Ist Verteidigungsschießen erlaubt?

Viele haben schon mal gehört, dass das Üben vom Verteidigungsschießen verboten ist. Aber stimmt das wirklich? Die Rechtslage dazu ist leider ziemlich kompliziert, aber ich versuche mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Das ganze Thema tangiert sehr viele Gesetzesstellen aus dem WaffG, der AWaffV und der WaffVWV. Ich hänge die wichtigsten Gesetzesstellen unten an.

Verteidigungsschießen: Übungen um sich oder einen Dritten im Falle von Notwehr oder Nothilfe zu Verteidigen. Gemeint ist hierbei das Schießen mit scharfen Waffen auf Schießstätten. Die Verwendung von "Mann-Scheiben" ist hierbei erlaubt.

Das Verteidigungsschießen darf im Schießsport nicht durchgeführt werden und ist nur bestimmten Personengruppen gestattet.

Das Verteidigungsschießen dürfen also folgende Personengruppen trainieren: Waffenscheininhaber, Jagdscheininhaber, Das Bewachungsgewerbe und die Inhaber von Ersatzbescheinigungen (Politiker, Staatsanwälte..).

 

Wer Lehrgänge zur Ausbildung in der Verteidigung mit Schusswaffen oder Schießübungen dieser Art veranstalten will, hat ... der zuständigen Behörde... anzuzeigen (§22 AWaffV). Die Rede ist hier von "Veranstalten", Wenn also eine einzelne Person derartiges Üben will ist eine derartige Meldung nicht erfoderlich.

 

 

Kampfmäßiges Schießen: Alles was darüber hinaus geht und einen "polizeieinsatzmäßigen oder militärischen Charakter" hat. Das "kampfmäßige Schießen" ist auf allen zugelassenen Schießstätten verboten und gilt daher auch, wenn man dort lediglich mit einer CO2 Pistole üben möchte. Dieses Verbot gilt für alle die dem Waffengesetz unterliegen (Polizei- und Militärangehörige unterliegen dem WaffG nicht wenn sie dienstlich tätig werden).

 

 

Das bedeutet nun, dass es bestimmten Menschen sehr wohl erlaubt ist das Verteidigungsschießen zu üben. Alle anderen Personen können aber z.B. mit CO2-, Airsoft-, Paintball-, 4mmM20 oder Laserwaffen auf dem eigenen befriedeten Grundstück alles ohne Einschränkungen Trainieren.

 

Wenn man nun bedenkt, dass viele Schießanlagen überhaupt nicht für das Verteidigungsschießen geeignet und zugelassen sind, man sich z.B. mit der Verwendung seiner 9mm Sportpistole dafür auf rechtlich dünnes Eis begibt usw. macht es viel mehr Sinn sich auf das Training mit frei verkäuflichen Waffen zu konzentrieren. Eine Scheune, ein paar Airsoft-Waffen und gute Trainingsideen sind wesentlich wirkungsvoller im Training als der scharfe Schuss im wenig geeigneten örtlichen Schützenverein.

 

 

 

Beim Lesen der ganzen Gesetze ist mir wieder mal aufgefallen, dass das WaffG derart kompiziert ist, dass es kaum noch zu verstehen ist. Es taucht sogar die Formulierung  "kampfmäßige Verteidigung" auf die dem Rest widerspricht.

Die Verwendung einer derartigen Scheibe fällt natürlich unter das kampfmäßige Schießen und ist nicht erlaubt auf einer zivilen Schießstätte.

 

 

 

Und hier jetzt die Gesetzesstellen auf sich das alles bezieht. Bedenkt aber, dass es noch viel mehr sind die hier rein spielen!

 

Waffengesetz (WaffG) § 15a Sportordnungen

 

  1. Sportliches Schießen liegt dann vor, wenn nach festen Regeln einer genehmigten Sportordnung geschossen wird. Schießübungen des kampfmäßigen Schießens, insbesondere die Verwendung von Zielen oder Scheiben, die Menschen darstellen oder symbolisieren, sind im Schießsport nicht zulässig.

 

Waffengesetz (WaffG) § 27 Schießstätten, Schießen durch Minderjährige auf Schießstätten

 

(7) Das kampfmäßige Schießen auf Schießstätten ist nicht zulässig.

