Teil 2:

-Abwehr von Biowaffen

-Einsatztaktik für chemische Kampfstoffe

-Abwehr von Chemiewaffen

-Erkennen und spüren von Chemiewaffen

-Der ABC-Alarm

 

Abwehr von B-Waffen / Biowaffen

Biowaffen stellen für Viele eine schwer greifbare und diffuse Gefahr dar. Um etwas Klarheit zu schaffen will ich erst erklären, dass die wichtigsten Biowaffen Milzbrandsporen ("Antrax") und Botulinumtoxin sind. Das sind Biowaffen, die sich nicht, wie "normale Krankheiten", verbreiten können. Sie wirken nur dort, wo sie ausgebracht werden. Davon abgesehen wurde mit sehr vielen unterschiedlichen Krankheitserregern geforscht, um sie für Waffenzwecke nutzbar zu machen (Pest, Q-Fieber, Tularämie, Ebola...). Es können Bakterien, Viren, Sporen, Toxine, Pilze usw. verwendet werden. Diese können sich auch gegen Pflanzen (z.B. Agent Orange), oder wirtschaftlich wichtige Tiere richten.

Das Ziel kann sowohl der Tod von Menschen, wie auch das Schwächen der Wirtschaft sein. Geforscht wurde dabei viel, die Japaner führten im 2. Weltkrief z.B. furchtbarste Menschenversuche durch. Und die Amerikaner testeten im kalten Krieg einiges an Freiwilligen, z.B. die Ansteckungsfähigkeit von versprühten Aerosolen in der Wüste. Auch wenn sich die Großmächte viele Optionen schaffen, und ihre Waffenarsenale vergrößern wollten, der Einsatz von Biowaffen wurde von ihnen fast nur mit Milzbrand und Botulinumtoxin ernsthaft vorbereitet. Bio- und Chemiewaffen können in Bomben gefüllt, oder von Flugzeugen abgesprüht werden. Auch das Ausbringen durch Terroristen und Agenten an der "kritischen Infrastruktur" ist denkbar. Bitte beachtet in diesem Zusammenhang auch den Anschlagsversuch in Deutschland mit Rizin, der rechtzeitig aufgedeckt werden konnte: https://de.wikipedia.org/wiki/Rizinfund_in_K%C3%B6ln

 

Milzbrandsporen sind selbst in kleinsten Mengen tödlich. Eine weiteres Problem davon ist, dass sie Jahrzehnte im Boden überdauern können. Ihr militärischer Nutzen wäre vor allem die langfristige Sperrung von Gelände gewesen. An Milzbrand wurde im kalten Krieg von Ost und West umfangreiche Forschung betrieben. Es ist davon auszugehen, dass in der Sowjetunion sogar ICBM mit Milzbrandsporen befüllt wurden (Interkontinentalraketen). 

Auf der schottischen Insel Gruinard Island wurden diese Schafe 1942 mit Milzbrandsporen ("Antrax") kontaminiert. Diese Sporen sind derart sesshaft, dass die Insel lange nicht betretbar war. Erst 1987 erfolgte die endgültige, extrem aufwendige, Dekontamination. In der Sowjetunion wurden Antraxversuche auf der "Insel der Wiedergeburt" im Aralsee durchgeführt. Über Milzbrand kann man sehr viel erzählen und es kam immer wieder zu Vorfällen damit. Z.B. gab es 1979 einen Unfall mit etwa 100 Toten in der Sowjetunion, an einer Einrichtung von Biopreparat. Über dieses riesige Biowaffen Programm des Ostens gibt es eine sehr  gute Informationsquelle. In dem Buch "Direktorium 15", das ein russischer Überläufer geschrieben hat, wird ausführlich über das Programm berichtet.

