Ballistischer Schutz (Teil 2)

-Aktuelle Entwicklungen

-Ballistische Platten / Plate Carrier

-Beschussversuch von ballistischen Platten

-Bundeswehr Splitterschutzwesten

-Beschussversuch von Splitterschutzwesten

-Stichschutz

-Stichschutzprodukte von Armadillotex

-Stichschutz Test von Kevlar und Zylon

-Ein ballistisches Schild selber machen?

-Kugelsicherer Rucksack / Schreibkladde

-US Army "Protective Under Garment" - Eine kugelsichere Unterhose?

 

Foto: Aktuell von den Bundeswehrpiloten verwendete Kombination aus SK4 Schutzweste, Survivalweste und Schwimmweste.

Aktuelle Entwicklungen

Die Polizeibehörden haben eine Zeit lang ballistische Decken beschafft um Personen aus einem Gefahrengebiet zu evakuieren. Diese Decken waren eine völlige Fehlbeschaffung und werden fast nirgends mehr vorgehalten. Einige Behörden (aber leider wirklich noch nicht alle) sind dazu übergegangen sie durch viel sinnvollere Schilder zu ersetzen.

Es wurden viele Polizisten durch seitliche Schüsse auf die Schultern verletzt und getötet. Daher hat sich der sehr gut schützende, aber furchtbar aussehende, Überwurf von Bonowi bei den Behörden durchgesetzt. Dieser ist weniger für den Objektschutz, Kontrollstellen usw. gedacht, sondern für das was in den USA "active shooter scenario" genannt wird. Also zum Intervenieren bei Amok- oder Terrorlagen. So gut er schützt, schränkt er aber natürlich auch die Bewegungsfreiheit ein und erschwert das Schießen mit Langwaffen.

Quelle des Bildes oben :https://d.facebook.com/BR24/photos/a.208051235335.171746.208046455335/10155179728415336/?type=3&__tn__=EHH-R

Quelle des Bildes unten: https://www.youtube.com/watch?v=MbTaDO1sM0M

Einige Landespolizeien haben ballistische Schilder beschafft, aber leider noch nicht alle. In dem Video links ist die Ausbildung von Polizeianwärtern in Schleswig-Holstein zu sehen.

Quelle des Bildes: https://polizistmensch.de/2017/07/nach-schiesserei-in-konstanz-angeschossener-polizist-ueberlebte-nur-dank-titanhelm/

 

 

Ein Bild das sich bei vielen Polizisten eingeprägt hat. Dieser Helm schützte einen Beamten beim Amoklauf in Konstanz vor einem .223 Geschoss. Er stoppte das Geschoss aber nur, weil es bereits vor dem Einschlag Energie durch "Hindernisse" verloren hat.

 

 

 

Es werden teilweise auch Helme beschafft die auf der Vorderseite eine Zusatzplatte gegen Langwaffengeschosse haben (so etwas gab es übrigens schon 1918 mit dem "Gaede Helm" und dem "Stirnpanzer" (Video, Video). Wenn ihr bei dem Bild genau hinschaut seht Ihr zusätzlich auch noch einen ballistischen Gesichtsschutz, der unter dem Visier hoch geht. Der Hier abgebildete Helm wurde von der Polizei NRW beschafft und wiegt 3,3kg, also das doppelte eines BW Gefechtshelmes. Das bringt auch viele Nachteile mit sich. Es ist sehr lobenswert  wenn so viel Geld für hochwertige Ausrüstung ausgegeben wird, aber man muss auch immer die Nachteile im Blick behalten. Mit so einem Helm wird das Schießen mit MP und Gewehr sehr erschwert und ein Sprung von einer Mauer kann einem untrainierten Genick sehr zusetzen. Diese Helme sind, wie auch der Bonowi Überwurf, dazu gedacht sie nur sehr kurz zum Zugriff zu tragen.

Quelle: https://polizei.nrw/artikel/ballistischer-schutzhelm-mehr-sicherheit-bei-gefaehrlichen-einsaetzen

Ballistische Platten / ("SAPI") Plate Carrier

Drei unterschiedliche ballistische Platten. Die linke Keramikplatte stammt aus den USA. Die Schutzplatte für den Unterleib ist von der bekannten Bundeswehr Bristol Weste.
Drei unterschiedliche ballistische Platten. Die linke Keramikplatte stammt aus den USA. Die Schutzplatte für den Unterleib ist von der bekannten Bundeswehr Bristol Weste.

Ballistische Platten werden in Plate Carriern oder schweren Schutzwesten verwendet und sie schützen meist vor Langwaffen (SK3 und SK4). Sie werden üblicherweise aus spezieller Karamik hergestellt. Eine günstigere Alternative sind Stahlplatten. Stahlplatten haben aber zwei wesentliche Nachteile. Wenn ein Geschoss senkrecht auftrifft, werden Splitter vom Geschoss seitlich abgeleitet, diese können schnell die eigenen Arme, oder das Gesicht, verletzten. Und wenn das Geschoss schräg auftrifft, prallt es ab und kann schnell eigene Freunde verletzen.

Es gibt auch leichte und günstige Platten aus PE Kunststoff, diese haben oft aber nur die SK1 (teilweise aber auch SK3 und SK4). Auch aus verpresstem Kevlargewebe gibt es Platten, die ich Euch weiter unten zeige, bei den Rucksäcken. Davon abgesehen gibt es diverse spezielle Materialmischungen, auf die ich nicht näher eingehen will.

Meine Oberkörperplatten wurden 2002 hergestellt und haben die US Schutzklasse "NIJ-III". Das entspricht etwa unserer deutschen SK3 und schützt vor Langwaffen, aber nicht vor Hartkerngeschossen. Sie sind "stand-alone" Platten und können ohne zusätzliche Weichballistik verwendet werden. Sie wurde früher beim US Militär verwendet.

