Der Polizist als Einbrecher -- oder auch -- wie man Schlüsseldienste um ihr Geld bringt

Das wichtigste Werkzeug zum Lockpicking. Für Polizisten sind Sperrhaken aber wichtiger.
Das wichtigste Werkzeug zum Lockpicking. Für Polizisten sind Sperrhaken aber wichtiger.

 

Erst vor wenigen Tagen konnte ich mitten in der Nacht einer Frau ihre Wohnungstüre aufmachen die ihr ins Schloss gefallen war. Ihr 2 jähriges Kind war da alleine in der Wohnung. Sie hatte schon Vieles probiert und die Türe und das Schloss waren bereits dadurch etwas beschädigt. In unserem Ort gibt es nachts keinen Schlüsseldienst. ich vermute mal, dass ein Schlüsseldienst, der aus einer großen Stadt anfahren muss, 600 Euro für eine Türöffnung verlangen würden. Da war ich froh das wir helfen konnten. Der Schließzylinder war bereits so lädiert, dass ich mit meinen Lockpicks nicht weiter gekommen bin. Sprühöl hatten wir und sie nicht. Ich habe noch nie eine so dicht schließende Haustüre erlebt. Wir haben sicher 20 min gebraucht, bis ich die Türe endlich mit meinen Sperrhaken öffnen konnte. Das Dumme war nur ihr kleiner Hund, der in der Wohung war und mich nach dem Öffnen fast gebissen hätte.

 

Jedenfalls ist mir dadurch die Idee gekommen euch etwas über meine "Schlossöffnungen" zu erzählen. Ich betreibe das Lockpickung seit vielen Jahren. Es war aber immer nur ein Nebenhobby und daher hat sich nicht so dermaßen viel Ausrüstung dafür angesammelt und ihr Wert hält sich auch in Grenzen. Denn wer die Kataloge der großen Firmen Wendt und Multpickservice durch schaut sieht schnell wie viel Geld man für die Ausrüstung ausgeben kann. Bei den Übungsplatzaufenthalten der Bundeswehr hatten wir auch immer viel Zeit, die ich mir mit Lockpicking oder Messerschleifen vertrieben habe. Ich hatte immer ein Pickset und ein paar Übungsschlösser einstecken.

Ich habe mir damals auch ein Arkansas Schleifset gekauft, das ich heute nie mehr benutzen würde, weil man damit viel zu lange braucht um ein Messer scharf zu bekommen. Und die halbe Kompanie hat mir damals ihre Messer in die Hand gedrückt. Ich werde nie vergessen wie mein Spieß ganz stolz mit seinem BW Taschenmesser rum gelaufen ist und es allen gezeigt hat, nach dem ich es geschliffen hatte :-)

 

 

Mit dem Spanner wird der Kern so gedreht, dass man die Stifte mit dem Pick an der Scherlinie zwischen Kern und Schließzylinder verklemmen kann.
Mit dem Spanner wird der Kern so gedreht, dass man die Stifte mit dem Pick an der Scherlinie zwischen Kern und Schließzylinder verklemmen kann.
Aus dem Tankdeckel lief Benzin, da das Auto schräg stand. Weder wir, noch die Feuerwehr und auch nicht der Schlüsseldienst hat den Tankdeckel zerstörungsfrei öffnen können um Benzin abzusaugen.
Aus dem Tankdeckel lief Benzin, da das Auto schräg stand. Weder wir, noch die Feuerwehr und auch nicht der Schlüsseldienst hat den Tankdeckel zerstörungsfrei öffnen können um Benzin abzusaugen.

Wir wurden vor einigen Jahren in eine Tiefgarage gerufen, weil dort aus einem Auto Benzin lief. Das Auto stand etwas schräg und so lief es aus dem verschlossenen Tankdeckel. Der Fahrer hatte vermutlich gerade voll getankt. Vom Fahrer bekamen wir leider keine Telfonnummer raus. Wir riefen die Feuerwehr um Unterstützung, da das Benzin gebunden werden musste. Ich versuchte mein Glück mit den Probierschlüsseln und den Lockpicks. Als klar wurde dass ich es nicht schaffen würde kam die Feuerwehr. Ihr "Fachmann" für Schlossöffnungen kam mit seinem Werkzeugkoffer runter. Er war zuversichtlich den Tankdeckel öffnen zu können. Während seine Kameraden Bindemittel auf das Benzin streuten musste auch er feststellen, dass das Schloss vom Tankdeckel wirklich eine harte Nuss war. Das Benzin lief langsam aber stetig. Also riefen wir den Schlüsseldienst.

Der mit der schwarzen Kappe auf dem Foto ist vom Schlüsseldienst. Auch er schaffte es nicht zerstörungsfrei den Tankdeckel mit seinem "Superschloss" zu öffnen. Dafür öffnete er dann auf Rat der Feuerwehr die Fahrertüre und wir schoben das Auto in die gegenteilige Schräglage, dass kein Benzin mehr auslaufen konnte und brachten einen Hinweiszettel an. Die Kosten für den Schlüsseldienst musste der Fahrzeughalter tragen.

