Thema der Woche - Teil 2

Da ich einige Berichte bei "Theme der Woche" nicht löschen will, mache ich hier eine weitere Seite mit einem Teil 2 auf.

 

 

 

(Foto links: Schweizer Soldatenbuch von Albert Bachmann).

 

 

 

 

Einsatztaktische Ausrüstung im Hochsommer

(Dieser Bericht enthält keine bezahlte Werbung)

 

Ich hatte vor einer Weile ein "Thema der Woche" über die widerlichen und ekelhaften Papierstrohhalme vom Mc Donalds. Meinen alten Bericht habe ich bereits gelöscht, aber es hat sich diesbezüglich leider wieder etwas getan.

Die meisten Einsatzkräfte haben diesen Sommer mit Schreck festgestellt, dass jetzt sogar Burger King Papierstrohhalme hat und das beliebte Mc Donalds Eis mit Holzlöffeln ausgegeben wird. Für alle die nur sehr selten bei Mc Donalds sind sage ich es noch mal deutlich: Die Einsatzkräfte werden jetzt in ihren knappen Pause gezwungen ihr Eis mit HOLZLÖFFEL zu essen.

Das ist so unfassbar rückständig... Man könnte meinen, dass es Holzlöffel geben müsste, die glatt und geschmacklich neutral sind. Aber die Löffel von Mc Donalds sind dermaßen widerlich, dass man meint, sie werden mit einem speziellen Pappe-Arome versehen und absichtlich aufgerauht, damit nicht das Eis, sondern der Löffel an der Zunge hängen bleibt!

 

Da die Umstellung auf Papier- und Holzprodukte von der EU vorgegeben ist, und ich mich aus der Politik bekanntlich raus halten, werde ich diese Geschmack vernichtenden und ekelhaften Produkte natürlich nicht als "Umweltfimmel" bezeichnen. Ich muss mich aber schon fragen, was es mit Umweltschutz zu tun hat, dass ich gezwungen werde alle Tedi, KIK usw. Geschäfte abzufahren, um passendes Wegwerfbesteck zu finden. Als ich mit Strohhalmen und Löffeln an der Kasse vom Tedi stand, sprach mich ein junger Mann an und fragte, in welchem Regal es die gibt. Ich antwortete: "Gell, beim Mc Donals kann man kaum noch essen gehen". Er stimmte mir zu und eilte zu dem Regal. Als wir bezahlt hatten schimpften wir beide noch ein bisschen gemeinsam über die großen Fast-Food Ketten und die Politik. Es ist und bleibt halt einfach so, dass Mc Donalds und Co. die Hauptnahrungsquelle von Einsatzkräften im Schichtdienst sind. Und wenn die knappen Pausen daraus bestehen, dass man sich über das ungenießbare Besteck und die Papierstrohhalme ärgert, hat das zweifellos einen negativen Einfluss auf die Motivation, Durchhaltefähigkeit und Einsatzbereitschaft.

 

Im Laufe meiner Schimpfereien hörte ich immer wieder, dass ich doch einen Plastiklöffel mit zur Arbeit nehmen kann, den ich abspülen und wiederverwenden könnte. Aber es ist doch offensichtlich, dass ich keinen klebrigen Löffel zurück in die Einsatztasche legen will. Ich habe also ein ernsthaftes, berufliches und einsatztaktisches Bedürfnis für Wegwerfbesteck aus Plastik! Und so kommt es, dass Plastikbesteck ein relevanter Teil meiner Ausrüstung geworden ist. Zum Glück haben offenbar ein paar Geschäfte den steigenden Bedarf davon erkannt. Und wenn man in den örtlichen Geschäften nichts findet, kann man sich seine Ausrüstung ja immer noch in Asien bestellen.

Die Einsatztasche ist eine wichtige Plattform für taktische Überlegungen von Einsatzkräften. Das Plastikbesteck ist jetzt daran schnell greifbar befestigt.
Die Einsatztasche ist eine wichtige Plattform für taktische Überlegungen von Einsatzkräften. Das Plastikbesteck ist jetzt daran schnell greifbar befestigt.

Das Nähzeug und das Schuhputzzeug

Es gibt derart grundlegende Ausrüstung, dass ich sie bisher nie erwähnt habe, obwohl ich sie fast täglich benutze. Ich sehe sie schon als selbstverständlich an, obwohl viele sie erstaunlicher Weise gar nicht besitzen. Bedenkt, dass fast alle Soldaten diese beiden Gegenstände immer im Feld dabei haben. Für Soldaten sind sie unverzichtbar, für Zivilisten und Einsatzkräfte sehr hilfreich.

