Die ASS 33/6 Lacrimae Gaspistole von August Schüler

Zwei Gaspistolen komplett aus Stahl. Oben ist die sehr seltene ASS 33/6 Lacrimae Pistole. Unten die EM-GE Mod. 2 in 6mm.
Zwei Gaspistolen komplett aus Stahl. Oben ist die sehr seltene ASS 33/6 Lacrimae Pistole. Unten die EM-GE Mod. 2 in 6mm.

Die Lacrimae Pistole ist der Stolz meiner Sammlung. Eine 08 Pistole findet man in jedem Waffengeschäft, aber so etwas muss man lange, in meinem Fall mehrere Jahre, suchen. Natürlich ist es auch nicht einfach die Erlaubnis für derartige Waffen zu bekommen. Denn vor allem dafür ist viel Arbeit erforderlich. Zum Verständnis der Technik solltet ihr meinen Bericht über die Wadie Pistole lesen. Diese hat das selbe System. Dort könnt ihr auch etwas über die Munition lesen und ein Schussvideo anschauen.

 

Die Pistole von August Schüler Suhl (ASS) war in den 30er Jahren die erste halbautomatische selbstlade Schreckschusspistole überhaupt (Nachtrag: Die von Menz in 6,35mm war vermutlich ein paar Jahre vorher am Markt). Bis dahin gab es eigentlich nur Einzellader und Repetierpistolen. Und natürlich noch die Pistolen mit Stangenmagazin, wie meine EM-GE Mod. 2 oben auf dem Bild. Schüler hat zu der Pistole die entsprechende 8mm Munition ohne Rand entwickelt. Sie ist mit Schwarzpulver geladen und benötigt kein Patronenlager. Bereits vor dem 2. Weltkrieg wurde für die Waffen sehr viel unterschiedliche Munition gefertigt, wie z.B. auch Parfumpatronen. Entsprechende Munition ist sehr selten und kaum noch irgendwo zu bekommen. Man findet im Internet Fotos davon. Man erkennt die Munition sofort daran, dass sie aus Messing ist, im Gegensatz zur Nachkriegsmunition aus Alu.

8mm Lacrimae Gaspatronen für die ASS Pistole aus Messing aus den 30er Jahren.
8mm Lacrimae Gaspatronen für die ASS Pistole aus Messing aus den 30er Jahren.

 

Die Pistole gibt es in unterschiedlichen Varianten. Meine ist offenbar eine frühe Version der endgültigen Konzeption. Fast alle mir bekannten Pistolen sehen so aus wie meine, nur mit dem Unterschied, dass meiner Beschriftungen fehlen. Die späteren Pistolen haben am Sicherungshebel "Feuer" und "Sicher" stehen. Und unten auf dem Griffstück "M.33". Weitere Unterschiede gibt es bei der Form des seitlichen Schutzbleches. Mir ist auch eine Pistole der ersten Variante bekannt, die ein ganz anderes Ausehen hat. Bilder davon kann ich nicht einstellen, da der Besitzer das vermutlich nicht möchte (ensthafen Sammlern kann ich die Fotos evtl. weiterleiten). Er hat mir die Pistole (inkl. Karton, Anleitung und Munition) mehrfach zum Kauf angeboten, hatte jedoch eine falsche Preisvorstellung. Zum Entladen musste man bei der ersten Variante seitlich einen Stift eindrücken um die Kartuschen nach rechts auszustoßen. 

 

Die Pistole funktioniert fast genauso wie die Wadie Pistole, die das System der ASS kopiert. Der große Unterschied ist, dass die ASS einen "Schlitten" hat an dessen Ende der Schlagbolzen fest verschraubt ist. Beim Betätigen vom Abzug läuft der ganze Schlitten nach hinten, bis er zur Schussabgabe frei gegeben wird. 

 

Ich muss ehrlich sagen, dass die ASS Pistole sehr gut in der Hand liegt und man mit ihr wirklich Freude hat. Sie ist sehr hochwertig, und ganz aus Stahl gefertigt. Interessant ist, dass fast alle ASS Pistolen auf dem Markt in einem sehr guten Zustand sind. Andere Waffen dieser Zeit weisen massiven Rost auf. Und das obwohl die ASS Schwarzpulvermunition verschießt die dazu noch sehr korrosiv ist. Für mich lässt das auf eine gute Stahlqualität schließen.

