Bin ich ein Profi? Was macht einen Profi aus?

Motto einer schweizer Festungsanlage am Bodensee.
Motto einer schweizer Festungsanlage am Bodensee.

Vor vielen Jahren hörte ich einen Ruf durch mein Kompaniegebäude mit meinem Namen. Ich sollte zum Spieß und dieser meinte, dass ihm gesagt wurde, dass ich Schlösser aufmachen kann. Er brauchte dringend Akten aus seinem Stahlschrank und hatte den Schlüssel Zuhause vergessen. Er meinte, dass er einen Hammer und einen großen Schraubenzieher hat. Und ich antwortete "Spieß, wir sind doch Profis. Ich mach das auch ohne Beschädigungen". Ich zog meine Lock-Picks aus der Tasche und machte seinen Schrank in 10 min auf. 

Ich hatte also bereits damals das Selbstverständnis und den Anspruch an mich als einen "Profi". Ich habe mir aber keine Gedanken darum gemacht was einen Profi ausmacht oder was man darunter versteht. Ob ich auch wirklich einer bin kann ich nicht sagen, das können nur Andere!

Dazu fallen mir immer wieder die vielen ehemaligen Soldaten ein. Sie erzählen von ihrer "Zeit beim Bund" und reden vom "rumpimmeln" und davon, dass alles was sie dort gemacht haben schlecht war. Diese Leute sind für mich eben genau das Gegenteil eines Profis. Auch ich wurde zuerst zu einer Stammeinheit kommandiert die mittelmäßig war. Der Anteil der Wehrpflichtigen war hoch und die Moral der Truppe war nicht sonderlich gut. Das Ausbildungsniveau war sogar ziemlich schlecht. Daher ließ ich mich sehr bald in die Fallschirmjägertruppe versetzen. Und genau das macht den Unterscheid, was man selber draus macht: Ich war nicht beim "Bund", sondern "Ich war Soldat"!

 

Heute denke ich dazu, dass einen Profi folgendes ausmacht:

-Leistungswille

-Kritikfähigkeit

-Fortbildungswille

-Bewusstsein über Hintergründe

-Informiert sein über die Tagespolitik

-Körper- und Gesundheitsbewusstsein

-Diskretion und Bescheidenheit

 

 

Es ist unmöglich sich selber Profi zu nennen wenn man nicht eigene Fachgebiete hat aufgrund dessen man regelmäßig um Hilfe gebeten wird. Man muss immer bestrebt sein besser zu werden und man muss verstehen, dass man noch viel lernen kann.

 

Natürlich rennt man in einem gewissen Alter nicht mehr allen Informationen und Fortbildungen dermaßen hinterher wie mit 20. Aber sein aufgebautes Grundwissen in vielen Bereichen sollte man aktiv halten und pflegen. Man sollte auch nach dem Motto des lebenslangen Lernens leben.

 

Dazu kommt erneut das Motto meines Großvaters: Mehr Sein als Schein.

 

Nachtrag Nov. 2017: Ich habe vor vielen Jahren eine mehrmonatige Fortbildung besucht die ein sehr erfahrener Ausbilder leitete. Er brachte uns die Dinge bei die man sonst kaum irgendwo erklärt bekommt. Es fing mit solchen Kleinigkeiten an, dass man mit dem Essen von Fisch und dem folgenden Geruch auffällt bis dahin, dass man überall wo man sich mehrere Tage aufhält die örtliche Tageszeitung ließt. Das beherzige ich bis heute. Wenn man weiß, dass der örtliche Musikverein eine neue Unterkunft bekommt (so langweilig man selber diese Info auch findet) kann man sehr leicht mit anderen Personen ins Gespräch kommen. Auch der Wikipedia Artikel über eine Stadt gibt einem schnell die wichtigsten Infos. Man hat so etwas zu erzählen was weit über das Wetter hinaus geht und man muss weniger über sich selber erzählen. Und genau das ist meist das Ziel.

Ein Buch für echte Profis
Ein Buch für echte Profis

Nachtrag vom Aug. 2017:

 

Ein weiterer Punkt der einen echten Profi ausmacht ist der Datenschutz im beruflichen und privaten Umfeld. Wenn ich nur daran denke wie viele Menschen wichtige Unterlagen mit sensibelen Daten sichtbar im Auto liegen lassen...