 

Das Nähzeug:

Es sollte ein militärisches und kein ziviles Set sein. Zivile Nähsets sind meist zu klein und qualitativ minderwertig. Für mich bewährt hat sich vor allem das der Bundeswehr, das man bereits für etwa 5 Euro bekommt. Damit kann man Socken stopfen, Knöpfe annähen, geplatzte Nähte schließen usw. Mein erstes derartiges Nähset habe ich mit etwa 14 Jahren bekommen und habe tätsächlich die Löcher in meinen Socken damit gestopft. Bei meinem Set seht Ihr auch noch Leuchtstreifen, die viele Soldaten auf die Rückseite Ihrer Feldmützen und Helmbezüge nähen, um in der Gruppe leichter Verhindung im dunklen Wald halten zu können. Ich ergänze schon immer meine Nähsets durch einen Nahtauftrenner und eine Einfädelhilfe. Wenn Ihr feste Stoffe näht (z.B. an einer Kampfmittelweste) benötigt Ihr entweder eine Leatherman Zange, oder einen Fingerhut. Diese ermöglichen es die Nadel durch das Material zu stechen. Wenn Du dir so ein Set gekauft hast, bekommst Du z.B. in den billigen "1 Euro" Geschäften den evtl. fehlenden restlichen Inhalt.

 

Das Schuhputzzeug:

Wenn Du im Wald gewesen bist und die Kleider dreckig sind, wirfst Du sie vermutlich meist einfach in die Waschmaschine. Als Soldat lernt man aber schnell die Kleiderbürsten zu schätzen. Damit kann man auch seine Ausrüstung reinigen, ohne sie gleich komplett waschen zu müssen. Und jedem wird klar sein, dass regelmäßig gepflegte Einsatzstiefel länger halten und Schuhcreme sie auch Wasserfest macht. Für mich bewährt hat sich vor allem das Schuhputzzeug der schweizer Armee, aber es funktioniert auch das der Bundeswehr sehr gut. Diese Sets bekommt Ihr für unter 10 Euro. Von den schweizer Sets habe ich zwei, eines liegt bei der Arbeit und das andere an der Garderobe.

 

Tipp: Wer über eine gute Menschenkenntnis verfügt, achtet mit als erstes meist auf die Schuhe seines Gegenüber. Sie sind tatsächlich ein wichtiges Aushängeschild des eigenen Charakters. Wenn Du sie pflegst, wirst Du bei einigen Personen vermutlich einen besseren Eindruck hinterlassen und davon auf Dauer evtl. sogar Vorteile haben.


Truppenarzt Geheimrezept gegen das militärische "Universal-Leiden"

Nach dem mein Stubenkamerad vom Springerlehrgang in Altenstadt zurück war, erzählte er mir von einem eindrücklichen Erlebnis. Beim ersten Betreten der Franz-Josef-Strauß-Kaserne kam ihm ein Kamerad auf Krücken entgegen gehumpelt. Einige Tage später musste er dann auch noch mit ansehen, wie sich der Fallschirm eines Kamerad nicht öffnete und er hinter der Transall her gezogen wurde. In so einem Fall handeln die Absetzer nach einem vorgegebenen Plan. Die Aufziehleine des Soldaten wird an einer Winde eingehängt und er wird zurück ins Flugzeug gezogen. Während dessen beobachtet ein Absetzer den Soldaten hinter dem Flugzeug und stellt sicher, dass sich dieser an die Notverfahren hält. In so einem Fall muss er deutlich den Griff seines Reserveschirmes sichern. Sollte er an den Auslösegriff greifen, muss der Absetzer seine Aufziehleine sofort mit einem Messer kappen. Kleine Flugzeuge, oder Hubschrauber, können durch den gezogenen Reserveschirm, der eine Verbindung zum Flugzeug hat, sofort abstürzen.

Mein erster eigener Eindruck der Luftlandeschule war eine unfassbare große Flasche (1L Inhalt) Franzbranntwein, die sich in unserer Stube befand, als wir sie bezogen. Wenige Tage später war mir klar, warum diese Flasche dort lag und warum sie so groß war. Wir lernten Muskeln unseres Körpers kennen, von denen wir bis dahin noch nie etwas gespürt hatten. Alle die sich einen etwas genaueren Einblick in die Fallschirmsprungausbildung der Bundeswehr verschaffen wollen, empfehle ich die Bundeswehr Exclusive Serie dazu. Allen jungen Männern kann ich nur dazu raten ihren Dienst beim Militär anzutreten. Wenn Ihr es nicht tut, werdet Ihr in ein paar Jahren merken, dass Ihr etwas verpasst habt (diese Fehlentscheidung ist idR. nicht rückgängig zu machen). Und allen Soldaten, die mehr leisten wollen als der Rest, rate ich: Schreibt gleich morgen einen Versetzungsantrag zu den Luftladetruppen.

