Operation Sirius (Wilderer-Streife)

Es geht gegen Ende November zu. In den nächsten Wochen ist mit dem vermehrten Auftreten von Wilderern zu rechnen. Und diese Lage wird bis Heiligabend anhalten, solange bis auch der letzte Wilddieb seinen Weihnachtsbraten im Kühlschrank hat. Daher war es an der Zeit aktiv zu werden und auch in der Nacht Präsenz zu zeigen. Die Chancen hierbei wirklich einen Wilderer festzunehmen sind leider sehr gering. Aber sollten diese uns beim Auskundschaften der Einstände sehen werden sie sich garantiert ein anderes Revier für ihre Taten aussuchen. Alleine der Gedanke an die Rehe die mit einer Kleinkaliber Verletzung elendiglich zu Grunde gehen sollte uns Motivation genug sein. 

 

Wir waren zu dritt und begannen unsere Streife um eine Zeit in der auch der letzte Jäger nach Hause gefahren sein sollte, also etwa 2h nach Sonnenuntergang und führten sie bis nach Mitternacht fort. Wir bestreiften die Zufahrtsstraßen zu unseren gefährdeten Einständen, wo geteerte Feldwege nahe am Rehwild vorbei führen.  Unsere Ausrüstung bestand aus 2 Wärmebildgeräten, Taschenlampen mit sehr hoher Leuchtkraft, Waffen zum Jagdschutz und meiner Heckler & Koch Signalpistole. Die Ortung meines Smartphones schaltete ich gleich ein, so hätte ich mir vom Notruf eine "Ortungs-SMS" schicken lassen können und Unterstützungskräfte hätten so in wenigen Sekunden unsere genaue Postition bekommen.

 (Hier rauscht die Eisenbahn an uns vorbei)

 

In einem Waldstück hatten wir eine sehr seltsame Feststellung mit einer Kerze im Wald. Dies war derart misteriös, dass ich es hier gar nicht näher erzählen will...

 

Die Scheune in der sich nun mehrfach unberechtigte Personen zum Nächtigen aufgehalten hatten bestreiften und durchsuchten wir ebenfalls.

 

Aber die wirklich schönen Momente in dieser langen Nacht überwiegten sehr. Wir konnten dank der Wärmebildgeräte sehr viel Wild sehen. Wir haben nicht mitgezählt, aber ich schätze, dass wir 20 Stück Rehwild, 10 Füchse, 4 Hasen und 1 Marder gesehen haben. Sehr interessant war die Wärmesignatur von Federwild. Da die äußeren Federn die Temperatur der Umgebung haben erkennt man bei diesen zuerst nur den Kopf, was sehr seltsam aussieht.

(Auf dieser einen Wiese standen 9 Rehe)

 

Über uns leuchtete und glitzerte der Sternenhimmer unfassbar. Wir konnten sogar die Milchstraße sehen und mehrere Sternschnuppen. Der Anblick der Sterne durch das Fernglas war atemberaubend. Leider war ich nicht in der Lage davon ein Foto zu machen.

 

Wir beendeten unsere Streife am See, wo wir nach unseren Bibern Schauen wollten. Ich warnte noch davor, dass uns diese vermutlich durch das Schlagen mit der Kelle auf das Wasser vertreiben wollen. Und als es 5 Meter neben uns in der Dunkelheit einen Schlag tat erschraken wir natürlich dennoch fuchtbar. Einige hundert Meter weiter hörten wir einen weiteren Biber im Wald neben dem Uferweg. Wir näherten uns langsam und leise. Dann sahen wir ihn, wie er 10 Meter vor uns einen etwa 4 Meter langen Ast über den Weg ins Wasser zog. Er blieb etwa eine Minute auf dem Weg stehen und beobachtete auch uns. Leider ist es mir auch hier nicht gelungen ein Foto vom Biber zu machen. Und mit der Taschenlampe wollte ich ihn natürlich auch nicht anleuchten.

 

In Anbetracht der tollen Naturerlebnisse und der erlebten Kameradschaft in der dunklen Nacht werden wir unsere Wildererstreife bald wiederholen. Fraglich bleibt hierbei aber welcher Wochentag sich dafür am besten eignet? Positiv war auch, dass wir kein einziges unberechtigtes Fahrzeug auf unseren Feldwegen festgestellt haben. Denn diese wären ein erstes Indiz für die Aktivität von Wilderern gewesen.