Es war eine furchtbare Nachtschicht als dieses Foto entstand. Einem Bürger zu helfen war während dieser Schicht ein Lichtblick. Auch wenn diese Technik bei diesem Fahrzeugmodell nicht funktionierte.
Es war eine furchtbare Nachtschicht als dieses Foto entstand. Einem Bürger zu helfen war während dieser Schicht ein Lichtblick. Auch wenn diese Technik bei diesem Fahrzeugmodell nicht funktionierte.
In der TT-Molle Tasche hab ich den Klom Elektropicker, Probierschlüssel, Sperrhaken, Picks, Plastikkarte, Vierkantschlüssel, Handschellenschlüssel usw.
In der TT-Molle Tasche hab ich den Klom Elektropicker, Probierschlüssel, Sperrhaken, Picks, Plastikkarte, Vierkantschlüssel, Handschellenschlüssel usw.

Wenn ich eine Tür öffne knie ich immer vor dem Schloss. Sollte nun der Bewohner oder ein Nachbar denken, dass ich ein Einbrecher bin, ist diese Position ziemlich gefährlich, weil mein Gesicht so genau auf Kniehöhe des Bewohners ist... Noch dazu kann ich mich in dieser Postition nicht wehren. Ich werde dabei also meist von einem Kollegen abgesichert. Genau so wie ich es auch mit den Leuten vom Schlüsseldienst mache, wenn sie uns ein Schloss aufbohren. Ich stehe immer so bereit, dass ich in Sekunden einen Angreifer in die Wohung zurück treten kann.

Zwei mal hätte ich mir fast eine eingefangen bei so einem Einsatz. Das ist den Leuten ja gar nicht übel zu nehmen und teilweise sogar verständlich. Ein Nachbar hat mal um 04:00 Uhr seine Türe direkt neben mir aufgerissen weil er dachte Einbrecher wären vor der Tür. Er hatte schon die Faust geballt und erhoben. Zum Glück stand sein Nachbar dierekt neben mir und konnte ihn zurück halten. In unseren schwarzen Lederjacken erkennt man uns halt auch nicht sofort. Der für den ich die Türe öffnen wollte hatte seinen Schlüssel beim Trinken verlohren und ich hatte in der Nacht grade nichts Anderes zu tun, da hab ich ihm geholfen. Seine Wohungstüre hab ich leider nicht aufbekommen, aber er konnte dann in seinem Dachbodenabteil schlafen.

Das hier sind "Dietriche". Der untere ist aus einem Schlüsselring gebogen. Sie funktionieren z.B. bei Zimmertüren oder einfachen Geldkassetten recht gut.
Das hier sind "Dietriche". Der untere ist aus einem Schlüsselring gebogen. Sie funktionieren z.B. bei Zimmertüren oder einfachen Geldkassetten recht gut.

Wir wurden mitten in der Nacht zu einem Wasserschaden in ein Mietshaus gerufen. Die Hälfte der Bewohner war wach. In einer Küche lief es in Ströhmen aus der Decke. Die Bewohner hatten die Küche voller Eimer gestellt um das Wasser aufzufangen. Einer von ihnen konnte im Keller die Leitung für alle Küchen des Hauses abdrehen. Die Wohnung aus der das Wasser vermutlich kam war noch nicht bewohnt, aber bereits bezogen worden. Wir entschieden uns für einen Versuch die Türe zu öffnen. Ich hängte meine Energizer Lampe mit den Magneten an den Türrahmen und probierte zuerst (wie immer) mit den Sperrhaken ob die Türe verschlossen ist. Das war sie.

Nun begann ich mit den Lockpicks mich mit den Eigenheiten des Schließzylinders vertraut zu machen. Und ich merkte sofort, dass ich bei diesem Schloss gute Chancen haben werden. Nach etwa 2 Minuten drehte sich der Kern zum erste Mal. Einige Minuten Später drehte es sich zum zweiten Mal und ich konnte die Türe mit den Sperrhaken öffnen.

Wir betraten die Wohnung und fanden Wasser in der Küche, unter dem Spühlbecken. Dort war ein kleiner Boiler aus dem etwas Wasser tropfte. Mein Kollege schaltete die Sicherungen (dort waren auch Steckdosen nass geworden) aus und drehte den Hahn unter der Spühle zu. Nun probierte ein Bewohner ob er das Wasser im Keller wieder aufdrehen konnte. Und das Wasser lief nicht mehr. 

Ich brachte einen Hinweiszettel der Wohnungstüre an, dass wir die Türe geöffnet hatten, und ich verschloss die Türe mit den Lockpicks sogar wieder. Das war ein gelungener Einsatz. Vor allem mussten wir nicht die freiwillige Feuerwehr mitten in der Nacht wecken, sondern konnten alles selber regeln.

