Einsatzhandschuhe für Sicherheitsmitarbeiter, Polizisten, Feldjäger und Soldaten

Nach einigen Jahren sehen meine Under Armour Einsatzhandschuhe nun so aus und es wird zeit sie im Müll zu entsorgen. Blut, Schweiss und Tränen haben sie regelmäßig gesehen...
Nach einigen Jahren sehen meine Under Armour Einsatzhandschuhe nun so aus und es wird zeit sie im Müll zu entsorgen. Blut, Schweiss und Tränen haben sie regelmäßig gesehen...

(Foto links: Hatch Schnittschutz Handschuhe mit dem Armschild gegen Messerangriffe)

 

Für Polizisten und Sicherheitsmitarbeiter sind Einsatzhandschuhe unverzichtbar. Für manche Andere sind sie nützlich. Und viele finden sie schlichtweg interessant. Mich persönlich interessieren Handschuhe überhaupt nicht. Ich brauche sie und benutze sie täglich, seit vielen Jahren. Und so viel Ausrüstung ich auch besitze, meine Handschuhe sind sehr wenig. Ich schreibe das hier also nicht weil es mir so viel Spaß macht, sondern weil meine Meinung danach erbeten wurde und es auch zu meinem Blog passt. Ich werde Euch also nicht erzählen, was der Markt zu bieten hat, sondern nur das, was meine Erfahrungen sind. Denn ich habe inzwischen eine über 20 jährige Erfahrung in der Arbeit in unterschiedlichen BOS Organisationen und dem Militär und daher vermutlich eine vertretbare Meinung dazu.

Es gibt sogar Sportschützen, die sich für das Sportschießen mit der Pistole Handschuhe kaufen. Das ist etwas das ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Denn damit wird der Griff nicht besser, sondern er wird erheblich schlechter. Oder haben diese Menschen etwa Schleimhäute an den Händen? Auch ich schieße so oft wie möglich mit Einsatzhandschuhen, aber nur um genau das zu trainieren, und nicht um mir irgend welche sportlichen Vorteile zu erwarten.

 

Ich war Soldat. Und vermutlich kennen die Meisten von Euch die alten Bundeswehr Handschuhe. Sehr hochwertige und leicht gefütterte, graue, Lederhandschuhe. Sie dienten der Tarnung der hellen Haut, dem Schutz vor der Kälte, und dem Schutz vor vielem mehr (Stacheldraht, heißen MG Hülsen, Öl...). Sie sind so gut, dass ich sie heute noch besitze und benutze. Sie liegen meist im Kofferraum meiner "taktischen Familienkutsche". Ein Foto meiner stark gebrauchten BW Handschuhe muss ich vermutlich nicht extra machen. Als Soldat hatte ich die Ehre in einer Kompanie meinen Dienst zu verrichten, die so oft wie möglich auf Truppenübungsplätzen war. Das Gefechtsschießen war für uns also täglich Brot. Für das Aufbauen von schweren Zelten und dem Luftverladen der Ausrüstung waren die dienstlichen Handschuhe perfekt. Aber wenn ich, mit der Minen-Sondiernadel übte, meine Waffen, oder mein sehr geschätztes SEM-70 Funkgerät, bediente, dann störten sie mich.

Auf den Rat eines kriegserfahrenen Kameraden kaufte ich mir Leder Halbfingerhandschuhe mit Protektoren (mittelmäßig zu sehen auf dem Foto links). Die Protektoren sind nicht dafür gedacht die Hand beim Zuschlagen zu schützen, sondern sie schützen die eigene Hand vor Schlägen und Stößen. Wenige Wochen nach dem Kauf absolvierte ich eine mehrwöchige Ausbildung in der Aufruhrkontrolle. Ein Kamerad taufte sie hierbei, wegen ihrem bösen Aussehens, "Eskalations-Handschuhe". Und genau das ist das Problem dieser Handschuhe, sie sehen wirklich böse aus. Im zivilen Leben kann man so etwas unmöglich tragen. Aber sie waren perfekt für mich. Ich hatte damit so viel Gefühl wie möglich, aber dennoch einen relevanten Schutz.

Wenn es nicht bitter kalt war trug ich diese Handschuhe auch beim Fallschirmspringen. Denn sie schützen meine Hände vor der Kraft der Fallschirmleinen, die sich schnell in die Haut einschneiden kann.