 

 

Wer sich nun über die massive Bewaffnung wundert sollte bedenken, dass alle Wilderer Waffen tragen. Und nur mit einer Pistole ist man chancenlos gegen ein Wilderergewehr! Sogar jeder Schlingensteller trägt min. ein Messer oder eine Pistole bei sich.
Wer sich nun über die massive Bewaffnung wundert sollte bedenken, dass alle Wilderer Waffen tragen. Und nur mit einer Pistole ist man chancenlos gegen ein Wilderergewehr! Sogar jeder Schlingensteller trägt min. ein Messer oder eine Pistole bei sich.

Tag 2: Solo-Abendstreife

Es war kurz vor Sonnenuntergang und noch relativ hell. Ich war alleine unterwegs, da meine Kameraden keine Zeit hatten. Und Ihr kennt das ja, immer wenn man Unterstützung braucht....

 

Jedenfalls konnte ich einen Pkw beobachten der einen unserer gesperrten Feldwege sehr langsam befuhr. An einer Stelle führt der Weg sehr dicht (etwa 50 Meter) an einer Fütterug vorbei und der Waldrand ist so licht, dass man dort hineinschauen kann. Auch ich nutze diese Stelle um nach unserem Rehwild zu Schauen. Und genau an dieser Stelle hielt das Fahrzeug und der Fahrer blickte in Richtung unserer Fütterung. Als ich die Stelle erreichte stieg ich aus und deutete dem Fahrer, dass er bitte Anhalten soll. Er schaute starr gerade aus und fuhr weiter, an mir vorbei. Ich setzte mich wieder in mein Auto und fuhr ihm hinter her. Interessant war nun, dass er, als wir die nächste große Straße erreichten, nicht in die Richtung abbog wo alle lang Fahren die eine Abkürzung durch unser Revier nehmen, sondern in die aus der er gekommen war. Er fuhr also im Kreis. Nach etwa nur einem Km fuhr er in eine Hofeinfahrt. Ich stieg aus und fragt ihn, wie ich es immer in so einem Fall mache sehr freundlich, warum er durch ein gesperrtes Gebiet fährt. Denn gelegentlich kommt es eben auch vor, dass ich berechtigte Personen nicht kenne.

Dieser ältere Herr konnte keine Erklärung liefern für seine Fahrt durch unser Jagdrevier. Er entschuldigte sich lediglich und versprach es nicht wieder zu tun. Auf den ersten Blick sah ich in seinem Fahrzeug keine verdächtigen Gegenstände (Fernglas, Scheinwerfer, Jagdmesser...). Aber es war auch unübersichtlich und Derartiges könnte dennoch darin versteckt gewesen sein. Da in meiner Gegend tatsächlich über 90% der Autobesitzer sich ein personalisiertes Kennzeichen geben lassen war seines um so interessanter, denn es hatte am Ende die drei Zahlen eines bekannten Waffenkalibers.... (welches dies war lasse ich natürlich aus Datenschutzgründen weg ;-)

Ich werde ihn nun jedenfalls genau im Auge behalten!

Etwas später, es war bereits seit einer Weile komplett dunkel, fuhr ich nach Hause. Dazu nutzte ich eine Bundesstraße. Und jetzt konnte ich einen Kleinwagen sehen, der einen Fahrradweg entlang fuhr. Für den motorisierten Verkehr ist dieser Weg komplett gesperrt und diese Stelle ist für Wilderei besonders gefährdet. 

(Das Foto von der Stelle an der ich den Kleinwagen abpasste habe ich einige Tage später gemacht)

 

Denn dort haben einige Rehe ihren Einstand und waren den ganzen Sommer über derart vertraut, dass sie den halben Tag für alle Fahrer auf der Bundesstraße auf der Wiese sichtbar waren. Ich fuhr einige Km parallel zu dem Fahrradweg in die nächste Ortschaft und stelle mich dort auf um zu sehen wer in dem Kleinwagen saß. Nach wenigen min fuhren sie an mir vorbei, es waren zwei junge Burschen in einem 50ccm Fahrzeug mit  Versicherungskennzeichen. Es war nun offensichtlich, dass diese sich lediglich mit ihrem langsamen Gefährt die Fahrt über die Bundesstraße ersparen wollten. Für mich waren sie also nicht interessant.