Botulinumtoxin wird aus Bakterien gewonnen und dann, ähnlich wie chemischer Kampfstoff eingesetzt. Es ist ein sehr wirksames Gift, das auf das Nervensystem wird. Aufgrund seiner Herkunft zählt es jedoch zu den Biowaffen. Dieses Gift bildet sich z.B. auch gelegentlich in schlecht gewordenen Konservendosen, die aufgeblasen aussehen. Ein Foto so einer Dose findet Ihr in meinem Bericht über Lebensmittelvorräte. Aber nicht nur die Weltmächte erhofften sich von diesem Biogift eine mächtige Waffe, sondern auch Terroristen, wie die japanische Aum-Sekte. Diese hatten sich dafür sogar extra einen MI-8 Hubschrauber gekauft. Mit ihren erheblichen finanziellen Möglichkeiten stellten sie diverse Bio- und Chemiewaffen her.

Ähnlich wie Drogen-Schnelltests gibt es auch Schnelltests auf bestimmte Krankheitserreger. Damit die Einsatzkräfte eine erste Einschätzung der Lage geben können sind diese eine große Hilfe, bis Spezialisten eintreffen.

 

Ihr könnt in meinem Jagdaufseher Blog-gerne lesen wie wir Vogelgrippe verdächtige Schwäne für das Veterinäramt geborgen haben bei "Operation Südwind". Denn dort arbeiteten wird genau so wie man es im Falle einer Biogefahr macht.

 

Einsatztaktik für chemische Kampfstoffe

Der Schutz vor chemischen Kampfstoffen wird in den meisten militärischen Handbüchern erklärt (GS Grundschule, Schweiz, 1980).
Der Schutz vor chemischen Kampfstoffen wird in den meisten militärischen Handbüchern erklärt (GS Grundschule, Schweiz, 1980).

Im 1. Weltkrieg wurde in großem Umfang Giftgas eingesetzt. Dabei handelte es sich z.B. auch um Tränengas, aber auch um tödliche Gase wie Phosgen, Chlorgas oder Senfgas (nach Lommel und Steinkopf auch "Lost", oder "Yperit" genannt) . Die Angst vor einem weiteren Gaskrieg war dann so groß, dass die Soldaten im 2. Weltkrieg jahrelang

ihre Gasmasken bei sich trugen, ohne sie zu brauchen. Es gab große Vorräte an den Nervenkampfstoffen Tabun, Sarin und Soman. Diese Giftgasvorräte wurden nach dem 2. Weltkrieg oft in den nächstbesten Tümpeln entsorgt und sie sind teilweise immer noch nicht geborgen (Link, Link). Heute ist der Einsatz von chemischen Kampfstoffen sehr selten. Überlegt gut, ob Ihr dieses Video anschauen wollt. Es zeigt Giftgasverletzte im Syrien Krieg 2013. Spätere Untersuchungen ergaben, dass es Saringas war. Die meisten Staaten haben das Chemiewaffenübereinkommen in den 90er Jahren unterschrieben und verzichten auf diese Waffen. Eine kriegerischer Einsatz ist, allgemein betrachtet, eher unwahrscheinlich.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher chemische Kampfstoffe. Es kann sich um "nur" um Reizstoff handeln, wie Tränengas, aber auch um tödliche Gase, oder Stoffe die die landwirtschaftliche Ernte vernichtet. Der Einsatz kann als Gas, Flüssigkeit oder in fester Form erfolgen. Dabei wird auch in sesshafte und nicht sesshafte Kampfstoffe unterschieden. Je sesshafter ein Kampfstoff ist, desto länger bleibt er am Einsatzort wirksam. Die wichtigsten Kampfstoffe sind heute Sarin (meist flüchtig) und VX (meist sesshaft). Beides sind Nervenkampfstoffe. Um sich vor Massenvernichtungswaffen zu schützen, muss man wissen sie wirken und wie sie eingesetzt werden könnten. Die "Vorteile" von Kampfstoffen sind, dass sie Waffen und Ausrüstung des Feindes nicht beschädigen und eine erhebliche Wirkung auf die Moral haben. Kampfstoffe sind auch in der Lage, tief in feindliche Stellungen einzudringen. Sollte der Feind über keine Schutzausrüstung oder Ausbildung verfügen, sind sie eine sehr wirksame Waffe.

