Spurensicherung / Ermittlungen

-Gute Notizen sind der Schlüssel zum Jagdschutz

-Beweisfotos sind der zweite Schlüssel

-Wildkameras an Waldwegen anbringen?

-Einen Bericht anfertigen

-Spuren, Spuren, Spuren...

-Ermittlungen im Falle der Jagdwilderei

-Der Jäger findet: Eine Leiche, Marihuanaplantage, Tatwaffe, Einbrecherlager....

-Im Jagdrevier wurden Schüsse gehört

-Stoppen eines Wilderer-Fahrzeuges

 

 

Hebt alle relevanten Zeitungsberichte auf. So könnt ihr auch lange nach einem Ereignis, vor Gericht oder bei der Polizei, erklären warum ihr auf eine bestimmte Weise gehandelt habt. Stellt Euch mal vor, dass Ihr einen Verdächtigen "hart angefasst" habt. Ihr könnt dann dem Richter später glaubhaft darlegen, dass z.B. in eurem Ort regelmäßig Maisfelder mit Eisenstangen präppariert wurden um die Erntemaschinen zu beschädigen und ihr von so einer schwerwiegenden Tat ausgehen musstet. Es gibt unzählige Fallkonstellationen in denen alte Zeitungsberichte Euch später helfen können. Dass Ihr eine wildernde Katze erlegt habt weil genau dort die seltene Bekassine brütet usw... Ein vorgelegter Zeitungsbericht beweist Eure gute Absicht besser als eine einfache Aussage. Ihr braucht nicht mehr als einen Karton in den ihr alle Berichte einfach rein legt.

 

 

Aufsichtlose Hunde und Katzen müssen protokolliert werden. Gerissene Wildtiere aber ebenfalls.

Hauskatzen sind ein riesen Problem für den Artenschutz! Daher dürfen Jagdschutzberechtigte sie in den meisten Bundeländern erlegen. Um sich vor falschen Anschuldigungen zu schützen muss man alles genau protokollieren.

Unfallflucht im Revier: Ein Verkehrsschild wurde beschädigt. Es gab keine relevanten Spuren oder Ermittlungsansätze. Daher hatte ich nichts weiter unternommen außer den Vorfall zu notieren.

Genau an dem Tag als die Rabenvogel Schonzeit begann suchte ich mir andere Beschäftigungen und fand mal wieder Gras an einem beliebten Ausfugsziel.
Genau an dem Tag als die Rabenvogel Schonzeit begann suchte ich mir andere Beschäftigungen und fand mal wieder Gras an einem beliebten Ausfugsziel.
Ob man wegen solcher Kleinmengen Marihuana aus dem Jagdrevier die Polizei ruft muss jeder selber wissen.
Ob man wegen solcher Kleinmengen Marihuana aus dem Jagdrevier die Polizei ruft muss jeder selber wissen.

Bei solchen Kleinmengen an Rauschgift wird eine Spurensicherung nicht verhältnismäßig sein. An sich nehmen sollte man es auf keinen Fall, denn so würde man sich strafbar machen.

Wenn man aber so was findet wird es strafrechtlich viel interessanter....
Wenn man aber so was findet wird es strafrechtlich viel interessanter....

 

 

 

 

Auf diesem Stuhl saß die Anglerin als ich vorbei gelaufen bin. Später war er leer und die Anglerin wurde 400m weiter aus dem Wasser geborgen.

Ich hatte die Frau vermutlich als letzter lebend gesehen und erfuhr erst Stunden später von dem Fund der Wasserleiche von meinen Jagdherren.

Ich habe unverzüglich zur Kripo Kontakt aufgenommen und das Wenige was ich dazu sagen konnte erzählt. Aber da ein Auto illegal einen landwirtschaftlichen Weg dorthin befahren hatte (etwa zur selben Zeit) konnte ich ein Kennzeichen und somit weiterer potentieller Zeugen benennen. Schließlich hatte ich gründlich Buch geführt ;-) Im Anschluss habe ich einen Bericht dazu geschrieben. Die genauen Umstände will ich hier nicht weiter ausführen, Fremdverschulden lag aber nicht vor.

