Pfefferspray Teil 2

-Wie lange hält Pfefferspray?

-Bevorraten von Pfefferspray

-Tipps zur Steigerung der Zuverlässigkeit

-Pfefferspray im heißen Auto lassen?

-Erste Hilfe

-Geschichtliches über Abwehspray

-Rechtliches über Tränengas

-Fazit zum Pfefferspray

 

(HIER geht es zu Pfefferspray Teil 1)

Wie lange hält Pfefferspray?

Ein Faktor, zu dem ich regelmäßig Leserfragen bekomme ist, ob der Reizstoff seine Wirkung verliert. Schließlich verlieren auch Gewürze im Laufe von Jahren ihre Intensität. Man muss hierfür bedenken, dass Pfefferspray sowieso sehr stark ist und ein leichtes Nachlassen der Wirkung, im Lauf von einigen Jahren, nur wenig Einfluss auf die Wirkung haben wird. Der Reizstoff ist auch sehr dicht abgeschlossen in der Dose. Die ältesten Pfeffersprays die ich verfügbar hatte, waren 17 Jahre alt. Sie machten einen immer noch wirksamen Eindruck und die seitliche Schwebstoffwolke war sehr unangenehm und verursachte ein sofortiges Husten. Viel mehr kann ich dazu nicht aus eigener Erfahrung sagen. Da in der Praxis aber eher das Treibmittel entweichen wird, ist die Haltbarkeit des Wirkstoffs in der Praxis vermutlich wenig relevant. Und wenn der Hersteller eine Garantie von 3 Jahren gibt, sollte man es nicht noch nach 15 Jahren ernsthaft zur Selbstverteidigung vorhalten.

 

Ich bekam von einem anderen "Tactical-Dad" den Karton auf dem Bild unten. Darin sind einige Dosen CS-Gas von 1999, die über die Jahre ausschließlich im Keller lagerten und sozusagen niemals Tageslicht gesehen haben. Hinsichtlich der Haltbarkeit des Treibmittels, sollten sie genau gleich sein, wie Pfefferspray. Ich nutzte also die Gelegenheit, um sie auf einer Feinwaage zu vergleichen. Sehr interessant an diesem Test war, dass ich eine Dose aus diesem Karton vor vielen Jahren bekommen habe. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich sie irgend wann mal bei mir getragen habe, was man meist auch an leichten Dellen erkennen würde. Aber sie wurde in meiner Sammlung doch regelmäßig berührt, rum getragen, umgelagert usw. Sie wurde aber niemals betätigt und die Sicherung über dem Auslöseknopf war noch unbeschädigt.

Dose 1: 42,14g; Dose2: 42,47g; Dose 3: 43g; Dose 4: 42,75g; Dose 5: 42,43g

Dose 6: 42,56g; Dose 7: 42,41g;

Dose 8: 36,55g (wurde vor vielen Jahren zum Test betätigt)

Dose 8: 41,96g (aus meinem Bestand, stammt aber aus genau diesem Karton)

 

Meine Schlussfolgerung:

Alle Dosen wiegen 42,1 bis 43g. Die meisten haben etwa 42,5g. Ich schließe daraus, dass keine der Dosen aus dem Keller Druck verloren hat. Interessanterweise war aber meine eigene Dose mit 41,9g die leichteste und vermutlich ist bei dieser, durch die vielen Bewegungen, im Laufe der Jahre, etwas Druck entwichen. Hätte ich sie über die Jahre in der Hosentasche getragen, wäre vermutlich wesentlich mehr Inhalt entwichen. Es spielt also offensichtlich auch eine Rolle, ob man ein Spray regelmäßig bei sich trägt, oder ob es nur an der Garderobe liegt.

Bevorraten von Pfefferspray

Ich rate Euch keine größeren Mengen von Pfefferspray auf Vorrat zu kaufen. Denn diese laufen nach einigen Jahren in ihrer Haltbarkeit ab. Natürlich kann man diese einige Jahre länger verwenden, als darauf angegeben ist. Aber wenn plötzlich alle Sprays im Haus alt geworden sind ist das ziemlich unpraktisch. Das ist bei den Hamsterkäufen 2015 oft passiert, dass ein Familienvater eine ganze Schachtel Tierabwehrspray gekauft hat.