Für die nächste Streife bei der ich Wilderer suche habe ich ein Pulsar DN55 Nachtsichtgerät organisiert.
Für die nächste Streife bei der ich Wilderer suche habe ich ein Pulsar DN55 Nachtsichtgerät organisiert.

Tag 3 der Operation: Solo-Nachtstreife

Ich war in dieser Nacht leider erneut alleine unterwegs. Die moralische Unterstützung von anderen Jagdschutzkameraden spielt eine große Rolle. Wenn man nachts alleine im Wald ist fühlt man sich immer sehr alleine. Diese Erfahrung musste ich nicht nur als Soldat, sondern bereits in meiner Jugend machen. Ich unternahm bereits mit 15 Jahren Touren durch die Nächte. Ich hatte aber das Glück, dass ich damals auch immer wieder auf Gleichgesinnte traf und nicht immer alleine unterwegs war. So hatte ich bereits vor meiner Zeit als Soldat mehrere Gewaltmärsche von 50km Länge absolviert.

Ich verließ bei dieser Streife das Fahrzeug gar nicht. Das hatte zum einen damit zu tun, dass ich recht wenig Zeit hatte und alles motorisiert bestreifen wollte. Draußen war es noch dazu kalt, dunkel und es schneite stark. Meine Lust mich durch das Wetter zu kämpfen war an diesem Tag gering. Meine Erwartung an diesem Tag einem Wildschützen zu begegnen war es ebenfalls.

Als ich erfahren habe, dass ich ein Pulsar DN55 Nachtsichtgerät ausgeliehen bekomme habe ich nach Berichten darüber gesucht. Dort stand, dass sich das Bild mit Fotos sehr schlecht wiedergeben lässt und das was man selber in den Gerät sieht etwas Anderes ist. Sehr gute Generation 2 oder normale Generation 3 Geräte mit Bildwandlerröhren ergeben ein besseres Bild. Hier seht ihr eine Scheune in ca. 300m Entfernung. Aber bedenkt, dass es hierbei stark geschneint hat. Und den Infrarotstrahler konnte ich auch nicht anschalten, da ich so natürlich nur Schneeflocken gesehen haben. Unterm Strich war das Bild wirklich nicht schlecht und wesentlich besser als es hier erscheint. Damit lässt sich auf alle Fälle etwas anfangen, im Gegensatz zu den billigen 200 Euro Geräten von Aldi oder Tschibo. Mit einem Nacht-Fernglas sieht man sowieso mehr in der Nacht, als mit diesen furchtbaren Geräten. 

Ich fuhr zwei Runden durch das Revier. Es war weit und breit kein Hinweis auf Wilderer zu erkennen.
Ich fuhr zwei Runden durch das Revier. Es war weit und breit kein Hinweis auf Wilderer zu erkennen.

Ich konnte nur sehr wenig Rehwild sehen. Das hatte vermutlich auch mit deren Zyklus beim Äsen zu tun und der Zeit in der ich Streife fuhr. Im Revier war weit und breit kein Mensch zu sehen.

Ich beendete die Streife und werde sie die nächsten Tage wiederholen. Vermutlich werde ich die nächste Tour zu einer späteren Urzeit machen.

Mein Oberland Arms Halbautomat wird mich weiterhin hierbei begleiten, wie er mich seit vielen Jahren schon begleitet. Noch nie hat diese Waffe versagt! Ich konnte mich damit bereits gegen schweizer Reservisten beweisen, als ich dort gegen sie mit meinem Gewehr auf 300m schoss. Es war ihrem SIG Sturmgewehr ebenbürtig, was ich davor nicht erwartet hatte.

Als kleine Anekdote will ich hier kurz erzählen was der schweizer Grenzwächter mir antwortete als ich meine Waffen anmelden wollte: "Sie fahren zu einem Wettkampf? Haben Sie auch eine Einladung dabei? Wissen Sie, uns interessiert das eigentlich nicht wenn sie Waffen einführen"!!! Aber wehe ich hätte Milch und Fleisch dabei gehabt...