ASS Lacrimae Pistole 33/6. Diese Schreckschusspistole hat natürlich noch keine PTB Zulassung und wurde von August Schüler entwickelt.
ASS Lacrimae Pistole 33/6. Diese Schreckschusspistole hat natürlich noch keine PTB Zulassung und wurde von August Schüler entwickelt.
Rechte Seite der ASS 33/6 Lacriame Pistole. Das Schwarze im Auswurffenster ist der Magazinzubringer.
Rechte Seite der ASS 33/6 Lacriame Pistole. Das Schwarze im Auswurffenster ist der Magazinzubringer.
Eine Kartusche aus Nachkriegsfertigung ist in Feuerstellung vor dem Lauf.
Eine Kartusche aus Nachkriegsfertigung ist in Feuerstellung vor dem Lauf.
Der Stahllauf ist glatt und hat keine Sperre eingebaut. Ein Missbrauch ist aber ausgeschlossen, da das Vorladen eines Geschosses die Kartusche platzen lassen würde.
Der Stahllauf ist glatt und hat keine Sperre eingebaut. Ein Missbrauch ist aber ausgeschlossen, da das Vorladen eines Geschosses die Kartusche platzen lassen würde.
Hier zu sehen der eingeschraubte Schlagbolzen der Gaspistole von August Schüler aus Suhl.
Hier zu sehen der eingeschraubte Schlagbolzen der Gaspistole von August Schüler aus Suhl.
Suhler Beschusszeichen auf der Unterseite vom Griffstück. Die Frage ist, wie damals ein "Beschuss" ohne Verschluss statt gefunden hat???
Suhler Beschusszeichen auf der Unterseite vom Griffstück. Die Frage ist, wie damals ein "Beschuss" ohne Verschluss statt gefunden hat???

Das Zerlegen:

 

Ich habe zum Zerlegen tatsächlich etwa 2 Stunden benötigt. Das lag vor allem daran, dass ich eine Schraube ausbohren musste. Das Zerlegen ist auch ganz anders als bei anderen Waffen.

 

Zu erst müssen alle Schrauben der Griffschalen und der Seiteplatten am Griffstück abgeschraubt werden. Dann kann die rechte Seitenplatte nach unten raus gezogen werden. Diese hält bis zu diesem Moment den Sicherungshebel an seiner Stelle. Wenn das Passiert ist kann man den Sicherungshebel nach links raus schlagen. Auf der Unterseite des Sicherungshebels ist ein sehr kleiner Stift auf den man nun achten muss, sonst geht er verlohren. Zusammen mit der Sicherung kann man nun die linke Seitenplatte raus nehmen. Nun muss man die Magazinfeder und den Zubringer raus nehmen.

Jetzt schlägt man den silbernen Stift in der Nähe der Mündung raus, der das "Verschlussstück" hält. Danach kann man den zweiten (schwarzen) Stift entnehmen. Das "Verschlussstück" kann man jetzt nach hinten abziehen, aber achtung: Wenn man jetzt an den Abzug kommt fliegt die "Verschlussfeder" nach vorne weg! Der Abzug wird gezogen und die Feder an der Mündung entnommen. Die Abzugsfeder wird zur Seite entnommen. Der Abzug nach hinten geschoben und nach links raus gedrückt 

Jetzt ist die Waffe komplett leer.

 

Das Wort "Verschluss" schreibe ich hier nur in Anführungszeichen, da die Waffe verschlusslos ist. Ich meine damit den "Schlitten" der um das Griffstück läuft und hinten mit dem Schlagbolzen versehen ist. Er lässt sich ähnlich wie ein Verschluss nach hinten ziehen.

 

 

Abgeschaubte Griffschale und Seitenplatte Gut zu sehen die Magazinfeder und Abzugsmechanik. Der kleine Hebel der am Abzug nach oben ragt rastet am "Verschlussstück" ein und schiebt dieses zurück.
Abgeschaubte Griffschale und Seitenplatte Gut zu sehen die Magazinfeder und Abzugsmechanik. Der kleine Hebel der am Abzug nach oben ragt rastet am "Verschlussstück" ein und schiebt dieses zurück.
Linke Waffenseite der ASS Pistole ohne Griffschalen
Linke Waffenseite der ASS Pistole ohne Griffschalen
Abzugsmechanik der Lacrimae Pistole
Abzugsmechanik der Lacrimae Pistole
Das "Verschlusstück" ist entfernt. Das Verbindungsstück mit "Verschlussfeder" sind noch unter dem Lauf drin.
Das "Verschlusstück" ist entfernt. Das Verbindungsstück mit "Verschlussfeder" sind noch unter dem Lauf drin.
Komplett zerlegte Lacrimae Pistole ASS 33/6
Komplett zerlegte Lacrimae Pistole ASS 33/6
Das sehr moderne Bamer Pfeffer Abschussgerät aus Russland basiert auf dem selben System. Quelle: https://www.all4shooters.com/en/Shooting/accessories/EXA-2013-less-lethal-AKBS-Bamer-OC-Capsicum-self-defense-projector/
Das sehr moderne Bamer Pfeffer Abschussgerät aus Russland basiert auf dem selben System. Quelle: https://www.all4shooters.com/en/Shooting/accessories/EXA-2013-less-lethal-AKBS-Bamer-OC-Capsicum-self-defense-projector/

Nachtrag: Andere Varianten der ASS Pistole könnt ihr auf dieser Seite anschauen:

http://www.poplasnak.cz/b/august-schuler-suhl/