 

Zurück zum Thema: In den beiden Weltkriegen hieß es bei den Truppenärzten meist: "Jod für Äußeres, Aspirin für Inneres, mehr braucht es nicht". Und heute wird allen Ärzten der Bundeswehr und der kasernierten Polizei nachgesagt, dass sie bei allen Leiden ausschließlich Voltaren und Parecetamol verschreiben. In wenigen Fällen hat das natürlich auch etwas mit unfähigen Ärzten zu tun. Es gibt aber auch sehr viele Fälle in denen es etwas mit unfähigen Soldaten zu tun hat, die nicht in der Lage sind mit dem militärischen Universal-Leiden umzugehen. Das was ich "Universal-Leiden" nennen kann alles mögliche sein, Verspannungen, Muskelkater, Zerrungen, Prellungen usw. Dem einen helfen kühlende Medikamente, dem anderen wärmende. Und eigentlich sollte jeder leistungsfähige Soldat in der Lage sein, diese Beschwerden mit Bandagen, Tape und ein paar geeigneten Medikamenten selber zu lindern. Manchen Soldaten muss man auch erst mal erklären, dass ein Muskelkater keine Krankheit ist, sondern Teil ihrer Ausbildung.

Einer meiner Truppenärzte hatte ein Geheimrezept gegen das militärische "Universal-Leiden", das ich euch hier exklusiv und öffentlich offenbaren will (strafbar nach §353b StGB). Er war ein toller Doktor. Er ließ sich keine Gelegenheit entgehen sich militärisch weiterzubilden. Für ihn war der Fallschirm ein genau so wichtiges Einsatzmittel wie sein Wolf. Und das Sturmgewehr war für ihn eine wichtigere Waffe, als die Pistole. Bis ich ihn kennen lernte, hätte ich nicht gedacht, dass ein Doktor eine Gruppe so gut im scharfen Gefechtsschießen führen kann. Gegen das militärische "Universal-Leiden" mischte er ganz einfach die wichtigsten Medikamente zusammen um sie an den schmerzenden Stellen einzureiben. Das waren Franzbranntwein, Pfefferminzöl und Voltaren Gel. Ich gehe davon aus, dass das nicht für jeden das Richtige ist. Aber die meisten meiner Kameraden, und auch ich selber, schätzten diese Mischung sehr. Was ein Bundeswehr Apotheker von dieser Kombination halten würde, ist mir nicht bekannt. Wenn man selber in der "Schlammzone" Dienst leistet, hat man auch kaum etwas mit Apothekern zu tun. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich diese drei Medikamente seit über 15 Jahren nicht mehr vermischt habe. Meine sportlichen Aktivitäten haben sich seit dem etwas verändert und ich habe das Geheimrezept seit dem nicht mehr benötigt. Vielleicht ist es aber genau das, was grade einer meiner Leser sucht. Aber denkt bitte daran, es ist geheim, erzählt es also nicht weiter...

 

Nachtrag: Wegen einer Nachfrage will ich noch etwas zum Mischungsverhältnis sagen. Das Voltaren und der Franzbranntwein werden etwa in gleichen Teilen auf die Haut aufgetragen. Dann konnen noch ein paar Tropfen Pfefferminzöl dazu.

 

Foto links: Mein Doktor bei der Besprechung für das Gefechtsschießen.

 

 

Passt gut auf euch und die Kameraden auf und "Glück-Ab".

Der ArmyLiqShop in der Schweiz

Im ArmyLiqShop bekommt man alles mögliche, Pilotenjacken, Taschenmesser, Schränke, GFK-Boxen, Feldkabel, Schaufeln...
Im ArmyLiqShop bekommt man alles mögliche, Pilotenjacken, Taschenmesser, Schränke, GFK-Boxen, Feldkabel, Schaufeln...

Meist kaufe ich meine Ausrüstung bei den online Fachgeschäften oder bei Ebay. Sehr selten auch mal bei den örtlichen Army Shops. Bei der deutschen VEBEG kaufen fast nur Händler ein und die Endkunden bekommen die ausgemusterte Ausrüstung dann nur mit einem entsprechenden Preisaufschlag im Handel. Hast Du aber gewusst, das die ausgemusterte Ausrüstung der schweizer Armee von den "ArmyliqShops", im staatlichen Auftrag, direkt an die Bevölkerung verkauft wird? Es gibt dort naturgemäß keinen festen Bestand des Angebotes, sondern dieses wechselt regelmäßig. Alle paar Wochen werden neue Preislisten raus gegeben und dort findet man teilweise wirkliche Schnäppchen. Man bekommt z.B. alte Taschenlampen für 1 Franken und das Kochgeschirr für 5 Franken. Derzeit gibt es z.B. auch das aktuelle Taschenmesser (also das Einhandmesser) für 20 Franken. Mit derartigen Preisen kann kein normaler Army Shop mithalten. Von den Geschäften gibt es zwei, eines in St. Gallen und eines in Thun. Wenn Ihr mal in der Gegend seit, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch dort. Beachtet aber die eingeschränkten Öffnungszeiten.