Gute Notizen sind der Schlüssel zum Jagdschutz

So etwa sollten einfach Notizen zu verdächtigen Beobachtungen aussehen. Auch ein Jahr später muss man noch etwas damit anfangen können. Kennzeichen und Fahrzeugbeschreibung gehören immer zusammen, damit die Polizei es auf Richtigkeit prüfen kann.
So etwa sollten einfach Notizen zu verdächtigen Beobachtungen aussehen. Auch ein Jahr später muss man noch etwas damit anfangen können. Kennzeichen und Fahrzeugbeschreibung gehören immer zusammen, damit die Polizei es auf Richtigkeit prüfen kann.

Beweisfotos sind der zweite Schlüssel

Beweisfotos: Sollte man in den Besitz von Beweisfotos (z.B. von tatverdächtigen Personen) gekommen sein und diese auf rechtlichtlich fragwürdigen Weg entstanden sein, können die Bilder der Polizei anonym zugeleitet werden. Dann kann die Polizei kein Verfahren bzgl. dem Datenschutzverstoß einleiten. Richter haben in Deutschland die sogenannte "freie Würdigung der Beweise".

Das heißt, dass sie alles als Beweis verwenden können, egal woher es kommt. Den Fotos muss aber auf alle Fälle ein Hinweis beiliegen wann und wo sie entstanden sind!

 

(Ich will hier natürlich auf keinen Fall dazu anstiften Beweisfotos auf rechtlich wackeligem Weg zu fertigen)

 

HIER ist ein aktueller Fall wo Jäger einen Hochsitz-Brandstifter mit Wildkameras überführt haben.

Eine Reifenspur "planparallel" und "formatfüllend" fotografiert (richtig)
Eine Reifenspur "planparallel" und "formatfüllend" fotografiert (richtig)
Die Reifenspur schräg fotografiert, was die Bemaßung verzerrt (falsch)
Die Reifenspur schräg fotografiert, was die Bemaßung verzerrt (falsch)
Bei diesem Foto, einer schwer zu erkennenden Schuhspur, ist viel zu viel des Bildes ungenutz, es ist nicht formatfüllend.
Bei diesem Foto, einer schwer zu erkennenden Schuhspur, ist viel zu viel des Bildes ungenutz, es ist nicht formatfüllend.

Eine Hundespur ohne menschliche Begleitung (oder evtl. doch ein Wolf?)! Wenn man nicht sofort alles dokumentiert wird man später Probleme haben die Zusammenhänge zu erkennen. Notiert jede unbegleitete Hundesichtung mit Ort Zeit und Beschreibung des Tieres. Solltet Ihr wirklich einen Wolf vermuten könnt ihr evtl. nach Haaren für eine DNA Untersuchung suchen. Diese dürfen aber niemals luftdickt verpackt werden.

 

 

 

Wildkameras an Waldwegen anbringen?

Die Reichweite des Sensors war teilweise sogar ziemlich gut. Aber meist lösten die Kameras auch überhaupt nicht aus.
Die Reichweite des Sensors war teilweise sogar ziemlich gut. Aber meist lösten die Kameras auch überhaupt nicht aus.

Ich wurde schon oft von anderen Jäger gefragt ob und wie sie Wildkameras aufstellen können um Wilderer zu überführen. Ich will hier keine rechtliche Abhandlung über den Datenschutz schreiben. Ich kenne mich damit auch nicht sonderlich gut aus. Aber jedem ist sicher klar, dass es rechtlich nicht erlaubt ist Wildkameras an öffentlich zugänglichen Waldwegen aufzustellen. Auch wenn es der eigene Wald ist wäre es an Wegen verboten. Ich wollte es dennoch testen. Ich machte einen Versuch mit einer Denver und einer Minox Wildkamera die ich am Waldweg montierte.

Ich stellte beide Kameras auf den Mehrfachbildmodus. Es war ein erster Versuch und dieser war ziemlich ernüchternd. Ich fuhr mehrfach an den Kameras vorbei, bei Tageslicht und in der Dämmerung. Meist lösten sie überhaupt nicht aus, vor allem im Dunkeln nicht. Trotz etwa 6 Fahrten waren diese Bilder die Besten die dabei raus kamen. Auf keinem Der Bilder war das Kennzeichen lesbar.

