Wie Erkennt man Falschgeld?

Anleitungen, wie man die Sicherheitsmerkmale unserer Geldscheine erkennt, gibt es viele. Warum sollte ich auf meinem Blog also auch noch etwas dazu erzählen? Weil die meisten Anleitungen dazu nicht meinen eigenen Erfahrungen entsprechen und sie oft auf viel Unwichtiges eingehen. So verwirren sie meist mehr, als dass sie nützen. Bewährt hat sich aber "sehen, fühlen, kippen", das ich auch gleich erkläre. Und dann will ich euch noch ein paar nicht so wichtige Dinge zeigen, die "nice to know" sind. Falschgeld habe ich schon oft in der Hand gehabt und ich bilde mir daher auch ein, dass ich jeden falschen Euro Schein innerhalb von drei Sekunden erkenne. Aber das aller erste Mal, wo mir jemand eine Blüte in die Hand gedrückt hat und sich die Zeit genommen hat mir zu erklären, wie man sie erkennt, gab es den "Aha-Moment". Und genau das, was ich damals verstanden habe, will ich euch heute weitergeben.

 

Ich sehe immer wieder Verkäuferinnen, wie sie Geldscheine in Testgeräte stecken, oder mit ihren seltsamen Filzstiften darauf herum malen. Die Stifte halte ich für ziemlich albern und die Testgeräte für technisch sehr cool, aber auch sie sollten idR. nicht nötig sein. Denn das einmalige erklären, wie man Falschgeld erkennt, sollte völlig ausreichen. Die EZB und unsere Bundesdruckerei (und natürlich auch die anderen Hersteller der Scheine) sind nämlich alles andere als doof. Ihr Produkt, die Euro Noten, halte ich für absolut genial und sie begeistern mich schon regelrecht. Sie besitzen eine unfassbare Fülle an Sicherheitsmerkmalen. Und das, obwohl Fälscher es kaum schaffen auch nur wenige davon brauchbar nachzuahmen. Die große Menge der Sicherheitsmerkmale verwirrt aber viele, wie es auch bei mir früher der Fall war.

 

Zum Erkennen von Falschgeld sollte man erst Mal Folgendes wissen: Falschgeld ist fast nie "im Umlauf". Sondern es wird von Kriminellen verbreitet. Meist um mit großen Scheinen kleine Dinge zu bezahlen. Z.B. also um eine Zigarettenschachtel mit einer 50 Euro Blüte zu bezahlen, um dafür echtes Wechselgeld zu bekommen. Diese Scheine landen in der Kasse des Geschäftes und werden bei der Einzahlung, in der Bank, idR. alle sofort raus gefiltert. Auf dem Schaden bleibt dann natürlich das Geschäft sitzen. Damit dieser falsche 50er in Umlauf kommen kann, müsste also kurz nach der Tat ein Kunde mit einem größeren Schein bezahlen (z.B. einem 100er). Nur dann würde er ihn bekommen und er wäre im Umlauf. Und genau das passiert sehr selten und dann eher mit falschen 20er Noten.

 

sehen, fühlen, kippen - mehr muss man nicht wissen!

Mit einer Überprüfung des Wasserzeichens, der OVI-Farbe und des Stichtiefdrucks findet man, ohne Hilfsmittel, in Sekunden, 100% aller falschen Geldscheine.

Das echte Wasserzeichen sieht im Gegenlicht hell aus und ohne Gegenlicht dunkel.
Das echte Wasserzeichen sieht im Gegenlicht hell aus und ohne Gegenlicht dunkel.

Das Wasserzeichen wird bei der Papierherstellung rein gepresst und ist schon lange das wichtigste Sicherheitsmerkmal überhaupt. An der Stelle ist das Papier dann also dünner. Wenn der Geldschein auf dem Tisch liegt, erscheint das Wasserzeichen dunkler, als der Rest. Wenn man ihn aber gegen das Licht hält, wird es heller, als der Rest.

 

Fälscher können das Papier aber nicht selber herstellen und versuchen daher meist, ein Wasserzeichen mit dunkler Farbe aufzudrucken. Diese sehen im Gegenlicht dann immer dunkler aus, was bei 90% vom Falschgeld sofort und klar zu erkennen ist. Gefälschte Wasserzeichen, die im Gegenlicht heller erscheinen sind sehr (oder sogar extrem) selten. Darauf, wie man diese Wasserzeichen fälschen kann, will ich hier natürlich nicht näher eingehen. Wie gesagt, es ist möglich, aber so aufwendig und selten, dass ich selber noch nie eine derartige Blüte in der Hand hatte.

Der "Stichtiefdruck", bzw. Druck im "Stahlstichverfahren" ermöglicht es, Elemente aufzudrucken, die erhaben und somit fühlbar sind. Es gibt eigentlich kein Falschgeld, dass diese erhabenen Stellen hat. Auf den echten Scheinen kann man sie z.B. einfach fühlen wenn man mit dem Fingernagel drüber fährt.

Der "OVI-Druck" ermöglicht Farben, die sich bei einem anderen Blickwinkel verfärben. Meist ist es eine rote Farbe, die sich sich zu grün verfärbt. Oder auch von grün zu blau. Kein Fälscher kann diese Farbe herstellen. Es werden dabei winzige Farbpigmente speziell in ihrer Stellung ausgerichtet. Die Fälschungen haben teilweise sehr echt schimmernde Farben an dieser Stelle. Aber sie verfärben sich bei der Neigung des Scheines nicht.

