-Grundlegendes über Pfefferspray

-Welches Spray sollte man kaufen?

-Wirkung von Pfefferspray

-Training mit Pfefferspray

-Sprays von Hoernecke ("TW1000")

-RSG am Einsatzgürtel

-Taktik bei der Selbstverteidigung

-Bevorraten von Pfefferspray

-Pfefferspray im heißen Auto lassen?

-Erste Hilfe

-Fazit zum Pfefferspray

 

 

 

 

 

 

Foto: Gedankenspiel und Bastelarbeit. Ein Tierabwehrspray habe ich mit einem Laservisier und einer Klettbefestigung ausgestattet. Da das Spray dem Waffenrecht nicht unterliegt und ich den Laser speziell dafür gebaut hatte, ist diese Kombination nicht verboten. Sinn macht es natürlich nicht viel und die Klettbefestigung hat nur sehr schlecht funktioniert. Aber es lieferte neue Gedankenansätze.

Pfefferspray / Tierabwehrspray zur Selbstverteidigung

Kleine Übersicht über die, in Deutschland erlaubten, Reizstoffe: CN und CS ist "Tränengas". Senföl wurde nur extrem selten Verwendet. OC ist natürlicher Reizstoff und PAVA ein künstlicher, beide werden zur "Tierabwehr" verwendet.
Kleine Übersicht über die, in Deutschland erlaubten, Reizstoffe: CN und CS ist "Tränengas". Senföl wurde nur extrem selten Verwendet. OC ist natürlicher Reizstoff und PAVA ein künstlicher, beide werden zur "Tierabwehr" verwendet.

Grundlegendes über Pfefferspray

Pfefferspray ist die grundlegendste Waffen überhaupt,die es zur privaten und behördlichen Selbstverteidigung gibt. Meist ist darin der Wirkstoff Oleoresin-Capsicum, was der scharfe Bestandteil der Chili ist. Genau genommen müsste man also "Chillispray" sagen. Wer sich eine Selbstverteidigungswaffe beschaffen will, ist wegen einer Flut an Vorschlägen meist überfordert. Und dabei sind auch sehr oft solche Dinge wie Messer oder die Armbrust. Meist sind solche Vorschläge ziemlich kurzsichtig und dumm. Im echten Leben haben z.B. Messer nämlich eine sehr schlechte Stoppwirkung. Etwas später wird man dann auch noch merken, dass die relevanten Akteure unseres Rechtsstaates (Polizisten, Staatsanwälte und Richter) sehr wenig Verständnis für den Einsatz solcher Waffen aufbringen. Das kommt ganz einfach daher, dass sie gesellschaftlich nicht als Waffen akzeptiert sind. Und wenn man Glück hat und etwas später, nach der Notwehr mit einem Messer, von der Polizei entlassen wird, bekommt man es mit der Presse zu tun... Wie sagte vor einigen Jahren mal ein Freund von mir, zu einem Menschen mit einem aggressiven Hund: "Leinen sie ihren Hund sofort an, sonst stehen wir morgen in der Bildzeitung". Pfefferspray ist klein, leicht, billig, sozial akzeptiert, zuverlässig und vom Waffenrecht nicht erfasst.

Daher kommt jetzt mein Tipp für "untrainierte": Kauf dir erst mal ein Pfefferspray, erst dann solltest du schauen was Du sonst noch tun kannst. Wenn Du dann noch mehr tun willst, kauf dir eine anständige Taschenlampe, mit der man zuschlagen kann (wie mit einem Kubotan) und kauf dir ein weiteres Pfefferspray für die Garderobe. Alle anderen Überlegungen sollten erst später folgen.

Welches Pfefferspray sollte man kaufen?

Für Sicherheitsdienste und Behörden machen meist aufwendige Sprays Sinn, z.B. mit anständigen Gehäusen, auswechelbaren Kartuschen und Wegnahmesicherungen. Für den Privatmann halte ich aber einfache Dosen mit einem Inhalt von etwa 50-63ml für das Besten. Die Gehäuse der RSGs machen sie recht groß, bzw. den Inhalt, im Verhältnis betrachtet, klein.

