Salutwaffen im Waffengesetz 2020

Definition:

Salutwaffen sind in der Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 1 Nr. 1.5 definiert:

 

Nr. 1.5.1.:

Langwaffen die mehrere Anforderungen erfüllen, wie z.B., dass keine Patronenmunition geladen werden kann und dass der Lauf Bohrungen aufweisen muss. Diese Waffen müssen auf dem Verschluss ein Zulassungszeichen eines Beschussamtes nach Abbildung 11 der Anlage II der Beschussverordnung (Raute) tragen.

 

Mein G98 Salutgewehr z.B. besitzt aber nur ein älteres Zulassungszeichen (Raute) des BKA auf der Systemhülse und erfüllt diese Anforderung nicht. Jetzt könnte man meinen, dass die älteren Salutumbauten wie scharfe Waffen behandelt werden, das ist aber nicht der Fall, denn mit der 3.WaffRÄndG wurde ein ganz wesentlicher Paragraf nicht geändert. Der §22 Absatz 1 BeschG bleibt wie er ist:

 

Eine vor Inkrafttreten dieses Gesetzes erteilte Zulassung im Sinne der §§ 7 bis 11 gilt im bisherigen Umfang als Zulassung nach diesem Gesetz.

 

Damit gelten auch veraltete Zulassungen weiter und die Salutwaffen mit BKA-Raute sind allen anderen Salutwaffen gleichgestellt.

 

Nr. 1.5.1.:

Schusswaffen, die vor dem 1. April 1976 entsprechend den Anforderungen des §3 der Ersten Verordnung zum Waffengesetz vom 19. Dezember 1972 (BGBI. I S. 2522) verändert worden sind.

 

Ich kenne nur eine Sorte von Waffen die darunter fallen, die Hege Umbauten der Enfield, Webley und S&W Victory Revolver (Kurzwaffen) zum verschießen von Platzpatronen. Diese Waffen sind bisher schon kaum bekannt gewesen und es gab nur wenige davon am Markt. Sie weisen keine Zulassungszeichen auf. Jetzt ist ganz klar geregelt, dass auch sie "Salutwaffen" sind und deren Regeln unterliegen.

Die Umbauten der CZ70, PPK, Webley und Enfield Revolver mit PTB Zeichen fallen eindeutig nicht unter die Regeln der "Salutwaffen" und sind weiterhin frei verkäuflich (Die Freistellung für Schreckschusswaffen mit PTB-Zeichen besteht immer noch in Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2).

 

 

Rechtliche Einstufung:

Bisher waren Salutwaffen in der Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1 von der WBK-Pflicht frei gestellt. Im 3.WaffRÄndG wird diese Ausnahme aber jetzt, unter Nr. 38 ccc, gestrichen. Damit sind Salutwaffen ab dem Inkrafttreten des WaffG-neu, am 01.09.2020, erlaubnispflichtig.

 

In der Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1 ist geregelt welche Waffen erlaubnispflichtig sind. Diese wurde nun geändert und es sind alle Waffen der Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 1 Nr. 1 bis 4.3 erlaubnispflichtig. Wie Ihr weiter oben seht fallen die Salutwaffen, mit ihrem Punkt 1.5, darunter.

 

Eigentlich waren bisher die Ausnahmen der Erlaubnispflichten In der Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1 aufgeführt. Dort steht z.B. welche Waffen ohne Waffenschein geführt werden dürfen oder, dass man für "geborene" 4mmM20 Waffen kein Bedürfnis nachweisen muss usw. Ich hatte eigentlich erwartet, dass dort die neuen Ausnahmen von Salutwaffen aufgeführt werden. Aber es wird ein neuer Paragraph geschaffen. Der §39b regelt "Erwerb, Besitz und Aufbewahrung von Salutwaffen".

 

Im §39b steht, dass für den Erwerb und Besitz von Salutwaffen nun ein Bedürfnis nachgewiesen werden muss. Das wird insbesondere für Theater, Film, Fernsehen und Brauchtum anerkannt. Das Wort "insbesondere" bedeutet, dass der Gesetzgeber ausdrücklich auch bereit ist, weitere Bedürfnisse anzuerkennen.

