Wie wird man Waffensachverständiger?

Die WBK für Waffensachverständige wird meist für "Waffen und Munition aller Art" ausgestellt und ist sehr schwer zu bekommen (links). Die rote WBK für Sammler wird meist stark eingeschränkt und ist wesentlich leichter zu bekommen.
Die WBK für Waffensachverständige wird meist für "Waffen und Munition aller Art" ausgestellt und ist sehr schwer zu bekommen (links). Die rote WBK für Sammler wird meist stark eingeschränkt und ist wesentlich leichter zu bekommen.

Wer bekommt normalerweise eine Sachverständigen WBK?

Es gibt die rote WBK für Sammler und Waffensachverständige. Das nicht zutreffende wird meist oben auf der 1. Seite gestrichen. "Sachverständiger" darf sich jeder nennen und theoretisch kann sich jeder Sportschütze "Waffensachverständiger" nennen, womit er sich aber eher lächerlich machen würde. Im Allgemeinen sind damit die Inhaber einer Erlaubnis nach §18 WaffG gemeint. Das sind Personen die gegenüber der Waffenbehörde glaubhaft dargelegt haben warum sie Waffen für "wissenschaftliche oder technische Zwecke, zur Erprobung, Begutachtung, Untersuchung oder zu einem ähnlichen Zweck" benötigen. Oft sind diese Personen gutachterlich tätig, als Privatgutachter oder für Organisationen (Waffenhersteller, Behörden, Rechtsmedizin usw.). Es ist auch möglich, dass technische Mitarbeiter von Waffenherstellern oder Behörden so eine Erlaubnis bekommen. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Beantragung einer Sachverständigen WBK sind bisherige Veröffentlichungen wie Fachbücher oder Berichte in Fachzeitschriften. Je mehr man bereits veröffentlicht hat desto einfacher wird der Antrag durch gehen. Der große Unterschied zu den Anträgen auf eine Sammler WBK ist, dass es für Sachverständigen WBKs keinen "Musterantrag" geben kann. Kein Antrag wird einem Anderen gleichen. Wenn eine der hier genannten Tätigkeiten ausübt wird, sind die Chancen auf eine Erlaubnis nach §18 WaffG recht gut.

 

Was könnte sonst noch funktionieren?

Viele Schützen hätten gerne so eine Erlaubnis, aber sie üben keine der oben erwähnten Tätigkeiten aus. Wenn man so etwas also ernsthaft in Angriff nehmen will sollte man es langfristig planen und überlegen für wen man gutachterlich oder technisch tätig werden könnte? Vielleicht kann man für den eigenen Sportschützenverband oder eine andere Interessenvertretung tätig werden? Ein erster Schritt kann z.B. auch sein, dass man technische Berichte schreibt und in den Verbandszeitschriften veröffentlicht.

 

 

Da die Sachbearbeiter der Waffenbehörden so einen Antrag nur sehr selten zur Bearbeitung bekommen werden sie sich nur auf "seriöse" Anträge einlassen. Die Anträge müssen sehr gut begründet sein und mit einem vorschnellen und schwammigen Antrag wird man meist keinen Erfolg haben. Bei dieser sehr weit gefassten Berechtigung muss die Waffenbehörde dem Antragsteller 1. völlig vertrauen können und 2. muss man vor der Antragstellung überlegen ob das beantragte Bedürfnis einer Abwägung mit  den "Gefahren für die öffentliche Sicherheit" gerecht wird. Denn genau diese Abwägung muss die Behörde auch vornehmen. Die großen Waffenbehörden in Großstädten haben solche Anträge öfter auf dem Tisch. Dort gibt es meist auch einzelne Sachbearbeiter die für alles außerhalb von Sport, Jagd usw. zuständig sind. Dort wird meist etwas strenger geprüft wie bei einem kleineren Landratsamt.

 

Inhabern einer roten WBK nach §18 dürfen idR. "Waffen und Munition aller Art" erwerben. Also alles was nicht verboten ist oder unter das KrWaffKontrG fällt. 

Zusätzlich besitzen sie eine Ausnahme hinsichtlich der Schießerlaubnis. Sie dürfen ohne Schießstandgenehmigung z.B. in ihrem Keller schießen. Auch von der Anmeldepflicht von Waffen innhalb von 14 Tagen gibt es Ausnahmen. Durch den §40 II WaffG bei gerichtlichen oder behördlichen Aufträgen kann es weitere Freistellungen für verbotene Waffen geben. 