Ich habe dort zwar keine Küchengeräte und auch keine Pilotenjacken mitgenommen, aber z.B. für 2 Franken eine Stofftasche für den Monitor einer Drohne. Alles was Du hier auf dem Foto links siehst, hat mich lediglich 32 Franken gekostet. Das links unten ist der "Rucksack 90", der nur in Verbindung mit dem Koppel getragen werden kann (Grundtrageeinheit "GTE")

Ihr kennt doch sicherlich diese Plastikboxen, in denen oft auch Pistolen ausgeliefert werden. Im Geschäft stand eine ganze Palette dieser Boxen, die man für 0,5 Franken / Stück mitnehmen konnte. Auf eine Box davon habe ich mein CB-Funkgerät montiert und die Powerbank unten rein gelegt. So habe ich eine kompakte und leistungsfähige Einheit, mit wesentlich weniger Kabelsalat.

Mein neuer Waffenkoffer aus dem ArmyLiqShop

Ich fand im Army Shop auch einen Kunststoffkoffer für 10 Franken. Es war früher für Observationsausrüstung der Militärpolizei vorgesehen. Daran konnte ich natürlich nicht vorbei gehen und mir kam noch im Geschäft die Idee, daraus einen neuen Pistolenkoffer zu basteln. Das Wichtigste war für mich dabei zu aller erst, dass ich den Schließmechanismus im Schloss so deaktiviere, dass ich ihn mit jedem Schraubenzieher öffnen kann. Da für den "Transport" zum Schießstand (waffenrechtlich ein Waffenschein freies "Führen") die Waffen nicht zugriffsbereit sein dürfen, reicht das hierbei aus.

Zu erst musste ich eine Achse vom Schloss aufbohren, um den Stift darin entfernen und das Schloss zerlegen zu können (rechts im Bild).
Zu erst musste ich eine Achse vom Schloss aufbohren, um den Stift darin entfernen und das Schloss zerlegen zu können (rechts im Bild).

Ich zerlegte das Schloss komplett und enfernte die goldenen Sperrelemente. Dann bohrte ich aus dem Kern die Sperren aus, die nur das Einführen eines passenden Schlüssels ermöglichen (oben links im Bild). Jetzt konnte ich jeden Schraubenzieher und auch jeden kleinen Schlüssel in den Kern einführen. Ich brauche so keinen extra Schlüssel mehr mit zum Schießstand mitzunehmen.

Eigentlich hätte ich gerne ein Fingerabdruckschloss in den Koffer eingebaut. Ich habe noch ein Fingerabdruckschloss für Schubladen rum liegen. (hat etwa 15 Euro bei Ebay gekostet). Aber der Einbau davon wäre mir viel zu aufwendig gewesen.

Im Koffer kann ich jetzt die Spiegel der Scheiben, etwas Ausrüstung, Munition und mehrere Kurzwaffen unterbringen.

Mein neuer Pistolenkoffer gefällt mir jetzt viel besser als mein vorheriger Alu Werkzeugkoffer aus dem Baumarkt.
Mein neuer Pistolenkoffer gefällt mir jetzt viel besser als mein vorheriger Alu Werkzeugkoffer aus dem Baumarkt.

Die Top 5 Fehler von Waffenschein Inhabern

Du hast deinen hart erkämpften Waffenschein endlich bekommen. Was Du für eine Pistole kaufen willst, hast Du vermutlich schon lange überlegt und entschieden. Aber das Führen von scharfen Waffen unterscheidet sich grundlegend von anderen Formen des Waffenbesitzes. 90% aller Waffenscheininhaber machen am Anfang die selben Fehler, daher kommen hier in aller Kürze meine Top 5 der falschen Entscheidungen von neuen Waffenscheininhabern. Denke vor deinen Käufen über das hier nach, ich habe nämlich schon viele Waffenscheininhaber kennen gelernt, die ihre Käufe bereut haben.