 

Die aktuelle Wilderer-Lage: Es ist seltsam ruhig. In der ganzen Region gibt es kaum bekannt gewordene Fälle. Aber ich bleibe dennoch wachsam. Die große Zahl der letzten 1-2 Jahr habe ich nicht vergessen. Entweder die örtlichen Wilderer (das werden ja nur einzelne Personen sein) haben die Tiefkühltruhen noch voll, oder sie gehen umsichtiger vor als bisher. Ich werde auch weiterhin sehr vorsichtig sein, denn die Menschen die so lange trächtige Geißen mit KK-Geschossen verwunden, bis mal ein beschossenes Stück auch liegen bleibt werden nicht einfach ihren Ausweis vorzeigen wenn man ihnen begegnet... 

Tag 4 der Operation: Doppel Nachtstreife

Wir schafften es endlich wieder raus in die Nacht. In den letzten Wochen ist es zu vielen Wildereifällen gekommen. Aber bei uns in der Region wurden nur ganz wenige angezeigt. In etwa einer Woche ist Weihnachten. Es war die erste Streife bei der ich mir wirklich ein Aufeinandertreffen mit einem Wilddieb ernsthaft vorstellen konnte. Natürlich sind unsere Wilderer-Streifen ein Räuber und Gendarm Spiel für große Jungs. Aber wir nahmen alles ganz sicher nicht auf die leichte Schulter!  

Wir fuhren zu erst zum See. Wilderer erwarteten wir hier nicht. Aber der Platz den wir bestreiften ist immer wieder für alles Andere interessant. Dort nächtigen beispielsweise öfter seltsame Gestalten in ihren Pkw und dort wurde auch neulich das Brot in den See geleert. Auch Betäubungsmittel werden dort regelmäßig konsumiert. 

 

Am See hatten wir keinerlei Feststellungen. Es war inzwischen 21:00 Uhr.

Im Anschluss bestreiften wir aber unsere meist gefährdeten Feldwege an denen sich unser Rehwild gerne aufhält.

 

Der Himmel war bewölkt und es lag sehr viel Schnee. Es war ziemlich hell. Unser Pulsar Nachtsichtgerät benötigten wir kaum, mit meinem Nacht-Fernglas konnten wir das Meiste problemlos erkennen. Rehwild war kaum unterwegs um diese Zeit. Beeindruckend war auch die Sicht durch mein Trijicon ACOG. Man konnte es problemlos nutzen und erkannte damit alles. 

 

Wir bestreiften auch noch die Scheune um zu sehen ob dort wieder genächtigt wurde. Durch den Schnee konnten wir sehen, dass dort keine neuen Fußabdrücke hineinführen. 

 

Wir bestreiften das Meiste mit dem Fahrzeug. An den Rändern der Feldwege türmte sich der Schnee recht hoch. Das Wenden war bereits sehr schwierig. Für das Jagdschutzmobil waren die Wetterverhältnisse bereits problematisch.

 

Einen Teil der Streife führten wir jedoch auch zu Fuß durch. Aus den Wäldern hielten wir uns bei diesen Streifen völlig raus. Die Wälder würden 1. Wilddiebe auch nicht interessieren und 2. würden wir damit unser Wild stark beunruhigen.  

 

Das einzige Wild das wir sehen konnten war dieser Hase auf etwa 120 Meter Entfernung. Hier seht ihr ihn ohne Infratozuschaltung. Mit Infrarot leuchteten die Augen deutlich.

 

Gegen 22:00 Uhr beendeten wir unsere Streife. 

Tag 5 der Operation Sirius: Solo-Nachtstreife

Ich habe bei meinem Handy die Belichtungsfunktion gefunden. So konnte ich auch ein paar Fotos im Dunkeln machen. Ich bestreifte die Zufahrtsstraßen. Meine Taktik um Wilddiebe zu erwischen behielt ich bei.  

 

Auf einem Feldweg, nahe einer Bundesstraße traf ich auf ein Pärchen in einem Kleinwagen. Diese mussten ein Stück zur Seite fahren, damit ich vorbei kam. Vermutlich wollten beide dort nur etwas alleine sein und "sich unterhalten"... ;-)

In den Streifenzeiten variiere ich, genau so wie bei den Wochentagen.