 

Im Absatz 2 steht klar, dass für eine Salutwaffen-WBK kein Sachkundenachweis erforderlich ist.

 

Im Absatz 3 sind Salutwaffen von den strengen Aufbewahrungsvorschriften scharfer Waffen ausgenommen. Sie sind wie frei verkäufliche Waffen aufzubewahren.

 

§ 58 WaffG (Altbesitz):

Hat jemand am 20. Februar 2020 eine erlaubnispflichtige Salutwaffe besessen hat er spätestens am 1. September 2021 eine Erlaubnis zu beantragen oder die Waffe abzugeben...

 

Diese seltsame Formulierung findet sich öfter im 3. WaffRÄndG. Wir befinden uns in der Zeit nach dem 20.02.2020 und die Änderung für Salutwaffen ist noch gar nicht in Kraft getreten. Es ist also eigentlich weiterhin erlaubt Salutwaffen zu erwerben und zu überlassen. Man könnte diese Formulierung sogar so verstehen, dass alle jene, die zwischen diesen beiden Tagen eine Salutwaffe erwerben von der Erlaubnispflicht freigestellt sind (was zweifellos gegen den Sinn des Gesetzes ist und illegal wäre). Vermutlich will der Gesetzgeber damit ausdrücken, dass all denen, die vor dem 20.02.2020 eine Salutwaffe besessen haben, eine WBK für ihren Altbesitz ausgestellt werden soll. Aber genau genommen steht das so nicht im Gesetz. Es wäre aber auch möglich das so auszulegen, dass ab sofort keine Salutwaffe mehr ohne Erlaubnis erworben werden darf , was aber ziemlich sicher eine falsche Auslegung wäre.

 

Es ist davon auszugehen, dass die Waffenbehörden angewiesen werden allen eine WBK für ihren Altbesitz auszustellen, wenn sie Zuverlässig sind. Derartige Anweisungen der Ministerien sind aber noch nicht mal erstellt, denn auch die Sachbearbeiter und Verantwortlichen in den Ministerien kennen das WaffG-neu erst seit wenigen Tagen.

 

Sanktion:

Ich konnte bisher keine Sanktion (Strafandrohung) im WaffG-neu finden, für den illegalen Besitz einer Salutwaffe. Man würde aber ziemlich sicher eine Ordnungswidrigkeit gem. §53 WaffG begeben, weil man eine notwendige Anmeldung unterlässt.

 

Was ist mit Salutwaffen, die aus ehemaligen vollautomatischen Schusswaffen entstanden sind? (Es wurden ja z.B. PPSH41 oder UZI MPs zu Salutwaffen umgebaut und in Deutschland verkauft.)

Ich habe bisher keine Ahnung und konnte mich damit noch nicht beschäftigen. Das WaffG und das 3.WaffRÄndG in Kombination zu lesen und zu verstehen ist sehr zeitaufwendig und kompliziert. Auf die bisherigen "Lesefassungen" kann man sich nicht blind verlassen, z.B. in der vom DSB hab ich schon Fehler gefunden. Vielleicht ist Euch auch aufgefallen, dass alle anderen Blogger sehr zurückhalten mit dem neuen Waffengesetz sind und niemand sonst etwas dazu veröffentlicht.

 

(Es gilt das Selbe wie bei meinen anderen Berichten über das WaffG-neu, bitte sagt mir, wenn Ihr Fehler hier findet. Aber natürlich nur, wenn sie anhand des Gesetzestextes nachweisbar sind. Das neue Waffengesetz zu verstehen, und hier so ziemlich als erster überhaupt auszulegen, ist alles andere als einfach).

 

 

 

 

Alles ab hier abwärts ist rechtlich veraltet!

Liebe Leser, alles ab hier abwärts, bezieht sich noch auf das alte Waffenrecht (von vor 2020). Es hat viel Zeit gebraucht das alles zu schreiben und es wird genau so viel Zeit brauchen es auf das WaffG-neu anzupassen. Ich bin ein Hobbyblogger mit Familie und Arbeit. Ein Umschreiben dieser Seite hier wird auch kaum möglich sein, vermutlich muss ich dann erst jede relevante Gesetzesstelle prüfen und hier alles komplett neu schreiben.