 

1: Sie kaufen eine Glock, aber alle Glock und Pistolen mit gleichem System, sind Dienstwaffen. Sie sind dafür vorgesehen in hochwertigen Holstern getragen zu werden und bei Dienstschluss wieder daraus entnommen zu werden. Private Selbstverteidigungswaffen will man aber vielleicht auch mal an die Garderobe oder ins Auto legen. Man will sie vielleicht mal in die Jackentasche stecken usw. Man will bei diesen Waffen oft überhaupt keinen sehr leicht gängigen 1. Schuss. Für die meisten Waffenscheininhaber ist eine DA/SA Pistole mit einem zusätzlichen Sicherungshebel viel sinnvoller. Das wollen viele aber nicht wahrhaben, weil sie nur wenige Waffenmodelle kennen und sie etwas "modernes" haben wollen. Und das sind halt meist Dienstpistolen, ohne Sicherungshebel und mit einem immer gleichen Abzugswiderstand. In den USA kommen genau aus diesem Grund wieder Pistolen mit Sicherungshebel in Mode (Video zu dem Thema). Es gibt einen Unterschied, zwischen Dienstpistolen und zivilen Selbstverteidungswaffen. Ich selber habe zwar auch Verteidigungspistolen ohne Sicherungshebel, aber ich trage sie fast nur unterladen.

 

2: Sie wollen unbedingt eine Waffe mit viel Feuerkraft und kaufen eine Pistole mit doppelreihigem Magazin. Das ist fast immer die eierlegende Wollmilchsau "Glock 19". Aber eine Waffe dieser Größe ist viel zu groß für das verdeckte Tragen. Sei schlau, unterdrücke diesen Drang und kaufe dir gleich eine Pistole, die Du auch in einigen Wochen noch führen kannst ohne, dass sie dich stört und ohne, dass sie von Passanten gesehen wird und Du einen extrem unangenehmen Polizeieinsatz verursacht hast. Wenn dir eine Pistole zu wenige Magazinkapazität hat, trage halt noch ein paar Ersatzmagazine bei dir.

 

3: Sie kaufen ein normales außen liegendes Gürtelholster. Diese werden dann rechts hinten getragen. Sobald man sich bückt wird die Waffe gesehen und bei einem Handgemenge kann sie einem spielend leicht von hinten entwendet werden. Eine private Kurzwaffe zur Selbstverteidigung sollte nur in Inside Holstern vorne rechts (oder rechts) getragen werden. Diese fallen nicht versehentlich raus, können kaum entrissen werden und die Gefahr, dass sie von Passanten erkannt wird ist sehr gering. Erstaunlich viele Waffenbesitzer kennen IWB Holster überhaupt nicht. (Schulterholster)

 

4. Sie wollen eine top moderne Waffe und kaufen sich eine "OR Pistole" mit Red Dot. Man benötigt in den realistischen Selbstverteidigungssituationen meist nicht mal eine Visierung (Video zu dem Thema). Warum sollte man dann also seine Pistole noch viel größer machen, für ein abgefahrenes Visier? Leuchtpunktvisiere sind im Schießsport toll, das ist keine Frage. Aber auf Verteidigungspistolen sind sie eher peinlich und zeigen, dass der Besitzer mehr Phantasie als praktische Erfahrung hat. Würdest Du eine Verteidigungspistole mit elektronischem Abzug kaufen? Nein? Ist Dir das etwa zu anfällig und unzuverlässig? Warum willst Du dann ein elektronisches Visier? Wo immer es geht vermeide ich elektronische Visierungen und versuche Zielfernrohre von Trijicon zu bekommen, mit Lichtsammler und Tritium. Elektronische Visierungen haben mich schon oft im Stich gelassen und daher will ich mein Leben nicht auf so etwas "verwetten".

 

5. Sie wollen Laservisiere an ihrer Pistole haben, jedenfalls in den Ländern wo es erlaubt ist. Um es kurz zu machen: Laservisiere machen einen Schützen langsamer und nicht schneller. Den Laserpunkt kann man tagsüber kaum erkennen und in der Dunkelheit sieht man sein Ziel nicht. An Verteidigungspistolen gehört, wenn man überhaupt bereit ist die Waffe mit Anbauten größer zu machen, eine Lampe. Waffenlampen sind das wichtigste Zubehör überhaupt (nach den Holstern).

 

Nachtrag: Mir ist noch ein viel schlimmer er Fehler wieder eingefallen, den fast alle begehen (ich auch). Sie laden teure Hohlspitzpatronen und trainieren mit billiger Vollmantel Munition. Sie wissen so überhaupt nicht, ob ihre Waffe überhaupt zuverlässig funktioniert. Die Zuverlässigkeit ist einer der wichtigsten Punkte bei einer Verteidigungswaffe. 

Alle diese Pistolen sind zur privaten Selbstverteidigung besser und sinnvoller als eine Glock.
Alle diese Pistolen sind zur privaten Selbstverteidigung besser und sinnvoller als eine Glock.