 

Als geistige Orientierungspunkte dienten mir die Lieblingplätze unserer Waldbesucher. Dort werfe ich auch immer einen Blick auf den Boden, ob dort etwas Verdächtiges rum liegt.

 

Ich orientierte mich auch an unseren Fütterungen. Denn der Grund, dass wir so wenig Rehwild in den letzten Tagen zu sehen bekamen war, dass diese auf den Wiesen wegen dem Schnee keine Äsung finden. Also müsste auch ein Wilderer an der Fütterung unseren Rehen auflauern. 

 

0 Grad draußen, 21:33 Uhr und das lokale Radio läuft. 

 

Ich observiere die Zufahrtsstraßen und es passiert nichts. So wie früher als Detektiv

 

Als ich auf dem Heimweg war sah ich sehr nahe an einer unserer Fütterungen einen Lichtschein. Plötzlich war ich hellwach. Das Licht war etwa 500 Meter entfernt. Ich konnte nicht genau sehen ob es auf dem Fahrradweg oder im Wald war. Ich beobachtete es einen kurzen Moment, dann war es verschwunden. Ich überlegte ob ich weiter beobachten oder hin fahren sollte? Ich entschied mich dafür zu der Fütterung zu fahren.  

Ich konnte auf dem Weg Niemanden sehen. Theoretisch wäre es auch möglich, dass es nur ein Radfahrer gewesen ist. Aber das kann eigentlich nur dann sein, wenn er an unserer Fütterung los gefahren ist und dann sehr schnell weg gefahren wäre. Oder er hat erst an der Stelle das Licht angeschaltet. Und sollte sich wirklich jemand im Wald vor mir versteckt haben hätte ich ihn nie ohne Wärmebildgerät gefunden, und das hatte ich heute nicht dabei. Wenn ich es morgen zeitlich schaffe suche ich dort nach Fußspuren.

 

Ich beende Tag 5 der Operation mit einem Hacker-Pschorr "Superior" Weihnachtsbier. :-)

Bald ist Heilig Abend, die Gefahr durch Wilddiebe ist dann größtenteils vorbei und ich kann mir neue Aufgaben suchen.

Nachtrag: Ich konnte am nächsten Tag keinerlei Spuren an der Fütterung feststellen. Daher sollte klar sein, dass ich doch nur ein Fahrradlicht gesehen hatte.

 

Wir konnten mit dem Weihnachtsfest Operation Sirius erfolgreich beenden. Wir hatten keine Festnahme, was aber auch nicht zu erwarten war. Wir zeigten Präsenz und wir lagen nicht auf der faulen Haut. Nun beginnt eine ruhige Zeit im Revier. Die nächsten Wilderer-Streifen werden wir vermutlich Anfang April beginnen.

 

Ich will an dieser Stelle auch allen meinen Lesern danken die uns durch die Adventszeit begleitet haben. Es ist schön zu wissen, dass wir mit unserer Sorge für das Wild nicht alleine sind. 

 

Zum Abschluss von Operation Sirius habe ich von meinem Jagdschutzmentor seinen Blaser Jagdaufseher Hut geschenkt bekommen, zusammen mit dem Buch "Jagdwilderei und deren Bekämpfung als Jagdschutzaufgabe". Danke :-)
Zum Abschluss von Operation Sirius habe ich von meinem Jagdschutzmentor seinen Blaser Jagdaufseher Hut geschenkt bekommen, zusammen mit dem Buch "Jagdwilderei und deren Bekämpfung als Jagdschutzaufgabe". Danke :-)

 

 

 

 

 

 

 

Operation Kassiopeia

Tag 1 der Operation Kassiopeia:

 

Die Sonne senkt sich und der bayerische Himmel färbt sich spektakulär in Feuerfarben. Ich treffe mich mit meinem langjährigen Gefährten um erneut in der Nacht Ausschau nach Wilderern zu halten. Die Operation soll dies Mal 2 Tage dauern. Bei dieser zweiten Operation haben wir eine noch wesentlich umfangreichere Ausrüstung als in der Vorweihnachtszeit. Nicht nur diverse Nachtsichtgeräte, sondern auch eine spezielle Funk- und Computerausstattung begleitete uns. Um was es sich hierbei gehandelt hat unterliegt leider der Geheimhaltung. Das Einzige was uns noch gefehlt hätte wäre ein Bodenradar gewesen. Bodenradar wird in den Nationalparks in Afrika wirklich gegen Wilderer eingesetzt und ist eine der wirkungsvollsten Waffen im Kampf für die gefährdeten Nashörner und Elefanten der dortigen Ranger.