Es ist mir schon erschreckend oft passiert, dass Sicherheitsdienstmitarbeiter Randalierer fessel ohne den passenden Schlüssel dabei zu haben. Das ist so dermaßen peinlich!
Es ist mir schon erschreckend oft passiert, dass Sicherheitsdienstmitarbeiter Randalierer fessel ohne den passenden Schlüssel dabei zu haben. Das ist so dermaßen peinlich!

Alle Handschellenschlüssel auf dem Bild haben wirklich andere Maße und passen für unterschiedliche Fesseln ala Smith & Wesson.

Vor etwa 2 Wochen haben wir vermutet, dass eine ältere Frau tot in ihrer Wohung liegt. Die Tür war doppelt abgeschlossen. Und es gelang mir, was nicht immer klappt, die Tür zu öffnen. Sie war nicht in ihrer Wohnung und war nur wo anders (wohlbehalten). So mussten wir das Schloss nicht aufbohren lassen und hatten keinen großen Einsatz der "umsonst" gewesen wäre und haben keine Kosten verursacht.

Viele Türschlösser bekommt man mit Handpicks aber nicht auf. Dafür braucht man gute und teure Elektropicker (Sperrpistolen).

-Lockpicks helfen und funktionieren vor allem beim Öffnen von Fahrrad-, Schrank-, und Vorhängeschlössern. Fahrräder muss ich regelmäßig bei der Arbeit öffnen. Und andere kleine Schlösser sind uns oft bei Hausdurchsuchungen im Weg.

 

-Sperrhaken brauche ich fast täglich. Sie sind ein super Werkzeug um zugezogene Türen zu öffnen. Mit Plastikkarten habe ich persönlich keine so guten Erfahrungen gemacht. Das hat aber vermutlich viel mit dem persönlichen Geschickt und Übung zu tun.

 

Bei Gelegenheit besorge ich mir Fräser für meinen Dremel. Der ist damit zwar an eine Steckdose gebunden. Aber ich kann dann damit Türen "Aufbohren". Das würde ich bei der Arbeit nicht machen. Vorher trete ich die Türe ein bzw. rufe den Schlüsseldienst. Aber im privaten Bereich kann das mal nützlich sein.

Bei so einfachen Schlössern reicht oft bereits der Spanner um das Schloss zu öffnen.
Bei so einfachen Schlössern reicht oft bereits der Spanner um das Schloss zu öffnen.
Am Körper getragene oder magnetische Lampen sind beim Öffnen von Türen eine große Hilfe. Mehr über Lampen findet ihr HIER.
Am Körper getragene oder magnetische Lampen sind beim Öffnen von Türen eine große Hilfe. Mehr über Lampen findet ihr HIER.

Die Energizer hardcase tactical Tango hat integrierte Magnete, so dass ich sie am Türrahmen befestigen kann um Licht bei der Arbeit zu haben.

Die meisten Treppenhäuser haben eine Beleuchtung mit Zeitschaltuhr. Daher sollte man immer für eine passende Beleuchtung sorgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die dünne blaue Linie

 

Unsere Fahrt führte uns zu einen Ort an der Grenze unseres Dienstbereiches. Was wir dort für einen Einsatz anfahren sollte weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Das nun Folgende sorgte dafür, dass es für uns schnell unwichtig wurde. Denn unsere gemütliche Fahrt wurde an diesem späten Abend vom Funk unterbrochen.

 

Die nächsten Streifen im Bereich … Wir haben eine Mitteilung über eine Geiselnahme mit einem Messer in der …Straße…“

 

Ich schaltete Blau ein und wendete. Wir kannten die genannte Adresse. Dort wurden von der Stadt für diverse Problemfälle Wohnungen bereitgestellt. Es war eine Art Wohngemeinschaft, in einer sehr verwinkelten Seitenstraße unserer Altstadt. Gerade mal 300m von unserer Dienststelle entfernt. Erst zwei Wochen zuvor mussten wir dort die Haustüre eintreten. Am Funk war die Hölle los, von allen Dienststellen im Bereich wurden Streifen zu uns beordert. Der Dienstgruppenleiter meldete sich bei uns, er wollte mit raus fahren um die Einsatzleitung zu übernehmen. Als Treffpunkt für die Streifen vereinbarten wir unsere Dienststelle. Die Anfahrt direkt zum Tatort, unvorbereitet und mangelhaft ausgerüstet, macht unterm Strich wirklich keinen Sinn. Es fühlte sich aber wirklich komisch an, an dem Haus vorbei zu fahren.

 

In der Dienststelle war es hektisch. Ein Kollege hatte bereits zwei Schilder aus dem Keller geholt, die für uns bereit lagen. Mein Streifenpartner musste die Streife beenden und in der Dienststelle am Telefon bleiben, der Dienstgruppenleiter fuhr mit mir raus. Ich eilte in den Keller. Denn dort lagen in einem Schrank noch einige, etwa 30 Jahre alte, Demo-Helme mit Visier und Nackenschutz. Ich nahm alle raus und trug sie hoch, es waren etwa 6 Stück. Ich legte sie einfach in den Gang, wer von den Kollegen einen mit nehmen wollte nahm ihn sich einfach.

