Mich erreichen fast täglich Fragen dazu, was ich von der Walther PDP halte. Eigentlich wollte ich erst ein Video dazu bei einer guten Gelegenheit machen. Aber da ich nicht täglich lange Antworten in den Kommentaren zur selben Frage schreiben kann, erzähle ich es Euch hier.
Eine super Sportpistole:
Ich halte die PDP für eine der top Sportpistolen. Alleine schon wenn man die PDP in die Hand nimmt, merkt man die hohe Fertigungsqualität. Sie liegt gut in der Hand und hat einen super Abzug. Einen so hochwertigen Eindruck gewinnt man bei kaum einer anderen Polymerpistole. Behaltet das bitte bei meiner nun folgenden Kritik im Hinterkopf.
Für den Behördenmarkt und die Selbstverteidigung ist die Walther PDP der reinste Irrsinn und eine 100%ige Fehlkonstruktion:
Die Walther PDP sieht von außen aus wie jede andere Striker-Fire Polymerpistole auch. Aber innen siedelt sie sich aus technischer Sicht auf einem mieserabelen Level an. Zu aller erst muss man die PDP global betrachten. Walther hat eine " Leistungs-Dienst-Pistole" rausgebracht, die nicht mal die Mindestanforderungen für die nationale Polizei erfüllt (Technische Richtlinie der Polizeihochschule). Bei der Beschaffung schauen Sicherheitsdienste, Behörden und das Militär aber sehr genau auf die Erfahrungen anderer Nutzer und es werden ungern ganz neu konstruierte Waffen gekauft. Ein Insider aus dem Bundeswehr P13 Verfahren hatte mir das auch dort bestätigt, dass es eine zwingende Vorraussetzung für die P13 war, dass die neue Pistole bereits bei anderen Streitkräften eingeführt sein muss. Und da die Walther PDP niemals einen der sehr begehrten Aufträge (es gibt aufgrund der dichten Besiedelung hier sehr viele Polizisten) einer deutschen Polizei bekommen kann, werden ausländische Polizeibehörden grundsätzlich extrem zurückhaltend mit dem Kauf der PDP sein. Die PDP erfüllt die TR übrigens nicht, weil man zum Zerlegen den Abzug wie bei einer Glock betätigen muss. Aus Gründen der Arbeitssicherheit ist dies in keiner Weise mehr zeitgemäß und für Beschaffer nicht zu rechtfertigen. Da es regelmäßig zu Unfällen beim Zerlegen derartiger Waffen kommt, steigt ein Waffenhersteller nach dem anderen um und führt Zerlegesicherungen ein (H&K SFP9, Arex Delta Gen. 2, Beretta APX, S&W M&P Shielt, Radom MPS, FN HIPER, HS Echelon). Die Beschaffung von Dienstwaffen ohne Zerlegesichung zeigt Verantwortungslosigkeit der Beschaffer und dass ein billiger Preis ihnen wichtiger ist, als das Leben und die Gesundheit der Mitarbeiter. So wie z.B. die Beschaffung der CZ P10 als neue Bundeswehr P13 ein Skanal ist, wo einfach nur die billigste Pistole beschafft wurde, die auf dem EU Behördenmarkt zu finden war (Video, Video, Video). Die Walther PDP ist eine hochwertige Pistole, ist aber auf dem technischen Niveau etwa aus dem Jahr 2000. Und dafür geben Behörden kein Geld aus, da die Pistolen dort so lange wie möglich Dienst leisten sollen.
1: Die PDP verfügt über keinen beidseitigen Magazinlöser, wie es z.B. die SFP9, oder die HS Echelon haben, oder die Walther PPQ hatte. Seit der PPS Gen. 1 bringt Walther nur noch Mist in diesem Bereich raus. Die CCP z.B. war so unfassbar schlecht, dass sie erst zurückgerufen und umgebaut wurde und dann ganz vom Markt genommen werden musste. Die Gründe dafür hält Walther bis heute geheim. Ich kann es Euch aber erzählen, sie hatte Probleme mit der Fallsicherheit und es ist möglich die CCP fertig zu laden, so dass der Schlagbolzen nicht hinter der Schlabolzensicherung liegt, sondern auf dem Zündhütchen aufliegt!!!
Bild links: Die top moderne FN HIPER. Sie verfügt über eine Zerlegesichung, eine beeindruckende Abzugssicherung, einen ganz neu angeordneten Verschlussfanghebel und einen Magazinlöser auf beiden Seiten. Wenn ich richtig informiert bin, wurde die HIPER extra nach dem Vorbild der deutschen Polizei TR gebaut.
2: Die PDP verfügt nicht über eine entnehmbare Abzugsgruppe, was viele modernen Dienstpistolen haben und in naher Zukunft Standard sein wird. Dies ermöglich dem Sportschützen bisher unmögliche individuelle Anpassungen. Einer Behörde ermöglicht es aber auch 10 Jahre später noch sehr günstige Anpassungen an der Waffe, die bisher nicht möglich waren und eine sehr einfache Wartung. Wechsel der Farbe, Wechsel der Montagemöglichkeiten, Änderung von Verdickungen die dem unbeabsichtigten Betätigen von Verschlussfang oder Magazinauslöser usw. dienen, Montagemöglichkeiten für Fangschnüre, Montagemöglichkeiten von Anschlagschäften, Kameras, Laservisieren, Ändern der Griffgrößen usw...