 

Ich würde lieber regelmäßig einzelne, neue und hochwertige Sprays kaufen. Dann hat man immer ein Neues in der Tasche und kann die Älteren in den Vorrat legen oder zum Üben und Experimentieren verwenden. Wenn jemand Pfefferspray bevorratet hat das meist die Folge, dass er immer alte Sprays verwendet. Jedenfalls ergeben meine eigenen Beobachtungen dieses Bild.

Tipps zur Steigerung der Zuverlässigkeit

Auf den Tipp aus dem Buch links, würde ich mich nicht verlassen wollen (Das Spray regelmäßig zum Test zu betätigen). Ich vertraue lieber Spraydosen, die noch nie betätigt worden sind.

 

Wenn Du eine Dose einmal betätigt hast, sollte sie sofort gekennzeichnet und bald ersetzt werden. Ich selber würde mich nicht mehr darauf verlassen wollen, dass dann noch ausreichend Druck darin ist. Die Dosen haben ja schließlich keine Druckanzeige. Und eben weil man sich auf den vorhandenen Druck verlassen muss, kaufe und ersetze ich regelmäßig meine Sprays. Natürlich funktionieren die auch noch nach 10 Jahren. Auch der Reizstoff funktioniert dann noch, aber ich will mich nicht darauf verlassen müssen. Die mindest Haltbarkeit wird von den meisten Herstellern mit 3 Jahren angegeben. Ich selber verwende sie ab und zu noch etwa 2 weitere Jahre, mehr aber nicht. Achtet beim Kauf darauf, dass sie so neu wie möglich sind.

Ein Tipp zur Steigerung der Zuverlässigkeit ist es, immer ein Spraydose zu kaufen, die eine Nummer größer ist, als man eigentlich wollte. Bei größeren Dosen macht es nichts, wenn über die Jahre etwas Druck entweicht. Wie viel Einfluss die Temperatur auf das Treibmittel hat, weiß ich nicht. Vermutlich ist es aber sinnvoll, das Spray im Winter nah am Körper zu tragen.

Mit einer "Drogendealer-Feinwaage" kann man feststellen, ob Treibmittel oder Reizstoff aus der Dose entwichen ist.Nach dem Kauf hatten beide Sprays das selbe Gewicht von etwa 81,5g. Mit dem Pfefferspray, links im Bild, habe ich zwei Sprühstöße auf einen Nachbarhund abgeben müssen. Er ist ein mies Vieh und hat uns bereits zwei Mal angegriffen.


Eine derartige Kontrolle kann die Zuverlässigkeit von Pfefferspray relevant steigern. Entweder notiert man das genau Gewicht der Dose sofort nach dem Kauf (auf der Dose oder der Verpackung), oder man hat baugleiche Sprays zum Vergleich. Ich würde mich aber lieber darauf verlassen, das genau Gewicht nach dem Kauf zu notieren. Hierbei können Schwankungen in der Fertigung das Ergebnis nicht verfälschen.

 

Die Firma Hoernecke hat mir keine Auskunft darüber erteilt, ob sie der Hersteller des Abus Pfeffersprays sind, aber es ist dennoch offensichtlich. Und das Spray ist vor allem sehr günstig (die Preise haben sich mittlerweile an die mit "TW1000" Aufschrift angeglichen. Früher haben sie nur etwa die Hälfte davon gekostet). 

Kann man Pfefferspray im heißen Auto lassen?