 

Ein uns bestens bekannter Drogenkonsument hat am Notruf gesagt, dass es einen Streit mit Familienangehörigen gegeben hat und diese nun einige Personen in der Wohnung festhalten würden. Auf unsere Rückrufversuche ging er nicht mehr an sein Handy. Wir fuhren mit etwa drei Streifen und 7 Mann los. Ich hatte ein Schild und einen Helm für mich auf die Rückbank geworfen, ich wollte keinem Messer ungeschützt gegenüber stehen. Wir parkten einige Meter weiter und umstellten das Haus. Es war ein kleines Eckhaus, mit drei Stockwerken. Das Zimmerfenster von unserem Mitteiler im zweiten Stock stand offen, aber es brannte kein Licht. Lediglich in der Wohnung im Erdgeschoss brannte Licht. Die Haustüre war mittlerweile leider wieder durch die Stadtverwaltung repariert worden. Sie war verschlossen. Ein Kollege postierte sich mit einer MP in einem Hauseingang gegenüber und richtete die Waffe auf die Fenster. Ich stand mit Helm und Schild neben unserem DGL. Wir beratschlagten kurz und waren uns einig, dass wir sofort handeln mussten. Wir konnten nicht ausschließen, dass es im Haus verletzte Personen gab. Aber es bestand für uns auch die Möglichkeit, dass die ganze Mitteilung von unserem bestens bekannten Problembürger erfunden war. Hätten wir gewusst, dass es eine statische Geiselnahme gab hätten wir auf das SEK gewartet. Aber wir mussten mit verletzten Personen im Haus rechnen, die dringend Hilfe brauchen.

 

Ein Kollege rief zum Haus rüber und versuchte mit jemandem Im Haus Kontakt aufzunehmen. Es passierte nichts, niemand zeigte sich. Die Einsatzzentrale teilte uns mit, dass sie weiterhin versuchten jemand im Haus telefonisch zu erreichen und es wurde sofort eine Handyortung veranlasst. Auch in so einem Fall ergeben Handyortungen aber nur ein sehr grobes Ergebnis und zeigen den Bereich des eingebuchten Sendemasten an. Mehr nicht. Nach wenigen Minuten fiel die Entscheidung. Wir führen einen Notzugriff durch. In der Zwischenzeit trafen einige Unterstüzungsstreifen von anderen Dienststellen ein. Sie sahen beeindruckend aus, mit Titanhelmen und MPs. In den umliegenden Kneipen und Wohnhäusern bemerkten die Leute, dass etwas vor sich ging. Aber zum Glück waren sie so schlau Abstand zu halten. Sie belagerten uns auch nicht um zu Gaffen.

Mit diesem Messer ist eine geisteskranke 13 Jährige durch die Stadt gelaufen und wollte "Menschen Schlitzen"... Wir konnten den Einsatz ohne einen einzigen Tropfen vergossenes Blut beenden.
Mit diesem Messer ist eine geisteskranke 13 Jährige durch die Stadt gelaufen und wollte "Menschen Schlitzen"... Wir konnten den Einsatz ohne einen einzigen Tropfen vergossenes Blut beenden.

 

Ein Kollege ging zu unserem VW Bulli und holte das Halligan Tool. Das ist eine Art von einem riesigen Brecheisen. Ich prüfte meine Pistole und machte mich geistig bereit für den Kampf um Leben und Tod. Gesichert von der MP eilten wir zu zweit zur Türe. Ich hielt das Schild nach oben, für den Fall, dass mit irgendetwas Schädeldeckenunfreundlichem nach uns geworfen wird. Der Kollege rammte das Brecheisen in den Türrahmen. Es saß nicht richtig und er konnte nicht hebeln. Er rammte es erneut rein und zog es zu sich. Die Tür krachte, das Holz splitterte. Er hebelte erneut und unter noch mehr Krach sackte die Türe nach innen. Einige Kollegen strömten zu uns, wir traten die am Rahmen hängende Türe weg und eilten in den Hausflur.    

 

Links war eine Wohnungstüre, sie war verschlossen. Es war die Türe hinter der das einzige Licht im Haus brannte. Das Zimmer unseres Mitteilers war ganz oben. Wir sammelten uns im Hausflur. Ich war mit dem Schild der Erste. Links ging die Treppe hoch, ich stellte mich seitlich neben den Aufgang, unser DGL stand hinter mir und rief die Treppe hoch. Ich warf einen schnellen Blick um die Ecke, es war nicht viel zu erkennen. Das Treppenhaus war auf beiden Seiten mit Holz verschalt. Oben ging es rechts in ein Zimmer und links ging der Flur weiter. Ich rief den Kollegen zu, dass sich rechts ein Zimmer und links der Flur befindet. Ich ging los. Wir gingen dicht an dicht und langsam. Hinter mir bemerkte ich die vielen Mündungen der Waffen, mein DGL fasste mich an der Schulter. Das Schild hielt ich mit beiden Händen fest, ich musste mich darauf verlassen, dass die Kollegen notfalls sofort das Feuer eröffnen. Und mich hierbei hoffentlich nicht treffen werden.... Ich begann auch zu rufen. „Herr … die Polizei ist hier. Wo sind Sie?