Das Treffen mit einem Pfefferspray ist wesentlich einfacher, als es sich viele vorstellen. Aus diesem Grund verwende ich selber nur Sprays mit einem dünnen Strahl. Diese reichen weiter, können besser dosiert werden und die Gefahr Unbeteiligte damit zu erwischen ist erheblich geringer, wie es bei Nebelsprays der Fall ist. Aber, wenn jemand mit einer Notwehrsituation völlig überfordert ist, wenn er noch nie angegriffen wurde und untrainiert ist, würde ich eher zu einem Spray mit Sprühnebel raten. Diese haben in solchen Fällen eine bessere Chance für "Wirkungstreffer". Als ich selber das erste mal angegriffen wurde, war ich etwa 13 oder 14 Jahre alt. Mehr, als mich wegzudrehen und nach hinten zu sprühen schaffte ich damals nicht. Ich würde also genau danach mein Spray auswählen, wie viel ich mir selber zutraue.

Wenn Du viel in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bist, solltest Du überlegen, ob nicht ein Gelspray sinnvoll ist. Diese Gels bilden am wenigsten Schwebstoffe. Ich war mal dabei, wo ein junger Mann ein altes Ehepaar vor Schlägern verteidigt hat. Er hat ein CS Tränengas eingesetzt und alle Fahrgäste in dem Wagen waren davon betroffen. Aber kein einziger Fahrgast wollte diesen Mann anzeigen, weil er als einziger Mut und Courage gezeigt hat und sich den Schlägern in den Weg gestellt hat. Sinnvoller ist es aber natürlich dennoch, sich vorher Gedanken um die geeignete Bewaffnung zu machen. Ich selber kaufe mir nur noch Pfeffersprays von Hoerneke (TW1000"). Und das sage ich nicht, weil diese Firma mir etwas geschenkt hätte, oder ich mit ihnen "kooperieren" würde. Ich sage das, weil im meinem ganzen Leben kaum etwas so gut ausgegeben war, wie die 10-30 Euro, die ich immer für deren Sprays bezahlt habe. Ich habe sie schon oft verwenden müssen und die Wirkung trat immer blitzartig ein.

Das ist wie mit den Dönerbuden und Asiaten in den Nachtschichten. Warum sollte ich alle Restaurants der Stadt durchprobieren, wenn ich einen guten und zuverlässigen "Versorger" gefunden habe? Und dann hab ich mich von den Kollegen bequatschen lassen und mich dem Gruppendruck gebeugt und doch mal bei einem anderen Asiaten etwas zu Essen mitbestellt. Die halbe Nachtschicht hab ich vor der Kloschüssel verbracht.... Geht man zu dem Asiaten mit der leuchtendsten Werbung essen, oder zu dem, der die billigsten Preise hat? Und wenn er damit Werbung macht, dass er das schärfste Essen hat, kann er vermutlich nicht mit Qualität überzeugen (Sorry, das war jetzt eine ganz schlechte Anspielung auf die billigen Werbung von bestimmten Pfefferspray Herstellern mit ihrem angeblichen "Schärfegrad"). Ich würde lieber zu dem Asiaten gehen, der die meisten Stammkunden hat. Sehr oft wird über die Reizstoffkonzentration von Pfefferspray geredet und wie viel Scouville es hat. Ich halte diese ganzen Diskussionen für entbehrlich und meist sogar für völlig sinnlos. Kauft einfach ein Markenspray. Die Hersteller die sich bemühen die höchsten Scouville zu erreichen liefern meist minderwertige Sprays.

Wirkung von Pfefferspray

Ob Pfefferspray seine Wirkung entfaltet hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Gewöhnung an scharfes Essen des Angreifers z.B. Ich habe es selber schon erlebt, dass diese Gewöhnung einen relevanten Einfluss hatte. Oder auch die Agressivität (Adrenalin) und die Alkoholisierung und den Betäubungsmittelkonsum. Und nicht zu vergessen ist auch, ob der Angreifer auf das Pfefferspray vorbereitet ist oder ob er überracht wird. Menschen die nicht "KampfSPORT" betreiben, sondern ernsthaft das Kämpfen lernen, üben extra unter dem Einfluss von Pfefferspray weiter zu Kämpfen. Der größte Faktor für die Wirkung von Pfefferspray, aus meiner eigenen Erfahrung, wird aber seltsamerweise nirgends sonst erwähnt. Es ist der Geisteszustand des Angreifers. Eine sehr große Zahl von Gewalttaten werden von Geisteskranken verübt. Und genau bei diesen wirken oft keine Waffen, egal welcher Art.