 

Mal abgesehen von diesem ersten, schlechten, Ergebnis muss man bedenken, dass man für Tagaufnahmen die Kameras fast vollständig verkleiden und tarnen kann. Z.B. mit einem Nistkasten. Aber wenn man Nachtaufnahmen haben will muss man die Infrarot-LEDs offen lassen, was ein Tarnen der Kamera sehr schwierig macht. Beachtet zum Tarnen von Wildkameras auch die "Operation Romulus".

Für den Test montierte ich die Kameras offen wenige Meter neben den Weg.
Für den Test montierte ich die Kameras offen wenige Meter neben den Weg.
Oben ist die Denver Wildkamera von Conrad Elektronik und unten die Minox, die leider nur mit frischen Batterien funktioniert.
Oben ist die Denver Wildkamera von Conrad Elektronik und unten die Minox, die leider nur mit frischen Batterien funktioniert.

Da die ersten Ergebnisse ziemlich schlecht waren wiederholte ich den Test mit meinem Jagdschutzkameraden. Wir montierten die Kameras mehr senkrecht zur Fahrbahn und fuhren sehr langsam vorbei. Die Einstellungen der Denver Kamera änderte wir für Fotos auf längere Entfernung.

Das hier sind die einzigen brauchbaren Bilder von drei Vorbeifahrten in Schrittgeschwindigkeit. Bei zwei Fahrten lösten die Kameras wieder nicht aus.

Wir vermuten, dass die Fahrzeugkarosserie eine sehr ähnliche Außentemperatur hat wie die Umgebung, im Vergleich zu einem Lebewesen. Die Sensoren der Kameras reagieren schließlich auf Wärme.

 

 

 

Fazit: Es funktioniert schlecht bis gar nicht Waldwege mit Wildkameras zu überwachen. Evtl. geht es aber mit anderen Kameras, vor allem welche bei denen man die Empfindlichkeit des Sensors einstellen kann. Dazu kommt aber auch noch, dass man idR. nur das Fahrzeug erkennt, nicht aber Gesichter oder Kennzeichen. 

 

 

Einen Bericht anfertigen:

Aus den Notizen und den Beweisfotos kann später ein anständiger Bericht werden.

 

 

In vielen Fällen wird man Verdächtiges beobachten, aber noch nicht die Polizei einschalten wollen. Entweder, weil der Jagdherr das nicht wünscht, oder weil es nicht ausreicht um ein Strafverfahren einzuleiten.  Wenn diese Fälle wichtig sind sollte man ein Gedächnisprotokoll anfertigen und dies mit Datum unterschreiben. Weitere Unterschriften von Vertrauenspersonen können die Beweiskraft des Fertigungsdatum bekräftigen. Als Alternative bietet sich wieder das, von mir geführte, Jagdtagebuch an. Aber man muss bedenken, dass im Falle eines Strafverfahrens das gesamte Tagebuch der Polizei vorgelegt werden muss. Tagebücher haben vor Gericht eine hohe Beweiskraft.

 

Sollten die Spuren selber gesichert werden sollte dazu gleich ein Spusi-Protokoll angefertigt werden. Darin schreibt man alle Beobachtungen auf und auf welche Weise welche Spur gesichert wurde, nur so kann alles gerichtsfest verwertet werden. Fotos ohne Erläuterungen beweisen nun mal nichts. Ein entsprechender Bericht sollte etwa so aussehen:

 

 

Protokoll zum abfallrechtlichen Verstoß 

Am 02.01.2016, um 14:36 Uhr, bemerkte ich,

 

Name

Adresse

Geburtsdatum und Ort

Staatsangehörigkeit, Familienstand, Beruf,

Telefonnummer

 

bei meiner Tätigkeit als amtlich bestätigter Jagdaufseher im Jagdrevier ..... folgenden Sachverhalt.

Am Waldparkplatz des Waldes ... an der Staatsstr. .... Abschnitt ... Km... konnte ich drei Sofas am westlichen Rand des Parkplatzes feststellen die dort offensichtlich illegal entsorgt wurden und am 30.12.2016 noch nicht dort gelegen sind.

Von den Sofas selber habe ich Fotos gefertigt die ich mit den Nummern 1-3 beigelegt habe. Wie sie auf Bild Nr. 4 sehen können habe ich in einer Spalte eines Sofas einen Brief mit folgender Adresse aufgefunden: .......

