Nato-Rolle und Alarm-Stuhl

Die Nato-Rolle und der Alarm-Stuhl haben weder etwas mit Gymnastik noch etwas mit Fäkalien zu tun. Die Nato-Rolle ist eine Taktik zum Packen vom Kampfrucksack. Es wird dafür ein kompletter Satz Wechselwäsche (Socken, Unterhose, Hose, T-Shirt, Feldhose und Feldbluse) sauber mit einem Handtuch übereinander gelegt.

Alles wird dann fest zusammen gerollt und mit einem Riemen gesichert. Zum Schluss kommt eine Plastiktüte darum. Auf diese Weise kann man das Wichtigste kompakt und wasserdicht verpacken.

Der Nato-Stuhl ist eine vorgegebene Taktik, damit die Einsatzkräfte so schnell wie möglich aus dem Schlaf raus einsatzbereit sind. Jeder Soldat stellt dafür einen Stuhl neben sein Bett. Daneben kommen die Kampfstiefel mit Socken. Auf der Sitzfläche liegt die gefüllte Hose. Auf die Lehne kommt erst die Kampfmittelweste, dann die Jacke, die Feldbluse und zum Schluss das T-Shirt. Es können im Notfall wichtige Sekunden sein, die man damit spart. Ich selber verwende diese beiden einfachen Taktiken bis heute und erzähle euch davon, weil ich von ihrem Nutzen überzeugt bin. Und weil ich immer wieder merke, dass nur noch wenige junge Männer diese Dinge beigebracht bekommen.

Ein Tipp zum Schluss: In derart hierarchisch strukturierten Organisationen wie dem Militär darf man niemals unbeschäftigt aussehen. Wenn man wirklich nichts zu tun hat, sollte man sich hierfür unsichtbar machen ("verpissen" genannt). Solltet Ihr euch an eurem Arbeitsplatz also von A nach B bewegen, geht dabei immer mit einem schnellen Schritt und haltet etwas in der Hand (z.B. einen Aktenordner). Die Gefahr, dass Vorgesetzte euch einen ungeliebten Auftrag geben ist so erheblich vermindert. Ich benutze diese Taktik bis heute. Wenn der Aktenordner dazu noch leer ist oder sogar Sexhefte enthält, fühlt man sich gegenüber "dem System" durchaus etwas überlegen  ;-)

Zwei Wehrpflichtige in meiner Einheit waren für einen bestimmten Bereich selbst verantwortlich. Oft schlief einer von beiden tagsüber in einem Schrank (das haben sie wirklich gemacht). Der Zweite war dann aber immer wach, falls Vorgesetzte kamen. Sollte er nach dem zweiten Fragen, war dieser dann angeblich etwas holen und konnte dann geweckt werden. Ihre regelmäßigen Mittagsschläfchen sind daher über Monate nicht aufgefallen. 

 

 

Tipp: Den Feuerkampf gewinnt, wer schneller schießt und besser trifft.

Verhalten am Luftfahrzeug für Soldaten

Die Zeiten ändern sich, meine Transall fliegt nicht mehr. Sie war nicht nur ein gutes, sondern sogar ein hervorragendes, Flugzeug. Jetzt muss die A400M zeigen, ob sie auch eine 50 jährige Dienstzeit schafft (schaffen muss).
Die Zeiten ändern sich, meine Transall fliegt nicht mehr. Sie war nicht nur ein gutes, sondern sogar ein hervorragendes, Flugzeug. Jetzt muss die A400M zeigen, ob sie auch eine 50 jährige Dienstzeit schafft (schaffen muss).

Als ich etwa 14 Jahre alt war verletzte sich ein Freund die Wirbelsäule auf einem Berg. Wenig später kam ein Rettungshubschrauber über den gegenüberliegenden Gipfel zu uns geflogen. Ich stand auf einer Gabelung eines Wanderweges, damit mich der Pilot sehen konnte und zeigte in die Richtung meines Freundes. Dieser befand sich etwa 100 Meter weiter. Ich hatte in irgend welchen Überlebensbüchern, oder auf meinem "Maco-Polo" Überlebensmesser, Boden-Luft Signale gesehen und meinte, dass ich etwas entsprechendes dem Piloten zeigen muss. Der Hubschrauber schwebte dicht an mich heran und der Pilot gestikulierte, also zeigte ich noch deutlich in die Richtung... Irgendwann zeigte er mir einen Vogel und flog einige Meter weiter um zu landen. Erst einige Jahre später habe ich verstanden, was damals wirklich passiert ist. Der Pilot wollte genau auf der Weggabelung landen und mir zeigen, dass ich Platz machen soll. Da ich das nicht verstand, musste er sich einen anderen Platz suchen. Das war nicht so einfach, wir waren schließlich in den Bergen, wo flache Stellen knapp sind. Was habe ich aus meinem Fehler gelernt: Der Pilot braucht einen in der Regel nicht und man sollte lieber darauf achten, nicht im Weg zu stehen!