Ich habe Pfeffersprays schon oft benutzen müssen und es hatte immer eine richtig gute Wirkung. Aus meinem eigenen Umfeld sind mir nur sehr wenige Fälle bekannt, in denen das Pfeffer nicht, oder schlecht, gewirkt hat. Aber das ist ja den Meisten bekannt, dass OC recht gut, aber halt auch nicht fehlerfrei in der Wirkung ist. Es ist ein ekelhaftes Zeug. Probiert es einfach selber mal aus. Zum Testen muss man sich das Zeug auch nicht mitten ins Gesicht sprühen lassen. Sprüht auf eine Oberfläche und reibt es mit einen Wattestäbchen ab und dann auf die Haut unter euren Augen. Meist lässt die Wirkung nach etwa 15 Minuten nach. Wenn Dich interessiert, wie die Wirkung in einem echten Kampf aussieht, schau auf Youtube nach entsprechenden Videos.

 Hier eines der kreativsten Werbegeschenke der Welt: Scharfe Gummibärchen von Hoernecke.
Hier eines der kreativsten Werbegeschenke der Welt: Scharfe Gummibärchen von Hoernecke.

Training mit Pfefferspray

Wenn man Notwehrsituationen auswertet, kommt man schnell zu der Feststellung, dass der Verteidiger meist aus der Bewegung heraus agieren muss. Und genau deshalb sollte auch das Training mit dem Pfefferspray aus der Bewegung heraus erfolgen. Entweder aus einem seitlichen, oder einen rückwärtigen Ausweichen. Es gibt ein paar Selbstverteidigungskonzepte, in denen gelehrt wird, dass man niemals zurückweichen soll. Das mag theoretisch für manche Kampfsportler sinnvoll sein. Aber für den durchschnittlichen Menschen garantiert nicht. Und es kommt wieder ein weiterer Faktor dazu: Wenn ein Zeuge den Anfang eines Konflikts nicht sieht und erst hinschaut, wenn der Verteidiger vorwärts marschiert und sich durch einen "Angriff" verteidigt, ist man selber zusätzlich in einer schlechten rechtlichen Situation. Ja ja, ich weiß, "lieber von 12en gerichtet, als von 6en getragen".... so ein Schwachsinn, wenn ich so denken würde, wäre ich schon längst im Gefängnis! Auszuweichen wird fast immer sinnvoll sein. Das überall propagierte wegrennen aber nicht unbedingt. Denn der gemeine Straßenschläger will, dass Du Angst hast. Das befriedigt seine primitive Lust. Wenn man blindlings weg rennt, kann das einen Jagdinstinkt auslösen. Was soll man dann also tun? Es gibt kein Patentrezept, das kann auch ich nicht liefern! Stärke dein Selbstbewusstsein und diese Ausstrahlung alleine wird dich vor vielen Konflikten bewahren. Das ist der beste Tipp, den ich dir dazu geben kann. Und bilde dich weiter und Du wirst eine besseres Bewusstsein für Gefahren bekommen.

Wie trainiert man damit:

Wenn man einen Trainingspartner hat, sollte man mit einem Übungsspray ohne Reizstoff trainieren. Die Meisten werden sich gegenüberstehen und plötzlich angreifen. Das entspricht aber nicht der Realität. In der Realität wird fast immer zuerst geschubst und dann geschlagen. Der Angreifer sollte also immer zu erst handgreiflich werden, bevor das Spray, aus einer bedrängte Lage heraus, aus der Tasche geholt und eingesetzt wird.

Wenn man alleine trainieren muss, eignet sich dafür fast jeder Wald. Auf einen Baum wird in Kopfhöhe ein Gesicht gemalt. Man stellt sich davor und und im Ausweichen wird das Spray eingesetzt. Hierfür sollte man ein scharfes Spray verwenden. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich die Wirkung des Sprays an sich selber ausprobieren. Man muss sich ja nicht gleich selber ins Gesicht sprühen, es reicht für den Anfang, wenn man mit einem Holzstück etwas auf die Backe reibt. Man spürt bei so einem Test z.B. auch wie sich Nebelsprays unbeabsichtigt verteilen können. Wenn Du alles um die Selbstverteidigung noch ernster nimmst, lass dich besprühen und verhaue dann einen Sandsack. An die Wirkung von Pfefferspray kann man sich tätschlich gewöhnen. Alleine schon regelmäßiges scharfes Essen wird die Wirkung etwas mildern.

Wenn Du etwas mehr Übung hast, solltest Du trainieren es gemeinsam mit einer Schlagwaffe oder einer entsprechenden Taschenlampe einzusetzen.

 

Wenn Du eine Dose einmal betätigt hast, sollte sie bald ersetzt werden. Ich selber würde mich nicht mehr darauf verlassen wollen, dass noch ausreichend Druck darin ist. Die Dosen haben ja schließlich keine Druckanzeige. Und eben weil man sich auf den vorhandenen Druck verlassen muss, kaufe und ersetze ich regelmäßig meine Sprays. Natürlich funktionieren die auch noch nach 10 Jahren. Auch der Reizstoff funktioniert dann noch, aber ich will mich nicht darauf verlassen müssen.