Eine Leser fragte mich genau das. Nun muss ich ehrlich zugeben, dass ich immer ein Pfefferspray im Auto habe und mir noch nie ernsthaft Gedanken dazu gemacht habe. Aber vermutlich wird diese Frage nicht nur ihn interessieren. Also googelte ich zuerst "Kann eine Spraydose im heißen Auto explodieren". Ich fand massenweise Berichte und Nachrichten über die Gefahren von heißen Spraydosen. Aber irgend etwas stimmte dabei nicht, denn ich habe bisher niemals von einem derartigen Fall gehört. Also googelte ich "Spraydose explodierte im Auto" und die Nachrichtensuche erbrachte keinen einzigen Treffer zu so einem Fall.

Fast alle Hersteller geben an, dass die Pfefferspraydosen nicht über 50 Grad heiß werden dürfen. Aus den diversen Tabellen im Internet kann man raus lesen, dass diese Temperatur etwa ab 30 Grad Außentemperatur innen erreicht wird, wenn das Auto in der Sonne steht. Wenn man nun sein Pfefferspray nicht auf dem Sitz, in der Mittelkonsole oder am Armaturenbrett hat, sondern an einem schattigen Platz, sollte in der Praxis keine Gefahr bestehen. Ich bin übrigens mal einem Taxifahrer begegnet der sich sein Pfefferspray mit Klettstreifen am Armaturenbrett befestigt hatte. Da wird das Spray natürlich sehr heiß, aber interessant war diese Idee doch.

 

Ich werde weiter sorgenfrei mein Spray im Seitenfach der Tür liegen haben!

 

Erste-Hilfe nach einem Reizstoffeinsatz

Der Betroffene sollte möglichst liegen, um die Augen mit Wasser auszuspülen. Er wird etwas auf eine Seite gedreht und seine Augenlider werden (mit Handschuhen) auseinander gezogen. Wenn man so das unten liegende Auge spült, fließt der Reizstoff nicht über das zweite Auge. Und man erreicht die Stellen, wo er sich sammelt. Im Anschluss dreht man ihn auf die andere Seite und macht das Selbe erneut, mit dem anderen Auge. Wenn man die Augenlider nicht auseinander zieht, bleibt Reizstoff darunter zurück und die Schmerzen werden nicht gelindert. Das passiert recht oft, weil der Betroffene durch das OC einen krampfartigen Lidschluss hat. Wenn man die Augen aber mit dieser Technik anständig spült, braucht man gar nicht viel Wasser. Die Wirkung hält aber immer, auch nach einem erfolgreichen Ausspülen, eine Weile an.

Es gibt auch spezielle Augenspülflaschen, oder Erste-Hilfe Sprays. Die Spülflaschen sind eine super Sache, wenn man sie zur Hand hat. Die Erste-Hilfe Sprays habe ich noch nie benutzt und ich kann daher auch nicht aus meiner eigenen Erfahrung sagen, wie gut sie funktionieren. In der Praxis wird meist das genommen was da ist. Entweder zwängt man den Betroffenen unter den Wasserhahn, oder man verwendet einfach eine Trinkflasche mit Wasser. Man kann auch mit dem Taschenmesser in einer Ringer Infusionslösung stechen und die Augen damit ausspülen. Macht dabei das Loch nicht zu groß und seit vorsichtig, damit Ihr die Flüssigkeit nicht zu fest in die Augen spritzt.

 

Danke für den Lesertipp: Selbstverständlich ist Milch gut geeignet um die Augen auszuspülen. Aber wenn in meinem Umfeld Pfefferspray eingesetzt wurde, war so etwas wie Milch nie verfügbar.

Geschichtliches über Abwehrspray

Es ist schwierig etwas über die Geschichte von Pfefferspray und Tränengas zu schreiben. Informationen dazu sind nämlich schwer zu finden. Es soll hier aber ausschließlich um Abwehrsprays gehen. Reizstoffe werden nämlich schon seit dem 1. Weltkrieg mit unzähligen Applikationssystemen verwendet (z.B. mit Pepperballs, den alten Scheintod Pistolen, oder Jet-Systeme).