 

Kampfstoffe können mit unterschiedlichen Waffensystemen eingesetzt werden. Um sie effektiv einzusetzen, müssen Kampfstoffe überraschend und hoch konzentriert eingesetzt werden. Am wirksamsten ist der Sprühangriff mit Flugzeugen, da hierbei eine große Menge ausgebracht werden kann. Da die Flugzeuge dabei aber erheblich gefährdet sind, würde diese Methode vermutlich kaum noch verwendet werden. Besser geeignet wären eher Artilleriekanonen und Mehrfachraketenwerfer. Durch die schnelle Schussfolge der Raketenwerfer, eignen sie sich vor allem dafür, sehr schnell eine hohe Konzentration an Kampfstoff ins Zielgebiet zu bringen. Um tief hinter den feindlichen Linien Kampfstoff einzusetzen, sind auch Marschflugkörper und Raketen geeignet.

 

Eine Batterie Mehrfachraketenwerfer, oder eine Marschflugkörper, kann etwa eine Fläche mit einem 300m Radius wirksam bekämpfen. Eine Batterie Artilleriegeschütze erreicht nur etwa einen 150m Radius. Daraus kann man schließen, dass der Einsatz sich vor allem gegen Bereitstellungsräume und z.B. Flugabwehr- und Artilleriestellungen lohnen kann. Weil mir die Aussage über die beschränkten Wirkstoffbereiche ein Leser, nicht geglaubt hat, die Quelle für diese Daten findet Ihr in "AC Schutzdienst, Reglement der schweizer Armee Nr. 52.163d.

 

Flüchtig oder sesshaft:

Der betroffene Bereich kann, bei flüchtigem Kampfstoff, 12-24h nach dem Einsatz meist wieder betreten werden. In Senken kann sich der Kampfstoff aber noch länger halten. Regen kann den Kampfstoff in den Boden schwemmen, wo er ebenfalls noch länger wirksam bleiben kann. Wichtig zu wissen ist auch, dass die Kampfstoffwolke wandern kann. Flüchtiger Kampfstoff wirkt hauptsächlich über die Atemwege. Sesshafter Kampfstoff wirkt zusätzlich auch über die Haut. Er kontaminiert das Gelände und die Ausrüstung wesentlich mehr und kann über mehrere Tage wirksam bleiben.

 

Beispiele für einen möglichen Einsatz:

-Offensiv: Brücken die man einnehmen will, die der Feind aber mit Sprengladungen versehen hat, können mit flüchtigem Kampfstoff angegriffen und dann eingenommen werden. 

-Offensiv: Flug- oder Panzerabwehrstellungen können mit flüchtigem Kampfstoff bekämpft werden.

-Defensiv: Flächen die der Feind mit Luftlandekräften einnehmen will, können mit flüchtigem Kampfstoff gesperrt werden.

-Defensiv: Bereiche die der Angreifer durchqueren muss, können mit sesshaftem Kampfstoff gesperrt werden.

Flugplätze, Häfen und Führungszentren können mit sesshaftem Kampfstoff gesperrt werden. Ein Gemisch aus unterschiedlichen Kampfstoffen, oder eine Abwechslung, zwischen Spreng- und Kampfstoffgeschossen, erschweren die Abwehrmaßnahmen.

 

Grundsatz: Vor Kampfstoffen schützt vor allem vorhandene Ausrüstung und eine gründliche Ausbildung der Einsatzkräfte.

 

Die Gefahr terroristischer Anschläge mit chemischen Kampfstoffen ist gestiegen, sie werden auch als Atomwaffen des kleinen Mannes bezeichnet. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch der gescheiterte Giftanschlag auf die Bodensee Trinkwasserversorgung im Jahr 2005. Die "Aum-Sekte" stellte das Sarin Gas für den Anschlag auf die U-Bahn Tokio z.B. selber her. Das Saringas war damals in flüssiger Form in Plastiksäcken, die in der U-Bahn platziert und mit spitzen Regenschirmen zerstochen wurden. Es gab 13 Tote und 1000 Verletzte.

Wenn es nicht so einfach wäre.... Hier seht Ihr einen Versuchsaufbau zur einfachsten Herstellung von Hautkampfstoff durch Terroristen (Danke Frau Oberstleutnant, für Ihre Zeit und die Erklärungen dazu).
Wenn es nicht so einfach wäre.... Hier seht Ihr einen Versuchsaufbau zur einfachsten Herstellung von Hautkampfstoff durch Terroristen (Danke Frau Oberstleutnant, für Ihre Zeit und die Erklärungen dazu).