 

Wie benutzt mal es:

Man sollte von Anfang an üben, das Pfefferspray mit seiner schwachen Hand zu benutzen. Dann hat man die stärkere Hand frei für Anderes. Das Spray wird nicht mit dem Zeigefinger betätigt, sondern nur mit dem Daumen. Das ermöglicht ein wesentlich besseres Treffen. Gesprüht wird meist nur in kurzen Stößen, wie beim MG schießen. Das sollte auch entsprechend geübt werden. Vor allem kleine Sprays sind sonst zu schnell leer.

Pfefferspray von Hoernecke ("TW1000")

Die Hoernecke Pfeffersprays (TW1000)
benutze ich jetzt schon seit einigen Jahren. Hoernecke ist der größte Produzent von Behörden Pfeffersprays in Deutschland.Es gibt nur wenige Behörden, die sich für einen anderen Hersteller entschieden haben (wie z.B. den Hersteller IDC). Käufer sind also nicht nur Polizei, sondern auch Zoll, Justiz, Ordnungsämter usw. Sogar die U-Bahnwache München, als ziviler Sicherheitsdienst, hat die Behördenversion (mit Sondergenehmigung). Hierbei sollte erwähnt werden, dass die Behördenversionen, als Reizstoffsprühgeräte ohne Zulassungszeichen, verbotene Gegenstände sind für die man eine BKA-Sondergenehmigung braucht. In der Schweiz sind sogar die  Behördenversionen im zivilen Handel erhältlich.

Auch das Pfefferspray der österreichischen Polizei wird von Hoernecke gefertigt und stellt, wegen der fehlenden "Tierabwehr" Beschriftung, in Deutschland, eine verbotene Waffe dar.
Auch das Pfefferspray der österreichischen Polizei wird von Hoernecke gefertigt und stellt, wegen der fehlenden "Tierabwehr" Beschriftung, in Deutschland, eine verbotene Waffe dar.

Für Reisen in die Schweiz gilt: In Deutschland gekaufte Sprays können in beiden Ländern geführt werden. In der Schweiz gekaufte Sprays sind bei bei uns teilweise verboten, wegen dem fehlenden „Tierabwehr“ Aufdruck. Auf Kundenwunsch (von Behörden) kann Hoernecke die Sprays auch mit dem künstlichen Wirkstoff Pava herstellen.

Viele der angebotenen Sprays werden in zwei Versionen verkauft. Eine auf der „Abwehrspray gegen angreifende Tiere“ steht und eine mit dem Schriftzug „Reizstoffsprühpatrone für Polizeigeräte“. Die Tierabwehr-Dosen haben einen schwarz-rot-gelben Aufdruck und die für Behörden einen grün-roten. Im Inhalt unterscheiden sie sich darin, dass das zivile Spray brennbar ist. Die Konzentration der OC (Oleoresin Capsicum) ist in beiden gleich! Es wird immer wieder fälschlicherweise behauptet,
dass sie sich unterscheiden. Eine Nachfrage von mir bei Hoernecke bestätigte aber dass es dabei keinen Unterschied gibt. Es gibt aber andere Unterschiede, manche Sprays sind z.B. eingefärbt, oder brennbar.

Vorstellen will ich nun das Spray „Super Garant“. Es wird in 63ml und 30ml Dosen angeboten. Im Behördenbereich heißt das Kleine RSG-4 und das Große RSG-6. Das
Kleine wiederum wird mit Kunstoff- oder Metallclip verkauft. Das Große nur mit Metallclip. Eines der wenigen Dinge die ich an den Sprays überhaupt nicht mag ist der Metallclip. Das Gehäuse hat auf der Unterseite eine Platte die abgeschraubt werden kann um die Seite des Clips zu wechseln. Der Clip macht die Dose sehr breit und stört
das Greifen mit der anderen Hand. Wenn er in einem Einsatzgürtel steckt sitzt er sehr fest. Für meinen Geschmack zu fest. Wenn er etwas weg gebogen ist verliert man das Spray sofort. Die meisten befestigen das Spray daher mit einer Fangschnur, Spiralkabel oder Gearkeeper. Der Kunststoffclip ist fest an das Gehäuse gegossen und
kann nicht abgenommen werden, dafür ist dieser auch nicht so breit. Ich entferne den Metallclip für das Führen in zivil und stecke mir das Spray einfach in die linke Jackentasche (meine Waffenhand ist rechts). Es ist mir wirklich noch nie aus der Tasche gefallen. Evtl. kann man ein Stück Klettband an das Gehäuse kleben, damit das Spray
noch sicherer in der Tasche liegt.