 

Jahre später benutzte ich diese Handschuhe auch gerne zum Krähen jagen. Sie waren ausreichend um die Hände vor den scharfen Augen der Krähen zu tarnen.

 

 

Und da ich in meinen Erzählungen gerne abschweife, will ich hier nicht unerwähnt lassen, dass mich damals der Film "Savior" sehr geprägt hat:

Einsatzhandschuhe spielen für Sicherheitsdienste und die Polizei aber eine wesentlich wichtigere Rolle. Denn sie müssen sich nicht nur mit Extremisten, Trinkern und anderen "Randständigen" (ich mag dieses schweizer Wort) rum schlagen. Sie müssen sie auch täglich anfassen. Dabei ist es nicht die Ausnahme, sondern die Regel, dass diese Menschen die letzten 9 Monate nicht geduscht haben. Und dann wären da noch HIV, Hepatitis, multiresistente Erreger usw. zu nennen. Gummihandschuhe sind dabei meist nicht zu gebrauchen, denn man kann ja schlecht 20 Stück davon jeden Tag verbrauchen. Und damit hätte man auch keinen mechanischen Schutz. Also braucht man Einsatzhandschuhe. Diese müssen entweder waschbar sein, oder desinfizierbar.

 

Mein ganz persönliches Fazit zu Allem ist: Die Handschuhe müssen so dünn und angenehm wie möglich sein. Wenn man sie für Notizen oder Telefonanrufe ausziehen muss, werden sie einen lange Phasen im Einsatz nicht schützen.

Im Einsatz wird viel mit dem Handy gearbeitet, daher ist es eine große Hilfe wenn man es mit den Handschuhen bedienen kann.

Ein sehr gutes Detail der Mechanix Handschuhe ist die Schlaufe um sie an den Gürtel hängen zu können. Wenn die Handschuhe so etwas nicht haben braucht man einen speziellen Gürtelhalter. Der Vorteil der Gürtelhalter ist aber, dass die Handschuhe daran nicht rum baumeln.

Andere Gürtelhalter haben mir nicht gefallen. Vor allem auch die mit Klettverschlüssen. Daher verwende ich einen Gearkeeper als Halter für die Handschuhe.

Einsatzhandschuhe kaufen

Die Mechanix Halbfinger-Handschuhe links waren sehr angenehm zu tragen. Die Handschuhe rechts sind für das bedienen von Smartphones optimiert und haben gut schützende Protektoren.
Die Mechanix Halbfinger-Handschuhe links waren sehr angenehm zu tragen. Die Handschuhe rechts sind für das bedienen von Smartphones optimiert und haben gut schützende Protektoren.

Außer den Halbfinger-Handschuhen oben, waren die beiden anderen Mechanix Handschuhe nicht wirklich angenehm zu tragen.

 

Meine alten UnderArmour Handschuhe werden nicht mehr hergestellt und ich muss mir leider andere suchen. Das sollte man immer im Fachgeschäft machen, denn Handschuhe müssen perfekt passen. Die sind dabei auch nicht mit Winterhandschuhen vergleichbar, denn sie sind meist ungefüttert und liegen eng an. Wenn Ihr sie online bestellen müsst, probiert sie besser vorher bei Kameraden und Kollegen, die sie bereits haben an.

Ich war neulich in einem Fachgeschäft und habe dort das ganze Programm anprobiert. Ich habe, obwohl ich dringend neue Handschuhe brauche, keine gekauft. Kein einziges Paar war angenehm zu tragen! Da frage ich mich natürlich, ob ich so abgehobene und übertriebene Ansprüche habe? Oder achten die Hersteller mehr auf einen coolen tactical Look als auf Qualität? Vermutlich ist  Leder halt doch vielen modernen Materialien überlegen.

 

So sinnvoll Protektoren in den Handschuhen sind, bedenkt sehr gut, dass diese "böse" aussehen und ob das mit Eurem Auftrag überhaupt vereinbar ist. Mit den meisten dieser Handschuhe wird man Euch als Schläger und Aggressoren ansehen. Der Ruf z.B. von Quarzsandhandschuhen ist dermaßen schlecht, dass ich sie niemals tragen würde. Da der Sand darin nur den Zweck hat die eigene Hand zu schützen, unterliegen sie übrigens nicht dem Waffenrecht und dessen Einschränkungen. Im professionellen Sicherheitsbereich haben solche Handschuhe also nichts verloren.