Dekowaffen sammeln

Ich werde oft gefragt, warum ich mir als WBK Inhaber Dekowaffen kaufe. Für mich ist das ganz einfach. Ich habe ja sowieso schon genug Waffen zum Schießen. Und Dekowaffen ermöglichen es mir für wenig Geld Technik zu erleben, die mir sonst nicht zugänglich wäre.

 

Von oben nach Unten: VZ58 Kippblockverschluss (deko), Cetme-L Rollenverschluss (deko), Typ-56 Drehkopfverschluss (deko), AR-15 Drehkopfverschluss (scharf)
Von oben nach Unten: VZ58 Kippblockverschluss (deko), Cetme-L Rollenverschluss (deko), Typ-56 Drehkopfverschluss (deko), AR-15 Drehkopfverschluss (scharf)

Dekowaffen haben sich bisher herrvoragend zum Sammeln geeignet. Die Preise für Dekowaffen waren so tief wie nie zuvor. Für ein Deko-Sturmgewehr musste man lediglich etwa 150-400 Euro bezahlen und MPs hat man für 100 Euro bekommen. Ein entsprechender ziviler Halbautomat kostet dagegen etwa 1000-3000 Euro. Die Waffen waren bisher zerlegbar und beinhalteten den lauf und den Verschluss in deaktivierter Form. Seit der neuen  EU-Verordnung 2015/2403 bzgl. Dekowaffen ist das alles nicht mehr ganz so einfach. Die größte Einschränkung bei diesen Waffen ist nun, dass sie nicht mehr zerlegbar sein dürfen. Die Umbauarbeiten für die Dekowaffen sind wesentlich aufwendiger geworden und sie müssen einzeln abgenommen werden. Und damit stieg der Preis für diese Waffen. Der einzige Vorteil der neuen Dekowaffen ist, dass sie meist spann- und abschlagbar sind. Bei Kurzwaffen musste bisher das Griffstück mit der Abzugseinheit deaktiviert werden. Aber auch davon gibt es Ausnahmen. Es gibt sogar KWKG MPs mit Beschussamt Abnahme, die ein funktionsfähiges Griffstück haben und erlaubt sind.

 

Was ist "Altdeko"?

Das Wort Altdeko wird hauptsächlich für die Waffen verwendet die zwischen dem

19.12.1972 und dem 01.04.1976 unbrauchbar gemacht wurden. Damals war es tatsächlich ausreichend, wenn das Patronenlager und der Lauf zugeschweißt worden sind. Die Waffen weisen keine Abnahmestempel auf und das wurde hauptsächlich mit Ordonanzgewehren gemacht.

Aber da sich die Vorschriften für die Deaktivierung bereits mehrfach geändert haben gilt nun alles als Altdeko, was nicht der EU Verordnung 2015/2403 entspricht.

Teilesätze:

(Foto links: Angebot für Dekowaffen-Teilesätze aus dem DWJ 12/1991)

 

Vom 22.09.1972 bis zum 16.10.2002 gab es den Anscheinswaffenparagraf. Alles was wie eine vollautomatische Kriegswaffe aussah war damals verboten. Das Verbot entstand unter Anderem, weil die RAF mit Landmann KK Halbautomaten, die wie MPs aussehen, Überfälle verübt hat. Dieses sinnlose Verbot wurde 2002 endlich gestrichen. In diesem Zeitraum konnte man die sogenannten Teilesätze von MPs, MGs und Sturmgewehren kaufen. Diese Teilesätze beinhalteten alles was zur Waffe gehört, die wesentlichen Teile waren deaktiviert und meist war das Gehäuse mit einfachen Schweißpunkten gegen ein Zusammenbauen gesichert.