Walther PPS, HS Echelon, Radom MPS, HK SFP9 CC usw. haben bereits alle eine entnehmare Abzugsgruppe. Diese entwickelt sich gerade aus diversen Gründen zum Standard und wenn ein Hersteller diese jetzt noch nicht eingeführt hat, ist er nicht auf dem Stand der Technik.
3: Die PDP verfügt über keine Zerlegesicherung. Zum Zerlegen muss man den Abzug betätigen, was immer zu Unfällen führen wird. In der Waffenkammer einer Behörde beim Schichtwechsel kann auf diesem Weg sehr schnell ein Schuss unbeabsichtigt abgegeben und ein Geschoss von einem Waffenschrank abprallen und einen anderen Menschen treffen. Das spielt für private Waffenbesitzer eine untergeordnete Rolle, aber bei einer Behörde mit vielleicht 10.000 Dienstwaffenträgern, werden sich derartige Unfälle nicht verhindern lassen. Wo Menschen sind passieren nämlich Fehler (siehe Murphys Gesetz).
4: Die PDP ist eine single action Pistole mit immer gespanntem Schlagbolzen. Das entwickelt sich aus unterschiedlichen Gründen zum Standard. Hierbei wird jedoch auf einen einfachen Auslöser ("sear") gesetzt, was ich nicht gut finde.
Andere Hersteller haben bei ihren SA-Dienstpistolen bereits eine Sicherheitsfangrast verbaut (Sig Sauer P320) oder einen 2. völlig getrennt arbeitenden Auslöser (HS Echelon).
Zusammen mit z.B. der CZ Shadow 2 wird die PDP eine der meist gekauften Sportpistolen in Deutschland der letzten paar Jahre sein. Auch ein Blick auf das Angebot von Walther zeigt, wie sehr der Schwerpunkt der PDP auf dem sportlichen Bereich liegt und wie gut sie sich da verkauft. Ein Blick in den Wikipedia Artikel zur PDP zeigt wiederum, bei wie wenigen Behörden und Streitkräften sich die PDP bisher durchsetzen konnte. Wenn man die dortigen Behörden auswertet kommt man auf nur etwa 10.000 an staatliche Stellen verkaufte PDP seit 2001. Alleine ein Auftrag z.B. von einer Landespolizei in Deutschland kann schnell doppelt so viele Pistolen enthalten. Die ganzen in Wikipedia gelisteten US Behörden sind sehr klein und haben kaum Relevanz. Die Walther PPQ oder die PPS Gen. 1 (die Gen. 2 war ein riesen Unsinn) waren moderne Konstruktionen und mit der PDP ist Walther einen technologischen Rückschritt eingegangen, der sich am Behördenmarkt bitter rächen wird. Dieser Hersteller mit Weltruhm wird durch den Irrsinn der PDP massiv an Boden verlieren, da sie nicht mit der SFP9, Echelon, Radom MPS, FN HIPER usw. konkurrieren kann. Dem Sportschützen ist es egal, ob er für "sein Schätzchen" 600 oder 800 Euro bezahlt. Aber wenn eine Behörde 10.000 Pistolen beschafft, will sie moderne und zuverlässige Technik, die auch nach 20 Jahren Dienstzeit noch angemessen ist, aber bezahlt eben nicht für die top Verarbeitung. Daher wird die PDP immer das bleiben was sie ist, eine Sportpistole. Daran ändert auch der KSK/KSM Vertrag der Bundeswehr nichts.
"Aber das KSK hat die PDP als P13 beschafft und deswegen redet Tactical-Dad Unsinn":
Ja, die Spezialkräfte der Bundeswehr haben die PDP als P14 beschafft. Aber bitte bedenkt dazu, dass die Anforderungen von Spezialkräften an eine Pistole sich grundlegend von denen normaler Dienstwaffenträger unterscheiden. Und vor allem unterscheiden sie sich noch viel mehr von denen von Jägern und Waffenscheininhabern. Die Beschaffungsverfahren von Spezialkräften sagt nichts über die Tauglichkeit für andere Nutzer aus.
Sehr enttäuscht hat mich Walther übrigens damit, dass sie vor einigen Monaten den Kundenservice eingestellt haben. Damit zeigt Walther dem Endkunden den Mittelfinger und begibt sich in dieselbe Servicewüste wie Heckler & Koch. Bei H&K funktioniert das wegen den vielen Behördenaufträgen und der top Technik einigermaßen, aber Walther wird diesen Schritt noch bitter bereuen.
Mein Fazit ist, dass ich mir die PDP ausschließlich zum reinen Sportschießen kaufen würde. Als Jagd-, Verteidigungs- oder Dienstwaffe würde ich niemals das Geld für eine PDP ausgeben, da es sehr viel bessere Pistolen dafür gibt.
In diesem Video gehe ich ab min 14:14 etwas auf das Walther PDP Thema ein: