eine Glock geführt. Dafür hatte ich ein hochwertiges Holster aus Kydex. Aber da es im privaten Bereich nicht so strenge Vorgaben und Abläufe gibt, kommt es immer wieder zu Dingen die nicht passieren sollten. Und ich hatte dann irgend wann mal die Glock auf meinem Schreibtisch liegen, wie so oft Pistolen auf meinem Schreibtisch liegen. Aber die Glock war bei diesem einen Mal fertig geladen und ich dachte nicht daran. Durch die allgemein gültigen Sicherheitsregeln, an die ich mich immer halte (Finger, Abzug, Mündung usw...), zog ich weder den Abzug, noch passierte sonst etwas damit. Irgend wann habe ich den Ladezustand bemerkt. So eine kleine Geschichte das ist und obwohl nichts passiert ist, machte ich mir viele Gedanken dazu. Es geht nämlich auch um den Unterschied, zwischen einem streng geregelten dienstlichen tragen von Waffen und dem weniger geregelten privaten tragen. Es ist schwer das richtig in Worte zu fassen, aber ich versuche es. Egal ob Geldtransport Fahrer, Objektschützer, Polizeibeamter oder Wachsoldat, sie handhaben ihre Waffen fast alle gleich. Die entladene Pistole wird in einem speziell dafür eingerichteten Bereich genommen, geladen und geholstert. Und in dem Holster bleibt die Waffe, bis alles in umgekehrter Reihenfolge passiert. Im privaten Bereich läuft das alles anders ab, da wird die Pistole vielleicht auch mal (teilweise unrechtmäßig) geladen in den Tresor gelegt, da wird an unterschiedlichen Örtlichkeiten geladen und entladen. Sie wird an unterschiedlichen Orten abgelegt (Zuhause, am Arbeitsplatz, im Auto...). Es wird das Holster gewechselt, sie wird auf dem Klo abgelegt, es sind Kinder anwesend usw. Und diese vielen kleinen Faktoren machen diesen Unterschied aus und verursachen Gefahren, die man klug beherrschen muss. Ein Freund von mir trägt eine Sig Sauer 226, ebenfalls IWB-Appendix. Eines Abends stellte er fest, dass sich im Lauf des Tages der Hahn, durch die Bewegungen seines Körpers, gespannt hatte! Ein anderer Freund von mir hat ebenfalls schon sehr lange einen Waffenschein und trägt aus genau den Gründen, die ich hier versuche darzulegen, eine DA/SA Pistole mit Sicherungshebel. Es gab vor einigen Jahren übrigens einen recht bekannten Fall. Ein junger Mann fuhr mit dem Fahrrad und trug eine Schreckschusspistole IWB-Appendix. Durch die Beinbewegungen löste sich ein Schuss und öffnete seine Oberschenkelarterie. Er starb sehr schnell und unnötig (einen Link dazu finde ich leider grade nicht).

 

Ich sah in meiner Jugend Berichte über israelische Personenschützer, denen eingedrillt wurde ihre Pistole zu ziehen und durchzuladen. Später sah ich das auch bei israelischen Polizisten und Soldaten. Ich fand ihr Verhalten dumm, lästerte und urteile darüber, schließlich haben moderne Pistolen automatische Schlagbolzensicherungen, man kann eine unterladene Pistole viel schwerer mit einer Hand schussbereit machen usw. Aber nach vielen Jahren verstand ich, dass ich inzwischen genau das selbe mache, aus den selben Gründen. Auch ich habe aufgrund meiner Erfahrungen angefangen, meine Pistole unterladen zu tragen, weil alles Andere mit einem teil vorgespannten Abzugssystem im privaten Bereich viel zu gefährlich ist.

Bedenkt Folgendes: Einfachste Handhabungsfehler, wie ein falsches Greifen der Glock, kann zum sofortigen Lösen eines Schusses führen. Das kann auch passieren, wenn man stolpert, oder wenn beim Holstern ein Bändel der Jacke in den Abzug kommt. Würde jemand von Euch eine geladene, gespannte und ENTsicherte 1911er führen? Natürlich ist der Abzugswiderstand einer 1911er geringer, aber sie hat dafür auch noch eine Griffrückensicherung (die Fallsicherheit soll hier nicht das Thema sein). Ich hoffe Ihr merkt, auf was ich raus will.

 

Ich habe HIER bereits etwas dazu geschrieben, wie die Israelis versuchen einen sicheren Umgang mit Waffen zu schaffen. Sie müssen sehr viele Wehrpflichtige bewaffnen und obwohl es in diesem kleinen Land täglich zu Anschläge kommt, werden die Pistolen und Gewehre dort fast immer unterladen getragen. Das wird dort so gemacht, weil sie viel Erfahrung haben.

 

Beachtet in diesem Zusammenhang bitte auch meinen Bericht über die Ultrastar und zur H&K P7. Das sind beides Pistolen aus denen man einiges in diesem Zusammenhang lernen kann.

 

Eine Kuriosität am Rande: Ein Sportschütze hat mir mal eine Lesermail geschrieben. Er meinte mein Bericht über das Tragen scharfer Waffen mit Waffenschein wäre unnötig und ich sollte ihn daher löschen. Er meinte es düfte in Deutschland eh niemand scharfe Waffen tragen und der Bericht hätte daher keinen Sinn. Natürlich war er ein klassischer DSB Schütze. Er verstand einfach nicht, dass dieser Bericht überhaupt nicht für Ihn geschrieben war und dass es halt sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt.

 

 

Nachtrag von 04/2022:

Ich zeige Euch hier beispielhaft zwei Lesermails, die ich in den letzten Tagen bekommen habe. Ich denke, dass sie sehr gut das Problem der Glock zeigen. Diese Pistole wird völlig überbewertet. Sie ist qualitativ genau so, wie jede andere Markenpistole auch. Aber technisch ist sie auf dem Stand von vor 20 Jahren hängen geblieben.

 

"Ich hatte eine Glock 17 Gen 2 und immer mit Fabrikmunition geschossen. Ich hatte mit meiner unverbastelten Waffe Zuführungsstörungen und Zündversager. Ich könnte mich im nachhinein in den Allerwertesten beissen, daß ich mich von Schützenkollegen und der Werbung habe beeinflussen lassen, meine ... zu verkaufen und mir diese Glock gekauft habe".

 

"Ich hab bei der Glock so einiges falsch gemacht. Nur aufgrund ihres Rufes gekauft ohne sie je geschossen zu haben…nur um festzustellen, daß ich mit dem Abzug überhaupt nicht klar kam und bis heute nicht klar komme".