Abwehr von chemischem-Kampfstoff (Giftgas)

Die gebräuchlichsten Kampfstoffe sind schon lange die Nervenkampfstoffe VX und Sarin. Sie wirken über die Luft und über Hautkontakt. Sie blockieren die Signale in den Nerven, um genau zu sein blockieren sie die Acetylcholinesterase. Die Gegengifte ("Antidot") sind Atropin und Obidoximchlorid. Diese werden Soldaten in Autoinjektoren mit auf den Weg ins Gefecht gegeben.

"The Rock" ist zweifellos einer der besten Actionfilme überhaupt. Aber im echten Leben wird Atropin in den Oberschenkelmuskel injiziert, und nicht in das Herz. Als weiteres Mittel gegen Nervenkampfstoff werden Piridostigmin Tabletten ausgegeben. Diese hemmen die Acetylcholinesterase und lagern sie ein.

Mann muss diese Tabletten in genau einzuhaltenden Abständen vor einem C-Angriff einnehmen. Sollte Kampfstoff eingesetzt werden wird die Einnahme der Tabletten gestoppt und die Acetylcholinesterase wird wieder verfügbar. Link seht Ihr einen Auschnitt aus "Jarhead". Nach dem Unterschreiben der Verzichtserklärung, bzgl. Rechtsansprüchen gegen das US Militär, werden die Piridostigmintabletten unter Kontrolle eingenommen.

Scharfe Atropin Autoinjektoren gegen Nervenkampfstoff und Übungsinjektoren.
Scharfe Atropin Autoinjektoren gegen Nervenkampfstoff und Übungsinjektoren.

Zur privaten Krisenvorsorge oder für Sammler derartiger Ausrüstung gibt es kaum etwas, das schwieriger zu beschaffen ist, wie Atropininjektoren. Normale Ampullen mit Atropin bekommt man auf Rezept.

Foto: Die neuen Injektoren von Chemprotect.sk aus der Slowakei

Früher war der Einsatz von chemischen Kampfstoffen mit Sprühangriffen wahrscheinlich. Das wäre überraschend über den feindlichen Stellungen erfolgt. Zum Schutz davor wurde den Soldaten ein spezieller Drill beigebracht, in dem erst die ABC-Schutzplane über sich gezogen und dann die Schutzmaske aufgesetzt wurde.

Eine ABC-Schutzplane war bei den meisten NATO Armeen eingeführt. Sie hätte auch dazu gedient, sich eine Stellung in kontaminiertem Gelände einzurichten und sie dabei als Unterlage zu verwenden.

Foto: Ein Soldat wendet am kontaminierten Nacken seines Kameraden, nach einem Sprühangriff, Entgiftungspuder an (Quelle: Der Bundeswehr Lehrfilm "Chemische Kampfstoffe" (Link, Link)). Mit dem Puder darf man nicht sparsam sein und sollte es etwa eine Minute einwirken lassen. Es wird anschließend mit den Tupfern aus dem Selbsthilfesatz abgetupft! Sollte man versuchen es abzuwischen, wird es über eine größere Hautfläche verteilt. Es gibt eine spezielle Technik dafür. Der Tupfer wird auf die kontaminiert Stelle aufgesetzt und an den Außenkanten zusammen gedrückt. Hierbei macht man eine drehende Bewegung und hebt ihn ab. Die Tupfer dürfen nur ein mal verwendet werden und das Pulver (vermutlich Chlorkalk) darf nicht in die Augen geraten. Anschließend wie die Stelle mit der Dekontaminationsseife eingerieben und abgespült. Die Seife entgiftet machen Kampfstoffe und wäscht andere ab. Das BBK betreibt übrigens ein großes Chlorkalk Lager in Ruhmannsdorf.

 

Spüren und Erkennen von chemischem Kampfstoff

ABC-Schutzausrüstung der schweizer Armee mit Kampfstoffspürausstattung.

 

 

(Video über das Kampfstoff spüren)

(Video über das Entgiften)

Links: Das schweizer Soldaten Buch von 1959. Der Autor, Albert Bachmann, war sehr interessant. Er wurde später Leiter des Spezialdienstes, der Guerilliakrieg gegen evtl. einmarschierende Feinde führen sollte ("Stay Behind"). Er baute sogar, ohne Wissen seiner Vorgesetzten einen Sitz für eine schweizer Exilregierung in Irland auf. Dafür kaufte er dort ein Landgut. Als der Bundesrat 1980 davon erfuhr, wurde alles Material aus Irland in die Schweiz zurück gebracht. Denn der Bundesrat wollte sich im Kriegsfall in das Reduit zurück ziehen, und nicht ins Ausland flüchten.

Das feldmäßige Spüren von Kampfstoffen erfolgte bisher mit Spürpulver, Spürpapier und Spürpumpen. Heute werden von Behörden vor allem elektronische Geräte dafür verwendet. Bedenkt, dass es die Prüfröhrchen auch zum Nachweis von CO, CO2 und vielem Anderen gibt. Die meisten auf dem Sammlermarkt sind alt und nicht verlässlich.

Kauft zur Spürpumpe lieber aktuelle Röhrchen. Die Enden der Glasröhrchen werden, vor der Benutzung, an der rot markierten Öse abgebrochen. Eine Anleitung zur Spürpumpe findet Ihr in der KatS-DV120 (Link).

Die Kampfstoff Spürausrüstung der Bundeswehr wurde in einer Stofftasche untergebracht. Die vom Zivilschutz in einem Metallkoffer.
Die Kampfstoff Spürausrüstung der Bundeswehr wurde in einer Stofftasche untergebracht. Die vom Zivilschutz in einem Metallkoffer.
Das Kampfstoffnachweispapier (Spürpapier) verfärbt sich beim Kontakt mit flüssigem Kampfstoff, auf Gase reagiert es nicht.
Das Kampfstoffnachweispapier (Spürpapier) verfärbt sich beim Kontakt mit flüssigem Kampfstoff, auf Gase reagiert es nicht.
Diese Übersicht zeigt die Gruppen der unterschiedlichen Kampfstoffe. Am weitesten verbreitet ist heute Sarin und VX.
Diese Übersicht zeigt die Gruppen der unterschiedlichen Kampfstoffe. Am weitesten verbreitet ist heute Sarin und VX.

Sehr selten und kurios für Sammler sind Riechproben von Kampfstoffen. Darin enthalten sind keine Aromen, sondern echte Kampfstoffe in einer geringeren Konzentration als 1%. Sie sind dafür vorgesehen gewesen Luftschutzkräfte auszubilden. Es gab sie etwa von den 30er bis in die 60er Jahre (Link, Link, Link, Link). Für derartige Proben gibt es sogar eine Ausnahme in der Ausführungsverordnung für Chemiewaffen im §9. Derartige Stoffe sind auch in der Kriegswaffenliste des Kriegswaffenkontrollgesetz genannt. Da sie aber nach §1 keine Waffen und auch nicht zur Kriegsführung bestimmt sind, ist meiner Meinung nach auch nicht das Kriegswaffenrecht auf sie anzuwenden.

Englische Zigarettenbilder aus dem 2. Weltkrieg. Die Angst vor Giftgas war sehr groß, wegen den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.
Englische Zigarettenbilder aus dem 2. Weltkrieg. Die Angst vor Giftgas war sehr groß, wegen den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.

Der ABC-Alarm für Soldaten, Einsatzkräfte und Zivilisten

Der ABC-Alarm ist etwas sehr Spezielles, er ist sozusagen die höchste Alarmstufe für Soldaten, Einsatzkräfte und Zivilisten. Er symbolisiert die absolute Lebensgefahr, die nur durch sekundenschnelles Handeln abgewendet werden kann. Wer sich mit dem ABC-Schutz auskennt weiß, dass das keine Übertreibung ist. Egal ob ein Soldat eines Spähtrupps die Verfärbung seines Kampfstoffspürpapiers feststellt, oder das Warnamt (die wurden durch minderbegabte Politiker aufgelöst) vom Abschuss russischer ICBM in Richtung Europa erfährt. Für einen erheblichen Teil der Menschen ist, im Kriegsfall, die Warnung und das Wissen um den Selbstschutz überlebenswichtig.