 

Zusätzlich gibt es noch die "amtlich bestätigten und vereidigten Waffensachverständigen" der IHK. Das sind sehr wenige. Bei der IHK ist eine Liste von diesen derzeit 21 Personen (Ihr müsst in die Suche "Waffen" eingeben). Vereidigter Sacherverständiger kann man nur werden wenn die örtliche IHK einen Bedarf hat und man in einer Prüfung ein überdurchschnittliches Fachwissen ("besondere Sachkunde" genannt) vorweisen kann. Ohne Veröffentlichungen ist es kaum möglich vereidigt zu werden. Prinzipiell wird von der IHK auch eine mehrjährige Erfahrung in dem Bereich gefordert, also eine Arbeit als Waffenhändler, Büchsenmacher oder unvereidigter Gutachter.

 

Es gibt auch Sachverständige die vom V.d.W.bestellt sind. Mit denen hatte ich jedoch noch nie etwas zu tun und kann daher nicht viel dazu erzählen.

 

Saustall um den Schreibtisch während dem Schreiben eines Gutachtens.....
Saustall um den Schreibtisch während dem Schreiben eines Gutachtens.....

Wie wird man Waffensammler?

Eine rote WBK für Sammler bekommt man schon leichter. Man muss sich ein spezielles Sammelgebiet aussuchen. Man muss sich hierbei (vor allem beim ersten Antrag) stark einschränken und glaubhaft machen warum man diese speziellen Waffen sammeln will. Für Personen die einfach noch gerne 2 oder 3 Pistolen mehr über ihr Sportschützen Regelbedürfnis haben wollen lohnt sich das auf keinen Fall. Und wer sich ein paar Ordonanzgewehre kaufen will kann das schließlich auch, in einem gewissen Umfang, über die gelbe WBK oder einen Jagdschein tun. Ich werde sehr oft von Sportschützen und Jäger danach gefragt und wenn ich das erklärt habe geben viele den Gedanken an das Sammeln schnell auf. Aber eben weil sie nur 2-3 Pistolen mehr haben wollen und nicht ernsthaft sammeln wollen. Wer wirklich sammeln will bekommt meist auch eine rote WBK.

 

Der Antrag muss idR. ein "Gutachten" enthalten (Sammelthema, Antragsteller, Waffenliste...). Dieses Gutachten kann man selber schreiben oder einen "Sachverständigen" beauftragen. Sollte man sich mit dem Thema auskennen ist es meist besser wenn man es selber schreibt, dann merkt der SB dass man Ahnung von der Sache hat und der Antrag bekommt ein anderes Gewicht. Gelegentlich passiert es, dass der Sachbearbeiter ein Gutachten von einem amtlich bestellten Sachverständigen vorgelegt haben will (natürlich auf Kosten des Antragstellers). In diesem Fall solltet Ihr in die oben verlinkte Liste der Sachverständigen rein schauen und prüfen ob einer von denen das ausgewähltes Thema als Fachgebiet hat. Wenn dies nicht der Fall ist schreibt euer Gutachten selber und verweist darauf, dass es zu diesem Thema keinen amtlichen Gutachter gibt. Oft ist es sogar der Fall, dass kein Sachverständiger ein Gutachten zum gewünschte Sammelthema schreiben will. Denn so etwas ist seehr viel Arbeit und die Sachverständigen wollen nur die Gutachten erstellen die sie bereits vorgefertigt abgespeichert haben. Ich weiß von Fällen in denen für das Erstellen komplett neuer Gutachten mehrere tausend Euro bezahlt wurden. Zu den häufigsten Themen haben einige Sachverständige die Gutachten fix und fertig in der Schublade (Armeewaffen, Polizeiwaffen, Waffen des Herstellers XY). Sie fügen dann nur noch die Daten des Antragstellers ein. Diese Gutachten bekommt man dann meist für einige hundert Euro.

 

Evtl. funktioniert es auch wenn Ihr eurem Sachbearbeiter erklärt, dass ein selber geschriebenes Gutachten die "Ernsthaftigkeit" eures Antrages und Sammelwillens wesentlich besser beweist als eines aus der Schublade eines Sachverständigen.

 

Sollte Euer SB auf einem Gutachten eines vereidigten Sachverständigen bestehen kann sich der Klageweg lohnen. Denn im ganzen Waffenrecht werden nirgends die vereidigten Sachverständigen der IHK erwähnt. Manchen Sachbearbeitern reicht übrigens auch ein Gutachten eines unvereidigten Waffensachverständen, also einem Inhaber eine roten WBK gem. §18 WaffG.