 

 

 

 

 

 

Allgemeine Verwaltungsvorschrift

 

zum Waffengesetz

 

(WaffVwV)

 

Vom 5. März 2012

 

Zu § 15a: Sportordnungen

 

In § 15a wird das sportliche Schießen auf Grund von Sportordnungen in einem Paragrafen mit entsprechender Überschrift zusammengefasst und näher geregelt. 15a.1 Absatz 1 definiert, was

 

sportliches Schießen heißt. Nach Absatz 1 in Verbindung mit § 7 AWaffV sind im Rahmen des sportlichen Schießens Schießübungen des kampfmäßigen Schießens nicht zulässig. Darüber hinaus sind hier auch Schießübungen des Verteidigungsschießens im Sinne des § 22 AWaffV nicht zulässig. Zulässig ist es, wenn der Schütze seinen Schuss von einem Bauwerk aus abgibt, das zu Schallschutzzwecken um den Schützen errichtet wird (z. B. Sog. Schießhütten beim Trap- und Skeetschießen zur Dämmung von Lärmemissionen). Ausschlusskriterium für die Annahme sportlichen Schießen bei Einzelübungen oder im Rahmen eines Parcours ist das Vorliegen eines oder mehrerer der folgenden Elemente:

 

Eine Lageeinschätzung hat zu erfolgen.

 

Der Schütze versucht, sich ineine durchschusssichere Deckung zu begeben.

 

Der Schütze kennt den Ablauf der Übung nicht, denn es soll die Verteidigung auf einen überraschenden Angriff geübt werden.

 

Es wird mit mehreren Personen gleichzeitig „vorgegangen“, sog. Duellsituation; hierunter fällt nicht das klassische statische Schießen nebeneinander.

 

Übungsbauten, die einen paramilitärischen oder häuserkampfähnlichen Charakter simulieren, werden verwendetund/oder eingenommen.

 

Es wird auf sogenannte Mannscheiben oder andere Ziele, die Personen darstellen oder symbolisieren, geschossen.

 

Es wird aus einer Fortbewegung des Schützen heraus geschossen, dabei kann es sich sowohl um Laufen oder Rennen als auch um eine Bewegung durch Einsatz technischer

 

Mittel (z. B. Gefährt oder Schaukel) handeln.

 

Das Überwinden von Hindernissen (z. B. Türöffnen, Übersteigen von Einbauten) von mehr als 40 cm Höhe erfolgt.

 

Deutschusssituationen sind eingebaut.

 

Das Schießen bei Dunkelheit ist vorgesehen.

 

Der Schütze wird akustisch oder visuell unter

 

Einsatz technischer Hilfsmittel in seiner Konzentrationsfähigkeit gestört.

 

Allgemeine Waffengesetz-Verordnung (AWaffV)
§ 22 Lehrgänge und Schießübungen

 

(1) In Lehrgängen zur Ausbildung in der Verteidigung mit Schusswaffen oder bei Schießübungen dieser Art sind unter Beachtung des Verbots des kampfmäßigen Schießens (§ 27 Abs. 7 Satz 1 des Waffengesetzes) Schießübungen und insbesondere die Verwendung solcher Hindernisse und Übungseinbauten nicht zulässig, die der Übung über den Zweck der Verteidigung der eigenen Person oder Dritter hinaus einen polizeieinsatzmäßigen oder militärischen Charakter verleihen. Die Verwendung von Zielen oder Scheiben, die Menschen darstellen oder symbolisieren, ist gestattet. Die Veranstaltung der in Satz 1 genannten Schießübungen und die Teilnahme als Schütze an diesen Schießübungen sind verboten.