Werft eure Briefe und Unterlagen nicht einfach in den Müll! Kauft euch einen Schredder. Und wenn ihr nur eine simple Schreddrschere für 10,- kauft, damit ist schon viel gewonnen. Die meisten persönlichen Unterlagen sammele ich in einem extra Karton und verbrenne sie bei Gelegenheit. Es gab mal eine richtig gute TV Serie (ich glaube bei Sat 1) wo Betrugsmaschen vorgeführt wurden. Diese haben viel nur mit den persönlichen Daten aus dem Altpapier angefangen. Das Eröffnen von Konten und ähnliches war für sie nur eine Kleinigkeit.

 

Und bitte lasst euch bei der Zulassungstelle keine personalisierten Kennzeichen geben. Jeder Privatdetektiv schaut darauf als erstes. Und wenn ihr in Verbindung mit eurem Auto in einen Konflikt geratet gibt es nicht Besserers, als ein schwer abzulesendes Kennzeichen das keine Rückschlüsse auf eure Person zulässt.

Personalisierte Kennzeichen haben bei mir etwa 90% der Autobesitzer. Sie sind ein unfassbarer Leichtsinn hinsichtlich dem persönlichen Datenschutz (Die Daten auf dem Foto sind natürlich frei erfunden).
Personalisierte Kennzeichen haben bei mir etwa 90% der Autobesitzer. Sie sind ein unfassbarer Leichtsinn hinsichtlich dem persönlichen Datenschutz (Die Daten auf dem Foto sind natürlich frei erfunden).

Wenn jemand an den Besitzer / Halter eines Autokennzeichens kommen will denkt er immer zurst an die Daten der Zulassungstelle (Kraftfahrtbundesamt). Aber es gibt einen viel einfacheren Weg! Fast niemand entfernt die Kennzeichenhalter seines Autohauses. Auf diesen Kennzeichenhaltern steht wo das Auto gekauft wurde. Und die Mitarbeiter vom Autohaus können an ihren Computern fast immer die Daten vom Halter raus bekommen!

 

Der nächste Punkt der mir am Herzen liegt bezieht sich auf die Datenbank des Einwohnermeldeamtes. Auch viele Polizisten und Verwaltungsbeamte wissen nicht, dass jeder Bürger aus dieser Datenbankt eine Auskunft verlangen kann. Stellt euch mal vor ihr beobachtet eine Straftat und werdet in den Ermittlungsakten als Zeugen geführt. Der Anwalt des Beschuldigten bekommt auf diesem Weg eure Personalien! Also gebt, soweit das in Absprache mit dem Sachbearbeiter der Polizei möglich ist, einen Zweitwohnsitz, Arbeitsplatz oder eine Kontaktadresse bei euren Zeugenpersonalien an. Jedenfalls wenn es sich um eine Straftat mit Konfliktpotential handelt. Und als nächsten Schritt könnt ihr beim Einwohnermeldeamt die Sperrung eurer Daten zur "Abwendung einer Gefahr für Leib und Leben" beantragen. Diese Sperrungen werden je nach Gemeinde unterschiedlich gehandhabt, der Antrag muss aber immer begründet werden. Ein Tipp dazu: Erklärt nicht nur, dass ihr aufgrund eurer Arbeit allgemein gefährdet seid, sondern legt immer zusätzlich Einzelfälle dar in denen euch gedroht wurde oder Ähnliches!

 

Der Personalausweis:

Ihr werdet oft in die Situation kommen, dass Ihr eine Kopie / Scan von eurem Ausweis verschicken müsst. Also z.B. wenn Ihr etwas im Internet bestellt das erst ab 18 Jahren verkauft wird oder Ihr euch irgendwo registriert. Bedenkt hierbei, dass Ihr eurer Foto und eure Unterschrift weitergebt, obwohl dies idR. gar nicht erforderlich ist. Ihr könnt meist einfach euer Foto und die Unterschrift abdecken bevor ihr den Ausweis kopiert.

Der Tactical-Dad bei der Arbeit
Der Tactical-Dad bei der Arbeit

Stay Grey - Unauffällig leben als taktische Option im urbanen Umfeld

Nachtrag vom Okt. 2017:

In der Tactical-Gear war ein Bericht "Gray Men". Darin ging es darum wie und warum man sich unauffällig in der Öffentlichkeit bewegen soll. Das hat mich daran erinnert wie ich mich früher selber gekleidet und verhalten habe. Es war als Detektiv ein Teil meiner Lebenseinstellung.

