Flobert Waffen ("Gartenflinten")

Eine sehr gute Zusammenfassung über den Sinn und Nutzen von Flobert Waffen aus dem Burgo Katalog aus den 1920er Jahren.
Eine sehr gute Zusammenfassung über den Sinn und Nutzen von Flobert Waffen aus dem Burgo Katalog aus den 1920er Jahren.

Die meisten Munitionssammler mögen Flobert Patronen, sie haben viel Geschichte zu erzählen und es gibt sie von alt bis modern. Die dazugehörigen Waffen werden aber seltsamerweise von Sammlern kaum beachtet. Auch heute noch werden z.B. in Tschechien viele Waffen für Flobert Munition hergestellt, da diese dort frei verkäuflich sind. In Deutschland hat sich das gewandelt. Noch bis in die 60er Jahre rein waren Flobert Waffen verbreiteter als Luftdruckwaffen. Bauern erlegten damit Ungeziefer und die Jugend schoss in Hinterhöfen auf Dosen. Daher kommt auch die passende Bezeichnung "Gartenflinte". Heute hat sich die Technik weiterentwickelt und das Waffenrecht wurde immer weiter verschärft. Flobert Waffen sind im praktischen Einsatz schon als bedeutungslos zu bezeichnen und neu gekauft werden nur noch Druckluftwaffen oder "richtige" Kleinkaliber Waffen. Erfahrung mit Flobert Waffen hat leider fast niemand mehr. Und obwohl ich selber schon seit vielen Jahren mit Waffen zu tun habe, habe ich erst vor ein paar Jahren erstmalig damit geschossen. Ich will hier keine umfangreiche Abhandlung dazu schreiben, sondern nur einen kurzen Überblick geben. Mir fehlen auch noch ein paar entsprechende Waffen und ich konnte nur in eingeschränktem Umfang Präzisionstests machen. Ich hoffe daher, dass ich diesen Bericht in den nächsten Jahren noch ergänzen kann.

Eine kleine Übersicht über unterschiedliche Flobert Munition, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Eine kleine Übersicht über unterschiedliche Flobert Munition, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Die Waffen heißen Gartenflinten, weil sie meist einen glatten Lauf haben. Verbreitet sind vor allem 6mm und 9mm Flobert. Bei den 9mm Gewehren sind mir nur glatte Läufe bekannt, bei den 6mm Gewehren gibt es beides. Die gezogenen Läufe sind mit Kugelpatronen natürlich wesentlich präziser. Dafür eignen sich gezogene Läufe nicht für Schrotmunition. Im nachkriegs Deutschland waren auch kombinierte Kipplauf-Waffen, mit einem gezogenen .22 lfB lauf und einem glatten 9mm Flobert Lauf, sehr beliebt. Es funktioniert einwandfrei, aus so einer .22lfb Kipplaufwaffe 6mm Kugelpatronen zu verschießen. Üblich sind Rund- und Spitzkugeln, Schrot und Doppelschrot Patronen. Alle davon gab es in 6mm und auch in 9mm. Im Ausland stößt man immer wieder auch auf .22 BB und .22 CB Patronen.

Im Waffenkatalog der Firma Burgsmüller wurden Flobert Gewehre umfangreich angeboten und erklärt.
Im Waffenkatalog der Firma Burgsmüller wurden Flobert Gewehre umfangreich angeboten und erklärt.
Die Firma Burgsmüller hat immer wieder gerne mit Briefen der Kundschaft Werbung gemacht.
Die Firma Burgsmüller hat immer wieder gerne mit Briefen der Kundschaft Werbung gemacht.

Wissen sollte man auch, dass in machen Regionen und Ländern umgangssprachlich alle .22 lfB Waffen "Flobert" genannt werden (z.B. in der Schweiz). Wichtig ist auch, dass man es, genau genommen, Flober ausspricht, weil der Name aus dem Französischen kommt. In Deutschland macht das aber fast niemand.