(Foto links: DWJ 2/2003)

(Foto links: Halbautomaten von Beitler die dem Aussehen nach dem damaligen Anscheinswaffenparagraphen angepasst wurden)

In der Zeit von 2016 bis zum Inkrafttreten der neuen EU Verordnung bekommt man auch "Teilesätze" von MPs, MGs und Sturmgewehren. Bei diesen fehlt Lauf und Verschluss. Da hier nicht die aufwendigen EU Vorgaben zur Deaktivierung eingehalten werden mussten sind diese Teilesätze sehr günstig. Bei meinen Teilesätzen die ich von ZIB gekauft habe ist keine Kennzeichnung des Importeures eingeschlagen. Bei meinen Altdekowaffen ist dagegen der Importeuer mit "ZIB" oder "TRA" eingeschlagen. Auch an den Teilesätzen kann man die Technik verstehen. Aber das Fehlen von Lauf und Verschluss ist für einen Sammler doch auch etwas schmerzhaft. Und daher kommen nun immer mehr "Dummyläufe" dafür auf den Markt. Das sind nachgefertigte Stahlteile die in die Teilesätze rein passen, jedoch keine Funktion haben.

 

Unterscheiden muss man zu allem hier die "Modellwaffen". Diese sind aus Kunststoff (z.B. Marushin Firecaps), Zink oder ZAMAK (oft von Denix). Sie wurden extra als Modell hergestellt, waren nie scharf und können nicht reaktiviert werden. Sie unterliegen keinen Regularien, außer dem "Führverbot" gem. §42a WaffG.

Sie dürfen auch von Minderjährigen besessen werden. Eine Zeit lang gab es Modellwaffen japanischer Herkunft auf ZAMAK mit BKA Zulassungszeichen. Diese waren teilweise sogar ziemlich hochwertig und besaßen viele technische Details der scharfen Waffen. Ich besaß vor einigen Jahren diese TT-33 Tokarev, die wirklich gut gemacht war. Laien hätten sie lediglich am Fehlen eines Schlagbolzens als Modellwaffe erkennen können.

Die rechtlichen Einstufungen der Dekowaffen

Es gibt kaum einen Bereich des Waffenrechts der so kompliziert ist wie Deko- und Salutwaffen. Es gibt durch die vielen Gesetzesänderungen so viele rechtliche und technische Möglichkeiten, dass kaum noch jemand definitiv sagen kann ob diese zulässig sind. Jeder Politiker ist halt der Meinung er müsste am Waffenrecht basteln, und das Ergebnis wird immer undurchsichtiger und komplizierter. Auch ich bin bei den Dekowaffen wirklich kein Fachmann! Ich versuche hier dennoch etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

 

 

Es ist eigentlich etwas sinnlos derzeit was über die rechtliche Situation der Dekowaffen zu schreiben. Schließlich weiß bisher niemand was sich zum 01.09.2018 durch die EU Feuerwaffenrichtlinie 2017/853 ändert (Nachtrag: Das in Kraft Treten der Richtlinie verschiebt sich auf unbekannte Zeit). Was im Groben passieren soll steht in der verlinkten Verordnug. Aber wie Deutschland das in nationales Recht umsetzen wird bleibt abzuwarten. Gerade durch diese anstehnde Änderung ist es aber doch wichtig sich etwas damit zu beschäftigen. Viele sind derzeit auf der Suche nach Antworten, aber auch ich weiß nicht was genau auf uns zukommt.

Magazine für Selbstlade-Langwaffen mit mehr als 10 Schuss sollen "verboten" werden. Das kann auf viele Arten geschehen. Man muss aber bedenken, dass in Deutschland das prinzip der "wesentlichen Teile" besteht. Und ein Magazin ist kein wesentliches Teil. Also kann z.B. der Verkauf davon verboten werden, das Einsetzen in passende Waffen oder so. Aber ich bezweifel sehr, dass der Besitz von 30 Schuss Magazinen eine Straftat oder Owi sein wird.

 

Griffstücke von Kriegswaffen (Ich meine von MPs, also Kurzwaffen) sind gem. BKA Bescheid (SO11-5164.01-Z-86) wesentliche Teile von verbotenen vollautomatischen Waffen nach dem WaffG. Als einzelnes Griffstück ist es also nicht erlaubt. Aber es gibt Deko-Kriegswaffen mit Beschussamtabnahme, die zusammengebaut erlaubt sind und ein funktionsfähiges Griffstück haben. Hier ist es also rechtlich vermutlich so wie bei Salutwaffen. Wenn man den Verschluss von der Waffe dauerhaft trennt, wird er Erlaubnispflichtig. Die komplette Salutwaffe ist aber frei.