UV-Licht zum Erkennen falscher Geldscheine?

Besser nicht!

Die meisten falschen Euro Noten haben aufgedruckte UV-Farben. Sie sind daher eines der schlechtesten Sicherheitsmerkmale überhaupt für Laien. Wissen sollte man dazu aber, dass das Papier selber niemals unter UV-Licht leuchten darf, sondern nur die Aufdrucke.

Auch die Metallfolien mit den Hologrammen oder Kinegrammen sind recht schlecht geeignet, dass Laien an ihnen Falschgeld erkennen können. Fast alle Blüten haben gute Nachbildungen davon.

Ja, es gibt auch Fälscher, die nicht mal "Deutschland" richtig schreiben können...
Ja, es gibt auch Fälscher, die nicht mal "Deutschland" richtig schreiben können...
UV Licht ist nicht gleich UV Licht. Links seht Ihr absolut keine Reaktion auf eine billige UV-Lampe. Rechts seht ihr die Reaktion einer hochwertigen UV Lampe.
UV Licht ist nicht gleich UV Licht. Links seht Ihr absolut keine Reaktion auf eine billige UV-Lampe. Rechts seht ihr die Reaktion einer hochwertigen UV Lampe.

Was lernen wir aus den Bildern? Kauf Euch besser nicht auf gut Glück eine UV Lampe im Internet, sondern probiert sie vor dem Kauf aus. Die Lampen haben ganz unterschiedliche Wellenlängen.

Melierfasern sind ein tolles Sicherheitsmerkmal, zu deren Prüfung man eine Lupe bzw. einen Fadenzähler haben sollte. Hier auf dem "0 Euro Schein" vom Spionagemuseum Berlin, der ebenfalls die meisten Sicherheitsmerkmale aufweist.
Melierfasern sind ein tolles Sicherheitsmerkmal, zu deren Prüfung man eine Lupe bzw. einen Fadenzähler haben sollte. Hier auf dem "0 Euro Schein" vom Spionagemuseum Berlin, der ebenfalls die meisten Sicherheitsmerkmale aufweist.

Echte Melierfasern werden bei der Papierherstellung in das Material eingebracht und liegen daher unterschiedlich tief darin. Gefälschte Fasern werden einfach auf die Oberfläche gestreut (Fälscher können Papier nicht selber herstellen). Man erkennt die meisten Melierfasern übrigens auch ohne UV-Licht.

Abgefahrenes Zeug

Aber in den Geldscheinen sind noch viel abgefahrenere Sicherheitsmerkmale verbaut. Der Sicherheitsfaden, der durch das Papier geht, funktioniert wie das Tonband einer alten Kassette und kann magnetisch ausgelesen werden.

Das "M-Feature" ist eine Oberflächenbeschichtung, die auf eine spezielle Weise reagiert, wenn sie mit Lichtblitzen bestrahlt wird. Details davon unterliegen der Geheimhaltung.

Details zur elektronischen Sicherung sind mir leider ebenfalls nicht bekannt. Aber auch sie sind auf unseren Euro Banknoten vorhanden. Teile des Geldscheines sind dabei in spezieller Weise elektrisch leitend.

Die Individualnummer einer Euro Note enthält eine interne Codierung ("Prüfziffer" genannt). Sollte ein Fälscher einfach eine Nummer erfinden, kann diese elektronisch von Prüfgeräten erkannt werden. Details dazu sind nicht mal wirklich geheim und man findet die Grundlagen zur Berechnung im Internet.

 

Völlig abgedreht sind die DOE bei Kunststoffscheinen, die bei unseren Euro Noten leider nicht vorhanden sind. Wenn man mit einem Laserpointer auf den Schein leuchtet, kann man einen Schriftzug oder ein Bild projizieren.

 

Auf den Euro Banknoten ist das "EURion", eine bestimmte Anordnung von kleinen Kreisen, die Kopierer und Scanner erkennen können.
Auf den Euro Banknoten ist das "EURion", eine bestimmte Anordnung von kleinen Kreisen, die Kopierer und Scanner erkennen können.

Das "EURion" ist auf vielen Geldscheinen aufgedruckt. Die Software von Kopierern und Scannern soll sie erkennen und das Kopieren verhindern. Das funktioniert aber nicht bei allen Geräten. Angelehnt ist der Name an das ähnliche Sternbild Orion.

Auf den Euro Noten befindet sich nicht nur die individuelle Nummer jedes Scheines, sondern noch ein weiterer Code. Das "W" steht für die deutsche Druckerei "Gieseke & Devrient". Die 008 ist die Nummer der Druckplatte. Und "F2" ist die Position des Scheines auf der jeweiligen Druckplatte.

Unsere Geldscheine haben auch eine Infrarotsicherung. Um diese sichtbar zu machen braucht man etweder teure Testgeräte, oder ein Nachtsichtgerät.
Unsere Geldscheine haben auch eine Infrarotsicherung. Um diese sichtbar zu machen braucht man etweder teure Testgeräte, oder ein Nachtsichtgerät.

So sieht die Infrarotsicherung unter speziellen Testgeräten aus.

 

 

Unterm Strich muss man also sagen, dass die EZB den Fälschern nicht nur eine Nasenlänge voraus ist, sondern meilenweit.