Hier seht ihr rechts eine meiner SK3 Platten aus Keramik und links eine der SK1 Secotec Kevlarplatten, die ich für meine Rucksäcke verwende.

Die Bundeswehr hat Anfang der 90er Jahre in großem Umfang Splitterschutzwesten beschafft. Als jedoch die ersten Auslandseinsätze los gingen, war dieser Schutz schon nicht mehr ausreichend und es wurden die bekannten "Bristol Westen" von Meggitt Composites beschafft. Das links ist das Typenschild von einer solchen Keramikplatte. Die gesamte Weste wogen über 15 kg und bot in den Bereichen der Platten einen guten Schutz vor Langwaffenbeschuss. An den Randbereichen hatten sie nur SK1. Bedenkt bei den Bristol Platten, dass sie nur mit zusätzlicher Weichballistik funktionieren. Die danach beschaffte "Schutzweste Standart" wog nur noch etwa 10kg, bei einer sehr ähnlichen Schutzleistung. Mit eingelegtem Stichschutz wiegt die Weste etwa 12kg. (Video, Video). Ich selber habe die Bristol Weste früher benutzt. Wenn ich als MG Schütze eingeteilt war, merkte ich, dass hohe Gewicht von diesen beiden Ausrüstungsgegenständen (zusammen etwa 30kg) deutlich und war in meiner Handlungsfähigkeit entsprechend eingeschränkt. Vielleicht habt Ihr schon mal bei Aufnahmen von Spezialeinheiten gesehen, dass diese in seltenen Situationen nicht in Deckung gehen, sondern den Feuerkampf im stehen führen. Das wird vor allem bei Fernspähoperationen gemacht, wenn die Ausrüstung so schwer ist, dass ein schneller Stellungswechsel sonst gar nicht möglich wäre. 

Hier sieht man gut den gewaltigen Unterschied in der Schutzwirkung eines einfachen Plate Carrier, zu einer schweren SK4 Schutzweste. Die komplette Weste deckt viel mehr vom Körper ab.
Hier sieht man gut den gewaltigen Unterschied in der Schutzwirkung eines einfachen Plate Carrier, zu einer schweren SK4 Schutzweste. Die komplette Weste deckt viel mehr vom Körper ab.

Für viele sind sie ein wichtiges Einsatzmittel und eine zentrale Plattform. Plate Carrier werden auch gerne privat gekauft, weil sie unterm Strich oft günstiger sind, als komplette SK4 Westen. Einen privat gekaufte Plate Carrier kann man auch erst mal mit günstigen SK1 PE- oder SK4 Stahlplatten bestücken, bis man günstige Keramikplatten gefunden hat. Eine richtige SK4 Westen kostet komplett wirklich einiges mehr und in meinem Umfeld hat kaum jemand eine davon privat gekauft. Der Vorteil richtiger SK4 Westen ist, dass sie idR. auch den Hals, die Oberarme und den Unterleib schützen. Ich selber besitze nur einen ganz billigen von Mil-Tec. Er ist qualitativ mittelmäßig, war für mich aber immer ausreichend. Aus dem einfachen Grund, dass ich ihn eh nie benutzt habe. Ein Soldat im Einsatz trägt seine schwere Schutzweste jeden Tag und ist auf eine gute Qualität angewiesen. Wenn man aber nur etwas für den Notfall haben will, tut es auch was billiges. Mein Mil-Tec Carrier hat aber das Problem, das alle haben. Er schützt nur sehr kleine Bereiche des Körpers und ist nur für sehr wenige Extremsituationen sinnvoll. Manche Einsatzkräfte schätzen jedoch die Beweglichkeit beim Tragen eines Plate Carriers, im Vergleich zu einer kompletten schweren Schutzweste. Darüber muss man sich halt seine Gedanken machen und eine Entscheidung treffen. Ich würde ihn mir nicht mehr kaufen, sondern eher eine Weste, die auch zusätzlich "Weichballistik" aufnehmen kann. Die kann man als einfache SK1 Weste tragen und notfalls SK3 oder SK4 Platten mit einschieben. Das können z.B. die günstigen Condor EXO oder Defender Plate Carrier. Erfahrungen mit ihnen habe ich aber selber nicht. Früher oder später brauche ich aber auch mal einen besseren Plate Carrier.

(Nachtrag: Der Mil Tec Plate Carrier ist nicht mehr ausreichend für meine Zwecke und ich werde Ihn bald ersetzen)

Da ich keine günstigen SK3 oder SK4 Keramikplatten für die Seite gefunden habe, hab ich jetzt SK1 Kevlarplatten von Secotec in der Seite von meinem Plattenträger.
Da ich keine günstigen SK3 oder SK4 Keramikplatten für die Seite gefunden habe, hab ich jetzt SK1 Kevlarplatten von Secotec in der Seite von meinem Plattenträger.

Auch wenn man nur einen ganz einfachen Plattenträger haben will, sollte man immer darauf achten, dass er wenigstens etwas innen gepolstert ist. Sobald man ihn ein paar Stunden tragen muss, wird man dafür dankbar sein.

Bei vielen Plate Carriern muss das Bauchteil hoch geklappt werden, um ihn an- und abzulegen. Das ist ziemlich aufwendig und mit dem vielen Klett auch laut und teilweise anstrengend. Beim Kauf kann man darauf achten, dass man gleich einen nimmt mit Kunststoffverschlüssen an den Seiten.