 

Es war eng. Ich hatte zwei Seite zu sichern, ich verließ mich auf meinen Instinkt und hielt das Schild in Richtung Flur. Zwei Kollegen blickten nach rechts, zwängten sich an mir vorbei und drangen in das Zimmer ein. Als sie es abgesucht hatten ging es weiter, den engen Flur entlang, ich dachte, dass jeden Moment jemand aus einem der Zimmer gestürmt kommt und versucht mir sein Küchenmesser in den Leib zu bohren. Die Kollegen würden schießen, auch ich würde schießen, wenn es nötig war. Ich erwartete jeden Moment das Geschrei, die Hektik und ich hörte in meinem inneren Ohr bereits die Schüsse, die an mir vorbei peitschen würden. Ich erwartete jeden Moment in einem Zimmer die Beine einer Leiche liegen zu sehen.... Ich kannte unseren Mitteiler, er war einer der kaputtesten Junkies die wir in der Stadt hatten, er nahm alles was er an Rauschgift in die Hände bekommen konnte vom Badesalz bis zum Liquid Ecstasy. Ich traute ihm und seinen „Gästen“ alles zu.

 

Es ging weiter, Zimmer für Zimmer. In dem Stockwerk waren drei Zimmer. Dann wartete wieder das enge Treppenhaus. Niemand konnte mehr neben mir stehen. Ich war der Erste und es ging hoch. Es wurde stickig unter dem Helm, mit dem geschlossenen Visier. Es war Winter, aber ich hatte Schweißperlen in den Augen, die mir die Sicht behinderten. Der Helm war bereits zig Jahre alt und schützte auf vielen Demonstrationen die Kollegen vor fliegenden Steinen. Das Plexiglas war durch die vielen Einsätze matt geworden und nahm mir noch mehr von meiner Sicht. Unter meiner schweren Lederjacke lief der Schweiß. Ich stütze mich beim Treppensteigen etwas an die Wand und glitt daran entlang. Die Hand meines DGL an meiner Schulter verlieh mir etwas Sicherheit. Er führte mich und durch seinen Griff konnten wir beide schneller reagieren wenn es los ging. Oben angekommen begann das selbe wie zuvor, ich hielt mein Schild nach links, dort war auch das Zimmer von dem Junkie. Die Kollegen sicherten aber erst das recht liegende, dann ging es hinein. Die Türe stand halb offen. Der gesamte Boden war bedeckt mit Gegenständen. Alles lag umher. Die Möbel waren umgeworfen, die Kleider lagen überall verstreut. Die Wände waren voller alter Blutspritzer. Auf dem Tisch stand eine Bong und es lang überall Verpackungsmaterial von „Kräutermischungen“ rum. Das ganze Zimmer war voller Federn eines Daunenkissens. Es war widerlich und stank. Das Fenster stand offen und die Scheiben waren eingeschlagen. Es war sofort klar, dass hier niemand mehr war. Den restlichen Flur und die beiden verbleibenden Zimmer waren jetzt schnell abgesucht. Die Türe einer Toilette im Flur traten wir noch ein, auch dort war niemand. Die Anspannung wich und ich konnte mich wieder etwas auf den Funkverkehr konzentrieren.

 

Ich nahm den Helm ab. Es kamen einige weitere Kollegen von anderen Dienststellen hoch zu uns. Wir überlegten und berieten. Mein DGL forderte die Feuerwehr an um die Haustüre wieder einzubauen. Draußen lag eine dünne Schicht frischer Schnee. Wir versuchten aus den Schuhspuren schlau zu werden. Was aber kaum funktionierte. Wir hatten keine Ahnung was passiert war. Es konnte alles sein, dass jemand mit Geiseln auf der Flucht war und dass der gesamte Notruf frei erfunden war. Wir suchten die Umgebung um das Haus ab und konnten nichts relevantes feststellen. Die Feuerwehr war schnell bei uns. Wir hatten immer das Glück, dass unsere freiwillige Feuerwehr sehr engagiert und gut war. Sie lösten auch nicht alltägliche Probleme schnell und unbürokratisch. Sie begannen sehr schnell neue Bretter an den Türrahmen zu Schrauben und die Türe wieder einzusetzen.