Die Kel-Tec P3AT ist in 9mm kurz und extrem klein. Sie hat einen DAO-Abzug. Genau wie der .38er Revolver benötigt sie keinen externen Sicherungshebel. Die Ultrastar und die Walther CCP haben externe Sicherungshebel, die ich für sehr sinnvoll halte. Man kann sie benutzen, wenn man es für nötig hält. Man muss es aber nicht. Zum verdeckten Tragen, wo die Mündung im Appendix-Carry immer auf den eigenen Körper zeigt, halte ich von den hier gezeigten vier Waffen die Ultrastar mit DA/SA-Abzug und extra Sicherungshebel am sinnvollsten.

 

Eine kleine Randnotiz über die modernste Entwicklung am Markt der Verteidigungspistolen:

Bei der modernen und fast überall gelehrten Pistolenhaltung, mit beiden Daumen hintereinander links an der Waffe, wird in vielen Fällen der Verschlussfang blockiert. Bei meinen eigenen Verteidigungspistolen (H&K SFP9-SK und Walther PPS) bleibt aus diesem Grund der Verschluss in etwa 70% der leer geschossenen Magazine nicht offen. Das geht nicht nur mir so, sondern auch vielen anderen Waffenbesitzern und Dienstwaffenträgern. Die Beschaffer von ein paar Behörden versuchen hierbei inzwischen nachzubessern. Die neue russische Armeepistole Udav und die CZ P-10 M haben genau aus diesem Grund keinen außen liegenden Verschlussfanghebel mehr. Auch eine deutsche Spezialeinheit hat neulich H&K SFP9 Pistolen beschafft, bei denen der Verschlussfanghebel auf der linken Seite entfernt wurde (viele Grüße an dieser Stelle an die wenigen Beamten von denen ich hier spreche).

 


Die Geschichte der Woche: Der KOD-Mitarbeiter

Als ich diese Woche die Kinder zur Schule gebracht habe, gingen wir durch eine kleine Straße. Dort stand ein Mitarbeiter vom Kommunalen Ordnungsdienst und rauchte. Er wollte offenbar eine kleine Pause machen und dabei nicht von jedem gesehen werden. Es war früher morgen, es war etwas Nebel und niemand war schon richtig wach. 10 Meter weiter stand ein Auto im Parkverbot. Genau als wir vorbei gelaufen sind, kam der Falschparker zurück, öffnete seine Fahrertüre und sagte dem KOD Mitarbeiter "Guten Morgen". Dieser antwortete "Andere Kollegen von mir hätten sie aufgeschrieben". Dann gingen alle wortlos weiter.

 

Ich gehe weiter und denke: Ist das ein Depp.

Der Falschparker fährt Heim und denkt: Ist das ein Depp.

Der KOD Mitarbeiter geht weiter und denkt: ---- (das ist mir wirklich ein Rätsel)

 

Mit diesen wenigen Worten war er unfreundlich und er hat zusätzlich die Autorität seiner Kollegen untergraben. Ein Gespräch beginnt man mit einer Begrüßung. Wenn man das vernachlässigt ist man automatisch in einer schlechteren Lage. Man sollte doch eigentlich erwarten, dass Uniformträger sich nicht nur in ihrem Äußeren aneinander anpassen, sondern auch in ihrem nach Außen vertretenen Verhalten. Durch den Verweis auf die Meinung Anderer zeigte er, dass er selber wenig Mut und Entschlusskraft besitzt. Dieses Verhalten kann man auch regelmäßig in Schützenvereinen beobachten, wenn die Aufsicht sagt "Ich will ja nichts sagen, aber wenn der Vorstand das sieht....".

 

Was können wir aus der kleinen Geschichte lernen? Wenn Du selber für die Einhaltung von Regeln verantwortlich bist, verweise niemals auf Andere, sondern vertrete deine eigene Meinung. Sonst wird man dich nicht respektieren.


Mein neuer Plate-Carrier - billig und nichts Besonderes

Einen Mil-Tec Plate Carrier bekommt man für etwa 60 Euro. Das links ist mein alter und rechts mein neuer Plattenträger.
Einen Mil-Tec Plate Carrier bekommt man für etwa 60 Euro. Das links ist mein alter und rechts mein neuer Plattenträger.

Ich habe ja schon ein Bisschen was über Plate Carrier geschrieben. Für viele Verwendungen halte ich sie für wenig geeignet. Ich selber trage sie fast nie, weil einfache Klasse 1 Kevlarwesten meist wesentlich sinnvoller sind. Beachtet bei dieser Gelegenheit bitte auch meine Berichte über Stichschutz, über Schnittschutzkleidung Einsatzhandschuhe und ballistische Helme.

Da mein alter Plattenträger von Mil-Tec wirklich schlecht und unbequem war, habe ich ihn zum Basteln verwendet und meinen Helikon Tex Downtown Rucksack damit aufgerüstet. Da ich Keramikplatten besitze und doch auch für Notfälle einen Plattenträger haben will, machte ich mich auf die Suche. Kurzzeitig hatte ich überlegt Geld für was richtig Tolles auszugeben, aber dann fand ich den oben rechts im Bild. Er war leicht gebraucht und kostete mich 20 Euro.