Beschussversuch von ballistischen Platten

Das hier war mal ein Beschussversuch den ich gemacht habe. Das ist eine Bristol SK4 Platte der Bundeswehr. Die hat ihre Schutzwirkung nur, wenn sie vor einer SK1 Weste getragen wird. Ich hatte den ersten Test ohne eine zusätzliche Weste gemacht, also etwas, für das sie nicht ausgelegt ist. . Die 9mm und eine .44 Mag aus einem Unterhebelrep. (ganz unten) wurden gehalten. Der Schuss in der Mitte war eine .308 Vollmantel-Weichkern aus 100m, der ging glatt durch. Das Rosafarbene, was man in einem Loch sieht, ist der Keramikteil der Platte. Beim Einschlag löst sich das Geschoss in der Keramik auf und Teile davon und von der Keramik fliegen ca. 2 Meter weit raus in Richtung des Schützen und haben ein sehr hohes Verletzungspotential, falls jemand in der Nähe steht.

Die Bristol SK4 Keramikplatte ist keine "stand-alone" Platte. Beim Test ohne zusätzliche Weichballistik hielt sie eine .44 Mag. aus einer Langwaffe auf, die .308 Winchester schlug jedoch durch.
Die Bristol SK4 Keramikplatte ist keine "stand-alone" Platte. Beim Test ohne zusätzliche Weichballistik hielt sie eine .44 Mag. aus einer Langwaffe auf, die .308 Winchester schlug jedoch durch.
Hier sieht man die beschädigte SK4 Keramikplatte im Detail und ihren Aufbau, aus mehreren Schichten. Unten ist der .44 Mag. Treffer, der auch ohne Weichballistik gehalten wurde.
Hier sieht man die beschädigte SK4 Keramikplatte im Detail und ihren Aufbau, aus mehreren Schichten. Unten ist der .44 Mag. Treffer, der auch ohne Weichballistik gehalten wurde.
Das Gewebe innen in der Platte aus Glasfaser, die Platten bestehen aus unterschiedlichen Schichten.
Das Gewebe innen in der Platte aus Glasfaser, die Platten bestehen aus unterschiedlichen Schichten.

Ich habe den zweiten Test gemacht mit dieser baugleichen Platte, die vor einer Splitterschutzweste montiert war, gemacht. Wobei man bedenken muss, dass eine Splitterschutzweste etwa nur halb so dick ist, wie die Weichballistik einer richtigen SK4 Weste. Der Aufbau hat alles gem. SK3 aufgehalten. Ein Schuss habe ich mit .223 Remington und einen mit .308 Winchester gemacht. Beides waren Vollmantel Weichkern Geschosse aus 100m Entfernung. Welches der beiden Löcher, von welchem Kaliber verursacht wurde, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Die Vorgabe der SK4 konnte ich nicht testen, da ich keine Hartkernmunition zum testen hatte (die ist verboten). Aber ich habe keine Zweifel, dass auch diese etwas älteren Westen immer noch zuverlässig sind.

Bundeswehr Splitterschutzwesten ("Körperpanzerung")

Die Bundeswehr Splitterschutzweste deckt wesentlich größere Bereiche ab, als eine normale SK1 Unterziehweste. Aber die Einlagen sind dünner, als bei einer SK1 Schutzweste.
Die Bundeswehr Splitterschutzweste deckt wesentlich größere Bereiche ab, als eine normale SK1 Unterziehweste. Aber die Einlagen sind dünner, als bei einer SK1 Schutzweste.
Low Budget Schutzweste: Eine Bundeswehr Splitterschutzweste mit doppelten Einlagen.
Low Budget Schutzweste: Eine Bundeswehr Splitterschutzweste mit doppelten Einlagen.

Lange war es ein Geheimtipp zur privaten Krisenvorsorge, dass man sich zwei gebrauchte Splitterschutzwesten kauft und in die eine Westenhülle beide ballistischen Pakete einlegt. Eine normale SK1 Schutzweste, wie sie die Polizei meist verwendet, hat 32-34 Lagen Kevlargewebe und die ballistische Einlage ist etwa 5-9mm dick. Die Bundeswehr Splitterschutzwesten haben 12-14 Lagen Kevlargewebe und die Einlagen sind etwa 3-4mm dick. Alleine die 12 Lagen stoppen meist (aber nicht immer!) eine normales 9mm Para Vollmantelgeschoss aus einer Kurzwaffe. Der Schutz von doppelten Einlagen ist daher also offensichtlich recht brauchbar. Das ist keine tiefe Wissenschaft, die Leistung eines ballistischen Paketes aus Kevlar hängt von viel mehr ab, als der Anzahl der Lagen. Es spielt dabei die Dichte des Materials, die Webart, das Alter, die bisherige Belastung der Fasern usw. eine große Rolle.

Beschuss von Splitterschutzwesten

Derzeit ist es etwas schwieriger geworden komplette Westen der Bundeswehr zu bekommen und die Preise dafür sind auch gestiegen. Für zwei Splitterschutzweste muss man etwa 180 Euro bezahlen. Eine gebrauchte SK1 Unterziehweste der Polizei bekommt man für den selben Preis. Die SK1 Weste ist geprüft und zertifiziert. Und sie eignet sich auch zum verdeckten Tragen. Eine Splitterschutzweste schützt dafür wesentlich größere Bereiche des Körpers, inkl. den Schultern und dem Hals. Für wen was davon sinnvoller ist, muss jeder selber wissen.

 

Vor einigen Jahren habe ich mal ein paar Beschussversuche mit Splitterschutzwesten gemacht. Das habe ich vor allem aus dem Grund gemacht, weil viele Mythen und viel Halbwissen dazu rum geistert. Bedenkt bei den Fotos aber, dass ich das vor dem Jahr Jahr 2010 gemacht habe. Wenn damals eine Einlage aus dem Jahr 1994 gehalten hat, würde sie es im Jahr 2021 vielleicht nicht mehr schaffen. Ich habe damals ausschließlich mit einer Pistole und 9mm Para Vollmantelmunition darauf geschossen. Ich habe noch mehr Einlagen beschossen, als die hier gezeigten. Das nicht sehr wissenschaftliche Ergebnis war, dass die Kugeln meist gehalten wurden (vielleicht etwa 70-80%).