 

 

Die EU Verordnung über Dekowaffen regelt nun die Unbrauchbarmachung von Waffen und von Kriegswaffen. Bisher war vor allem bei den Kriegswaffen wenig dazu geregelt. Und alles was vor 2016 umgebaut wurde gilt nun als "Altdeko".

 

 

Zum grundlegenden Verständnis:

Das Waffenrecht unterscheidet ob die Waffe dem Waffengesetz (WaffG) oder dem Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG) unterliegt. Alles was nicht in der "Kriegswaffenliste" erfasst ist unterliegt dem WaffG. Kriegswaffen sind für Privatpersonen nicht erwerbbar und für Erlaubnisse für den Umgang damit ist das Wirtschaftsministerium zuständig.

Waffen nach dem WaffG sind entweder erlaubnispflichtig (Waffenbehörde ist zuständig) oder verboten (BKA ist zuständig). Verbotene Waffen können prinzipiell mit einer BKA Genehmigung erworben werden. Dazu habe ich bei "Waffensammler werden" bereits ein bisschen was geschrieben.

 

 

 

Wer eine "Altdekowaffe" besitz, die nicht der neuen EU Verordnung entspricht darf diese weiter besitzen (§22 Absatz 9 BeschG). Eine Weitergabe dieser Dekos an andere Personen ist nicht mehr zulässig. Ein Verstoß dagegen ist nach meinem Wissen nicht sanktioniert. Dieser § ist aber nur auf "abgenommene" Dekowaffen nach dem WaffG anzuwenden und nicht auf ehemalige Kriegswaffen die vor 2016 umgebaut wurden. Es gibt also wieder einen Graubereich im Waffenrecht.

 

 

Aber bedenkt Folgendes: Sind die wesentlichen Teile einer Dekowaffe im üblichen (vorgeschriebenen) Umfang unbrauchbar gemacht, unterliegt sie nicht mehr dem Waffenrecht. Ein Verstoß gegen das Waffenrecht kann durch deren Besitz nicht begangen werden. Aber man muss bedenken, dass immer wieder von Einzelpersonen Dekowaffen z.B. aus Österreich importiert wurden und diese nicht ganz den deutschen Vorschriften entsprachen. Vor allem der Abzugsmechanismus von MPs wurde bei diesen Waffen oft nicht deaktiviert. Aber das Griffstück einer MP (kürzer als 60cm) ist ein wesentlicher Waffenteil.

 

Sollte eine ehemalige Kriegswaffe nicht richtig deaktiviert worden sein. Oder sollte sie illegal reaktiviert werden, geht die Rechtssprechung idR. davon aus, dass die Waffe nicht mehr dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegt, sonder dem WaffG. Das kommt daher, dass sie zwar evtl. noch funktionsfähig, aber nicht mehr für kriegerische Auseinandersetzungen geeignet ist.

 

HIER bei Prolegal findet Ihr die aktuellen Vollzugshinweise des BMI zur Rechtsunsicherheit bei Dekowaffen.

 

 

Schnittmodelle:

Die derzeitige Rechtssprechung geht davon aus, dass Werksschnittmodelle frei verkäuflich sind, also alle die vom Waffenhersteller so gefertigt wurden. Wenn die Waffen erst später zerschnitten wurden sind sie idR. als WBK pflichtig anzusehen. Es gibt auch einen BKA Feststellungsbescheid, der ein (Werks-) Schnittmodell als Erlaubnispflichtig einstuft, weil es ein funktionsfähiges Griffstück aufweist.

 

Die Polizei findet Dekowaffen

Das größte Problem für den Besitzer ist, dass Polizisten bei Dekowaffen fast immer vor einem großen Problem stehen. Kaum ein Polizist kann beurteilen ob eine Dekowaffe in ordnungsgemäßem Zustand ist. Nur wenn ein Abnahmestempel des Beschussamtes aufgebracht wurde sieht auch ein Laie (Polizisten sind idR. Laien in rechtlichen Fachgebieten) eine ordnungsgemäße Deaktivierung. Da ein Verbrechen vorliegen könnte und das Gegenteil nicht beurteilt werden kann werden Dekowaffen fast immer sichergestellt um sie Fachleuten vorzulegen.