Den Brief selber lege ich Ihnen in dem Umschlag mit der Nr. 5 diesem Protokoll bei. Die Sofas habe ich vor Ort gelassen und die Stadtverwaltung habe ich bisher nicht bzgl. der Entsorgung informiert.

 

Unterschrift, Datum

 

 

Spuren, Spuren, Spuren...

DNA: Alles was ein potentieller DNA-Träger ist darf niemals luftdickt vepackt werden.  Was sich dafür eignet sind Papiertüten.

 

Fingerspuren: Landläufig auch Fingerabdruck genannt, was aber kriminalistisch gesehen falsch ist. Ein Fingerabdruck hat man, wenn jemand erkennungsdienstlich behandelt wird. Fingerspruren findet man im Schräglicht einer Taschenlampe. Sie werden mit Pulver oder Cyanacrylat Dämpfen gesichert, was nur durch geschultes Personal erfolgen sollte. Man kann aber notfalls spurentragende Gegenstände vorsichtig an sich nehmen und in Sicherheit bringen. 

 

Geschosse in Bäumen oder im Wildkörper dürfen nur sehr vorsichtig enfernt und gesichert werden. Die Spuren der Züge und Felder werden sehr schnell zerstört. Ein Geschoss darf daher nie aus dem Holz mit Werkzeugen raus manipuliert werden, sondern es sollte das ganze Holz um das Geschoss raus gesägt werden und der ganze Holzblock sollte der Polizei übergeben werden. Geschosse aus Wildkörpern dürfen nur unter dem fließenden Wasser gereinigt werden, ohne Bürsten oder Putzmittel. Geschosse müssen unbedingt einzeln verpackt werden, damit sie nicht aneinander reiben.

 

Reifen oder Schuhspuren: Das fotografische Sichern ist leicht und oben mit Fotos erklärt. Das Sichern mit Gips sollte ebenfalls nur von Profis durchgeführt werden.

 

 

In Fällen der Wilderei wird oft ein verendetes Tier gefunden. Sollte der Fundort nicht auch der Anschuss sein muss dieser unbedingt gefunden werden. Sonst kann man auch nicht den Standort des Wilderers zum Zeitpunkt der Schussabgabe finden. Nur so hat man eine Chance Patronenhülsen, Geschosse, Schuh- und Reifenspuren zu finden. Die beste Aussicht auf Erfolg hat es einen Schweißhund auf die Wundfährte anzusetzen und ihn den Weg zurück suchen zu lassen.

 

 

In diesem Bericht über eine Gerichtsverhandlung kann man sehr gut sehen wie ein Verfahren ohne eine saubere Beweisführung im Sande verläuft.

 

 

 

Wer gerne einen kleinen Einblick in die Spurensicherung bekommen möchte, der kann sich dieses gut gemachte kleine Buch besorgen. Es ist eine kleine Übersicht über die wichtigsten Methoden zur Spurensicherung.

Ermittlungen im Falle der Jagdwilderei

(Foto links: Der Bock wurde in meinem Nachbarort gewildert)

 

Es ist also passiert. In eurem Revier wurde gewildert. Das wird meist dadurch bekannt, dass ein angeschweißtes oder verendets Stück mit entsprechenden Verletzungen gefunden wird. Evtl. findet man auch nur noch den Aufbruch oder in machen Fällen gibt es lediglich ein paar Schweißspuren und ein dem Revierinhaber bekanntes Stück ist plötzlich nicht mehr auf der Wildkamera.

Das Ermitteln von Wilderern ist ziemlich schwer und oft leider nicht möglich. Vor allem da meist wenig Ermittlungsansätze vorhanden sind.

 

Man sollte versuchen sowohl an die Geschosse, wie auch die Patronenhülsen zu kommen. Wenn der Fundort eines Wildtieres nicht auch der Anschuss ist kann man versuchen vor Ort alle Spuren zu sichern und dann, nach dem das Stück entfernt wurde, durch einen guten Schweißhund, eine "umgekehrte Nachsuche" durchzuführen. Wenn dies klappt führt er einen evtl. zum Anschuss. Hier hat man evtl. die Möglichkeit mit einem Metallsuchgerät das Geschoss zu funden und Rückschlüsse auf den Standort des Schützen schließen. Wenn man es wirklich geschafft hat diesen Standort zu finden kann man hier nach Hülsen, Schuh- und Reifenspuren oder auch weiteren Spuren suchen.