Das hier war ein Beschussversuch mit einer 9x19 Pistole. Bei beiden Schulterteilen der Splitterschutzweste wurde das Geschoss gehalten. Bei dem Zweiten von 1988 ist die Rückseite aufgerissen, hat aber auch gehalten.

Schulterteil einer Splitterschutzweste von 1994 mit Einschussloch. Das 9mm Para Geschoss wurde gehalten.
Schulterteil einer Splitterschutzweste von 1994 mit Einschussloch. Das 9mm Para Geschoss wurde gehalten.
Die selbe Einlage aufgeschnitten. Kevlareinlagen haben auch die Eigenschaft Geschosse zu fangen.
Die selbe Einlage aufgeschnitten. Kevlareinlagen haben auch die Eigenschaft Geschosse zu fangen.
Hier seht Ihr das platt gedrücktes 9mm Geschoss nach dem Beschussversuch auf die Splitterschutzweste.
Hier seht Ihr das platt gedrücktes 9mm Geschoss nach dem Beschussversuch auf die Splitterschutzweste.
Weiterer Beschussversuch mit einen Slitterschutzwesten Teil von 1988. Der Einschlag vom 9mm Geschoss hat die Hülle hinten platzen lassen. Durchgeschlagen ist das Geschoss aber nicht.
Weiterer Beschussversuch mit einen Slitterschutzwesten Teil von 1988. Der Einschlag vom 9mm Geschoss hat die Hülle hinten platzen lassen. Durchgeschlagen ist das Geschoss aber nicht.

Diese Splitterschutz Einlage von 1988 ist ein gutes Beispiel, was altes Schutzwesten oft noch leisten. Sie war beim Beschuss über 22 Jahre alt und weniger als halb so dick, wie eine SK1 Weste. Dennoch stoppte sie einen Treffer aus der 9mm Para Pistole. HIER ist ein interessantes Video von Paul Harrel dazu. Seine US Splitterschutzweste stoppe ebenfalls einige Treffer aus Kurzwaffen.

So sah das Vollmantelgeschoss nach dem Versuch aus. Vorne am Geschoss sah man immer deutlich die Webstruktur des Kevlars eingedrückt.
So sah das Vollmantelgeschoss nach dem Versuch aus. Vorne am Geschoss sah man immer deutlich die Webstruktur des Kevlars eingedrückt.
Bei diesem Kragenteil einer Splitterschutzweste von 1988 ging das Vollmantelgeschoss aber durch.
Bei diesem Kragenteil einer Splitterschutzweste von 1988 ging das Vollmantelgeschoss aber durch.
Die Bolzen aus meiner Armbrustpistole konnten dieser Kevlareinlage nicht viel anhaben.
Die Bolzen aus meiner Armbrustpistole konnten dieser Kevlareinlage nicht viel anhaben.

Das Gewebe hat den Einschlag der Bolzen aber auch nicht ganz unbeschadet überstanden. Man hat schon gesehen, dass das Gewebe die sehr spitzen Bolzen nicht mochte. Eine stärkere Armbrust hätte die relativ dünne Splitterschutz Einlage vermutlich durchschlagen.

 

HIER hab ich einen Test gemacht und mit dem Luftgewehr auf Kevlareinlagen geschossen.

Stichschutzwesten / Stichschutzjacken

In Deutschland werden durch die Behörden zu etwa 90% nur Kevlarwesten beschafft. Kevlarwesten haben einen "bedingten Stichschutz". Andere Fasern (oder auch Folien) haben teilweise einen besseren Stichschutz, aber dafür andere Nachteile wie eine größere Steifigkeit. Für Stichschutz wird durch die Behörden oft nicht gesorgt, diesen müsste man nämlich zur Kevlareinlage nachrüsten, was richtig teuer werden kann. Zusätzlich macht es die Westen schwerer und dicker.

In Bayern wurden, als zum ersten mal Schutzwesten beschafft wurden, Second Chance Westen beschafft. Diese waren aus nagelneu entwickelten "Zylon" und sehr leicht. Nach wenigen Jahren wurde bei Tests festgestellt, dass die Schutzwirkung viel zu schnell nachgelassen hat. Das war ein richtiges Debakel. Die Polizei hat haufenweise Geld verschwendet und die Firma war dem Untergang geweiht. Ich persönlich würde mir niemals eine der alten Second Chance Westen kaufen. Aber das hier ist die dazugehörige,  sehr gute, Stichschutzeinlage aus Kettengeflecht in Filz. Diese wird zusätzlich, vor der Kevlareinlage, in die Weste eingelegt. Gekostet haben mich diese Einlagen 20 Euro / Stück, aus der Konkursmasse. Andere, vergleichbare, Einlagen kosten jeweils etwa 200 Euro. Gelegentlich findet man auch ähnliche Einlagen von Mehler. Ob diese Einlagen auch ohne ballistische Pakete ausreichend Stichschutz bieten, weiß ich leider nicht. In Neugablonz gab es übrigens, bis etwa 2014, die Firma Kamp. Diese hat Stichschutzwesten aus Aluminiumwaben hergestellt, auf ihren Maschinen für die Schmuckherstellung.

Stichschutzeinlage von Second Chance bestehend aus Kettengeflecht in Filz.
Stichschutzeinlage von Second Chance bestehend aus Kettengeflecht in Filz.
Typenschild vom Stichschutz einer Second Chance Schutzweste.
Typenschild vom Stichschutz einer Second Chance Schutzweste.