Die ballistische Leistung von Flobert Waffen

Hier seht Ihr einige, aus Kurzwaffen verschossene, Flobert Munition. Darin enthalten ist keine Treibladung, sondern nur der Zündsatz. Das macht die Waffen leiser, schwächer und unpräziser, als normale Kleinkaliber Waffen. Beeindruckt war ich aber davon, wie platt sich die 9mm Rundkugel am Geschossfang gedrückt hat. Eine zusätzlich Treibladung enthalten nur die Schrotpatronen. 

 

Aus einer Glattlauf Kurzwaffe (M&S M20 Revolver) erreichten die 1,03g schweren 6mm Flobert Rundkugeln eine V0 von 642 bis 672 fps. Das ergibt eine E0 von 19 bis 21 Joule. Ich vermute, dass die Energie aus einem Gewehr noch einiges größer gewesen wäre.

 

Gemessen habe ich auch die Leistung von einem 9mm Glattlauf Gewehr. Die Lauflänge maß 50cm und das Geschossgewicht der Rundkugeln belief sich auf 3,8g. Je nach Sorte schwankte auch hier die V0 stark, von 418 bis zu 688 fps (30 bis 83 Joule).

 

Da wo es erlaubt ist, eignen sich Flobert Waffen natürlich wirklich zum Erlegen von Ratten und Mäusen (also natürlich nicht in Deutschland). Links seht Ihr die Deckung der 6mm Schrotpatronen aus Kurzwaffen. Das rechte Bild stammt von meinem Mayer & Söhne M20 Revolver. Man sieht, dass der Drall die Geschosse auseinander treibt und die Deckung verschlechtert.

Mir sind nur zwei bedürfnisfreie 6mm Flobert Waffen bekannt. Der ME6 (links im Bild) und der ME38 Magnum 6R. Diese beiden Revolver verfügen über ein PTB im Viereck und ein F im Fünfeck. Sie haben intern Gasentlastungen verbaut, die die Geschossenergie (E0) unter 7,5 Joule senken. Wenn ich richtig informiert bin, bedeutet ihr Kaliber "6mm Flobert short" lediglich, dass keine Spitzgeschosse geladen werden können. Mein ME6 funktioniert mit handelsüblichen 6mm Rundkugeln. Ein großer Nachteil am ME6 ist, dass die Trommel nicht entnehmbar ist und die Reinigung nur eingeschränkt möglich ist. Beim ME38 kann man wenigstens die Trommel ausschwenken.

 

Meine 6mm Flobert Rundkugeln hatten ein Geschossgewicht von 1,03g. Die V0 schwankte recht stark, von 308 bis 386 fps. Das ergibt rechnerisch eine E0 von 4,5 bis 7,7 Joule aus meinem ME6 Revolver.

 

Die Schrotvorlage der 9mm (einfach) Schrot betrug 4,76g. Die Schrotkorngröße war 1,8mm.

Im Zuge meiner Recherchen zum Pedersoli White Hawk Gewehr, habe ich dessen wirkliches Vorbild gefunden, es ist die 9mm Flobert Kipplaufflinte der italienischen Firma Falco. Ich wollte mir damals eigentlich ein White Hawk kaufen, um es als rechtliches Beispiel in meiner Referenzwaffensammlung zu haben. Die White Hawk Gewehre muss man inzwischen aber als unverkäuflich ansehen und daher wollte ich kein Geld dafür ausgeben. Statt dessen habe ich mir dann ein Falco Gewehr gekauft.

Flobert Munition verdreckt die Läufe stark. Nach ein paar Schuss sollte man den Lauf durchziehen. Oben links seht Ihr den dreckigen Lauf der Falco Flinte, mit montiertem Trijicon ACOG (das lag damals bei mir auf dem Schreibtisch und dann hab ich es halt drauf geschraubt).

 

Mayer & Söhne M20 Revolver in 6mm Rdk. (Flobert)

Der Mayer & Söhne Revolver M20 hat das Kaliber 6mm Rdk., was Rundkugel bedeutet.
Der Mayer & Söhne Revolver M20 hat das Kaliber 6mm Rdk., was Rundkugel bedeutet.