 

Wenn wir jetzt vom Idealfall ausgehen, dass man einige Spuren gefunden hat bringt einem das noch keinen Tatverdächtigen und erst Recht noch keine Verurteilung. Aber sollte die Polizei einen Verdächtigen ermitteln können kann nun der Abgleich mit den Waffen, Autoreifen usw. erfolgen.

 

Da die Resourcen der Polizei oft sehr begrenzt sind sollte man auch selber tätig werden und alle Anwohner befragen. Das ist für die Polizei eine übliche Maßnahme bei schweren Straftaten. Im Falle von Jagdwilderei wird die Polizei das eher nicht machen. Die Befragung sollte so schnell wie möglich erfolgen, evtl. ist ja jemandem (vor allem den Landwirten) ein verdächtiges Fahrzeug aufgefallen.

 

Die Spurensicherung sollte natürlich immer durch Polizeibeamte erfolgen. Da diese jedoch bei kleineren Delikten gar keine durchführen, hinsichtlich der Jagd keinerlei Erfahrung haben und evtl. nicht rechtzeitig vor Ort seine können, müssen Jagdaufseher auch hierzu in der Lage sein. Entsprechende Wetterlagen können Spuren schnell beseitigen.

 

Der Jäger findet: Eine Leiche, Marihuanaplantage, Tatwaffe, gewildertes Wild, Einbrecherlager...

Die Meisten Jäger werden schon mal den Gedanken gehabt haben, dass sie etwas Derartiges im Jagdrevier finden. Wie Ihr aus meinen Geschichten vermutlich bereits wisst bin ich auch bereits auf Marihuanaplantagen gestoßen und hatte diverse weitere seltsame Begegnungen. Der Wald ist ein Rückzugsraum für Randständige, Suizidenten und Kriminelle. In den Wäldern wurde von RAF und Gladio Waffenverstecke angelegt und fast täglich gehen Menschen in den Wald um ihr Leben zu beenden. Aber auch wie in früherer Zeit die Räuber- und Wildererbanden, nächtigen immer noch Einbrecher aus fremden Ländern in den Wäldern. Die Chancen bei seiner Jagdtätigkeit etwas zu finden, was für die Polizei bedeutend ist, sind also relativ hoch.

 

Was Ihr als erste am Tatort / Ereignisort machen sollt ist eigentlich relativ schnell erklärt, am Beispiel eines Leichenfundes. 1. Ihr solltet feststellen was vorliegt und 2. dürft Ihr keine Spuren beseitigen. Wenn Ihr also z.B. einen menschlichen Körper im Wald liegen seht solltet Ihr hin gehen und feststellen:

1. Ist es ein Mensch, oder nur eine Puppe?

2. Ist er tot, oder müsst Ihr Erste-Hilfe leisten? (Leichenstarre, Leichenflecken (unten am Körper), Kopf-ab, Verwesung...)

 

Wenn Ihr zu dem Körper geht macht dies in einer gerade Linie und achtet gleich von Anfang an darauf, dass Ihr auf keine Spuren tretet (Schuhspuren, Zigarettenkippen, Patronenhülsen...). Macht so bald wie möglich mit dem Handy Fotos. Geht auf keinen Fall um den Körper herum, so werdet Ihr mit ziemlicher Sicherheit Spuren vernichten. Fasst auf keinen Fall eine dort liegende Waffe an! Wenn ihr wisst was vorliegt manipuliert nicht weiter rum, sondern geht in euren Spuren vorsichtig zurück.  

Denkt jetzt auch daran, auf welchem Weg die Person vermutlich an diese Stelle gekommen ist. Meist wird das für Euch recht schnell klar sein, weil z.B. nur in einer Richtung ein naher Weg liegt. Auf diesem erdachten Weg solltet ist natürlich auch nicht Laufen, denn dort sind weitere Spuren zu erwarten und evtl. auch ein geparktes Fahrzeug.