Abwehrsprays sind mir erst nach dem 2. Weltkrieg bekannt. Das erste mir bekannte System war die "Notwehrpistole". Bei dieser einfachen Blechpistole stand eine Feder unter Spannung. Wenn man den Abzug betätigte, drückte diese einen Fingerling aus Gummi aus, der mit dem Reizstoff links auf dem Foto gefüllt war. Welcher Reizstoff das ist, weiß ich leider nicht. An dem Erwerbsschein oben könnt Ihr sehen, dass diese Waffen schon wenige Jahre nach dem Krieg verkauft wurden. Dazu muss man sich bewusst machen, dass es in den Nachkriegsjahren viel Kriminalität gegeben hat und die Leute händeringend nach Selbstschutzwaffen gesucht haben. Damals stand auf Waffenbesitz aber teilweise sogar die Todesstrafe. Ab etwa 1950 war es wieder möglich Erlaubnisse für scharfe Waffen zu erhalten. Ich vermute, dass den Besatzungsmächten der Verkauf der Notwehrpistole dagegen relativ egal war. 1953 wurde die Notwehrpistole auch der Justiz Bremen zum Kauf angeboten, dort hatte man aber kein Interesse, weil man bereits "Gasschutz-Pistolen" beschafft hatte. Gemeint waren damit laut "Dienstwaffen der deutschen Polizei und Gendarmerie - Bremen ab 1945" handelsübliche Gaspistolen (also Schreckschusswaffen). Die Strafanstalt Düsseldorf beschafft jedoch sechs Notwehrpistolen.

Die Scheintod Pistole Modell A ist eine Tränengaspistole und im Burgsmüller Katalog von 1952 zu finden.
Die Scheintod Pistole Modell A ist eine Tränengaspistole und im Burgsmüller Katalog von 1952 zu finden.

Wie Ihr in diesem Auszug aus dem Burgsmüller Katalog von 1952 sehen könnt, gab es noch weitere Reizstoffpistolen. Die Waffe hier wurde "Scheintod Pistole Modell A" genannt. Wissen muss man dazu, dass die Scheintod Waffen Modell A-D eigentlich Schreckschusswaffen waren. Burgsmüller kaufte sie z.B. von Röhm oder Korth und ließ ihren Namen drauf schreiben. Aus der Beschreibung (40 mal "schießen" und "nachfüllen") schließe ich, dass diese Pistole vermutlich kein Treibgas verwendet hat und ein Pumpsystem hatte, wie eine Spitzpistole. Danke für das Foto an www.gas-waffen.de

1961 meldete der Erfinder Alan Litman in den USA ein Patent an, für die Kombination einer Sprühdose, mit Treibmittel und in einer Trägerflüssigkeit befindlichem Reizstoff. Da er nicht nur Waffen erfand, sondern auch an Tieren forschte, hielt er in seinem Haus einen Alligator, der Ernst hieß (falls das jemanden interessieren sollte). Er gründete die Firma "General Ordnance Equipment Corporation" (GOEC). Da ihm mit dieser Erfindung ein großer Wurf gelungen war, kaufte Smith & Wesson die Rechte daran und vermarkteten das Spray weltweit als "Chemical Mace" (chemische Keule). Ausführlich findet Ihr diese Geschichte HIER. Die "MK-V" Version wurde auch von deutschen Polizeibehörden in großem Umfang verwendet (als "RSG-1"). Es gab auch kleinere Sprays von GEOC, diese hatten teilweise seitliche Sichtfenster, um den Füllstand sehen zu können. Über die chemische Keule gibt es bis heute Horrorgeschichten und sie wird etwas mystifiziert. Das kommt vermutlich von den einschlägigen deutschen Büchern dieser Zeit über Polizei Einsatzmittel, Selbstverteidigung und Verteidigungsschießen. Die chemische Keule ist aber genau das Selbe, wie das damalige TW1000 Tränengas, in beiden war der Reizstoff CN. Aber in Deutschland war die Reizstoffkonzentration ab 1972 begrenzt.