Von diesen Ketteneinlagen hatte ich kurzzeitig vorne und hinten jeweils eine zusätzlich ,zu den ballistischen Paketen, in meiner Schutzweste. Die Weste war mir auf Dauer mit beiden Zusatzeinlagen einfach zu schwer und zu dick und ich habe einige Jahre nur noch eine hinten drin gehabt, weil ich eher von hinten mit Messerangriffen gerechnet habe.

 

Kauft niemals die 50 Euro Stichschutzwesten. Die werden sehr oft von privaten Sicherheitsmitarbeitern verwendet. Sie haben als Schutzelement eine Kunststoff- und eine Aluminiumplatte. Ich hatte vor vielen Jahren so eine Weste gekauft, für meine Arbeit beim Sicherheitsdienst. Sie sind so steif, dass ich damit nicht mehr aus der Rückenlage aufstehen konnte. Eine Schutzweste bringt einem nichts, wenn man damit nicht kämpfen kann. Die Schutzwirkung von den einfachen Kunststoffplatten ist meist auch nicht ausreichend. Meine habe ich, nach wenigen Tagen im Einsatz, gleich wieder weiterverkauft.

Stichschutzprodukte von Armadillotex

Ich bekomme regelmäßig Lesermails, wo ich nach meiner Meinung über die Stichschutz Produkte von Armadillotex gefragt werde. Daher will ich hier ein paar Worte dazu sagen. Ich hatte bisher lediglich die Materialprobe, unten auf dem Foto, selber in der Hand. Sie hat einen wirklich guten und durchdachten Eindruck gemacht. Aber von einer Materialprobe in der Hand, kann man kaum seriöse Rückschlüsse auf die Trageeigenschaften einer Stichschutzweste, oder einer entsprechenden Jacke ziehen. Dabei sind ja Aspekte wie die Wärme- oder Feuchtigkeitsableitung, das Gewicht und die Steifigkeit wichtig. Der Markt der Stichschutzprodukte ist sehr unübersichtlich, aber Armadillotex hat sich am Markt etabliert. Das Preis- Leistungsverhältnis erscheint sehr gut. Wenn ich derzeit eine Stichschutzweste oder Jacke bräuchte, würde ich mir vermutlich eine von Armadillotex kaufen.

Nachtrag von 22/2020: Die Westen sind inzwischen zertifiziert. Die Preise für die zertifizierten sind aber einiges höher.

Der Markt der Stichschutzwesten ist kaum durchschaubar, wenn ich mir eine kaufen wollte, würde ich aber zuerst bei Armadillo Tex vorbei schauen. Sie haben sogar eine Stichschutzjacke.
Der Markt der Stichschutzwesten ist kaum durchschaubar, wenn ich mir eine kaufen wollte, würde ich aber zuerst bei Armadillo Tex vorbei schauen. Sie haben sogar eine Stichschutzjacke.

Ich habe das Foto unten von einem Leser bekommen. Er beschreibt die Jacke als angenehm zu tragen. Die Stichschutz Einlagen würde man dabei kaum merken, sie wäre nur merklich schwerer, als normale Jacken.

Stichschutzjacke von Armadillotex. Das unten rechts im Bild sind die heraus genommenen Schutzeinlagen.
Stichschutzjacke von Armadillotex. Das unten rechts im Bild sind die heraus genommenen Schutzeinlagen.

Stichschutz Test von Kevlar und Zylon Einlagen

Ich will noch etwas zum Stichschutz und unterschiedlichen Klingenformen sagen.  Dolche kommen meist nur schwer durch Kevlar (man glaubt es kaum, ist aber so). Was dagegen sehr gut penetriert sind Tanto Klingen. Das ist auch der Grund warum das Kampfmesser 2000 bei der Bundeswehr beschafft wurde. Ob eine Klinge durch geht, kann man aber sonst fast nicht vorhersagen. Diese beiden hier sind damals durch die Westen gegangen als wäre es nur ein Stück Pappe. Vor allem das Reality Based hat aus dem Kevlar einfach nur Hackepeter gemacht! Einige dieser Kevlareinlagen habe ich damals gleich weg geworfen, weil sie völlig zerfetzt waren.

Eine Vielzahl von Durchstichen durch die Kevlareinlage einer Splitterschutzweste von 1987.
Eine Vielzahl von Durchstichen durch die Kevlareinlage einer Splitterschutzweste von 1987.

Als ich mich erneut mit Schnittschutzkleidung beschäftige und die Terroranschläge und Amokläufe mit Messern immer mehr wurden, wollte ich noch mal einen kleinen Test bzgl. dem Stichschutz von Schutzwesten machen. Dazu hatte ich noch eine Splitterschutzeinlage der Bundeswehr von 1994 rum liegen.

Das Rettungsmesser Sanremu LAND und ein Taschenmesser mit einer "normalen" Klingenform konnten dem Kevlar nichts antun und durchtrennten lediglich sehr wenige Lagen. Mein Leatherman WAVE und das Benchmade SOCP aber penetrierten das Schutzpaket problemlos. Und dem Böker Reality Based hat Kevlar nicht viel entgegen zu setzen!

Splitterschutzwesten sind Schutzwesten, gegen Kurzwaffengeschosse (Klasse 1) sehr ähnlich, sie haben lediglich einige Lagen Kevlar weniger.
Splitterschutzwesten sind Schutzwesten, gegen Kurzwaffengeschosse (Klasse 1) sehr ähnlich, sie haben lediglich einige Lagen Kevlar weniger.
Es war wieder erschreckend wie leicht sich die Schutzweste mit den entsprechenden Klingen durchstoßen ließ.
Es war wieder erschreckend wie leicht sich die Schutzweste mit den entsprechenden Klingen durchstoßen ließ.
Das Sanremu LAND hat eine breite, aber scharfe Spitze. Es konnte der ballistischen Einlage nichts anhaben und ging nicht durch.
Das Sanremu LAND hat eine breite, aber scharfe Spitze. Es konnte der ballistischen Einlage nichts anhaben und ging nicht durch.