 

Jetzt erst solltet Ihr die Polizei rufen. Davor schaltet Ihr am besten die Ortung an eurem Handy an. Denn die meisten Notrufzentralen können mittlerweile eine SMS auf das Handy schicken bei deren Bestätigung eure Koordinaten an die Einsatzzentrale geschickt werden. Das funktioniert aber nur bei eingeschalteter Ortung. Sollte das mit der Ortung nicht funktionieren müsst Ihr halt aufwendig den Ereignisort beschreiben. 

 

Sagt am Notruf, dass Ihr Fotos gemacht habt und fragt ob ihr diese gleich per E-Mail weiter leiten sollt. Am Notruf müsst Ihr natürlich auch einen Treffpunkt ausmachen um die Polizisten in die Lage einzuweisen. Evtl. könnt Ihr hierfür auch die Rettungstreffpunkte nutzen.

 

Wenn Ihr diese wenigen Punkte beherzigt seit Ihr der Held des Tages von der örtlichen Polizei und ein vorbildlicher Mitteiler. Und egal ob ein Fall der Wilderei oder ein Suizid vorliegt, genau so gehen auch Streifenbeamte vor und die Spurensicherer können später eine gute Arbeit machen. 

 

 

Im Jagdrevier werden Schüsse gehört

Anwohner des Jagdreviers, oder auch Ihr, hört Schüsse. Aber es ist kein Berechtigter draußen.

Schaut sofort auf die Uhr. Notiert euch die genaue Zeit des Schusses, und wenn mehrere Schüsse fallen auch deren genaue Anzahl. Und auch wo Ihr gestanden seit und aus welcher Richtung die Schüsse kamen. Für die Polizei und evtl. auch für euch macht es später einen großen Unterschied ob ihr wisst, dass "abends Schüsse gefallen" sind oder ob "zwischen "21:00 Uhr und 21:10 zwei Schüsse nördlich des Baunernhofes XY" gefallen sind.

Ob Ihr jetzt die Polizei ruft müsst Ihr selber wissen. Es wird fast immer eine illegale Handlung hinter den Schüssen stehen. Ich würde, wenn ich nicht selber raus fahren kann, sofort die Polizei hinzuziehen. Denen sollte man bereits am Telefon sagen welches die relevanten Zufahrtsstraßen sind und vor allem auch ob und welche berechtigten Personen sich in diesem Moment im Revier aufhalten.

 

Ich kenne übrigens eine Gruppe von Jägern, bei denen sofort jeder abgegebene Schuss in einer Whattsapp Gruppe bekannt gegeben wird. Denn diese haben ein gewisses Problem mit Wilderern und wollen dagegen entschlossen vorgehen.

 

Kinder mit Böllern: Böller sind nur schwer von Schüssen zu unterscheiden. Am ehesten kann man von der Anzahl und Frequenz der Knallgeräusche auf Böller schließen. Relevant ist natürlich noch die Zeit. Denn meist werden die Bestände der Jugendlichen an Feuerwerk kurz nach Silvester noch "entsorgt". Gut ist bei Böllern, dass man einigermaßen gute Chancen hat deren Reste später im Wald zu finden.

Der Schreckschusswaffenbesitzer: Die Zahl der Besitzer von Schreckschusswaffen (SSW) ist rapide gestiegen. Die Angst bzgl. der "Flüchtlingskriese" hat dafür gesorgt, dass 2015 die Waffengeschäfte leer gekauft wurden. Entsprechend viele Menschen wollen nun auch ihre SSW ausprobieren. Für viele davon wird sich der örtliche Wald "anbieten". Vor allem in der Nähe von Waldparkplätzen. SSW Schüsse erkennt man meist auch an deren Zahl und Frequenz. Denn meist werden damit recht schnell etwa 3-8 Schuss abgegeben.

Der Wilderer: Wilderer schießen meist mit schallgedämpften KK Gewehren und werden idR. nur 1-2 Schüsse abgeben, ähnlich einem Jäger. Es gibt aber auch einige Fälle bei denen Wilderer mit Großkaliber Gewehren geschossen haben. Die Tatzeit wird hierbei min. 1 h nach Sonnenuntergang sein und der Tatort an Waldwegen die nahe am Wild vorbei führen.