 

Mein in Bayern hergestelltes OA-15 Jagdaufseher Gewehr wird diesmal nicht mit meinem treuen ACOG Zielfernrohr, sondern mit dem chinesischen Falke LE Leuchtpunktvisier ausgestattet. Meine Heckler & Koch Signalpistole ist leider derzeit ausgelagert und ich führte für Notfälle den Comet Signalstift mit.

Auch diesmal haben wir eine umfangreiche Ausrüstung. Zu meinem Oberland Arms Halbautomaten haben wir mehrere Nachtsichtgeräte.
Auch diesmal haben wir eine umfangreiche Ausrüstung. Zu meinem Oberland Arms Halbautomaten haben wir mehrere Nachtsichtgeräte.

 

Die aktuelle Wildereilage ist in meiner Gegend recht ruhig. Aber bundesweit wird wesentlich mehr gewildert als im Vorjahr. Also haben wir wieder Grund genug in meinem Revier nach dem Rechten zu sehen.

Und ich hoffe alle hier verstehen, dass alles nicht so ernst gemeint ist wie ich es schreibe. Denn auch große Jungs wollen Räuber und Gendarm spielen. Und wenn wir  hierbei etwas gegen skrupellose Tierquäler mit KK-Gewehren unternehmen können tun wir das natürlich. Das Landratsamt hat mich als Jagdaufseher schließlich mit Befugnissen "beliehen" zum Jagdschutz.

Unsere Streife begannen wir wieder 1-2 Stunde nach Sonnenuntergang, also die Zeit ab der kein normaler Jäger mehr in seinem Revier ist. Und genau das nutzen Wilderer aus.
Unsere Streife begannen wir wieder 1-2 Stunde nach Sonnenuntergang, also die Zeit ab der kein normaler Jäger mehr in seinem Revier ist. Und genau das nutzen Wilderer aus.

Ausgerüstet waren wir mit meiner neuen Nachtsichtbrille und einer viel  hochwertigeren zweiten Brille. Diese brauchten wir um mit meinem Jagdschutzmobil ohne Fahrzeugbeleuchtung durch den nächtlichen Wald zu streifen.

Hierbei muss man einige Punkte beachten. Nachtsichtbrillen mit zwei getrennten Röhren liefern ein Stereo-Bild bei dem man wesentlich besser Entfernungen abschätzen kann. Meine eigene billige Brille lieferte aber keine ausreichende Lichtverstärkung um im dunklen Wald ohne Infrarotzuschaltung zu fahren. Und das Infrarotlicht kann man im Auto nicht zuschalten, da dieses einen ja an der Windschutzscheibe selber blenden würde. Was auch ein Problem sein kann ist die Amaturenbrettbeleuchtung. Diese muss unbedingt ausgeschaltet oder abgedeckt werden.

 

Uns blieb also nur die teure Brille mit einem Objektiv. Diese verstärkt das Licht auf Waldwegen ausreichend, wenn der nächtliche Himmel relativ hell ist. Das Fahren ist damit auf dem offenen Feld auch problemlos möglich. Aber wir benötigten in dieser Nacht doch einen zusätzlichen, kleinen, Infarotstrahler außerhalb des Fahrzeuges.

 

Der Vorteil der abgedunkelten Fahrt war: Viel sehen ohne gesehen zu werden!

 

Wir konnten so jedes noch so kleine Licht im Revier sofort sehen. Zu einem unfassenden Sicherheitskonzept gehört aber ein steter Wechsel. Mit dem Jagdschutzmobil können wir große Strecken in kurzer Zeit abfahren und überprüfen. Aber um selber noch weniger wargenommen zu werden braucht man zusätzlich die Fußstreife. Genau so wie man als Jagdaufseher sowohl "uniformiert" (Jagdkleidung) wie auch in "zivil" im Revier unterwegs sein sollte.