Es ist wichtig zu wissen wo die Grenzen der persönlichen Ausrüstung liegen. Den Böker Reality Based und Leatherman Wave Klingen hatten die Kevlarwesten nichts entgegen zu setzen.

Bei einem Stichtest mit einer alten Second Chance Weste aus "Zylon" stellte ich fest, dass diese WESENTLICH schwerer zu penetrieren war als Kevlarwesten.
Bei einem Stichtest mit einer alten Second Chance Weste aus "Zylon" stellte ich fest, dass diese WESENTLICH schwerer zu penetrieren war als Kevlarwesten.

Ich gehe davon aus, dass eines der üblichen Messer von Straßenschlägern nicht durch diese Weste kommt. Aber da die Alterung von Zylon Fasern nicht vorhersehbar ist würde ich mich persönlich nicht auf diese Westen verlassen und mir auch niemals eine Second Chance Weste kaufen. Weil sie ihre garantierten Schutzwirkungen nicht halten konnten, ging die Firma pleite.

Schnittschutzkleidung gegen Messerangriffe

Ich habe mir die Tage ein Schnittschutz T-Shirt bestellt. Es gibt in den letzten Monaten und Jahren derart viele Messerangriffe, dass ich in dieser Schutzkleidung sehr viel Potential sehe. Sowohl für Privatleute wie auch für Polizisten, zum Aufrüsten der Schutzweste. Denn genau die üblichen Ziele eines Messerangreifers werden durch die Schutzweste kaum geschützt. Zu meinem Bericht über Schnittschutzkleidung kommt Ihr HIER.

Ein ballistisches Schild selber machen?

Ich wollte schon seit längerem ein ballistisches Schild selber machen. Die Idee entstand, weil die meisten Polizeibehörden der Bedarf an solchen Schildern immer noch nicht erkannt haben. Die "echten" sind aus normalen Kevlarmatten wie sie auch in Schutzwesten sind. Die Stoffbahnen werden mit einem Kunststoff vergossen und in Form gepresst. Genau so wie beim Bundeswehr Gefechtshelm. Ich habe aus alten Splitterschutzwesten die Kragen und Schulterstücke geöffnet und einzeln zu einer etwa A4 großen Fläche überlappend zusammen gelegt, bis es etwa 34 Lagen waren. Das entspricht etwa der deuschen SK1. Das ganze hab ich bei jeder Schicht mit flüssigem Gummi verklebt. Und das hier war das Ergebnis:

Versuchsaufbau einer selbst hergestellten ballistischen Platte aus zerlegten Splitterschutzwesten.
Versuchsaufbau einer selbst hergestellten ballistischen Platte aus zerlegten Splitterschutzwesten.

Ich hab dann einen Schuss mit der 7,65mm Browning und einen mit der 9x19 drauf geschossen. Beide wurden problemlos gehalten. Die Platte hatte sogar kaum eine Verformung. Durch das verkleben war sie wesentlich stabiler, wie es das lose Gewebe alleine wäre. Die Platte hätte noch viel mehr und stärkere Treffer ausgehalten. Aber das Ganze entsprach nicht wirklich meinen Vorstellungen. Es sieht einfach mies aus. Ich hab für das kleine Stück massenhaft von dem flüssigen Gummi verbraucht und der ist ziemlich teuer. Alternativ hatte ich mir noch billigen Baumarkt Silikon überlegt, aber da sind einige Lösungsmittel drin die dem Kevlar bestimmt nicht gut tun. Und wenn ich ein Schild draus machen will muss ich auch noch einen Griff dran befestigen. Aber jede Schraube die ich da rein montiere bildet eine Schwachstelle.
Ich hatte auch überlegt ob ich das ganze auf ein Polizei-Demoschild klebe, aber wenn eine Kugel vorne drauf fliegt, drückt die alles etwas nach hinten und der Kunststoff vom Schild würde hinten als Splitter in meine Richtung fliegen. Man müsste also die Kevlarmatten hinter den Kunststoff vom Schild montieren. Aber auch dann würde das alles mies aussehen, weil überall die Fransen vom Kevlar raus schauen.
Dann hatte ich noch überlegt ob ich eine Tasche nähen kann in die ich so eine "Platte" rein stecken kann, damit es besser aussieht. Aber auch das wäre nicht so Einfach. Der Vorteil an so einer Tasche wäre, dass man Stoffgriffe dran nähen kann ohne das Ganze durch Schrauben zu schwächen. Jedenfalls hatte ich die Lust an dem Projekt verloren und es nicht weiter verfolgt.

Mittlerweile habe ich aber auch ein richtiges ballistisches Schild. Noch dazu ist es speziell von den Chinesen, zum Schutz vor Messerangriffen, erfunden worden. Da die Chinesen mit Messerangriffen noch mehr Erfahrung haben als wir, sehe ich darin viel Potential.

Kugelsicherer Rucksack / Schreibkladde

So eine Kevlarplatte von Secotec kostet nicht viel und wiegt nur 260 Gramm. Damit kann man z.B. sehr einfach einen Schulranzen oder ein Klemmbrett Kugelsicher aufrüsten.
So eine Kevlarplatte von Secotec kostet nicht viel und wiegt nur 260 Gramm. Damit kann man z.B. sehr einfach einen Schulranzen oder ein Klemmbrett Kugelsicher aufrüsten.

Und falls Ihr jetzt meint, dass es voll übertrieben ist sein Kind mit ballistischem Schutz zur Schule zu schicken: Ja, da habt Ihr zweifellos Recht. Aber einige meiner Leser wohnen in Schwellenländern und arbeiten für große Konzerne. Da sieht das ganz anders aus. (Danke für Eure Mails vom anderen Ende der Welt :-)

Mehr zum Schutz unserer Kinder findet Ihr HIER.