Mein Motto war "Stay Grey". Als Soldat hatte ich ein Selbstverständnis um überall offensiv aufzutreten. Ich kleidete mich auffällig, wenn ich eine Örtlichkeit betrat schaute ich jeden an und ich wurde von Anderen deutlich wargenommen.

 

An meinem ersten Tag in der Detektei wurde ich von einem älteren Türken angelernt. Er hatte für viele unvorstellbare Fähigkeiten im Vorhersagen menschlicher Verhaltensweisen.  Er schaute mich an und sagte gleich "Du warst Soldat, oder"? Es war für mich schnell klar, dass ich an meinem Äußeren etwas ändern musste. Ich merkte, dass ich je nach Kleidung anders wargenommen wurde. Wenn ich z.B. schwarze Kleidungsstücke trug reagierten die Leute auf mich. Wenn ich aber statt dessen eine beige Hose und ein graues Shirt trug reagierte auf einmal niemand mehr auf mich. Der zweite wichtige Grundsatz bei der Kleidung war das Bilden von Kontrasten. Also dass man eine anders farbene Hose wie das Oberteil trägt. Jeansjacken waren mir hierbei sehr hilfreich. Ich hatte ein unauffälliges Auto ohne Mängel, eine schwarze Aktentasche von Aldi und ich trug keinerlei Tactical-Accessoires. Ich verschwand in der Menge und konnte alles beobachten ohne das jemand Notiz von mir nahm. Im Laufe der Zeit entwickelte ich zwei Fähigkeiten die mich sehr faszinierten. Ich konnte mich an jede Person bis auf wenige cm anschleichen ohne, dass diese mich bemerkte. Und ich konnte vorhersagen wann sich jemand umdreht um sich nach Verfolgern umzuschauen, bis heute ist mir rätselhaft woher ich das immer wusste.

Weitere Grundsätze waren, dass man niemals jemandem in die Augen schaut und sich immer auf 4 oder 8 Uhr von der Zielperson befindet. So wird man nicht gesehen wenn sich die Zielperson nach Verfolgern umschaut.

 

Mittlerweile habe ich diese Lebensweise jedoch geändert. Ich benötige es nicht mehr völlig unsichbar zu werden und trage wieder mitten in der Stadt grüne Cargohosen und taktische Rucksäcke. Ich kann es aber jedem nur ans Herz legen es ein mal auszuprobieren sich ebenfalls unauffällig zu bewegen. Es erweitert den eigenen Horizont und hilft einem ein taktischen Ziel zu erfüllen.

 

Ein Auftraggeber sieht auf diesem Weg auch den Unterschied zwischen Angebern und Profis.

 

 

-- Mehr Sein als Schein --

 

-HIER findet ihr etwas über mein EDC

-HIER etwas über das Tragen von Schusswaffen

-HIER erzähle ich euch ein paar meiner Erlebnisse außer Dienst - Off Duty -

 

Profis im Sicherheitsdienst erkennt man schnell daran, ob sie mit ihren Fesseln umgehen können. Sehr viel über Fesseln erzähle ich HIER.

Der Türke:

 

Da war dieser Türke in meiner Detektei. Er hatte sich ein Lebensmittelgeschäft mit mehreren Filialen aufgebaut das von seiner Familie betrieben wurde. Es war quasi ein offenes Geheimnis zwischen uns, dass er in einem früheren Leben für einen Nachrichtendienst gearbeitet hatte. Ich stellte ihm keine blöden Fragen über seine Vergangenheit und das wusste er zu schätzen. Dafür hörte ich ihm gut zu. Er hätte es nicht nötig gehabt zu arbeiten, vor allem nicht als Detektiv. Aber er wollte eine Beschäftigung die ihn fordert. An ihm war so faszinierend, dass er aus allem was die Menschen um uns herum taten schlau wurde. Er wusste immer warum jemand um uns herum so handelte oder auch was er als nächstes tun würde. Er hatte mit Sicherheit sehr viel Zeit in seinem Leben mit dem Beobachten von Menschen verbracht.

Auf politische Aufkleber sollte man immer einen Blick werfen, dann kann man sich selber ein Lagebild erstellen.