 

Bevor Du dich für irgend welche Handschuhe entscheidest, probier sie aus. Ziehe sie an und schaue wie fest Du einen Schlagstock mit dem Handschuhe, und mit nackten Händen, halten kannst? Probier aus, ob du damit überhaupt noch anständig in den Abzugsbügel der Pistole rein kommst? Probier aus, ob Du damit noch dein Handy bedienen kannst. 

 

Die Dicke von Handschuhen ist sicher kein Qualitätsmerkmal, aber sie zeigt  Euch, warum ich persönlich Handschuhe mit Schnittschutz nicht tragen will. Meine alten Under Armour Handschuhe sind sehr dünn und sie waren damals die Einzigen die für mich brauchbar erschienen.

 

Der Finger eines Mechanix Handschuhs mit Schnittschutz hatte eine Dicke von 3,4mm. Eine ähnliche Dicke werden die meisten Einsatzhandschuhe etwa haben.

 

 

Der Finger von meinen Hatch Friskmaster Max ist schon 6mm dick. So schlecht sind sie aber gar nicht und ich habe sie einige Jahre verwendet. Das Leder der Handschuhe ist sehr hochwertig, was sie doch recht brauchbar macht.

Durchsuchen mit Handschuhen, Schnittschutzhandschuhe

Ich habe sie dienstlich geliefert bekommen, Lederhandschuhe mit Schnittschutz. Ich war und bin dankbar dafür, dass der Dienstherr etwas mehr Geld in die Hand genommen hat um so etwas zu beschaffen. Aber nützen sie etwas?

Ich dachte mir damals, dass die Handschuhe eine gute Sache sind. Wir müssen ja täglich "Kundschaft" durchsuchen. Und leider tragen diese nicht nur Messer mit sich rum, sondern auch so etwas wie Spritzen und Rasierklingen. Mit den Rasierklingen wird Ampfehtamin zum Schniefen in die Line gelegt, Haschisch geschnitten und sie werden im Mund verbogen getragen um sie bei einer Festnahme als Waffe mit ins Gefängnis zu schmuggeln. Meine Schnittschutzhandschuhe sind aber nur gegen Schnitte geschützt und nicht gegen Stiche. Es gibt spezielle Handschuhe die auch extra einen Nadelstich-Schutz gewährleisten wollen. Als ich bei einer Übung diese Handschuhe trug und ein Taschenmesser in einer Socke und einen Schlagring in einer Hosentasche nicht ertastet habe war mir schnell klar, dass ich diese niemals bei einer Durchsuchung tragen werde. Ich persönlich benutze heute meine sehr dünne Under Armour Handschuhe (die dünnsten die zu bekommen waren) und zum Durchsuchen nehme ich fast nur Gummihandschuhe (bitte nennt sie nicht "Aids Handschuhe", das ist so peinlich und doof. Ihr sagt ja auch nicht "Aids Kondom" oder "Auffahrunfall Warndreieck"). Und zieht die Lederhandschuhe bitte niemals mit den Zähnen aus, das ist eklig und noch viel peinlicher.

 

Andere Kollegen tragen Schnittschutzhandschuhe übrigens gerne. Jeder muss halt selber schauen was für ihn funktioniert und meine Meinung ist natürlich auch nicht immer richtig.

 

Tastet eine Hosentasche erst von außen ab bevor ihr rein fasst. Dann fragt das Gegenüber was darin ist. Sofern das Gegenüber entspannt ist, was auf ein gutes Gewissen schließen lässt, lasse ich ihn selber den Tascheninhalt raus holen. So minimere ich die Gefahr in eine Klinge oder Nadel zu greifen. Wenn er nervös oder angespannt ist, ist mir das Risiko zu groß, dass er mich mit etwas aus seiner Hosentasche angreift.

Ein kleiner Tipp ist, dass man mit einem Kubotan, Tactical-Pen oder der Taschenlampe die Tasche erst von außen abstreift und so harte Gegenstände leichter erkennt. Ich mache das selber nicht, aber probiert es mal aus, es fühlt sich interessant an und scheint zu funktionieren.