Wie ich schon weiter oben erzählt habe, trage ich in meiner Freizeit keine Schutzweste. Aber Rucksäcke mit SK1 Platten haben sich für mich bestens bewährt und ich verwende sie schon ein paar Jahre täglich. Ich habe dafür immer Kevlarplatten von Secotec verwendet. Die Firma verkauft sie inzwischen sogar extra für diese Verwendung, mit den Maßen 25x35cm, für 100 Euro / Stück. In den USA gibt es z.B. diese NIJ Level IIIa weichballistik Einlagen. Sie sind ebenfalls speziell für Rücksäcke gemacht und kosten etwa 100 Dollar.

Weil ich schon mehrere Lesermails dazu bekommen habe: Ich selber habe mehrere kleine Platten. Zwei davon habe ich überlappend mit Panzerband so zusammen geklebt, dass eine, für meinen Rucksack passende, Einlage entstanden ist. Mein Helikon Tex Downtown Rucksack hat sogar ein extra Fach für eine ballistische Platte und ein Waffenfach. Einige Hersteller haben auch Rucksäcke im Programm, aus denen sich das Vorderteil einer Schutzweste raus ziehen lässt.

Kaum einer will in der Freizeit mit einer Schutzweste rum laufen. Aber seinen Rucksack kann man sehr leicht mit Kevlarmatten oder Platten aufrüsten. Eine gebrauchte SK1 Weste bekommt man bei Ebay schon für 100 Euro.
Kaum einer will in der Freizeit mit einer Schutzweste rum laufen. Aber seinen Rucksack kann man sehr leicht mit Kevlarmatten oder Platten aufrüsten. Eine gebrauchte SK1 Weste bekommt man bei Ebay schon für 100 Euro.

Ich habe vor etwa 20 Jahren eine Schreibkladde in einem Buch aus den USA gesehen die "kugelsicher" war. Das wirkte damals saußmäßig cool auf mich. Von den Secotec Platten habe ich mehrere und eine davon hab ich mir in eine Schreibkladde eingelegt. Es zeigte sich sehr schnell, dass das zwar eine interessante Idee ist, aber absolut keinen Sinn macht. Einsatzkräfte beginnen keine Kontrolle mit der Schreibkladde in der Hand. Aber genau in diesen Moment kommt es meist zu Angriffen. Die Kladde wird erst später benutzt, wenn klar ist was vorliegt, zur Aufnahme des Sachverhaltes.

Versuchsweise habe ich derzeit eine SK1 Kevlarplatte in meiner Schreibkladde. Auf Dauer halte ich diese Option aber nicht für sonderlich sinnvoll.
Versuchsweise habe ich derzeit eine SK1 Kevlarplatte in meiner Schreibkladde. Auf Dauer halte ich diese Option aber nicht für sonderlich sinnvoll.
Wesentlich sinnvoller, wichtiger, bzw. absolut unerlässlich ist dagegen das Bingo auf der Rückseite meiner Schreibkladde ;-)
Wesentlich sinnvoller, wichtiger, bzw. absolut unerlässlich ist dagegen das Bingo auf der Rückseite meiner Schreibkladde ;-)

Nachtrag: Wo mich die Tage ein Fahradfahrer statt mit "Grüß Gott" mit "Haben Sie nichts Besseres zu tun" begrüßt hat. konnte ich das auch noch abkreuzen. Dumm für ihn war jedoch, dass wir ihn nun genauer kontrollierten und bei ihm Diebesgut im Rucksack fanden, das er kurz zuvor auf einer Baustelle gestohlen hatte.

US Army "Protective Under Garment" (PUG) - Eine kugelsichere Unterhose?

Die ballistische Unterhose des US Militär heißt "Protective Under Garment" (PUG). Sie hat viel Kevlar verarbeitet, ist jedoch alles andere als "kugelsicher".
Die ballistische Unterhose des US Militär heißt "Protective Under Garment" (PUG). Sie hat viel Kevlar verarbeitet, ist jedoch alles andere als "kugelsicher".

Die meisten westlichen Soldaten sind in den vielen Kriegsgebieten ja recht gut geschützt. Sie tragen einen Helm und schwere SK4 Schutzwesten (mit Halsschutz, Oberarmschutz, Unterleibsschutz usw.). Nach der Einwirkung von Splittern durch die unterschiedlichen Waffen, oder IEDs, wiesen die Soldaten also häufig Verletzungen des Unterleibs und der Beine auf, weil die Soldaten dort kaum geschützt waren. Von den britischen und US Soldaten wird daher, seit einigen Jahren, ballistische Unterwäsche verwendet. Die britischen Truppen bekommen Seidenunterwäsche, da diese ebenfalls ballistische Eigenschaften hat. Das US Militär hat sich für die "Protective Under Garment" (PUG) zum Splitterschutz entschieden. Im Internet findet man über diese Unterwäsche bisher leider nur wenige Informationen. Ich fand im ganzen Internet keinen Test dieser Unterhose, aber jetzt konnte ich ihn selber durchführen. Der Schritt dieser Unterhosen ist aus einer Lage dicht verwebtem Kevlar. An der Vorderseite der Oberschenkel sind zwei Einschübe für ballistische Pakete. An die Soldaten wird ein Set ausgehändigt, das aus drei Unterhosen und einem Paar Einlagen bestehen.

Nachtrag: Auch die Bundeswehr bekommt bald derartige Unterwäsche.

Da das Kevlargewebe im Schritt recht dünn ist und starken Belastungen unterliegt (Waschen, Reibung usw.), war es klar, dass es nicht viel abhält. Ich habe meinen Test mit etwas recht schwachem begonnen. Mit der Walther LP53 Luftpistole meines Vaters. Die klassischen Diabolos (mit 3 Joule) prallten einfach von meinem Testaufbau ab.