 

Also saßen wir ab und führten auch eine Fußstreife durch.

Hier auf diesen zwei Fotos seht Ihr den Unterschied ob man im Wald das Infrarotlicht zugeschaltet hat oder nicht. Billige Geräte wie meine Brille summen leise wenn die Röhren angeschaltet sind. Zusätzlich ist der Infrarotstrahler auch als roter leuchtender Punkt schwach sichtbar. Bei hochwertigen Geräten ist das meist auch wesentlich besser. Diese beiden Bilder habe ich durch die billige Brille gemacht. 

Das Schießen mit Nachtsichtbrille und Leuchtpunktvisier mit Infrarotfunktion ist die einzig legale "Nachtziellösung" in Deutschland.
Das Schießen mit Nachtsichtbrille und Leuchtpunktvisier mit Infrarotfunktion ist die einzig legale "Nachtziellösung" in Deutschland.

Tag 2 der Operation Kassiopeia:

 

Zu uns beiden stößt am zweiten Tag der Operation ein weiterer langjähriger Gefährte. Wie ich Euch ja bereits bei Operation Sirius erzählt habe ist die Unterstützung von treuen Kameraden im nächtlichen Wald von erheblicher Bedeutung wenn es darum geht die Moral hoch zu halten. Und sollte man tatsächlich eine Festnahme machen müssen geht es ums nackte Überleben, wobei Unterstützung entscheidend ist. Ein bewaffneter Wilderer wird hoffentlich jede Gegenwehr einstellen wenn er mehreren Jagdaufsehern gegenüber steht. Der Wilderer von Annaberg z.B. hat aber 2013 drei Polizisten und einen Sanitäter erschossen als er gestellt werden sollte.

Die Sonne ist erneut über unserem wunderschönen Bayern untergegangen und wir starten vom Jagdaufseher-Hauptquartier in Richtung Revier. Der Funk wird eingestellt und letzte Absprachen getroffen. 

Das Revier wird umfahren und die Zufahrten und Waldparkplätze werden bestreift. Nur so merkt man ob unberechtigte Personen sich dort aufhalten oder auch ob jemand die Gegend auskundschaftet.

Sobald wir auf den gesperrten Waldwegen angekommen waren schalteten wir die Beleuchtung ab und fuhren verdunkelt Streife.
Sobald wir auf den gesperrten Waldwegen angekommen waren schalteten wir die Beleuchtung ab und fuhren verdunkelt Streife.

Drei Jagdschutzkameraden auf Patrouille durch den dunklen Wald.

Wobei ich eigentlich das Wort Fußstreife bevorzuge, denn wir sind jagdpolizeilich tätig, und nicht militärisch.

Streifenpause und Lagebesprechung.

Schießen mit Nachtsichtbrille und Leuchtpunktvisier zur Nachtjagd

Wir nutzten die nächtliche Streife um die sogenannte "Nachtziellösung" mit Nachtsichtbrille und Leuchtpunktvisier zu testen. Da hierbei kein Bildverstärker, keine Lampe und kein Laser an der Waffe befestigt ist greift kein Verbot aus dem WaffG. Hierbei darf (entgegen mancher Behauptungen) auch an der Nachtsichtbrille Infarotlicht zugeschaltet werden. Und falls hier wieder Halb- und Besserwisser ihren Senf dazu geben wollen, im §13 Absatz 6 WaffG sind den Jägern ausdrücklich derartige Probeschüsse erlaubt.

 

Das Falke LE Visier ist nicht nur Wasserdicht und recht günstig, sondern hat auch eine IR-Funktion für Nachtsichtgeräte. Hierbei wird das Absehen nur sehr schwach beleuchtet. Als Ziel nutzten wir einen Karton mit nachleuchtenden Sternen die wir zuvor mit einer Taschenlampe beleuchteten. Auf ca. 25 Meter waren die Leuchtsterne recht gut zu sehen, mit bloßem Auge und mit Nachtsichtbrille.