Überall, wo ich gewohnt habe, gibt es schon lange keine Sirenen mehr. Meine letzte Sirenen Probe habe ich vor über 20 Jahren gehört, als ich im Ausland gewohnt habe. Und das neue Wort "Warnmix" täuscht darüber hinweg, dass Sirenen eine der wichtigsten Grundlagen im gesamten Zivil- und Katastrophenschutz ist. Sie wurden nur abgebaut, um Geld zu sparen. "Warnmix" symbolisiert für mich politisches Versagen in einer Zeit, in der Gender und Klima wichtiger waren, als die Sicherheit der Bevölkerung. Diese Politik hat uns in Russland dermaßen schwach aussehen lassen, dass wir keine glaubhafte Abschreckung mehr präsentieren konnten und sich ein Angriff auf die Ukraine als lohnenswert darstellte. Bis die richtigen Konsequenzen aus dem Ukraine Krieg gezogen und umgesetzt wurden, müssen wir uns auf Warnapps verlassen. Bald sollen auch Warnmeldungen per SMS erfolgen, aber selbst diese sind noch nicht realisiert. Der Sinn der Warnung ist, dass sich alle Bürger so schnell wie möglich in Sicherheit bringen können. Da aber keine Schutzräume mehr vorhanden sind, ist die derzeitige Situation etwas kurios. Interessant ist, dass das 1969 sehr ähnlich war. Damals gab es Sirenen, aber es gab viel zu wenige Schutzräume. In Stuttgart gab es z.B. nur für etwa 0,1% der Bevölkerung Plätze. Es wurde dann Einiges versucht, die Zahl der Schutzräume zu steigern (z.B. durch Subventionen). Heute stehen wir fast vor dem selben Problem. Nur, dass es erheblich weniger Sirenen gibt und gar keine einsatzbereiten Schutzräume mehr. Wichtig ist aber dennoch, dass die Bevölkerung durch Sirenen wenigstes darauf aufmerksam gemacht werden kann, den Rundfunk anzuschalten.

Jeder Soldat hasst Sie, die ABC-Alarmpatrone für die Kaliber 4 Signalpistole. Das Geschoss pfeift und wechselt die Farbe (weiß-rot-weiß).
Jeder Soldat hasst Sie, die ABC-Alarmpatrone für die Kaliber 4 Signalpistole. Das Geschoss pfeift und wechselt die Farbe (weiß-rot-weiß).

Für die weißen Jahrgänge unter meinen Lesern: Das Abfeuern dieser Patrone bedeutet immer einen anstrengenden Drill mit der ABC-Schutzausrüstung. Drillausbildung wird meist als etwas Falsches dargestellt. In Wahrheit ist Drillausbildung aber das Einzige, was einen auf Notfälle vorbereiten kann und stresssicheres Handeln ermöglicht. Drillausbildung rettet Leben!

Das Aufsetzen der Schutzmaske wurde Generationen von Soldaten eingedrillt. In den Weltkriegen riefen sie dabei "Gas". Heute wird "ABC-Alarm" gerufen.

Zivilisten begeben sich bei ABC-Alarm sofort in ihre (nicht Deutschland nicht vorhandenen) Schutzräume. Soldaten haben ABC-Schutz herzustellen und Ihren Kampfauftrag weiter ausführen.
Zivilisten begeben sich bei ABC-Alarm sofort in ihre (nicht Deutschland nicht vorhandenen) Schutzräume. Soldaten haben ABC-Schutz herzustellen und Ihren Kampfauftrag weiter ausführen.
Die Atomwarnung ist die Vorstufe, vor dem Atomalarm. Soldaten und Einsatzkräfte haben dann einige Vorbereitungen zu treffen.
Die Atomwarnung ist die Vorstufe, vor dem Atomalarm. Soldaten und Einsatzkräfte haben dann einige Vorbereitungen zu treffen.