 

(2) Wer Lehrgänge zur Ausbildung in der Verteidigung mit Schusswaffen oder Schießübungen dieser Art veranstalten will, hat die beabsichtigte Tätigkeit und den Ort, an dem die Veranstaltung stattfinden soll, zwei Wochen vorher der zuständigen Behörde schriftlich oder elektronisch anzuzeigen. Auf Verlangen der zuständigen Behörde ist ein Lehrgangsplan oder Übungsprogramm vorzulegen, aus dem die zu vermittelnden Kenntnisse und die Art der beabsichtigten Schießübungen erkennbar sind. Die Beendigung der Lehrgänge oder Schießübungen ist der zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen ebenfalls anzuzeigen. Der Betreiber der Schießstätte darf die Durchführung von Veranstaltungen der genannten Art nur zulassen, wenn der Veranstalter ihm gegenüber schriftlich oder elektronisch erklärt hat, dass die nach Satz 1 erforderliche Anzeige erfolgt ist.

 

(3) In der Anzeige über die Aufnahme der Lehrgänge oder Schießübungen hat der Veranstalter die Personalien der volljährigen verantwortlichen Aufsichtsperson und der Ausbilder anzugeben. § 10 Abs. 2 Satz 2 ist entsprechend anzuwenden. Die spätere Einstellung oder das Ausscheiden der genannten Personen hat der Veranstalter der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen.

 

(4) Auf die Verpflichtung des Veranstalters zur Bestellung einer verantwortlichen Aufsichtsperson und von Ausbildern ist § 10 Abs. 1 entsprechend anzuwenden.

 

 

 

 

 

Erste Verordnung zum Waffengesetz

 

(1, WaffV)

 

Abschnitt X. Ausbildung im Verteidigungsschießen

 

§ 38 (1)

 

Wer Lehrgänge zur Ausbildung in der kampfmäßigen Verteidigung mit Schusswaffen

 

oder Schießübungen dieser Art veranstalten will, hat die beabsichtigte Tätigkeit und

 

den Ort, an dem die Veranstaltung stattfinden soll, zwei Wochen vorher der zuständigen

 

Behörde schriftlich anzuzeigen. Die Beendigung der Lehrgänge oder Schießübungen

 

istder zuständigen Behörde innerhalb von zwei Wochen ebenfalls anzuzeigen.

 

(2)

 

In der Anzeige über die Aufnahme der Lehrgänge oder Schießübungen hat der Veranstalter

 

die Personalien der volljährigen verantwortlichen Aufsichtsperson und der Ausbilder

 

anzugeben. § 34 Abs. 2 Satz 2 ist entsprechend anzuwenden. Die spätere Einstellung

 

oder das Ausscheiden der genannten Personen hat der Veranstalter der zuständigen

 

Behörde unverzüglich anzuzeigen.

 

(3)

 

Auf die Verpflichtung des Veranstalters zur Bestellung einer verantwortlichen Aufsichtsperson und von Ausbildern ist § 34 Abs. 1 entsprechend anzuwenden.§ 39 (1) Zur Teilnahme an den Lehrgängen oder Schießübungen im Sinne des § 38 dürfen nur Personen zugelassen werden,1. die auf Grund eines Waffenscheines oder einer Bescheinigung nach § 6 Abs.2 des Gesetzes zum Führen einer Schusswaffe berechtigt sind,2. denen ein in § 6 Abs. 1des Gesetzes bezeichneter Dienstherr die dienstlichenGründe zum Führen einer Schusswaffe bescheinigt hat oder denen von derzuständigen Behörde eine Bescheinigung nach Absatz 2 erteilt worden ist.(2) Die zuständige Behörde kann Inhabern einer für Kurzwaffen ausgestellten

 

Waffenbesitzkarte und Inhabern eines Jagdscheins, die im Sinne des § 32 Abs. 1 Nr. 3des Gesetzes persönlich gefährdet sind, die Teilnahme an Lehrgängen oderSchießübungen der in § 38 genannten Art gestatten.

§ 40

(1) Der Veranstalter hat ein Verzeichnis der verantwortlichen Aufsichtspersonen, der Ausbilder und der Teilnehmer zu führen.

(2) Aus dem Verzeichnis müssen folgende Angaben über die in Absatz 1 genannten Personen hervorgehen:1. Vor- und Familiennamen, Geburtsdatum und -ort, Wohnort und Anschrift,2. Nummer, Ausstellungsdatum und ausstellende Behörde des Waffenscheins, derBescheinigung nach § 6 Abs. 1 oder 2 des Gesetzes oder der Ausnahmeerlaubnis nach § 39 Abs. 2,3. in welchem Zeitraum (Monat und Jahr) sie als Aufsichtsperson oder als Ausbilder tätig waren oder an einer Veranstaltung teilgenommen haben.