Viel zu erzählen gibt es über dieses neue Modell der günstigen Marke Mil-Tec eigentlich nicht. Er hat die üblichen Funktionen. Lästig ist für mich nur, dass er den Klettverschluss auf der Vorderseite hat. Mich nervt es schon, wenn ich zum Anlegen immer die halbe Vorderseite vom Klett weg ziehen und anheben muss. Aber er funktioniert und trägt sich erheblich angenehmer, als das Vorgängermodell. Ich habe ihn derzeit, mit leichten Klasse 1 Kevlarplatten bestückt, im Kofferraum meiner taktischen Familienkutsche liegen.

Warum schreibe ich hier dann überhaupt etwas, wenn ich Ihn Euch gar nicht im Detail vorstellen will? Ich will Euch hier sagen, was ich mir kaufen würde, wenn ich Geld übrig hätte. Und wäre ich nicht zufällig über das Angebot für 20 Euro gestoßen, hätte ich vielleicht ein paar Hunderter in die Hand genommen. Es ist der Agilite K19 Platenträger, zusammen mit dem AMAP III Assault Pack. Der K19 ist ein Plattenträger, wie es sie von vielen Firmen gibt. Aber er ist sehr hochwertig und stabil. Und zweifellos haben die Designer sehr viel praktische Erfahrung im Einsatz. Wirklich interessant wird der Plate Carrier aber zusammen mit dem Assault Pack. Das ist ein kleiner Rucksack, den man auch ohne Schultergurte an dem Plattenträger befestigen kann. Ich selber bin derzeit sehr froh über meinen unauffälligen Downtown Rucksack. Aber wenn ich mir jetzt einen neuen Rucksack kaufen würde, der außen "taktisch" aussieht, wäre es ziemlich sicher der AMAP III. Denn jeder der wirklich schon Einsätze bestritten hat weiß, wie lästig es ist Rucksackgurte zusätzlich über eine Schutzweste zu ziehen.

 

Tipp: Befestige dir einen kleinen Karabiner und einen großen aus Kunststoff am Plattenträger. So kann man schnell und einfach Dinge daran befestigen (z.B. Autoschlüssel, Handschuhe, IFAK usw.).

Tipp: Ein zusätzliches Holster am Plattenträger ermöglicht, je nach den eigenen Arbeitsumständen, eine Pistole zu tragen wenn man keinen Einsatzgürtel trägt. Z.B. wenn man ihn im Zivileinsatz schnell überwirft, oder aus einer Observation raus einen Zugriff macht. Oder auch für die Heimverteidigung, kann man so alles mir einem Griff verfügbar am Körper haben. Je nach Waffe, Ladezustand und Auftrag, ist es sogar möglich die Pistole einfach in eine AR-15 Magazintasche zu stecken.

Tipp: Pack dir die Magazintaschen nicht voll, sondern nutze deren Platz für sinnvolleres. Meist werden die vielen Ersatzmagazine für ein Gewehr überhaupt nicht notwendig sein, andere Ausrüstung aber schon.

 

Und weil es auf meinem Blog keine Werbung gibt, kann ich ihn Euch nicht selber zeigen und vorstellen, sondern nur davon erzählen. Schließlich interessiert ja auch einige Leser, was für Ausrüstung ich empfehle und das sind genau diese Produkte. Unten habe ich die Herstellervideos verlinkt.

Foto links: Beamter der israelischen Grenzpolizei ("Magav"). Sie verwenden sehr viele derartige Assault Packs an ihren Plate Carriern. Ob es wirklich die von Agilite sind, konnte ich leider noch nicht raus finden, ich gehe aber davon aus.

 

Quelle: https://www.jpost.com/israel-news/shocking-video-shows-border-police-beating-palestinians-638888


Das Mysterium des Norinco NP22 Stahlstifts

Wie ich schon mal erzählt habe, wuchs ich mit der Sig Sauer 226 auf. Diese Pistolen sind sehr hochwertig und zuverlässig, aber auch teuer. Vor einer Weile konnte ich eine gebrauchte Norinco NP22 Kopie der 226 für 100 Euro erwerben. Wenn man als Blogger kein Geld durch Werbung verdient und man sich keine Sig Sauer, nur so zum Spaß, leisten kann, kommt einem so eine Norinco natürlich gelegen. Ich hatte nicht viel von der Pistole erwartet. Daher war ich um so mehr erfreut, als sie sich dann als wesentlich besser erwiesen hat, wie man allgemein denkt. Meine NP22 hatte bisher noch nie eine Störung und schießt sich einwandfrei. Am beeindruckendsten war für mich aber, dass sie sich genau so anfühlt, wie eine echte Sig Sauer. Beim blinden Handhaben könnte ich nicht feststellen, welche Pistole die Sig Sauer und welche die Norinco ist. Und genau das schafft sonst kaum eine Kopie. Die Qualität und Langlebigkeit der verwendeten Materialien kann ich leider nicht beurteilen.