 

Hebt die Zertifikate der Dekowaffen gut auf. Auch wenn manche sagen, dass sie nichts wert sind. Einem Polizist kann so etwas zeigen, dass Eure Waffen rechtlich "Hand und Fuß" haben. Man kann dem Polizisten auch einfach erklären und zeigen, dass alle "wesentlichen Teile" deaktiviert wurden. Die meisten Cops werden um die "wesentlichen Teile" wissen. Und wenn sie sehen, dass Lauf und Verschluss unbrauchbar sind wird das evtl. ausreichen. Ein Kaufbeleg oder Lieferschein eines deutschen Fachhändlers zeigt auch, dass die Dekowaffe aus einer seriösen Quelle stammt.

 

Mein Tipp für Polizisten: Wenn ihr unsicher seit legt die Dekowaffen unbürokratisch einem örtlichen Waffenhändler vor. Der wird euch schnell eine relativ sichere Einschätzung dazu geben. Dekowaffen brauchen keinen Abnahmestempel und auch kein Zertifkat um erlaubt zu sein. 

 

Wenn eine MP kürzer als 60cm ist muss idR. der Abzugsmechanismus deaktiviert werden. Aber auch das gilt nicht immer.
Wenn eine MP kürzer als 60cm ist muss idR. der Abzugsmechanismus deaktiviert werden. Aber auch das gilt nicht immer.
Am Griffstück der VZ26 MP ist ein Adapter zum Befüllen der Magazine mit Ladestreifen angebracht. Eine geniale Konstruktion.
Am Griffstück der VZ26 MP ist ein Adapter zum Befüllen der Magazine mit Ladestreifen angebracht. Eine geniale Konstruktion.
Das Griffstück meiner UZI ist durch ein Abschleifen der Fangklinke deaktiviert worden. Zusätzlich ist das Griffstück am Gehäuse verschweißt, dass es nicht entfernt werden kann.
Das Griffstück meiner UZI ist durch ein Abschleifen der Fangklinke deaktiviert worden. Zusätzlich ist das Griffstück am Gehäuse verschweißt, dass es nicht entfernt werden kann.
Die Sterling MP ist zuverlässiger als die UZI und MP5. Das wurde z.B. durch die Rollen am Magazinzubringer erreicht, die horizontale Positionierung des Magazins und durch Rillen am Verschluss, die ein Gleiten trotz Verschmutzung ermöglichen.
Die Sterling MP ist zuverlässiger als die UZI und MP5. Das wurde z.B. durch die Rollen am Magazinzubringer erreicht, die horizontale Positionierung des Magazins und durch Rillen am Verschluss, die ein Gleiten trotz Verschmutzung ermöglichen.

Trommelmagazin zerlegen PPSch-41 (PPSh41)

 

 

 

 

Salutwaffen

Salut Gewehr 98 (G98) aus dem 1. Weltkrieg. Die Waffe hat ebenfalls eine BKA Bauartzulassung. Der Verschluss alleine wäre WBK pflichtig, aber wenn er bei der Waffe verbleibt ist alles zusammen frei ab 18.

Die meisten Salutgewehre werden mit Adapterpatronen geschossen.
Die meisten Salutgewehre werden mit Adapterpatronen geschossen.

Adapter- bzw. Reduzierpatronen sind "wesentliche Teile", da sie ein Patronen- oder Kartuschenlager beinhalten. Wenn das Lager für Patronenmunition ist dürfen sie nur von WBK Inhabern mit einer passenden Grundwaffe erworben und besessen werden. Da diese Adapter für PTB-zugelassene Kartuschen vorgesehen ist sind sie frei verkäuflich.

Remington 870 Repetierflinte. Von Frankonia auf Salut umgebaut. Die Waffe hat eine BKA Bauartzulassung die von Frankonia selber eingeschlagen wurde. Ein Stahlbolzen durch das Magzinrohr verhindert das Zerlegen.
Remington 870 Repetierflinte. Von Frankonia auf Salut umgebaut. Die Waffe hat eine BKA Bauartzulassung die von Frankonia selber eingeschlagen wurde. Ein Stahlbolzen durch das Magzinrohr verhindert das Zerlegen.