In Deutschland beginnt die Geschichte der Abwehrsprays mit Treibgas und Reizstoff 1962 Bei Hoenecke. Anmerken sollte ich hierbei, dass damals noch das Reichswaffengesetz aus den 30er Jahren galt und daher auch noch Waffen wie Stahlruten, schießende Kugelschreiber und Schlagringe erlaubt waren. Mein Bestand an alten Katalogen hat leider mehr Lücken, als dass er Kataloge hat. Meinen frühester Nachweis seht Ihr unten, aus dem Kieferle Katalog von 1964. Im GECO Katalog aus dem selben Jahr ist kein Abwehrspray zu finden, auch nicht in meinen Frankonia und Kettner Katalogen, von 1962 und 1969. Es gab auch eine Tränengaspistole "Perfecta G20", die vor 1972 verkauft wurde. Weitere Details dazu weiß ich aber leider nicht.

TW 1000 Tränengas im Kieferle Waffen Katalog von 1964. Es war damals eine sehr neue und moderne Waffe.
TW 1000 Tränengas im Kieferle Waffen Katalog von 1964. Es war damals eine sehr neue und moderne Waffe.

Foto: Frankonia Katalog von 1987. Es gibt lediglich Tränengas Sprays mit CS-Wirkstoff und nur wenige Produkte zur Auswahl. Meine eigene "Diplomat Tränengaspistole" (auf dem Bild Nr. 21) stelle ich Euch HIER vor, sie stammt von 1978 und hat noch CN-Reizstoff.

Foto: Frankonia Katalog von 1995

Das Angebot hat sich in den acht Jahren dazwischen deutlich geändert. Es gibt nicht nur CS-Gas, sondern auch die ersten Pfeffersprays. Lieferbar sind auch Alternativen, wie Schrill-Alarme und Farbssprays.

Pefferspray spiegelt einige geschichtliche und gesellschaftliche Dinge wieder. Besonders zu sehen, war das in der "Flüchtlingskrise" im Jahr 2015. Der komplette deutsche Markt wurde in wenigen Wochen leer gekauft. Alle Presseberichte dazu sind sehr schlecht und ich selber will das Thema hier nicht aufgreifen. Es ist einfach zu politisch für meinen Blog. Im Frankonia Katalog von 2016 nehmen die Abwehrsprays schon etwa 3 Seiten ein. Für "jeden Geschmack" ist etwas dabei, Sprays in Lippenstift Form, in Pistolen Form, von 15 bis 370ml Inhalt usw.

Rechtliches über Tränengas

Mit dem Erlass des bundeseinheitlichen Waffengesetz wurden ab 1972 Vorschriften dazu gemacht, diese findet man in der 1. und 2. WaffV. Dort stand z.B. "Beim Versprühen darf Reizstoff in keiner größeren Menge als 1g frei gegeben werden". Damit war festgelegt, dass eine Sprühdose nicht mehr Wirkstoff enthalten dürfte, egal welche Größe sie hat. Im §4 der 2. WaffV von 1972 stehen Details zu einem Versuchsaufbau, bei dem die "Unverträglichkeitsgrenze" von bestimmten Reizstoffen festgestellt werden soll. Hierfür wurden Personen dem Reizstoff in einem Raum ausgesetzt. Später wurden diese Regelungen in die Anlage 2 der 1. WaffV verschoben und geändert. In der Fassung von 1978 wird nun der LCT50-Wert (tödliche Wirkung im Tierversuch) und der ICT50-Wert (Reizwirkung im Menschen Versuche) genannt und definiert. Unter Nr. 6 steht ein wichtiger Punkt. Die Anforderungen gelten bei CN und CS Reizstoff als erfüllt. Das bedeutet wiederum, dass die notwendigen Menschen- oder Tierversuche, nur bei der Zulassung anderer Reizstoffe notwenig sind. Für die Zulassung neuer Reizstoffe sind beide Werte wichtig und damit sind Tierversuche notwendig, die nach §7 Tierschutzgesetz aber nicht mehr zulässig sind. 