Das 30ml Spray hat für meine mittelgroßen Hände die perfekte Größe und liegt sehr gut in der Hand. Leider hat es nicht die gummierte Oberfläche wie das 63ml Spray. Die Gummierung löst sich aber im Lauf der Zeit etwas ab, was nicht so gut aussieht. Der Sicherungsdeckel auf der Oberseite verhindert zuverlässig dass man versehentlich auf den Auslöseknopf kommt. Das Treffen damit sollte geübt werden, ist aber sehr gut möglich. Man kann wirklich mit sehr kurzen Sprühstößen mehreren Personen nacheinander in die Augen sprühen. Die Reichweite wird mit 3-4 Metern angegeben. Ich habe nie nachgemessen, die Angabe sollte aber stimmen. Die Sprays verfügen über einen „ballistischen“ Strahl. Sie sind daher eher für geschulte/geübte Personen vorgesehen da der Anwender zielen muss. Wer davon ausgeht, dass er in einer Konfliktsituation eher unkontrolliert handelt sollte ein Spray mit Nebel nehmen. Der Nebel reicht jedoch nicht so weit und die Schwebstoffe können Unbeteiligte leicht treffen. Der ballistische Strahl verursacht normalerweise sehr wenig Schwebstoffe. Ich habe aber auch schon erlebt, dass ein Raum nicht mehr betretbar war nach dem Pfeffer anwendet wurde. Wer beim Kauf schon davon ausgeht, dass er das Spray evtl. in geschlossenen Räumen anwenden muss (U-Bahn, Disco...) sollte lieber Schaum oder Gel verwenden. Zum Wechseln der Dosen wird die Sicherung auf der Rückseite mit dem Fingernagel nach unten gedrückt und heraus gezogen. Jetzt kann die Dose nach oben entnommen werden. Im Angebot hat die Firma auch das sehr flache RSG-2 mit 20ml Inhalt. Das Gehäuse verfügt über keine Sicherungsklappe, dafür über einen Sicherungshebel. Dieses Spray ist leider bekannt dafür, dass es regelmäßig zu versehentlichen Auslösungen kommt, die sehr unangenehm werden können.

Die Sprays mit den auswechselbaren Dosen kosten etwa 20-40 Euro. Sie sind damit welche von den teuersten Sprays auf dem deutschen Markt. Für mich sind sie ihr Geld auf alle Fälle wert. Wer weniger Geld ausgeben will kann die Einwegdosen
kaufen, die etwa 10 Euro kosten. Damit hat man die selbe Qualität und mehr Inhalt, aber nicht das professionelle Gehäuse.

Hier sind nun die beiden 30ml Sprays. Im Vergleich dazu ein ähnliches Spray (Übungsversion-Inert) für auswechselbare Dosen von First Defense mit dem kantigen Gehäuse. Die eine Dose ist gegen Klappern mit etwas Tesafilm umwickelt.

First Defence Übungsspray (Inert) und die TW1000 Pfeffersprays mit Kunststoff- und Metallclip
First Defence Übungsspray (Inert) und die TW1000 Pfeffersprays mit Kunststoff- und Metallclip
First Defence Übungsspray (Inert) und die TW1000 Pfeffersprays mit Kunststoff- und Metallclip. Man sieht gut, wie schlank die Sprays, ohne Clip, sind.
First Defence Übungsspray (Inert) und die TW1000 Pfeffersprays mit Kunststoff- und Metallclip. Man sieht gut, wie schlank die Sprays, ohne Clip, sind.

Eine Zeit lang habe ich parallel auch die von First-Defence geführt, welche mir jedoch irgendwann zu kantig und unhandlich waren. Die Kanten haben sich in der Tasche
immer unangenehm bemerkbar gemacht. Das Gehäuse von First-Defence ist schlechter verarbeitet. Aber es ist ebenfalls ein Qualitätsprodukt. Und als ich mit der Firma einmal Kontakt hatte waren diese sehr kundenfreundlich! Die Firma vertreibt auch eine riesige Palette von unterschiedlichen Spray mit Gel, Schaum, Pepper-Powder...