 

Bedenkt jetzt aber, dass man das nur mit Nachtsichtbrillen machen kann die entweder zwei Objektive haben oder das Objektiv ganz rechts montiert haben, sonst kann man bei einem Gewehr unmöglich im Anschlag visieren! Die Bundeswehr Lucie Nachtsichtbrille die auch ich früher zu schätzen gelernt habe hat dafür extra das eine Objektiv rechts montiert. Ihr seht also wieder, dass Nachtsichtbrillen mit zwei getrennten Röhren einige Vorteile haben. 

Ich schoss mit meiner billigen Brille, denn die Teure ist durch ihr mittig verbautes Objektiv nicht zum Schießen tauglich gewesen. Das Visieren war nicht ganz einfach, aber durchaus möglich. Ich musste halt den Kopf etwas weiter zur Seite neigen um das Absehen des Falke LE zu sehen. Wenn Ihr kein hochwertiges Nachtsichtgerät mit Blitzlichtschutz habt braucht Ihr unbedingt einen Schalldämpfer, sonst ist die Bildverstärkerröhre sehr schnell kaputt! Ein Schalldämpfer schluckt logischerweise das komplette Mündungsfeuer.

Auf diesem sehr interessanten Foto seht Ihr den heißen Schalldämpfer und die fliegende Hülse nach dem Schuss deutlich.

 

 

 

 

 

 

 

Leider mussten wir feststellen, dass selbst auf 25m das Treffen des recht großen Kartons eher Zufall war. Die gesamte Kombination war weder zur Jagd noch zur Selbstverteidigung geeignet. Warum genau ich nichts getroffen habe weiß ich leider noch nicht genau. Vermutlich hätte eine bessere Nachtsichtbrille und ein höher montiertes Visier (wie beim G36) beim Treffen wesentlich geholfen.

Aber aus diesem Grund wollten wir es auch testen. Denn nur so weiß man was funktioniert. Zur Selbstverteidigung wäre fraglos ein Infrarotlaser am Gewehr die beste Lösung zur Nachtsichtbrille. Aber derartige Laservisiere sind bei uns verboten. Dazu kommt, dass der Einsatz der Nachtsichtbrillen sehr aufwenig und kompliziert ist. Wenn es wirklich um Leben und Tod geht sollte man also besser auf VIEL einfachere Methoden zurück greifen wie das Schießen mit der Taschenlampe. 

Das hier ist ein Foto von vor einigen Tagen durch meine Nachtsichtbrille und das Falke LE Visier.

Das hier auf dem Foto ist eine Sig-Sauer 226 mit Tritiumvisier durch die Nachtsichtbrille. Bedenkt hierbei, dass man bei so einer Brille die Optik auf nur eine einzige Entfernung scharf stellen kann. Man kann die Visierung absolut scharf stellen, aber dann sieht man den Hintergrund nicht mehr. Auf diesem Foto ist der Hintergrund scharf und die Visierung noch etwas zu erkennen. Vermutlich hätten wir mit der Pistole genau so gut auf 25m schießen können wie mit dem AR-15.

Einem meiner Kameraden gelang noch diese Aufnahme des Sternbildes Kassiopeia durch das Nachtsichtgerät.
Einem meiner Kameraden gelang noch diese Aufnahme des Sternbildes Kassiopeia durch das Nachtsichtgerät.

Wir bevorzugen sonst eher subtilere Operationsnamen, aber nach dieser Aufnahme werden vermutlich auch alle zukünftigen Wilderer-Streifen nach Sternen oder Sternbildern benannt werden ;-)

 

Wir beendeten Operation Kassiopeia mit meiner letzten Flasche Landwein der Fremdenlegion.  Wir hatten leider wirklich nur Pappbecher zum trinken im Jagdaufseher Hauptquartier.
Wir beendeten Operation Kassiopeia mit meiner letzten Flasche Landwein der Fremdenlegion. Wir hatten leider wirklich nur Pappbecher zum trinken im Jagdaufseher Hauptquartier.

Auch wenn wir bis jetzt keinen Wilderer in unseren Wäldern festnehmen konnten gelang Jörg Sprave und mir dennoch neulich die Überführung eines Wilderers :-)

Operation Kassiopeia ist nun ebenfalls beendet und wir schauen was die Zukunft bringt.