 

Es fiel nun die Entscheidung, dass wir auch die Wohnung im Erdgeschoss überprüfen müssen. Rechtlich war diese Entscheidung nicht einfach, denn die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ ist ein hohes Rechtsgut. Die Türe wurde uns, auch nach langem Klopfen und Rufen, nicht geöffnet. Aber wir mussten dennoch ausschließen, ob sich dort ein Täter oder Opfer befand. Auch wenn der dortige Bewohner prinzipiell nichts mit unserem Mitteiler zu tun hatte. Ich holte aus meinem Streifenwagen mein Sperrwerkzeug. Im Hausflur stand ein Kollege mit einer schweren Schutzweste mit Keramikplatten und einer MP. Ich kannte ihn nicht und hatte ihn noch nie gesehen. Ich bat ihn mich zu sichern, während ich mich am Schloss zu schaffen machte. Mit den Sperrhaken merkte ich sofort, dass die Türe abgeschlossen war. Ich kniete mich vor die Türe und er stellte sich dicht neben mich. Ich nahm einen Lockpick und einen Spanner. Die Stifte im Schloss ließen sich setzten, das Schloss machte einen einfachen und für mich guten Eindruck. Die Feuerwehrmänner schauten uns interessiert zu, als ich die Sperrpistole aus der Tasche holte und mit ihr die Stifte im Schloss in Position vibrierte. Nach wenigen Sekunden drehte sich der Zylinder. Ich setzte einen kleinen Schraubenzieher ins Schloss und drehte ihn. Ich rief meinem DGL zu, dass ich sie auf bekomme, es sammelten sich erneut einige Kollegen hinter uns, mit den Waffen in der Hand und bereit zum Zugriff. Es dauerte noch mal etwa 30 Sekunden und das Schloss knackte und die Türe bewegte sich einige Zentimeter. Der Kollege mit der schweren Weste trat die Türe auf, ich wich zur Seite und die Kollegen stürmten hinein. Es wurden alle Schränke geöffnet, unter dem Bett geschaut usw. nirgends war jemand. Aber Licht und Fernseher waren an. Wir verließen auch diese Wohnung und ich verschloss die Türe wieder mit der Sperrpistole.

 

Unsere weiteren Optionen waren begrenzt. Es wurde eine Fahndung im gesamten Stadtbereich nach unserem Mitteiler eingeleitet. Ich suchte mit unserem DGL eine Kneipe nach der anderen auf und wir befragten die Gäste. Das war etwas anstrengend, denn diese waren meist alkoholisiert. Sie waren uns zwar alle freundlich gesinnt, aber wir hatten in dieser Situation schließlich wirklich keine Lust lange mit den Betrunkenen zu plaudern. Es verging etwa eine halbe Stunde, dann meldete eine Zivilstreife, dass sie ihn festgestellt hat und nun in einer Seitengasse observiert. Innerhalb von wenigen Minuten wurde ein Zugriff organisiert und durchgeführt. Von allen Seiten schossen die Streifen herbei und griffen den Junkie. Er war wieder voll drauf, er war verbal sehr aggressiv, beleidigte und beschimpfte uns. Und das obwohl er eigentlich etwas von uns gewollt hat und den Notruf anrief. Er redete nur Müll, etwas sinnvolles war nicht aus ihm raus zu holen. Es brauchte etwa 10 Minuten, bis wir in etwa in Erfahrung bringen konnten, dass er lediglich einen Streit mit seiner Familie gehabt hat, als sie ihn in seiner Bruchbude besucht hatten. Mehr war nicht passiert. Innerhalb weniger Minuten war damit alles vorbei. Wir mussten/konnten ihn nicht mal in Gewahrsam nehmen. Alle Streifen wurden entlassen und wir fuhren wieder zur Dienststelle um alles zu Papier zu bringen und die Ausrüstung zu versorgen. Es gab ein Strafverfahren, wegen der „Vortäuschen von Straftaten“. Aber dieses Vergehen hat er im Drogenrausch begangen und damit war bereits in dieser Nacht klar, dass es einfach eingestellt werden wird.

 

Die Stadtverwaltung freute sich natürlich nicht, dass ihre frisch reparierte Haustüre erneut kaputt war. Und dieses mal war es nicht mit dem Einschrauben eines neuen Schließblechs getan. Der Junkie der uns so viel Arbeit gemacht hat wurde wenige später von der Stadt vor die Türe gesetzt. Die halbe Unterkunft musste renoviert werden, weil er im Drogenrausch dermaßen viel kaputt gemacht hatte.

 

Habe ich ein Fazit aus allem gezogen?

 

Eigentlich nicht. Aber es ist sehr bedeutend, wenn man in einer wirklich gefährlichen Situation ist und sich blind auf völlig fremde Kollegen verlassen kann. Kollegen die man nie zuvor gesehen hat. Und auch wenn es etwas hoch gestochen ist, möchte ich doch mit dem Anfangszitat aus „End of Watch“ schließen:

Und obwohl ich ein Einzelner bin habe ich
tausende Brüder und Schwestern die so sind wie ich.
Sie würden ihr Leben für mich riskieren –
und ich meins für sie.
Wir stehen gemeinsam auf dem Posten,
eine dünne blaue Linie.