Behörden Reizstoffsprühgerät (verbotener Gegenstand) links, und das Tierabwehrspray rechts
Behörden Reizstoffsprühgerät (verbotener Gegenstand) links, und das Tierabwehrspray rechts

Reizstoffsprühgeräte am Einsatzgürtel ("RSG")

Diverse professionelle Reizstoffsprühgeräte, z.B. von Hoernecke, IDC und der richtig gute Pfefferspray Halter von Peter Jones.
Diverse professionelle Reizstoffsprühgeräte, z.B. von Hoernecke, IDC und der richtig gute Pfefferspray Halter von Peter Jones.

Hier ist das 63ml Spray von Hoernecke am Einsatzgürtel. Diese Dose passt perfekt in den Halter von Peter-Jones. Ich habe das Gehäuse des RSG-6 abgesägt um dieses mit dem Halter zu verwenden. An sonsten passen dort auch die anderen 63ml Sprays rein, ohne dass man sie bearbeiten muss. Bei den neuen Sprays mit der "360° Technik" sind nur 45ml drin und die Dose hat den selben Durchmesser.

Der Halter ist drehbar und die Dose kann mit einem Lederriemen gegen Wegnahme gesichert werden. Normalerweise wird die Dose durch ein Spiralkabel zusätzlich gesichert, welches ich jedoch gegen einen Gearkeeper ausgetauscht habe. Der Gearkeeper verfügt über eine Schraube mit der er an den Gürtel angeschraubt ist. Daran befestigt habe ich zur besseren Sichtbarkeit eine Stück Reflexband (schwarz) angebracht. Der Halter ist meiner Meinung nach der Beste der zu bekommen ist. Vor allem die englische Polizei verwendet ihn, aber auch die DB-Sicherheit. Auf der Homepage des Herstellers kann man sich die unterschiedlichen Varianten davon anschauen die es gibt. Zu kaufen gibt es ihn inzwischen sowohl bei Enforcer wie auch dem Cop-Shop.

Damit das RSG-6 in den Peter Jones Pfeffersprayhalter passt habe ich mir bei Hoernecke ein neues Gehäuse bestellt und es abgesägt.
Damit das RSG-6 in den Peter Jones Pfeffersprayhalter passt habe ich mir bei Hoernecke ein neues Gehäuse bestellt und es abgesägt.
Es sind ab und zu die kleinen Erfindungen die richtig genial sind. Beim RSG-6 sieht man sofort ob es schon einmal ausgelöst wurde. Der gelbe Stift durchbricht dabei das Siegel im Knopf.
Es sind ab und zu die kleinen Erfindungen die richtig genial sind. Beim RSG-6 sieht man sofort ob es schon einmal ausgelöst wurde. Der gelbe Stift durchbricht dabei das Siegel im Knopf.
Der Pfeffersprayhalter rechts ist ein Prototyp von Geisler Defence. Er verfügt über zwei Sicherungen, hat jedoch einige "Kinderkrankheiten" und ist kaum brauchbar.
Der Pfeffersprayhalter rechts ist ein Prototyp von Geisler Defence. Er verfügt über zwei Sicherungen, hat jedoch einige "Kinderkrankheiten" und ist kaum brauchbar.

Bitte beachtet beim Kauf von Sprays, die in ein Holster gesteckt werden sollen, dass es unterschiedlich dicke Dosen gibt. Üblich sind 35 und 38mm. In den Peter Jones Halter passen nur 35mm Dosen und in die von IMI und Geisler Defence 38mm breite.

Bedenkt bei den professionellen Pfeffersprays, mit wechselkartusche, dass für ihren Umfang immer etwas weniger Inhalt haben als Wegwerfsprays.
Bedenkt bei den professionellen Pfeffersprays, mit wechselkartusche, dass für ihren Umfang immer etwas weniger Inhalt haben als Wegwerfsprays.

Dieser IMI Pfeffersprayhalter ist völlig sinn- und nutzlos. Die Dose sitzt entweder viel zu fest oder viel zu locker. Die Dose ist auch nicht gegen eine Wegnahme, oder den Verlust, gesichert. Paddelholster sind für Einsatzgürtel sowieso idR. untauglich.