 

Für das Verfahren wurden vom BKA Zulassungszeichen vergeben (für Gaskartuschen und Reizstoffsprühgeräte mit CN, CS und Senföl). Die erste Zahl im Zulassungszeichen gibt dabei immer den Hersteller an.

 

Die Hersteller könnt Ihr an folgendem Code entschlüsseln:

1: Hoernecke

2: Rhöner (SM)

3: Wadie

4: EM-GE

5: Cuno Melcher (ME)

6: Eldos Chemie (mit unzähligen Handelsnamen)

7: Ferdinand Grebien

8: Kontakt Chemie Friedrich

9: Klever (Ballistol)

10: Hilde Plachy Chemie

11: Longtil AG Schweiz

12: Helmut Diehl

13: SNPE Chemie

14: IDC Chemie

15: Umarex

16: Buck Werke

17: Eldos Chemie (mit unzählige Handelsnamen)

18: Armin Habla

19: OLI Cosmetics

20: Ralf Schmitt

(Beachtet bei dem Foto z.B. die Nummer "5r" unten links. Durch die Liste könnt Ihr bei Nachforschungen erkennen, dass auf diesen Gasvorsatzhülsen zwar "Wadie" drauf steht, dass die Zulassung aber Cuno Melcher erteilt wurde).

Die Hersteller der BKA Zulassungen von Reizstoffsprühgeräten und Gaskartuschen können mit der Liste oben entschlüsselt werden.
Die Hersteller der BKA Zulassungen von Reizstoffsprühgeräten und Gaskartuschen können mit der Liste oben entschlüsselt werden.

1987 wurde die 1. WaffV erneut geändert und dort wurde der bekannte Farbcode für Kartuschenmunition mit Reizstoffen in §11 Absatz 2 folgendermaßen definiert:

Blau: Reizstoffmunition mit CN

Gelb: Reizstoffmunition mit CS

Rot: Sonstige Reizstoffmunition

 

Mittlerweile ist die Zulassung von Reizstoffsprühgeräten in der BeschussV geregelt, im §15 und der Anlage IV. Dort findet man immer noch die selben LCT50 und ICT50-Werte. Das Zulassungszeichen ist inzwischen ein "PTB-R..." Zeichen in einem Trapez und die PTB ist für das Zulassungsverfahren zuständig. Die PTB definiert die Anforderungen an die RSGs HIER. Dort steht, dass nur die Reizstoffe CN und CS zulassungsfähig sind. Wenn man diese vielen Vorschriften aufmerksam durchgelesen hat, merkt man, dass dort alles, typisch deutsch, ganz genau geregelt ist. Und genau jetzt kommt wieder etwas, wo man merkt, dass ein Waffengesetz vieles nicht leisten kann. Kurioser Weise unterliegt die Selbstschutzwaffe mit der größten Verbreitung in Deutschland nicht dem Waffengesetz (das Tierabwehrspray). Und daher sind alle diese rechtlichen Regelungen über Reizstoffsprühgeräte fast schon bedeutungslos. Schließlich verwendet und kauft kaum noch jemand die Tränengas Sprays. Den entsprechenden Feststellungsbescheid des BKA könnt Ihr HIER runter laden.

Fazit zum Pfefferspray

Pfefferspray ist in unserer "Waffen feindlichen" Gesellschaft die beste Waffen überhaupt gegen den gemeinen Straßenschläger. Es ist zuverlässig, klein, leicht, günstig, gesellschaftlich akzeptiert und millionenfach bewährt (ich weiß, dass ich mich damit wiederhole). Es muss nicht unbedingt eines von Hoernecke sein. Viele anderen Markensprays sind auch sehr gut. Aber meine Empfehlung z.B. für Sicherheitsdienste ist auch, dass immer die Einsatzmittel der örtlichen Polizei übernommen werden sollte um Rechtssicherheit zu haben. Jedenfalls  sofern diese gut, verfügbar und erlaubt sind.

Was mein Bericht nicht erklären kann ist wie das Zeug wirkt, dass sollte jeder einfach mal ausprobieren!