 

 

 

 

(Quelle: https://www.pinterest.de/pin/381257924680967900)

 

 

 

 

 

„Leben“ kann man es eigentlich nicht mehr nennen

(noch nicht überarbeitet)

 

Es war heiß. Mir tropfte der Schweiß am Gesicht runter, während ich vor der Tür kniete und mit meinen Lockpicks versuchte die Stifte im Schließzylinder in der richtigen Position zu verklemmen. Meine Hände schwitzten so, dass ich kaum die Picks fest halten konnte. Ich verkrampfte die Finger um wenigstens etwas Kontrolle über sie zu haben. Das Schloss wollte nicht aufgehen. Ich war bereits mit den Sperrhaken gescheitert, die ich einfach nicht in dem Türspalt positioniert bekam. Hinter mir stand mein Kollege, Rebekka (eine 15 jährige Praktikantin von uns) und zwei Mitarbeiterinnen vom häuslichen Pflegedienst. Diese hatten einen Termin bei der alten Frau, der die Wohnung gehörte. Sie sollte da sein, sie war immer da, sagten sie. Aber heute öffnete sie nicht. Im Krankenhaus war sie auch nicht. Als sie nach einer Stunde erfolgloser Versuche zu Klingeln immer noch nicht öffnete entschieden sie sich uns zu rufen.

 

Ich nahm erneut den Elektropicker, setzte eine andere Nadel ein und ließ sie im Schließzylinder vibrieren. Der Kern bewegte sich sofort ein bis zwei Rasten weiter und reagierte dann überhaupt nicht mehr. Das Schloss schien einen „Spool-Pin“ zu haben. Einen einzelnen speziellen Stift, der das Picken verhindern soll. Ich schimpfte in mich hinein. Es funktionierte nicht und ich wechselte erneut das Werkzeug. Unter meiner Schutzweste wurde es immer feuchter und ich wischte mir alle paar Minuten die Handflächen an der Hose ab. Nun fragte ich den Kollegen „ob wir sie eindappen sollen“? Er meinte, dass die Feuerwehr uns einen neuen Schließzylinder rein macht, wenn die uns die Türe öffnen. Die brauchen bei uns meist auch nicht lange bis sie da sind, unsere Feuerwehr ist die beste freiwillige mit der ich je zusammen gearbeitet habe. Ich war immer froh drum sie zu haben. Mein Kollege fragte ob er sie anfordern soll und ob ich es noch schaffen werde? Nein, vermutlich würde ich es nicht mehr schaffen!

 

Ich hatte auf der Anfahrt schon zu Rebekka gesagt, dass sie erst aus der Wohnung draußen bleiben soll. Und wenn wirklich eine Leiche drin ist wollte ich mit ihr in Ruhe bereden ob sie rein kommen will. Normalerweise fahren wir mit „Schülerpraktikanten“ nicht zu Wohnungsöffnungen, aber wir waren die einzige Streife und hatten keine Wahl.

 

Mein Kollege schickte die Frauen vom Pflegedienst raus um der Feuerwehr den Weg zu zeigen. Wir waren in einem großen Wohnhaus im 5. Stock und langsam wurde es ernst. Ich versuchte es weiter, aber es blieb dabei, Ich bekam lediglich zwei der fünf Stifte im Schloss festgeklemmt. Ich murmelte etwas zu den Anderen, dass ich die letzte Zeit sowieso schon zu viel Glück hatte bei den Türöffnungen und eine „Niederlage“ nun auch Überfällig war.

 

Nach wenigen Minuten war die RTW Besatzung da und etwas später auch die Feuerwehr mit ihrem großen Koffer auf dem „Türöffnung“ stand. In wenigen Sekunden hatte einer den Akkuschrauber in der Hand und drehte eine Schraube in den Kern vom Schließzylinder. Wir blieben nun etwas im Hintergrund und versuchten nicht im Weg zu stehen. Er setzte sein Ziehfix auf das Schloss und kurbelte daran, bis der Kern raus brach. Jetzt konnte er mit einem speziellen Vierkantschlüssel den Riegel bewegen und die Tür ging nach wenigen Minuten auf.

 

Jetzt gingen wir an den Anderen vorbei und als erste in die Wohnung. Der Kollege von mir ging nach rechts, Richtung Schlafzimmer. Ich nach links Richtung Wohnzimmer. Ich sah hinten an der gegenüberliegenden Wand einen Kühlschrank offen stehen und wusste was mich gleich erwarten würde. Füße lagen auf dem Boden, ich ging einen Schritt weiter und rief „Hier liegt sie“. Ich war mir sicher, dass sie tot ist. „Frau Müller, hören Sie mich“. Ich war froh, dass die Sanis irgendwo weniger Meter hinter mir waren. Ich beugte mich etwas runter und sagte noch mal „Frau Müller“. Und ihre Augen bewegten sich....