 

Ich selber habe Gott sei Dank noch nie in eine Spritze gefasst. Aber wenn ein Junkie seine Schutzkappe der Kanüle verliert wird er sich dadurch nicht von "Drücken" abhalten lassen und dann doch auch eine offene Nadel in die Hosentasche stecken. Wenn ich wirklich Angst habe, dass er Nadeln einstecken hat erkläre ich ihm mehrfach, vor der Durchsuchung, dass ich ihm wegen einer Spritze nichts Böses will, sondern mich nur nicht daran verletzen will. Das verstehen fast alle, auch wenn sie völlig benebelt sind.  Wo ich aber schon mehrfach offene Spritzen gefunden habe waren Rucksäcke, darin ist teilweise eine haarsträubende Ansammlung von Utensilien. Ich glaube 50 gebrauchte Spritzen in einem Rucksack waren das Meiste was ich mal gefunden habe.

 

Wichtig hierbei zu wissen ist, dass das Riskio einer HIV Infektion durch eine blutige und HIV infizierte Spritze fast ausgeschlossen ist ("Nadelstichverletzung"). Das glaubt einem zwar keiner, aber das Risiko ist viel geringer als 1%. Aber andere Krankheiten kann man sich schnell eingefangen bei der Arbeit. Und derzeit müssen die Cops auch immer wieder damit umgehen, dass ihre "besten Kunden" multiresiste Erreger mit sich rum tragen.

Das hier sind meine dienstlich gelieferten "Hatch Friskmaster Max" Schnittschutzhandschuhe.  Darunter eine Secound Chance Schutzweste, die aus gutem Grund nicht mehr verkauft werden.
Das hier sind meine dienstlich gelieferten "Hatch Friskmaster Max" Schnittschutzhandschuhe. Darunter eine Secound Chance Schutzweste, die aus gutem Grund nicht mehr verkauft werden.

Das weiße Innengewebe ist das Schnittschutzmaterial.

Die Hatch sind hochwertig und machen ihre Arbeit sehr gut. Aber da mich das dicke Schnittschutzmaterial störte, habe ich sie durch wesentlich dünnere Handschuhe abgelöst.

Cops müssen regelmäßig über Tore und Zäune klettern und verletzen sich hierbei oft an den Händen. Die Schnittschutz Handschuhe haben mich vor vielen Jahren mal vor schweren Verletzungen geschützt, als ich Einbrechern hinter her rennen musste.
Cops müssen regelmäßig über Tore und Zäune klettern und verletzen sich hierbei oft an den Händen. Die Schnittschutz Handschuhe haben mich vor vielen Jahren mal vor schweren Verletzungen geschützt, als ich Einbrechern hinter her rennen musste.

Ich habe bei dem Sprung über ein mit Spitzen besetztes Tor lediglich winzige Verletzungen an den Händen gehabt. Ohne diese Handschuhe wäre ich vermutlich nicht mehr dienstfähig gewesen in dieser Nacht.

 

Wenn Ihr zu einem Verkehrsunfall kommt schützen Euch solche Handschuhe vor scharfen Blechkanten, Glassplittern und auch vor Verletzungen beim Zerschneiden von Sicherheitsgurten oder Bekleidung. Für den Ein oder Anderen kann es also Sinnvoll sein sich so was zum Kfz-Verbandkasten zu legen.

Bei Aldi gab es neulich Schnittschutz Handschuhe für 3,99 Euro. Sie machten einen brauchbaren Eindruck und wären ideal um sie im eigenen Pkw liegen zu haben, also der "taktischen Familienkutsche", wie ich sie immer liebevoll nenne. Die graue Farbe ist für einiges natürlich nicht so optimal.

 

 

Wie immer gilt: Meine Meinung ist nicht "gekauft"! Ich habe meine Ausrüstung selber bezahlt, oder mir von Freunden, Kameraden oder Kollegen für die Fotos geliehen. Ich mache keine Werbung und die Firmen "UnderArmour, Hatch, Mechanix und Aldi, haben noch nie von mir gehört.

 

 

Ich schließe diesen Bericht, sehr poetisch, mit einem Zitat aus Robin Hood:

"Ein Mann der Haus und Hof verteidigt ist besser als zehn bezahlte Söldner"