 

(3) Das Verzeichnis ist auf Verlangen der zuständigen Behörde auch in deren Diensträumen oder den Beauftragten der Behörde vorzulegen.

 

(4) Der Veranstalter hat das Verzeichnis bis zum Ablauf von fünf Jahren, vom Tage der letzten Eintragung an gerechnet, sicher aufzubewahren. Gibt der Veranstalter die Durchführung des Verteidigungsschießens auf, so hat er das Verzeichnis seinemNachfolger zu übergeben oder der zuständigen Behörde zur Aufbewahrung auszuhändigen.

§ 41

(1) Die zuständige Behörde kann Veranstaltungen im Sinne des § 38 untersagen, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass der Veranstalter die erforderlicheZuverlässigkeit oder die verantwortliche Aufsichtsperson oder ein Ausbilder dieerforderliche Zuverlässigkeit oder Sachkunde nicht oder nicht mehr besitzt.

 

(2) Der Veranstalter hat auf Verlangen der zuständigen Behörde die Durchführung einzelner Lehrgänge oder Schießübungen einstweilen einzustellen. Die Behörde kann die einstweilige Einstellung verlangen, solange der Veranstalter 1. eine verantwortliche Aufsichtsperson oder die erforderliche Anzahl von Ausbildern nicht bestellt hat oder 2. dem Verlangen der Behörde, eine verantwortliche Aufsichtsperson oder einen Ausbilder wegen fehlender Zuverlässigkeit oder Sachkunde von seiner Tätigkeit abzuberufen, nicht nachkommt.

 

 

 

Allgemeine Waffengesetz-Verordnung (AWaffV)
§ 34 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 53 Abs. 1 Nr. 23 des Waffengesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig 1.

 

entgegen § 7 Abs. 1 Satz 2 oder § 22 Abs. 1 Satz 3 eine Schießübung veranstaltet oder an ihr teilnimmt,

 

Allgemeine Waffengesetz-Verordnung (AWaffV)
§ 7 Unzulässige Schießübungen im Schießsport

 

(1) Im Schießsport sind die Durchführung von Schießübungen in der Verteidigung mit Schusswaffen (§ 22) und solche Schießübungen und Wettbewerbe verboten, bei denen

 

1.
das Schießen aus Deckungen heraus erfolgt,
2.
nach der Abgabe des ersten Schusses Hindernisse überwunden werden,
3.
das Schießen im deutlich erkennbaren Laufen erfolgt,
4.
das schnelle Reagieren auf plötzlich und überraschend auftauchende, sich bewegende Ziele gefordert wird,
a)
ausgenommen das Schießen auf Wurf- und auf laufende Scheiben,
b)
es sei denn, das Schießen erfolgt entsprechend einer vom Bundesverwaltungsamt genehmigten Sportordnung,
5.
das Überkreuzziehen von mehr als einer Waffe (Cross Draw) gefordert wird,
6.
Schüsse ohne genaues Anvisieren des Ziels (Deutschüsse) abgegeben werden, ausgenommen das Schießen auf Wurfscheiben, oder
7.
der Ablauf der Schießübung dem Schützen vor ihrer Absolvierung nicht auf Grund zuvor festgelegter Regeln bekannt ist.

 

Die Veranstaltung der in Satz 1 genannten Schießübungen und die Teilnahme als Sportschütze an diesen sind verboten.

 

(2) Das Verbot von Schießübungen des kampfmäßigen Schießens (§ 15 Abs. 6 Satz 2 des Waffengesetzes) und mit verbotenen oder vom Schießsport ausgeschlossenen Schusswaffen oder Teilen von Schusswaffen (§ 6), soweit nicht eine Ausnahme nach § 6 Abs. 3 erteilt ist, bleibt unberührt.

 

(3) Die Ausbildung und das Training im jagdlichen Schießen einschließlich jagdlicher Schießwettkämpfe werden durch die vorstehenden Regelungen nicht beschränkt.