Salutwaffen unterliegen noch dem Waffenrecht, Dekowaffen sind dagegen keine "Waffen" mehr im rechtlichen Sinne. Aber obwohl der Verschluss bei diesen Waffen noch funktionsfähig ist dürfen sie ohne WBK besessen werden.

 

Wir müssen abwarten, ob diese Waffen nach der Umsetzung der EU-Feuerwaffenrichtlinie in WBKs eingetragen werden müssen.

Der Lauf ist gegen Ausbau gesichert und am der Mündung blockiert. Mit der Waffe können 9mmR Platzpatronen ohne Adapter verschossen werden.
Der Lauf ist gegen Ausbau gesichert und am der Mündung blockiert. Mit der Waffe können 9mmR Platzpatronen ohne Adapter verschossen werden.

"Salut-Kurzwaffen", Schreckschuss Enfield, Webley und S&W Victory Revolver

In den 70er Jahren wurden durch die Firma Hege Webley und S&W Victory Revolver für 9mm R Platzpatronen umgebaut. Diese Umbauten wurden damals nicht als Schreckschuss- sondern als "Salutwaffen" angesehen. Daher wurde die Genehmigung durch das BKA erteilt. Heute ist etwas problematisch, dass diese Waffen kein Zulassungzeichen eingeschlagen bekommen haben. Sie sind daher mit den "Altdeko" Gewehren von vor 1976 vergleichbar, bei denen lediglich das Patronenlager verschweißt wurde und die ebenfalls keine Zulassungszeichen aufweisen. Das Problem bei den Salut-Kurzwaffen ist, dass sie ziemlich selten und unbekannt sind. Ich habe sogar in einem polizeilichen Fachbeitrag gelesen, dass es keine "Salut-Kurzwaffen" gibt. Aber das ist eben falsch.

 

Etwas später wurden Umbauten aus scharfen Kurzwaffen von der PTB Genehmigt. Also hauptsächlich die Webley und Enfield Revolver von Orion, PP und PPK von Busch und Ehrenreich, und die Harrington & Richardson Revolver und CZ70 Pistolen. Auf diesen Waffen wurden PTB Stempel aufgebracht und ihre rechtliche Situation ist wesentlich einfacher und offensichtlich. 

 

Ich habe leider keine Rechte an den Bildern, daher tippe ich hier den Text ab, der diesen Revolvern damals beilag:

 

Sehr geehrter Kunde, dieser Original Enfield Revolver wurde gemäß § 3 der 1. WaffV in Verbindung mit § 20 zum Platzpatronen-Revolver umgearbeitet. Die entsprechende Gehemigung des Bundeskriminalamtes Wiesbaden wurde uns am 23. Okt. 1973 unter der Referenz VI 2 - 8525/73 erteilt. Damit ist diese Waffe "frei" verkäuflich.

Zusätzlich wurde der Ihnen gelieferte Revolver von der Kriminal Außenstelle Schwäbisch Hall abgenommen und die ordnungsgemäße Umänderung in einem Abnahme-Protokoll bestätigt und registriert, von dem sich sowohl bei der Kripo wie auch bei uns eine Ausfertigung befindet. Mit freundlichen Grüßen

HEGE Jagd- u. Sportwaffen GmbH & Co.

 

Um jetzt aber zur alles entscheidenen Frage zu kommen, ob diese Salut-Kurzwaffen noch frei zu besitzen sind, darf man sich in den Gesetzen nicht verzetteln. Es gibt viele § die man zur Prüfung fälschlicherweise verwenden kann. Aber es gibt einen einzigen der alles ganz klar regelt:

 

§22 Absatz 1 BeschG:

Eine vor Inkrafttreten dieses Gesetzes erteilte Zulassung im Sinne der §§ 7 bis 11 gilt im bisherigen Umfang als Zulassung nach diesem Gesetz. Die genannten §§ 7-1 regeln Schreckschuss und Salutwaffen. 

 

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