Mayer & Söhne hat eine Vielzahl an Revolver Modellen auf den Markt gebracht, von 6mm knall, bis hin zu welchen in 7,65mm Browning. Die Schreckschussversionen sind gesuchte Sammlerstücke, die Scharfen will aber heute niemanden mehr haben. Kaum ein Sportschütze oder Jäger würde einen seiner wenigen WBK Plätze für so eine billige Waffe verwenden. Und so kommt es, dass derartige Waffen massenweise vernichtet, oder ins Ausland verkauft, werden. Vor einer Weile habe ich meinen M20 für etwa 20 Euro bekommen.

Warum ich Euch diesen Revolver hier vorstelle hat mehrere Gründe. Er ist nicht nur sehr selten, sondern auch sehr schlecht. Ich nenne ihn sogar den schlechtesten Revolver der Welt. Er ist qualitativ minderwertig, gefährlich und für fast nichts zu gebrauchen. Kaum jemand von meinen Lesern wird bisher den M20 Revolver in 6mm Rdk. kennen (ich kannte ihn bisher ja selber auch nicht). Um es jetzt aber auf den Punkt zu bringen, der M20 ist ein 6mm Flobert Kipplauf Revolver mit einem glatten Lauf. Es können alle 6mm Patronen, bis hin zu Doppelschrot, geladen werden. Es passen auch .22 kurz, aber keine .22lfB mehr. Alleine schon ein Revolver mit Glattlauf ist sehr kurios. Dazu kommt auch noch, dass er aus Zink gefertigt ist und nur sehr wenig Stahl beinhaltet. Sogar die Trommel und der Lauf sind aus Zink und haben nur etwa 1mm starke Stahleinsätze. Aus Stahl sind, außer den Bolzen und Schrauben, auch noch der Hammer, Abzug und die Trommelverriegelung. Obwohl meiner Gebrauchsspuren aufweist und ganz offensichtlich viel geschossen wurde, läuft die Trommelverriegelung sehr gut und schließt zuverlässig.

Ein weiteres Kuriosum ist der Ausstoßer, dieser wird nur aktiviert, wenn der Revolver normal gehalten wird. Wenn man ihn auf den Kopf dreht, deaktiviert sich der Ausstoßer per Schwerkraft und man kann den Revolver aufklappen, ohne dass die Patronen ausgestoßen werden.

Der Abzug ist, für seinen Zweck, brauchbar. Das Vorspannen geht aber recht schwer und der Hahn könnte einem schnell abrutschen. Beim M20 würde das unweigerlich zu einem Schusslöser führen.

Dem Revolver fehlt eine Sicherheitsrast, was ihn sehr gefährlich macht. Immer wenn er geladen und entspannt ist, liegt der Schlagbolzen direkt und unter Federspannung, auf dem Patronenboden auf. Selbst wenn man ihn in seiner Zeit betrachtet (meiner wurde 1972 beschossen), ist es mir ein absolutes Rätsel, wie man derart gefährliche Waffen herstellen konnte? Der M20 war ja offensichtlich nicht für erfahrene Schützen vorgesehen, sondern zum Spaß für Jugendliche, die ihre erste Waffe bekommen. Da der Lauf glatt ist, ist der Revolver ziemlich unpräzise und er eignet sich überhaupt nicht zum Scheibenschießen. Gut zu gebrauchen ist er vermutlich nur zum Töten von Schädlingen (mit 6mm Schrot), bzw. zum Anfangen von Schädlingen in einer Falle.

 

Als ich meinen M20 Revolver zum ersten Mal ausprobierte, war ein Freund dabei, der viel Erfahrung mit Waffen aller Art hat. Als er den Revolver lud und schloss, löste sich sofort ein Schuss. Es befand sich kein Finger am Abzug und die Waffe war in Richtung Kugelfang gerichtet. Das zeigt aber sehr gut, wie gefährlich diese Waffe ist. Derartige Revolver sollte man immer mit einer leeren Kammer vor dem Schlagbolzen schließen. Anmerken will ich aber noch, dass andere Revolver von Mayer & Söhne eine Sicherheitsrast haben.