Der Iraner:

 

Er war gerade mal 19 Jahre alt als ich ihn kennen lernte. Er war ein echtes Kind der Reeperbahn und wir arbeiteten dort einige Wochen zusammen für einen Sicherheitsdienst. Er war schlau und konnte sich seiner Umgebung anpassen. Er konnte Reden wie es von einem Kietz-Türsteher (was er schließlich auch war) erwartet wurde. Aber wenn er mit wichtigen Personen sprach redete er "bürgerlich". Er hatte seit seiner frühen Jugend sehr viel Kampfsport betrieben und hatte wirklich was drauf. Für mich passte er nicht zu den vielen Anderen (teilweise etwas dummen) Kollegen von uns. In einer der vielen Nächte die wir uns um die Ohren zu schlagen hatten fragte ich ihn nach Verletzungen der Vergangenheit. Er wollte mir erst nicht antworten. Erst nach einigen Tagen öffnete er seine Ärmel und zeigte mir sehr viele Narben, er ist bereits 3 Mal mit Messern angegriffen und verletzt worden. Noch als wir zusammen Arbeiteten ist er auch dem Chef einer "professionellen" Sicherheitsfirma aufgefallen und bekam erst eine Ausbildung bezahlt und anschließend einen Job im Personenschutz.

Politische Hintergründe sollte man kennen...

James Bond:

 

Ich war in einer zivilen Fallschirmsprungschule im Ausland. Unser kleiner Kurs war sehr interessant gemischt. Fast alle waren Soldaten denen dienstlich das Springen in diesem Moment nicht zugänglich war und die aber dennoch eine Herrausforderung suchten.

Da war dieser Offizier, ich habe selten einen Menschen kennen gelernt der dermaßen gebildet war. Er war adelig und drückte sich sehr gewählt aus. Er konnte alles, Klavierspielen, Schießen, unzählige Sprachen...und nun auch Fallschirmspringen. Ich fragte mich bereits damals für welche Organisation er wirklich arbeitete....

Damals war er so ziemlich der beste Soldat den ich kannte. Später lernte ich jedoch noch Soldaten und Söldner von einem ganz anderen Kaliber kennen! (Diese möchten hier aber nicht erwähnt werden, denn echte Profis kennzeichnet das meist Schweigen)

 

Ohne Wissen um die Erste-Hilfe kann man sich niemals Profi nennen!

Der Schlapphut:

 

Er war Staatsschützer und ich begegnete ihm öfter bei Demos. Aber erst bei einer Bestimmten fiel er mir als ein besonderer Kollege auf, denn er hatte frei und nur ein Kollege und ich waren in Uniform eingeteilt um die Kundgebung zu begleiten. Er sprach nicht zuerst uns an, sonder begrüßte zuerst die Funktionäre der beteiligten Volksgruppen. Er nannte dies "Kontakte Knüpfen". Er kannte nicht nur alle Funktionäre, sondern auch die geschichtlichen und poltischen Hintergründe dieser ganzen Volksgruppen. Es gab vermutlich keinen Schlapphut der mehr Informaten in der Stadt hatte als er. Natürlich hat dieser Kollege kein Privatleben gehabt, sondern lebte nur für die Arbeit. Aber unsere Gesellschaft ist auf solche Beamten angewiesen, die keinen Dienst nach Vorschrift machen, sondern ihre Berufung gefunden haben. In Deutschland werden von ausländischen Gruppen aller Art gefährliche Personen an die Sicherheitsbehörden gemeldet. Ich bin überzeugt, dass dies in Deutschland viel öfter passiert als bei unseren EU Nachbarn und durch dieses Vertrauen in unsere staatlichen Organisationen auch einige Anschläge verhindert werden konnten. 

Wer sich fragt was so ein Plakat bedeutet kann den Text einfach in Google eingeben. Und schon weiß man etwas was sich sonst kaum einem erschließt ;-)

 

Wenn Du so einen Aufkleber in deiner Stadt findest willst Du doch über die Hintergründe informiert sein. 

Der Freund:

 

Er will hier nicht erwähnt werden, dennoch Danke für Alles ;-)

 

 

Der Kamerad neben mit hatte einen Rippenbruch als dieses Foto von uns aufgenommen wurde und hatte Sprungverbot. Er sprang dennoch! Bereits sein Großvater war Fallschirmjäger...
Der Kamerad neben mit hatte einen Rippenbruch als dieses Foto von uns aufgenommen wurde und hatte Sprungverbot. Er sprang dennoch! Bereits sein Großvater war Fallschirmjäger...