 

„Sie lebt noch“! Die Sanis kamen zu mir und schauten sich die alte Frau an. Die Einsatzzentrale rief uns und wollte wissen ob die Feuerwehr bereits bei uns eingetroffen ist. „Richtig, die Feuerwehr ist eingetroffen, Wohnungstüre wurde aufgebrochen und die Bewohnerin noch lebend angetroffen, weiteres wird noch abgeklärt“.

 

Die Sanis machten sich an die Arbeit und untersuchten die alte Frau. Sie rührte sich nicht mehr. Sie konnte nicht mehr antworten, zweifellos war sie auch stark dehydriert und in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Die Feuerwehrmänner teilten sich auf, die einen bauten einen neuen Schließzylinder in die Türe und die anderen machten sich Gedanken über den Transport der Patientin. Die Sanis forderten gleich einen Notarzt nach. Ich machte mich in der Wohnung auf die Suche nach dem Üblichen: Haustürschlüssel, Telefonnummern von Angehörigen, Krankenkassenkarte usw.

 

Rebekka frage ich ob sie in die Wohnung kommen will. Sie stellte sich im Wohnzimmer in eine Ecke und versuchte nicht im Weg zu stehen. Als der Notarzt auch bei uns war entschied er sich schnell für einen Liegendtransport, weil er Knochenbrüche durch den Sturz befürchtete. Er ließ die Infusion schnell laufen, die Frau brauchte dringend Flüssigkeit. Rebekka bekam die Infusion in die Hand gedrückt. Mein Kollege ging mit ein paar Feuerwehrmännern runter auf die Straße um den Einsatz der Drehleiter abzusichern und zu besprechen. Ich packte derweil eine Tasche für den Klinikaufenthalt zusammen mit den Pflegerinnen. Nach einigen Minuten ging ich zurück ins Wohnzimmer....

 

Auf dem Boden lag Rebekka und der Notarzt hielt ihre Bein hoch. Ihr war schwarz vor den Augen geworden und sie war umgekippt. Aber ihre Augen waren schon wieder offen und sie war einigermaßen gut gelaunt. Ich löste den Notarzt ab, kniete mich neben sie und legte ihre Beine auf mein Knie. Einer der Sanis fühlte ihren Puls und drückte mir ein Blutdruckmessgerät in der Hand, er kannte mich und wusste, dass ich damit umgehen kann. Ich legte ihr die Manschette um den Arm und setzte das Stethoskop in ihre Armbeuge. Da Rebekka das alles auch sehr entspannt nahm und den Einsatz spannend und interessant fand wurde die Stimmung unter uns immer besser. Wir unterhielten uns nun ausgelassen über alte Einsätze, Ausrüstung und gemeinsame Bekannte von unserer Kundschaft. Rebekka bekam ein Glas Wasser und die Feuerwehr bereitete die Drehleiter vor. Neben uns lag Frau Müller am Boden, bewegte sich nicht und starrte an die Decke. Es war eine seltsame Situation, wir benahmen uns alle unpassend und unsensibel. Ich fragte mich ob wir etwas falsch machten? Vermutlich schon, aber so wird man mit den Jahren. Wir können nicht unsere ganzen Emotionen bei der Arbeit verbrauchen, denn wir brauchen noch welche für unsere Freunde und unsere Familien. Ich bekam doch ein schlechtes Gewissen, weil die alte Frau da nun alleine lag. Die Infusion hatten die Sanis mittlerweile an einen Nagel in der Wand gehängt. Ich ging zu ihr „Wie geht es Ihnen, Frau Müller“? Sie schaute mich an. „Wann waren Sie denn zum letzten Mal in der Klinik“? Sie reagierte nicht. „Das bekommen wir schon hin, das wird alles, Frau Müller“.

 

Ich ging zurück zu Rebekka und vergewisserte mich, dass es ihr immer noch gut ging. Nun kam das Berge- Tragetuch und die Korbtrage zum Einsatz. Ich räumte nun alle Möbelstücke zur Seite. Vor dem Balkon kam der Korb der Drehleiter hoch mit einem etwa 18 jährigen Feuerwehrmann. Frau Müller wurde auf die Trage gelegt und auf der Drehleiter befestigt. In dem Moment, als sich die Drehleiter nach unten senkte hörten wir ein Krachen....

 

100 Meter weiter waren zwei Pkw auf einer Kreuzung zusammen gestoßen. So ein Scheiß, das würde an diesem Tag unser 4. Unfall werden. Ein paar der Feuerwehrmänner rannten rüber. Die Airbags waren ausgelöst und ein Unfallbeteiligter war verletzt. Wir wurden hier nicht mehr gebraucht. Also verschlossen wir die Wohnung wieder, übergaben alles nötige dem Rettungsdienst und fuhren um die Ecke zum Unfall. Auch an diesem Tag kamen wir nicht pünktlich nach Hause.