Test Nr. 1:

Auf 25m verteilten sich die 6mm Rundkugeln auf etwa 50cm Streukreis. Zweifellos ist das ein sehr schlechtes Ergebnis. Ein Bild der Schrotkugel Deckung auf 1m seht Ihr weiter oben.

Nach einer verschossenen Trommel waren die Hülsen so fest in den Lagern verklemmt, dass sie nicht ausgeworfen wurden. Der Ausstoßer war aber recht stark und drückte daher die ganze Trommel nach hinten weg. Der Trommelhalter, zwischen Trommel und Kimme, wurde dabei stark nach oben gedrückt und die ganze Waffe war verklemmt. Ich musste die Schraube des Trommelhalters lösten und die ganze Trommel entnehmen, um die Hülsen einzeln auszustoßen.

Test Nr. 2:

(etwa drei Monate später)

Ich wolle unbedingt einen weiteren Test mit dem Glattlaufrevolver machen. Aufgelegt erreichte ich (mit einem Ausreißer) einen 9cm Streukreis. Ein gewisses Präzisionspotential hat der Revolver also doch. Man muss aber auch bedenken, dass die 6mm Patronen keine Treibladungen haben und es zu starken Schwankungen in der Leistung und Fertigungsqualität kommt. Ich gehe daher davon aus, dass ich diesen 9cm Streukreis nicht so leicht wiederholen kann. Leider hatte ich 6mm Spitzkugeln vergessen, um sie in der Präzision zu vergleichen..

Mir war jetzt ja bekannt, dass sich die Flobertpatronen in den Lagern verklemmen. Ich entlud ihn daher immer alle 2-3 Schuss. Das funktionierte einigermaßen und die Trommel blieb an ihrem Platz.

Voere 9mm Flobert Gewehr / Flinte

Über Flobert wird ja immer viel geredet, aber kaum einer hat noch praktische Erfahrung damit. Bis in die 70er Jahre waren die 6mm und 9mm Flobert Gewehre weit verbreitet und man konnte sie bei Quelle und Neckarmann im Versandkatalog bestellen. Die Gefahr der Kugel- und Schrotpatronen ist recht überschaubar. Auf dem Foto links, bei der 9mm Voere Flinte, seht Ihr etwas typisches für viele Flobert Waffen. Um die kurzen Patronen leichter laden zu können, befindet sich am Verschluss eine bewegliche Lademulde. Diese ist mit dem Verschluss verbunden und hat auch die Funktion eines Ausziehers.

Die Kugeln entwickeln etwa 40-100 Joule und die Schrote fliegen mit etwa 1,5mm Korngröße und einer winzigen zusätzlichen Pulverladung auch nicht weit. Viel kaputt machen sie auch nicht, wenn sie auf eine Scheunenwand treffen. Derartige Schrotmunition wurde auch "Vogeldunst" genannt. Und die Flobert Gewehre hießen aus gutem Grund "Gartenflinten". Hierzu muss man auch wissen, dass es bis heute in den meisten Bundesländern das sogenannte "kleine Jagdrecht" gibt, was dem Grundstücksbesitzer die Jagd auf bestimmte Wildarten erlaubt. Dieses Recht wird aber Stück für Stück immer weiter eingeschränkt. Es soll z.B. dazu dienen, dass man Marder mit Kastenfällen fangen darf. Aber früher war es absolut üblich, dass Bauern auf ihrem Hof "Schädlinge" mit Flobert geschossen haben. In manchen Kantonen in der Schweiz dürfen Bauern bis heute ohne Jagdschein bestimmte Vögel auf ihren Feldern schießen. 