Einige Jahre später arbeitete ich täglich mit Luftfahrzeugen. Die wichtigste Regel hierbei ist: Ein Flugzeug hat keine Rückspiegel! Das hört sich logisch an, ist aber eine lebenswichtige Tatsache, wenn man sich rund um militärische Flugzeuge im Einsatz bewegt. Man darf sich daher einem Flugzeug nur nähern, wenn man Blickkontakt zur Besatzung aufgenommen hat und sich im Sichtbereich der Piloten befindet. Eine Ausnahme davon sind nur Luftfahrzeuge mit einer Heckrampe. Aber auch an diese darf man sich erst auf ein Zeichen eines Bordmechanikers annähern.

 

Wenn für dich Einsätze mit Hubschraubern anstehend gibt es ganz einfache Ausrüstungsgegenstände, für die man oft selber sorgen muss. Wenn man am Landeplatz arbeitet oder als Einweiser, benötigt man unbedingt eine Staubschutzbrille. Ohne so eine Schutzbrille kann man seine Arbeit im Rotor Abwind nicht machen. Hilfreich ist gelegentlich auch ein fest gebundenes Shemag, mit dem man sein Gesicht vor dem Staub schützt. Wenn man mehr als einen Einsatz mit oder an einem Luftfahrzeug verbringt, benötigt man einen Gehörschutz.

Foto: Der Arzttrupp macht sich fertig für die Luftverladung im CH-53G. Die CH-53 ist seit etwa 50 Jahren ein sehr zuverlässiges Arbeitstier der Luftlandeverbände. Gefertigt wurden diese Hubschrauber übrigens in Deutschland.

 

Auf diesem Foto könnt Ihr zwei sehr wichtige Dinge sehen. 

1: In der Nähe von Flugzeugen trägt man auch als Soldat keine Kopfbedeckung (außer einem Helm natürlich).

2. Man fährt mit einem Fahrzeug niemals unter Tragflächen oder Rotorblätter. Das mag sich vielleicht einfach anhören, aber im täglichen Flugbetrieb machen das viele Soldaten falsch.

Auf diesem Foto seht Ihr mich, als ich noch einige Jahre jünger war und noch volle Haare auf dem Kopf hatte. Das Foto hat ein Kamerad im Laderaum der CH-53 gemacht und im Hintergrund ist der Wolf vom Arzttrupp verzurrt. In der Richtung, in die ich schaue, gibt es ein sehr großes Schild, über der Heckrampe. Auf dem Schild steht "Links abbiegen". Sollte der Hubschrauber an einem Hang landen müssen, kommt man dem Heckrotor beim Absitzen gefährlich nahe. Und da der Heckrotor auf der linken Seite (in Flugrichtung) der CH-53 montiert ist, muss man das Luftfahrzeug in die andere Richtung verlassen. Im Alltag sorgt der Bordmechaniker dafür, dass keiner auf die Idee kommt in den Heckrotor zu rennen. Aber jeder Fallschirmjäger weiß um diese Gefahr, falls der Bordmechaniker mal nicht da steht. Als bei einer Übung ein junger Leutnant im Laderaum gerufen hat: "Nach der Landung geht meine Reihe rechts raus und die andere Reihe links raus", schallte im vom ganzen Zug ein "Nein" entgegen.

Im Hubschrauber befindet sich oben der Rotor und unten meist der Tank. In welche Richtung hälst Du dein Gewehr?
Im Hubschrauber befindet sich oben der Rotor und unten meist der Tank. In welche Richtung hälst Du dein Gewehr?

Die eigene Waffe ist während dem Flug immer unterladen (militärisch: Teilgeladen) und man richtet sie nach unten. Selbst wenn man durch viel Dummheit in den Tank schießt, hat das meist keine schlimmen Folgen. Die Tanks sind so konstruiert, dass sie Lecks selber abdichten. Ein Treffer im Rotor kann aber schlimme Folgen haben.

Der Innen- oder Außenlast Transport wird eigentlich immer von ausgebildeten Luftverladern vorgenommen. Wenn Du doch mal etwas in einem Luftfahrzeug verzurrst gibt es außer dem Schwerpunkt usw. eine wichtige Regel, die auch Laien kennen sollten: Die Zurrpunkte sind schwächer als die Ratschen der Zurrgurte. Befestige den Gurt, aber spann den Gurt nicht zu weit, sonst ist der Zurrpunkt weg. 

Diese beiden Flugmuster sind inzwischen kaum noch im Einsatz zu sehen. Es sind die beiden Hubschrauber die man sofort am Geräusch erkennen konnte. Die Bell UH-1 wurde wegen ihrem typischen "flap-flap" auch Teppichklopfer genannt. Und die Alouette II kennzeichnete ein deutliches Pfeifen im Flug.