Ich bin also ziemlich begeistert, was für Qualität man für so wenig Geld bekommt. Ich würde sie bedenkenlos als Fangschusswaffe, oder zum sportlichen Schießen, verwenden. Zur Selbstverteidigung sind es prinzipielle Überlegungen, warum ich nicht unbedingt eine Pistole aus chinesischer Billigproduktion verwenden würde. Aber wenn man ein zuverlässiges Exemplar gefunden hat, spricht eigentlich nicht mal etwas dagegen. Das Problem derartiger Waffen ist nämlich, dass die Fertigungsqualität meist ziemlichen Schwankungen unterliegt. Wenn man sich die NP22 neu im Handel kauft kostet sie etwa 400 - 500 Euro. Das Einzige was mir an meiner NP22 nicht gefällt ist die Verarbeitung und Qualität der Magazine.

Jeder Norinco NP22 und NP34 Pistole liegt ein Univsersal Werkzeug, ein Stahl Stift und ein paar Ersatzfedern bei. Aber für was sind sie überhaupt vorgesehen?
Jeder Norinco NP22 und NP34 Pistole liegt ein Univsersal Werkzeug, ein Stahl Stift und ein paar Ersatzfedern bei. Aber für was sind sie überhaupt vorgesehen?

Ich wollte aber gar keine ausführliche Vorstellung der NP22 hier machen. Davon gibt es im Internet wirklich schon viele. Mich beschäftigte die letzten Tage aber eine fast schon unbedeutende Frage, für was ist der spitze Stahlstift, der im Waffenkoffer unter dem Reinigungsstab liegt? Ich schaute auf Youtube unzählige Produktvorstellungen über die NP22 und nirgends wurde es zur Sprache gebracht.

Auch in der Anleitung ist der Stahlstift nicht erwähnt. Diese blöde Frage ließ mich über Wochen nicht los. Und heute beschloss ich aus Langeweile, meine NP22 zu zerlegen. Hierbei lernt man schließlich meist viel über Waffentechnik. Diese beiden Videos HIER und HIER machten das alles releativ einfach. Nach etwa 1,5h Stunde war die Pistole zerlegt, gereinigt und wieder zusammen gesetzt.

Die technischen Unterschiede zur echten 226 sind sehr gering und kaum der Rede wert. Und erst beim Zerlegen fiel mir auf, wie hilfreich der Stahlstift und der Reinigungsstab waren. Sie haben die genau richtigen Maße um alles Mögliche an der Pistole zu machen. Ich verstand erst dabei, dass man außer diesen beiden Teilen kein weiteres Werkzeug braucht um die NP22 komplett zu zerlegen.

Zweifellos taugt der Reinigungsstab nicht wirklich dafür, die Pistole auch anständig zu reinigen. Er ist ein universal Werkzeug und ein Schraubenzieher. Man kann damit die Griffschalen abschrauben, die Achse vom Abzug beim Einbauen richtig ausrichten usw. Und mit dem Stahlstift kann man alles andere machen. Z.B. Federn aushängen oder ihn als Austreibstift für die Querbolzen verwenden. Auch beim Einbau der vielen Teile im Bereich vom Hahn (Auslösehebel, Fangklinge usw.) ist er sehr hilfreich.

 

Bereits bei meinem Bericht über das Sammeln von Waffenreinigungsgeräten habe ich z.B. das der AK47 erwähnt, das genau so genial entworfen war, wie die Waffe selber. Und auch diese beiden einfachen Teile sind wirklich durchdacht und sinnvoll. Wenn der Pistole dann noch eine Reinigungsbürste beiliegen würde, die man in den Stab einhängen kann, wäre es aber natürlich noch besser gewesen.

Lediglich den Verschlussblock konnte ich damit nicht aus dem Verschluss entfernen. Der Block oben rechts auf dem Foto ist übrigens der Verriegelungsblock aus dem Griffstück.

Eine kleine Waffenrechtliche Randbemerkung muss ich auch zur NP22 los werden. Da Verschluss und Verschlussblock zwei Teile sind, ist ein einzelner Verschluss, ohne diesen Block, frei verkäuflich (links im Bild). Im Leitfaden über wesentliche Teile von Waffen vom BKA, könnt Ihr das auf Seite 21 nachlesen.