Es gab früher 7mm Gewehre, die sehr selten sind. Gebräuchlich war 6mm glatt und gezogen und 9mm glatt. Bedenken muss man, dass man aus gezogenen "Büchsen" nur Kugelpatronen verschießen kann, weil Schrote durch den Drall auseinander getrieben werden. Und genau das testete ich heute.
Ich bezweifele, dass die 9mm Flobert Kugeln aus der Flinte, trotz Kurvenvisier, die angegebenen 200 weit fliegen können.
Ich bezweifele, dass die 9mm Flobert Kugeln aus der Flinte, trotz Kurvenvisier, die angegebenen 200 weit fliegen können.
Die 6mm Schrote aus dem gezogenen KK Gewehr sind überall auf der Scheibe verteilt. Die 9mm Flobert Doppelschrot aus dem Glattlauf konzentrieren sich unten rechts.
Die 6mm Schrote aus dem gezogenen KK Gewehr sind überall auf der Scheibe verteilt. Die 9mm Flobert Doppelschrot aus dem Glattlauf konzentrieren sich unten rechts.

Ich schoss mit 9mm Flobert Rundkugeln auf etwa 15m stehend freihändig. Die Voere Flinte hat ein Visier das man auf optimistische 200m einstellen kann mit Kimme und Korn. Ich brauchte viel Kraft um den Verschluss gegen die Schlagbolzenfeder nach vorne zu schließen. Auch das Öffnen vom Verschluss brauchte bei dieser Flinte viel mehr Kraft als ich erwartet hatte. Das Visier war so tief auf dem Gewehr montiert, dass die Kopfhaltung sehr unnatürlich war. Der Streukreis war etwa 15cm groß. Aufgelegt wird man mit so einem Gewehr also auf max. 20 Meter Schädlinge mit der Kugel schießen können. Angeblich sind 6mm glatt Gewehre präziser, das konnte ich leider noch nicht selber ausprobieren.


Die Schrotmunition hatte auf 5m eine gute Deckung und die Schrote sind zusammen geblieben. Etwa 90% der Kugeln lagen in einem Streukreis von 10cm. Auf weitere Entfernung habe ich sie leider nicht mehr getestet.
Da ich mir für heute kein 6mm Flobert Gewehr mit einem glatten Lauf organisieren konnte schoss ich zusätzlich eine CCI .22 lfB, 6mm Flobert Schot und eine 6mm Flobert Doppelschrot auf 5m auf die übrigen 3 Ecken der selben Scheibe. Nur zeigte sich das, was ich bereits vermutet hatte. Aber nur wenn man es selber testet, weiß man von was man redet. Der Drall des KK Gewehrs ließ die Schrote so weit auseinander treiben, dass sie über die gesamte Scheibe verstreut waren. Zur Bekämpfung von Schädlingen ist so etwas nutzlos. Brauchbar wird es aber zum "Abfangen" (Fangschuss) von kleinem Wild in der Falle sein.
9mm Flobert Glattlauf Gartenflinte von Voere, geschossen mit Rundkugeln auf ca. 15m stehend freihändig. Mit einem normalen .22lfB Gewehr schafft man das aber auch auf 50m.
9mm Flobert Glattlauf Gartenflinte von Voere, geschossen mit Rundkugeln auf ca. 15m stehend freihändig. Mit einem normalen .22lfB Gewehr schafft man das aber auch auf 50m.

9mm Flobert Flinte von Rhöner

Die Rhöner Flinte im Kaliber 9mm Flobert ist genau das, was man vor 50 Jahrene "Gartenflinte" genannt hat.
Die Rhöner Flinte im Kaliber 9mm Flobert ist genau das, was man vor 50 Jahrene "Gartenflinte" genannt hat.

Ein Unterstützer meines Blogs schenkte mir vor etwa zwei Jahren seine Rhöner Flinte. Die Firma werden einige meiner Leser von Ihren Schreckschusswaffen her kennen, wie z.B. der SM110 in 8mm knall. Die Flinte wurde 1970 beschossen, als noch das Reichswaffengesetz galt und diese Gewehre im Versandhandel bestellt werden konnten.