Grundlagen zu Flugunfällen für Einsatzkräfte

Arbeitest Du haupt- oder ehrenamtlich bei einer BOS? Dann solltest Du dieses Informationsmaterial der Bundeswehr über "Hilfe bei Flugunfällen" lesen. Gott sei Dank ist die Starfighter-Affäre inzwischen nur noch ein Teil unserer Geschichte. Aber die Zahl der Einsatzkräfte, die diese Informationen kennen, ist erschreckend gering. Im Ernstfall kann es jeden freiwilligen Feuerwehrmann, jeden Sanitäter oder Polizisten treffen, dass er der Erste an der Absturzstelle ist.

Wenn Du zu einem Flugunglück gerufen wirst und den bewusstlosen Piloten im Cockpit siehst, weißt Du, was zu tun ist? Die Bundeswehr stellt diese Informationen sogar öffentlich bereit.
Wenn Du zu einem Flugunglück gerufen wirst und den bewusstlosen Piloten im Cockpit siehst, weißt Du, was zu tun ist? Die Bundeswehr stellt diese Informationen sogar öffentlich bereit.

Manche Luftfahrzeuge verfügen über eine Notentriegelung vom Kabinendach. Mit dieser kann man das Cockpit öffnen. Der Eurofighter hat sogar eine eingebaute Notleiter, die man von außen herablassen kann.

Einige Flugmuster haben aber nur eine Absprengvorrichtung. Fast immer ist hinter einer deutlich gekennzeichneten Klappe ein Griff an einem Seil. Diesen muss man heraus nehmen und einige Meter weg gehen. Mit abgewendetem Blick zieht man an dem Griff und das Dach wird abgesprengt. Der Schleudersitz wird dabei nicht aktiviert. Wenn man jetzt den Piloten retten will sind zwei Dinge sehr wichtig. Die Sauerstoffmaske muss sofort abgenommen werden, weil er sonst ersticken könnte. Und die Auslösegriffe für den Schleudersitz darf man auf keinen Fall berühren. Wenn man ihn versehentlich auslöst, wird man im schlimmsten Fall mit dem Piloten hoch in die Luft geschossen. Der Pilot kommt am Fallschirm wieder runter, man selber dann natürlich ohne Fallschirm... Viele weitere wichtige Informationen findest Du in dem oben verlinkten Schreiben, z.B. wie man die Waffenanlage sichert, oder welche Sicherheitsabstände bei Bomben tragenden Flugzeugen einzuhalten sind. 

 

Nachtrag: Ein Leser hat mich noch auf weiteres Informationsmaterial aufmerksam gemacht. Es geht darin um die Gefahren, die von Rettungssystemen der Ultraleichtflugzeuge ausgehen. Auch das solltet Ihr euch anschauen.

 

Eine kleine Liebesgeschichte zum Schluss: Ich habe eine tolle Frau, von der ich auf meinem Blog kaum etwas erzähle. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sie eine sehr große Rolle in meinem Leben spielt. Als ich sie kennen lernte, war ich schwer verliebt. Mein Kriegshandwerk betrachtete ich jedoch "ganzheitlich" und "nachhaltig". Für mich war eine ernsthafte Beziehung zu einer Frau nicht mit meinem Soldatenleben zu vereinbaren. Die meisten Kameraden hatten eine andere Sicht darauf. Aber für mich konnte es nur eines davon geben. Die Risiken, denen man als Soldat ausgesetzt ist, wollte ich keiner Frau zumuten. Ich war also in einem Gewissenskonflikt. Als wir uns etwa 2-3 Wochen kannten stand ich unter einer CH-53 und sollte einen mehrere Tonnen schweren Betonbrocken als Außenlast einhängen. Der Hubschrauber schwebte etwa 2m über mir und der Rotor Abwind war so stark, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte (Die CH-53 wiegt etwa 12t). Aber anstatt meinen Auftrag auszuführen, träumte ich vor mich hin und dachte an sie. Ein Kamerad schlug mir auf den Helm und schrie mich an, so dass ich wieder bei der Sache war. Mir war klar, dass so etwas nie wieder passieren dürfte. Aber durch dieses Erlebnis war mein Gewissenskonflikt ein entscheidendes Stück in die richtige Richtung gerückt worden. Wenige Jahre später heirateten wir (Etwa 2 Monate nach dem Erlebnis unter der CH-53 musste meine Frau übrigens mit ansehen, wie einer meiner Kamerad mit dem Fallschirm abgeschmiert ist. Er hat es zwar überlebt, war aber schwer verletzt).

Foto: Der glühende Lauf (militärisch: "Rohr") vom MG3 wird beim Nacht-Gefechtsschießen gewechselt. Montiert ist das MG auf einer Drehring-Lafette, auf einem Fahrzeug.

Tipp: Als Soldat hatte ich immer eine große Packung Snickers im Spind. Wenn wir unerwartet zu einer Übung raus sind, waren diese Snickers in den kalten dunklen und langen Nächten im Wald unbezahlbar.


 

 

 

Beachte zu diesem Thema auch meinen Bericht:

-Wie kocht man EPA-Gerichte richtig, der ESBIT-Kocher und Tipps fürs Kochgeschirr.