Der Terrorist / illegale Waffenbesitzer: Diese beiden Gruppen werden sich meist nicht akustisch unterscheiden. Auch die verwendeten Waffen können die Selben sein. Es kommt regelmäßig (aber zum Glück doch selten) vor, dass illegale Waffenbesitzer vollautomatische Waffen im Wald testen. Die Schüsse können hierbei also von Feuerstößen bis zu einzelnen Schüssen reichen die mit einigen Minuten Pause abgegeben werden. Und zwar, weil dieser evtl. zwischen den Schüssen seine Treffer auf einer Zielscheibe nachsehen will. Die RAF hatte sogar eine kleine "Tradition", dass Neumitglieder nach der Waffenübergabe eine Schießübung im Wald absolviert haben (oft mit Tokagypt oder 1911er Pistolen). Sollte heute ein Terrorist eine Waffe bekommen wird er diese vermutlich auch testen wollen, denn viele davon sind umgebaut oder aus mehren Waffen zusammen gewürfelt.

 

Die Polizei wird idR. sofort in die Region fahren und sich umsehen. Je nach Fall wird dann aber meist schnell "ein Ei drüber gehauen". Dann könnt ihr euch selber in der Gegend noch umsehen. Schließlich wollt Ihr wissen was wirklich passiert ist. Dafür müsst Ihr in den folgenden Tagen die relevanten Plätze absuchen nach Reifen- oder Schuspuren, Patronenhülsen, Lagerplätzen....

 

Ich kenne persönlich einen Fall wo die Jägerschaft richtig Angst hatte wegen mehrere Schüsse die gehört wurden. Und ein Landwirt fand das derart lustig, dass er zusätzlich öfter mit seiner Schreckschusswaffe auf dem Hof schoss um sie zu ärgern. Ich rief ihn an, bat um Verständnis und dann ließ er auch diesen Blödsinn sein, der schließlich wirklich nicht lustig war.

 

Diese Platzpatrone lag neben einem Feldweg.

Stoppen eines Wilderer-Fahrzeuges

 

Ich vermute kaum jemand von Euch wird sich schon mal Gedanken darum gemacht haben wie man einen Wilderer anhält. Aber sobald Ihr Euch die Nacht um die Ohren schlagt und auf der Jagd nach Wilddieben den ersten Verdächtigen seht wird diese Frage ganz schnell akut und Ihr braucht „Handlungsoptionen“. Bedenkt bitte, das das alles hier ziemlich selten vorkommt, aber immer wieder auch mal wirklich passiert.

 

https://kaernten.orf.at/news/stories/2934606/

 

http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Wilderer-beim-Jagen-von-der-Polizei-erwischt

 

https://www.ksta.de/region/rhein-sieg-bonn/lohmar/lohmar-wilderer-von-jaegern-und-polizei-gestellt---kein-waffenschein-30955832

 

 

Jagdaufseher haben zwar einige hoheitliche Befugnisse, aber sie sind nicht die Polizei. Polizisten haben täglich mit der Frage der Anhaltung zu tun. In der Polizeiausbildung wird viel Zeit investiert um ein sicheres Anhalten von Verdächtigen zu üben. Das wird aus gutem Grund gemacht, denn hierbei ereignen sich regelmäßig tödliche Angriffe. Der Straftäter steht im Moment der Anhaltung vor der Frage sich erwischen zu lassen oder zu flüchten? Mit viel Glück versucht er noch mit einer Lügengeschichte aus der Situation raus zu kommen und man gewinnt Zeit.

 

Die Polizei macht folgendes: Das Fahrzeug von einem Verdächtigen wird von Hinten angehalten. Mit Blaulicht und „Stop-Polizei“. Bei der Ansprache wird ein Beamter immer von einem zweiten gesichert. Die Polizei hat hierfür „Anhaltesignalgeber“ (Der Fachbegriff für den leuchtenden Stop-Polizei Schriftzug mit einem roten Blinklicht), Anhaltekellen, Außenlautsprecher, Blaulicht und zusätzliche Scheinwerfer auf dem Dach. Es liegt mir fern zu behaupten, dass ein normaler Jagdaufseher so etwas in seinem Privatfahrzeug braucht. Was wirklich Sinn im Alltag macht sind aber Scheinwerfer und Warnleuchten auf dem Dach für Wildunfälle und für das Aufbrechen von Wild.

 

 

 

Rechtslage aus dem Art. 42 BayJG:

 

"Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt, Personen, die in einem Jagdrevier unberechtigt jagen oder eine sonstige Zuwiderhandlung gegen jagdrechtliche Vorschriften begehen …, zur Feststellung ihrer Personalien anzuhalten".