 

Die Rhöner Flinte ist eine sehr einfache und billige Waffe. Wir sind es gewöhnt, dass erlaubnispflichtige Schusswaffen meist hochwertiger sind wie frei verkäufliche. Hier muss man die Flinte aber in ihrer Zeit betrachten. Für viele ist ein billiges F-Luftgewehr der Einstieg in den Schießsport. Das waren vor 50 Jahren aber eher solche Flobert Waffen. Und daher ist z.B. der Schlossgang sehr kratzig und schwergängig. Der Verschluss wird beim Schließen gespannt und das braucht mehr Kraft, wie bei den meisten .22lfB Gewehren. Vor allem ist aber das Zurückziehen schwer, wenn der Verschluss über die Fangklinke muss. Der Abzug selber hat einen schwammigen und langen Vorzugsweg, löst dann aber vom Druckpunkt her, einwandfrei aus.

 

Die Flinte ist 1,03m lang und wirkt damit, für ihren Zweck, etwas unhandlich.

Der Schaft ist sehr einfach und ohne Fischhaut, Riemenbügel, Schaftkappe usw. Damals wurden diese Gewehre meist in zwei Ausführungen angeboten, einer einfachen und einer "Luxus" Ausführung. Meines ist eindeutig ein einfaches. Das ganze System mit Lauf, wird übrigens nur von einer einzigen Schraube im Schaft gehalten. Das zeigt ebenfalls, dass es vor allem um einen günstigen Endkundenpreis gegangen ist.

In der Lademulde meiner Rhöner Flinte ist kein beweglicher Auszieher vorhanden. Ich selber schieße mit solchen Waffen lieber, wie mit der Voere Flinte weiter oben.

Gesichert wird die Flinte übrigens durch Drehen an einer Verlängerung vom Verschluss. Das funktioniert sehr ähnlich, wie bei einem Mosin Nagant Gewehr. Zum Entnehmen vom Verschluss, muss man den Abzug ziehen. Das funktioniert also, wie auch bei vielen anderen Gewehren mit Zylinderverschluss. Der Verschluss selber kann nur zerlegt werden, wenn man Querbolzen daran austreibt.

Die Visierung ist, wie auch bei der Voere Flinte, sehr tief. Es ist aber noch gut möglich, sie zu verwenden. An der Rhöner Flinte kann man die Kimme in der Höhe verstellen. Die Mechanik dahinter ist sehr einfach und, wie sollte es anders sein, billig gefertigt. Die Kimme besteht aus nur zwei Teilen. Wenn man das Kimmenblatt nach oben zieht, kann man einen darunter liegnden Schieber in eine von drei Rasten setzen. Das Korn könnte man seitlich ebenfalls verstellen. Die Kimme ist dazu noch ziemlich scharfkantig und man könnte sich daran leicht verletzen.

Das Kaliber "9mm Flobert GL." bedeutet, dass die Waffe einen Glattlauf hat. Gewehre in 6mm Flobert gibt es auch mit gezogenen Läufen.
Das Kaliber "9mm Flobert GL." bedeutet, dass die Waffe einen Glattlauf hat. Gewehre in 6mm Flobert gibt es auch mit gezogenen Läufen.

 

Mein Fazit zu den Flobert Waffen:

Genau wie Schreckschusswaffen, sind Flobert Waffen ein Teil unserer Geschichte und Kultur. Sie werden in großen Mengen vernichtet und gelten bei den Händlern meist als unverkäuflich. Bei den Flobert Waffen ist das schon so weit gegangen, dass kaum noch jemand praktische Erfahrung mit diesen Waffen hat. Neue Munition bekommt man dafür nur sehr schwer und dann ist sie meist auch teuer. Für die meisten Verwendungen ist eine gewöhnliche .22lfB Büchse erheblich besser und günstiger. Aber dennoch machen sie Spaß und ich habe bei meinen Versuchen einiges gelernt. Und es wäre doch für alle Schützen und Jägere eine Bereicherung, wenn solche Waffen öfter mal zum Testen auf Schießständen angeboten werden. Man muss auch klar sagen, dass die Zeit der Flobert Waffen noch nicht vorbei ist. In Tschechien sind sie frei verkäuflich und werden dort immer noch hergestellt. Und z.B. auch das Chiappa Little Badger in 9mm wird in den USA recht gut verkauft (Video).