Durch einen Leserhinweis wurde ich auf die neuen Varianten des IDC RSG 200 aufmerksam. Das Spraygehäuse ist hierbei mit einem Gearkeeper gegen Verlust und Wegnahme gesichert. Es sah sehr gut durchdacht aus und ich konnte mir mittlerweile ein Gehäuse davon besorgen. Nach einem kurzen Test halte ich es für wenig, bis überhaupt nicht, brauchbar. Das Spray bewegt sich am Gürtelhalter locker und schwingt. Man kann beim Greifen nie sicher sein, in welcher Stellung es sich befindet. Der Knopf zum Lösen ist viel zu klein und an den Seiten von überstehenden Teilen verdeckt. So muss man ganz genau, mit dem Daumen, den kleinen Knopf sehr feste eindrücken. Erschreckend schlecht durchdacht dabei ist, dass der Verriegelungsmechanismus am RSG ist und nicht am Gürtelhalter. So kann man das Spray beim Ziehen, nicht mit dem Daumen vom Einsatzgürtel weg drücken. Das ist eine sehr unnatürliche Bewegung, die in einem echten Kampf schnell misslingen kann. So wenig ich den großen Clip der Hoernecke RSGs mag, er ist erheblich besser, einfacher und zuverlässiger, als dieser Verschluss von IDC. Und mein Peter Johnes Halter ist noch mal um Welten besser.

Da mich ein Kollege gefragt hat, ob ich das neue RSG von IDC wirklich so schlecht finde, habe ich hier noch mal ein Foto davon gemacht. Das zeigt recht gut, wie schwer es sein kann, die Entriegelung zu drücken. Vor allem natürlich auch mit Handschuhen.

 

Ich halte es für unbrauchbar und würde mich niemals darauf verlassen wollen.

Taktik bei der Selbstverteidigung mit Pfefferspray

Es gilt im Zweifelsfall: Frühzeitig pfeffern und überraschend pfeffern! Einen Hund bekommt man auch schneller unter Kontrolle wenn man ihn Pfeffert bevor er angreift.


Ein Tipp zur Notwehr: Lest das Buch „Blitz Defence“ von Keith Kernspecht. Es ist das Beste was ich kenne zum Thema Psychologie eines Streits, Ritualkampf, Körpersprache, Gerichtsverhandlung usw. Ich habe noch nie irgendwo etwas derart gute Buch gelesen über Selbstverteidigung. Man kann 10 Jahre in einem Kampfsportverein sein und hat nicht mal ansatzweise so viel Ahnung von Selbstverteidigung, wie wenn man dieses Buch gelesen hat.


Das Pfeffer sollte immer mit einer Schlagwaffe für die Waffenhand ergänzt werden, falls eines von beiden nicht wirkt oder funktioniert hat man immer noch eine zweite Option (Kubotan, Tactical Pen, Schlagstock, Taschenlampe). Die Anwendung von Pfefferspray sollte in der Notwehr nicht angedroht werden. Sonst ist der Angreifer gewarnt. Sobald der Angreifer abgewehrt ist sollte man sich schnell aus dem Staub machen.


Der große Vorteil von Pfeffer ist, dass es keine Verletzungen verursacht und rechtliche Probleme daher weniger wahrscheinlich sind. Bei einem Fall aus meiner Bekanntschaft ist mein Freund, nach einer Notwehrhandlung, von den Polizisten angezeigt worden. Nach nur einer Woche war schon das Schreiben des Staatsanwaltes da, dass das Verfahren auf Grund klarer Notwehr eingestellt ist. Und genau das unterscheidet schlaue Selbstverteidigung von blödem Stammtischgerede.

 

Wie trägt man es:

Überlege dir, wo Du das Spray trägst. Wenn Du es in der Jackentasche hast, ist es griffbereit, ohne dass der Aggressor überhaupt merkt, dass Du etwas in die Hand nimmst. Wenn Du Sorgen hast, dass es aus der Tasche raus fallen könnte, kannst Du auch einfach etwas Klett dran kleben. Wenn Du es in einer Hand- oder Gürteltasche hast, wird ein Aggressor immer merken, dass Du nach etwas greifst.

 

Vieles an dem Youtube Kanal "Active Self Protection" gefällt mir nicht, aber das Video und die darin aufgeführten Tipps sind dennoch gut:

Bevorraten von Pfefferspray?

Ich rate Euch keine größeren Mengen von Pfefferspray auf Vorrat zu kaufen. Denn diese laufen nach einigen Jahren in ihrer Haltbarkeit ab. Natürlich kann man diese einige Jahre länger verwenden als darauf angegeben. Aber wenn plötzlich alle Sprays im Haus alt geworden sind ist das ziemlich unpraktisch. Das ist bei den Hamsterkäufen 2015 oft passiert, dass ein Familienvater eine ganze Schachtel Tierabwehrspray gekauft hat.

Ich würde lieber regelmäßig einzelne, neue und hochwertige Sprays kaufen. Dann hat man immer ein Neues in der Tasche und kann die älteren in den Vorat legen oder zum Üben verwenden. 

Kann man Pfefferspray im heißen Auto lassen?