Ebenfalls relevant und im Falle der Wilderei möglich ist natürlich die vorläufige Festnahme durch Jedermann.

 

 

Jagdaufseher haben keine Befugnisse für verdachtsunabhängige Kontrollen. Auch ein einfacher Verdacht reicht nicht, bei einem einfachen Verdacht darf nur die Polizei eine Kontrolle durchführen. Jagdaufseher müssen sich der Tat sicher sein, erst dann dürfen sie diese „Anhaltung“ durchführen.

 

 

Begebt Euch jetzt mal gedanklich in die Situation einer Wilderer Festnahme:

Oft ist es so, dass der Jagdaufseher einen Schuss hört und daraufhin im Revier nachschauen geht was los ist. Hierbei ist nun damit zu rechnen, dass man auf das Wildererfahrzeug triff. Blöd ist jetzt, dass die Voraussetzungen für eine Anhaltung dieses Fahrzeuges durch einen Jagdaufseher noch nicht gegeben sind. Das wäre nur möglich, wenn der Jagdaufseher sieht, dass aus dem Fahrzeug ein Schuss abgegeben wurde. Oder er spricht zunächst nur mit dem Verdächtigen und sieht dann im Auto Waffe oder Wild liegen.

 

In welcher Position Ihr dem Fahrzeug begegnet wird meist die vor Ort gegebene Lage entscheiden. Außer Ihr könnt euch an einer Ausfahrtsstraße des Reviers positionieren und warten, dann habt ihr eine Wahl.

 

  1. Eine Anhaltung von hinten wird aufgrund mangelnder Ausrüstung im Fahrzeug nicht möglich sein. Natürlich könnt Ihr wild hupend hinter her fahren und hoffen dass der Verdächtige anhält. Aber ob das Sinn macht und funktioniert? Evtl. tut es das, vermutlich wird es meist aber nicht klappen.

  2. Ihr fahrt einfach hinter dem Wilderer her und ruft die Polizei. Vorher müsst Ihr euch aber auch überlegen wo das nächste Polizeirevier ist und wie lange für die Anfahrt zu Euch benötigt wird.

  3. Ihr fahrt dem Verdächtigen einfach vor das Auto und schneidet seinen Weg ab. Im echten Leben wird meist genau das passieren. Man sollte sich nur vorher Gedanken darüber machen was dabei passiert. Ihr steigt aus und geht zur Fahrertüre. Hierbei werdet Ihr von den Scheinwerfern erheblich geblendet. Erst wenn Ihr neben dem Fahrzeug steht werdet Ihr erkennen können wer in dem Fahrzeug sitzt und was er tut. Für einige Sekunden seit ihr handlungsunfähig. Diesen gefährlichen Moment muss man so gut wie möglich überbrücken. Das kann z.B. da durch erfolgen, dass man sein eigenes Fahrzeug in eine gerade Linie mit dem Wildererfahrzeug stellt. So dass man sein eigenes Scheinwerferlicht nutzen kann. Alternativ benötigt man eine starke Taschenlampe in der linken Hand mit der man sofort den Fahrer anleuchtet. Alles weitere was hierbei passieren kann ist viel zu theoretisch und daher will ich dazu nichts schreiben. Im Idealfall positioniert sich ein Jagdschutzkamerad an der Kontrollstelle seitlich vom Weg, so dass er Euch sichern kann.

  4. Alternativ gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit sehr freundlich und harmlos auszusehen und einfach mit einer Handbewegung den Fahrer bitten anzuhalten. Das Kennzeichen muss man in diesem Moment notfalls sofort ablesen und NOTIEREN, sonst ist es zu spät, falls der Fahrer flüchtet!

 



 

Es ist kein Spiel wenn Ihr Nachts im Wald einem Verdächtigen begegnet!

 

Schaltet die Ortung in Eurem Handy an, damit der Notruf das Handy notfalls orten kann.

 

Eine Kurzwaffe gehört schuss- und zugriffsbereit an den Gürtel. Ob verdeckt oder offen ist nicht so entscheidend.

 

Lest im Zweifelsfall nur das Kennzeichen ab und lasst den Verdächtigen flüchten.