 

Die Waffenbehörde wird das persönliche Interesse mit den Gefahren für die Öffentlichkeit abwägen. Vor allem auch wie "gefährlich/deliktrelevant" die Beantragten Waffen sind. Das funktioniert etwa so:

 

-Ein Polizeibeamter ohne WBk beantragt "Kurzwaffen der deutschen Polizei bis 1975". Das wird er vermutlich nicht genehmigt bekommen. Er hat noch keine eigenen Jagd- oder Sportwaffen, das Thema ist viel zu groß für einen "Sammelanfänger" und nicht genau abgegrenzt.

 

-Ein Polizeibeamter ohne WBK beantragt "Langwaffen die bei der Badischen Polizei bis 1918 eingeführt waren". Das sollte absolut kein Problem sein das genehmigt zu bekommen. 

 

-Ein Sportschütze der bereits Waffen besitzt beantragt "Kurzwaffen die bei deutschen Streitkräfte bis 1918 eingeführt waren". Kein Problem (Teilweise wird auch gleich bist 1945 genehmigt). Das Sammelthema der deutschen Armeewaffen ist vermutlich das meist genehmigten überhaupt. Es ist ein "dankbares" Thema, weil man dabei sehr viele unterschiedlich und interessenate Modelle erwerben darf und es einiges an Literatur dazu gibt. Problematisch dabei ist, dass diese Waffen weltweit sehr gefragt sind und daher sind auch die Preise für diese Waffen sehr hoch.

 

-Ein Sammler von PTB-geprüften Schreckschusswaffen beantragt "Schreckschusswaffen der Firma Röhner ohne PTB-Zulassung". Wenn er bereits alle (oder fast alle) SSW mit PTB Zulassung von Röhner besitzt und er eine genaue Liste der geplanten Waffen ohne PTB einreicht hat der Antrag gute Chancen auf Erfolg. Wenn zur Vervollständigung einer SSW-Sammlung lediglich 1-2 SSW ohne PTB fehlen kann für diese eine grüne WBK ausgestellt werden.

 

-Jemand der bereits eine WBK hat beantragt "Waffen der Firma Landmann". Auch das sollte kein Problem sein genehmigt zu bekommen.

 

Ein Freund von mir hat auf Grundlage meiner Waffenliste "SSW ohne PTB" eine rote WBK bekommen "Die Entwicklung der frei verkäuflichen Schreckschuss- und Gaswaffen von der Kaiserzeit bis zur PTB-Zulassungspflicht". Seine Hompepage findet Ihr HIER.

 

(Es ist aber nicht zwingend erforderlich, dass der Antragsteller bereits eine WBK hat)

 

 

Wenn man die erste Waffenliste zu etwa 70-80% erfüllt hat kann man eine Erweiterung beantragen. Wer z.B. Polizeipistolen sammeln will sollte bedenken, dass diese meist auch Abgenommen worden sein müssen durch Stempel. Diese Waffen sind oft schwerer zu finden und teurer als "kommerzielle" Waffen. Mann muss sich also unbedingt vorher überlegen ob man den Sammelplan auch erfüllen kann und ob man spätere Erweiterungen beantragen möchte. Wer also z.B. Prototypen der Firma XY als Sammelgebiet hat wird es kaum schaffen in wenigen Jahren seinen Sammelplan "zu erfüllen".

Und bedenken sollte man auch Folgendes, je größer und umfangreicher der erste Sammelplan (Liste der beantragten Waffen) ist, desto schwieriger wird es eine Erweiterung zu bekommen. Wer z.B. Armeewaffen sammeln möchte sollte sich also gut überlegen ob er die vielen Langwaffen überhaupt erwerben will. Einfacher KANN es sein sich erst Mal nur auf die Kurzwaffen zu konzentrieren und sich einige dazu passende Langwaffen über die gelbe WBK oder den Jagdschein zu erwerben.

 

Bedenken sollte man auch, dass das Sammeln eine langfristige Sache ist wo viele Waffen angesammelt werden. Man benötigt Tresore und kann evtl. sogar eine Alarmanlage als Auflage bekommen. Ein Gutachten eines Sachverständigen kostet zwischen 200 und 800 Euro. Die Ausstellung der roten WBK kostet noch mal etwa 200 Euro.

 

Jeder der eine rote WBK für Sammler beantragen will, oder auch nur ansatzweise mit dem Gedanken spielt, sollte sich als erstes die Nr. 17 der WaffVwV durchlesen! Denn da steht das Wichtigste drin was man wissen muss.