Eine Leser fragte mich genau das. Nun muss ich ehrlich zugeben, dass ich immer ein Pfefferspray im Auto habe und mir noch nie ernsthaft Gedanken dazu gemacht habe. Aber vermutlich wird diese Frage nicht nur ihn interessieren. Also googelte ich zuerst "Kann eine Spraydose im heißen Auto explodieren". Ich fand massenweise Berichte und Nachrichten über die Gefahren von heißen Spraydosen. Aber irgend etwas stimmte dabei nicht, denn ich habe bisher niemals von einem derartigen Fall gehört. Also googelte ich "Spraydose expoldierte im Auto" und die Nachrichtensuche erbrachte keinen einzigen Treffer zu so einem Fall.

Fast alle Hersteller geben an, dass die Pfefferspraydosen nicht über 50 Grad heiß werden dürfen. Aus den diversen Tabellen im Internet kann man raus lesen, dass diese Temperatur etwa ab 30 Grad Außentemperatur innen erreicht wird, wenn das Auto in der Sonne steht. Wenn man nun sein Pfefferspray nicht auf dem Sitz, in der Mittelkonsole oder am Armaturenbrett hat, sondern an einem schattigen Platz, sollte in der Praxis keine Gefahr bestehen. Ich bin übrigens mal einem Taxifahrer begegnet der sich sein Pfefferspray mit Klettstreifen am Armaturenbrett befestigt hatte, was taktisch betrachtet interessant war.

 

Ich werde weiter sorgenfrei mein Spray im Seitenfach der Tür liegen haben!

 

Erste-Hilfe nach einem Reizstoffeinsatz

Der Betroffene sollte möglichst liegen, um die Augen mit Wasser auszuspülen. Er wird etwas auf eine Seite gedreht und seine Augenlider werden (mit Handschuhen) auseinander gezogen. Wenn man so das unten liegende Auge spült, fließt der Reizstoff nicht über das zweite Auge. Und man erreicht die Stellen, wo er sich sammelt. Im Anschluss dreht man ihn auf die andere Seite und macht das Selbe erneut, mit dem anderen Auge. Wenn man die Augenlider nicht auseinander zieht, bleibt Reizstoff darunter zurück und die Schmerzen werden nicht gelindert. Das passiert recht oft, weil der Betroffene durch das OC einen krampfartigen Lidschluss hat. Wenn man die Augen aber mit dieser Technik anständig spült, braucht man gar nicht viel Wasser. Die Wirkung hält aber immer, auch nach einem erfolgreichen Ausspülen, eine Weile an.

Es gibt auch spezielle Augenspülflaschen, oder Erste-Hilfe Sprays. Die Spülflaschen sind eine super Sache, wenn man sie zur Hand hat. Die Erste-Hilfe Sprays habe ich noch nie benutzt und ich kann daher auch nicht aus meiner eigenen Erfahrung sagen, wie gut sie funktionieren. In der Praxis wird meist das genommen was da ist. Entweder zwängt man den Betroffenen unter den Wasserhahn, oder man verwendet einfach eine Trinkflasche mit Wasser. Man kann auch mit dem Taschenmesser in einer Ringer Infusionslösung stechen und die Augen damit ausspülen. Macht dabei das Loch nicht zu groß und seit vorsichtig, damit Ihr die Flüssigkeit nicht zu fest in die Augen spritzt.

Fazit zum Pfefferspray

Pfefferspray ist in unserer "waffenfeindlichen" Gesellschaft die beste Waffen überhaupt gegen den gemeinen Straßenschläger. Es ist zuverlässig, klein, leicht, günstig, gesellschaftlich akzeptiert und millionenfach bewährt (ich weiß, dass ich mich damit wiederhole). Es muss nicht unbedingt eines von Hoernecke sein. Viele anderen Markensprays sind auch sehr gut. Aber meine Empfehlung z.B. für Sicherheitsdienste ist auch, dass immer die Einsatzmittel der örtlichen Polizei übernommen werden sollte um Rechtssicherheit zu haben. Jedenfalls  sofern diese gut, verfügbar und erlaubt sind.

Wir können uns auch darüber amüsieren, dass die Regelungswut unseres Waffengesetzes kurioser Weise dazu geführt hat, dass die am weitesten verbreitete Selbstschutzwaffe in Deutschland nicht unter das Waffengesetze und
deren Vorschriften fällt! Den entsprechenden Feststellungsbescheid des BKA könnt Ihr HIER runter laden. Was mein Bericht nicht erklären kann ist wie das Zeug wirkt, dass sollte jeder einfach mal ausprobieren!