Als nächstes wählte ich die orangenen Scenco Geschosse, mit einem dünnen und harten Metallkern. Sie haben die Eigenschaft sich im Ziel zu teilen, ähnlich wie Treibspiegelgeschosse. Der Kern dringt meist wesentlich weiter ein, als normale Geschosse von Luftdruckwaffen. Mit ihren 0,37g entwickelten sie aus der LP53 464fps, was 3,7 Joule entspricht. Auf dem Bild seht Ihr oben rechts den Schuss in den normalen Stoff. Der Geschosskern hat den Stoff durchschlagen und nur der Mantel steckt im Stoff. Das Geschoss unten wurde vom Kevlargewebe komplett gehalten. Damit ist schon mal klar bewiesen, dass das Kevlargewebe eine gewisse Schutzwirkung hat. Das Geschoss hinterließ keinerlei sichtbare Beschädigungen. Vermutlich hätte es noch einige Joule mehr ausgehalten.

 

Als nächstes folgte ein Schuss mit .22 Zimmer Munition von Fiocchi, aus einem Gewehr mit recht kurzem Lauf. Das 1,9g schwere Geschoss entwickelte 43 Joule und durchschlug den Schritt der Unterhose.

Der nächste Schuss erfolgte mit .22 subsonic Munition vom Remington. Das Geschoss durchschlug die erste Lage Kevlargewebe und blieb auf der anderen Seite, vor dem ballistischen Paket stecken (Ich hab auf die Rückseite geschossen). Dieser Schuss war für .22er subsonic Munition, mit etwa 50 Joule, sehr schwach. Vermutlich war das ein Munitionsfehler. Weitere Messungen habe ich dann nicht mehr durchgeführt. Der zweite Schuss dieser Munition schien die normale Energie, von etwa 100 Joule, zu entwickeln (Bild unten). Ich schoss damit direkt auf die ballistische Einlage. Das Geschoss drang in die Einlage ein und wurde einwandfrei gehalten. Es zeigt sehr gut, was die Einlagen leisten, denn mehr hielt sie nicht auf.

Ein Schuss mit .22lfB Subsonic Munition wurde von der "TIER 1 Protective Under Garment" Einlage der ballistischen Unterhose aufgehalten.
Ein Schuss mit .22lfB Subsonic Munition wurde von der "TIER 1 Protective Under Garment" Einlage der ballistischen Unterhose aufgehalten.

Das .22lfB standard Geschoss, was ich als nächstes abfeuerte, schlug glatt durch. Ich habe die letzte Patrone, ehrlich gesagt, einfach aus einem Konvolut entnommen. Ich weiß daher überhaupt nicht welche ballistischen Werte sie hat. Es ist aber davon auszugehen, dass es etwa 140 Joule gewesen sind, die zum Durchschlagen der Einlage ausgereicht haben. Die ballistischen Einlagen sind hauptsächlich für den Schutz der Oberschenkelarterie gedacht und sie bestehen aus 9 Lagen Kevlar. Zum Vergleich, eine Splitterschutzweste hat etwa 12-14 Lagen und eine SK1 Weste etwa 32-34 Lagen Kevlargewebe. Wie ich schon weiter oben dargelegt habe, hält eine Splitterschutzweste, grade noch und unzuverlässig, ein 9mm Para Geschoss. Es war daher schon absehbar, dass die ballistischen Einlagen der PUG-Unterhose wesentlich weniger Schutz bieten.

 

Fazit zur "kugelsicheren Unterhose":

Wenn man bedenkt, dass die PUG-Unterhose und die Einlagen davon gerade mal 2 Jahre alt sind, ist das Ergebnis doch recht enttäuschend. Ich hätte einen deutlich besseren Schutz erwartet, vor allem von den ballistischen Paketen. Es steht außer Zweifel, dass man Splitter und Geschosse nicht direkt miteinander vergleichen kann. Vermutlich macht die PUG-Unterhose zum Splitterschutz für Soldaten schon Sinn, restlos überzeugen kann sie mich jedoch nicht. Aber das ändert nichts daran, dass dieser kleine Test sehr interessant für mich war. Jetzt weiß ich, dass die "kugelsichere Unterhose" gar nicht kugelsicher ist.

Nachtrag vom 15.06.2021:

Weil die Walther LP53 doch etwas schwach war, wollte ich einen weiteren Test vom Kevlargewebe im Schritt der Unterhose machen. Dafür benutzte ich ein klassisches Knicklauf Luftgewehr mit "F" im Fünfeck. Geschossen habe ich mit geriffelten Gamo Diabolos. Das Gewicht der Diabolos belief sich auf 0,5g und die durchschnittliche V0 auf 680 fps (207 m/s).

Das ergibt eine E0 von 10,7 Joule. Geschossen habe ich auf eine Entfernung von ca. einem Meter und die Unterhose habe ich auf einen harten Karton gespannt. Das einfache Kevlargewebe hat alle Diabolos problemlos aufgehalten und es gab keine Beschädigungen am Stoff. Als ich, zum Vergleich, auf den normalen Stoff der Unterhose geschossen habe, schlugen die Diabolos durch beide Lagen durch. Auf dem Foto links seht Ihr die Einschlagstelle des Diabolos mit 10,7 Joule. Der Stoff ist nicht beschädigt, er ist lediglich dunkel verfärbt.

 

Wenn Dir das alles hier immer noch zu wenig Schutz ist, brauchst Du wohl einen EOD Anzug für Bombenentschärfer. Hast Du gewusst, dass es von Garant einen Ganzkörper Schutzanzug für Antiterrorlagen gibt?

 

Meinen Bericht über ballistische Helme findet Ihr HIER.