 

Fazit:

Unterm Strich muss man festhalten, dass Vieles möglich ist. Es ist daher schade, dass nicht mehr Waffenbesitzer den Schritt zur roten WBK wagen. Leider sind auch die Sachbearbeiter der Waffenbehörden oft mit den Anträgen auf rote WBKs völlig überfordert. Ich weiß von Fällen in denen die Sammler WBK erst nach 2 Jahren erteilt worden ist und bei einem ähnlichen Antrag von mir dauerte die Genehmigung unfassbare 3 Jahre (ohne Klage). Das hängt vor allem damit zusammen, dass viele SBs so einen Antrag in ihrer ganzen Karriere nur 1-2 Mal zu bearbeiten haben. Nur in den Großstädten gibt es SBs die so etwas regelmäßig machen, Erfahrung damit haben und auch genug Kontakt zu Sachverständigen haben die bei der Prüfung helfen.

Teilweise werden die Anträge zur Prüfung an andere Behörden (LKA, Waffenbehörde des Regierungsbezirks, Sachverständige) weitergegeben und teilweise müssen die SBs selber darüber entscheiden. Und dann ist es natürlich auch verständlich, dass der SB überhaupt nicht wissen kann ob der Antrag korrekt ist und ob die beantragten Waffenmodelle tatsächlich zum Sammelgebiet gehören.

Es ist auch möglich verbotene Waffen zu sammeln! Das funktioniert recht ähnlich wie Erweiterungen des bisherigen Sammelgebietes. Wenn jemand z.B. "Kurzwaffen die bei deutschen Streitkräfte bis 1918 eingeführt waren" gesammelt hat wird er die Erweiterung auf "-1945" anstreben. Und wenn er diese weitestgehend gesammelt hat kann er beim BKA einen Antrag stellen seine Sammlung um die entsprechenden MPs zu erweitern. Diese MPs sind verboten Waffen und keine Kriegswaffen! Der Haken beim Erwerb dieser vollautomatischen Schusswaffen ist aber, dass man nur eine Waffe aus legalem deutschen Besitz kaufen darf. Und diese zu finden ist gar nicht leicht. Man kann derartige Waffen immer wieder mal in München bei Niedermeier oder Hermann Historica finden. Die Preise für diese Waffen sind entsprechend hoch. Und die Betriebe  die vollautomatischen Waffen importieren um daraus Dekowaffen herzustellen dürfen diese nicht in scharfem Zustand an Sammler verkaufen, da dies das BKA nicht erlaubt.

Entsprechend kann auch ein Munitionssammler mit Munitionserwerbsschein beim BKA die Erlaubnis beantragen verbotene Munition zu sammeln. Diese Anträge werden meist recht problemlos genehmigt.

 

Die rote WBK ist ein Heft mit Platz für 168 Waffen. Auf der letzten Seite werden Erweiterungen oder Auflagen eingetragen.
Die rote WBK ist ein Heft mit Platz für 168 Waffen. Auf der letzten Seite werden Erweiterungen oder Auflagen eingetragen.

 

Teilweise ist es auch möglich, dass andere Familienangehörige hinten mit in die WBK eingetragen werden. So kann z.B. das volljährige Kind beim Sammeln mit machen oder die Ehefrau. So wird auch ein Erbfall einfacher, weil für die Ehefrau keine neue WBK mehr ausgestellt werden muss und sie keiner Blockierpflicht unterliegt. Wer als ebenfalls "Berechtigter" eingetragen wird ist gleichgestellt wie der WBK Inhaber.

 

Bitte beachtet auch meinen Bericht: "Mehr als 2 Kurzwaffen auf die grüne  WBK bekommen".

 

Bitte beachtet auch die HK4 Pistole. Sie ist technisch einmalig und mit ihr kann man 4 verschiedene Kaliber verschießen. .22lfb, 6,35mm Brow., 7,65mm Brow. und 9mm kurz. Bedenkt aber, dass Sportschützen für jedes Kaliber eine Bedürfnis zum Munitionserwerb nachweisen müssen, was bei 6,35mm schwer werden wird. Und als weiterer Nachteil kommt dazu, dass je nach Behörde, die Gebühren zum Eintragen der vielen Läufe und Munitionserwerbsstempel sehr teuer werden wird. Ein Waffensammler der keinen Munitionserwerbsschein bekommt sollte sich aber Gedanken darüber machen sich eine HK4 als Sportschütze oder Jäger zu kaufen.

 

Auch Waffensammler dürfen übrigens mit ihren Waffen versuchsweise schießen. HIER habe ich etwas dazu geschrieben.