Abwehr von B-Waffen / Biowaffen

Biowaffen stellen für viele ein schwer greifbare und diffuse Gefahr dar. Um etwas Klarheit zu schaffen will ich als erstes erklären, dass die wichtigsten Biowaffen Milzbrandsporen ("Antrax") und Botulinumtoxin sind. Davon abgesehen wurde mit sehr vielen unterschiedlichen Krankheitserregern geforscht, um sie für Waffenzwecke nutzbar zu machen (Pest, Q-Fieber, Tularämie, Ebola...). Es können Bakterien, Viren, Sporen, Toxine, Pilze usw. verwendet werden. Diese können sich auch gegen Pflanzen (z.B. Agent Orange), oder wirtschaftlich wichtige Tiere richten. Das Ziel kann sowohl der Tod von Menschen, wie auch das Schwächen der Wirtschaft sein.

Geforscht wurde dabei viel, die Japaner führten im 2. Weltkrief z.B. furchtbarste Menschenversuche durch. Und die Amerikaner testeten im kalten Krieg Einiges an Freiwilligen, z.B. die Ansteckungsfähigkeit von versprühten Aerosolen in der Wüste. Auch wenn sich die Großmächte viele Optionen schaffen, und ihre Waffenarsenale vergrößern wollten, der Einsatz von Biowaffen wurde von ihnen fast nur mit Milzbrand und Botulinumtoxin ernsthaft vorbereitet. Bio- und Chemiewaffen können in Bomben gefüllt, oder von Flugzeugen abgesprüht werden. Auch das Ausbringen durch Terroristen und Agenten an der "kritischen Infrastruktur" ist denkbar. Bitte beachtet in diesem Zusammenhang auch den Anschlagsversuch in Deutschland mit Rizin, der rechtzeitig aufgedeckt werden konnte: https://de.wikipedia.org/wiki/Rizinfund_in_K%C3%B6ln

 

Milzbrandsporen sind selbst in kleinsten Mengen tödlich. Eine weiteres Problem davon ist, dass sie Jahrzehnte im Boden überdauern können. Ihr militärischer Nutzen wäre vor allem die langfristige Sperrung von Gelände gewesen. An Milzbrand wurde im kalten Krieg von Ost und West umfangreiche Forschung betrieben. Es ist davon auszugehen, dass in der Sowjetunion sogar ICBM mit Milzbrandsporen befüllt wurden (Interkontinentalraketen). 

Auf der schottischen Insel Gruinard Island wurden diese Schafe 1942 mit Milzbrandsporen ("Antrax") kontaminiert. Diese Sporen sind derart sesshaft, dass die Insel lange nicht betretbar war. Erst 1987 erfolgte die endgültige, extrem aufwendige, Dekontamination. In der Sowjetunion wurden Antraxversuche auf der "Insel der Wiedergeburt" im Aralsee durchgeführt. Über Milzbrand kann man sehr viel erzählen und es kam immer wieder zu Vorfällen damit. Z.B. gab es 1979 einen Unfall mit etwa 100 Toten in der Sowjetunion, an einer Einrichtung von Biopreparat. Über dieses riesige Biowaffen Programm des Ostens gibt es eine sehr  gute Informationsquelle. In dem Buch "Direktorium 15", das ein russischer Überläufer geschrieben hat, wird ausführlich über das Programm berichtet. Ich war etwa 16 Jahre alt als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe.

 

Botulinumtoxin wird aus Bakterien gewonnen und dann, ähnlich wie chemischer Kampfstoff eingesetzt. Es ist ein sehr wirksames Gift, das auf das Nervensystem wird. Aufgrund seiner Herkunft zählt es jedoch zu den Biowaffen. Dieses Gift bildet sich z.B. auch gelegentlich in schlecht gewordenen Konservendosen, die aufgeblasen aussehen. Ein Foto so einer Dose findet Ihr in meinem Bericht über Lebensmittelvorräte. Aber nicht nur die Weltmächte erhofften sich von diesem Biogift eine mächtige Waffe, sondern auch Terroristen, wie die japanische Aum-Sekte. Diese hatten sich dafür sogar extra einen MI-8 Hubschrauber gekauft. Mit ihren erheblichen finanziellen Möglichkeiten stellten sie diverse Bio- und Chemiewaffen her.

Ähnlich wie Drogen-Schnelltests gibt es auch Schnelltests auf bestimmte Krankheitserreger. Damit die Einsatzkräfte eine erste Einschätzung der Lage geben können sind diese eine große Hilfe, bis Spezialisten eintreffen.

 

Ihr könnt hier gerne lesen wie wir Vogelgrippe verdächtige Schwäne für das Veterinäramt geborgen haben bei "Operation Südwind". Denn dort arbeiteten wird genau so wie man es im Falle einer Biogefahr macht.

Abwehr / Spüren von Giftgas (C-Kampfstoff)

Englische Zigarettenbilder aus dem 2. Weltkrieg. Die Angst vor Giftgas war sehr groß, wegen den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.
Englische Zigarettenbilder aus dem 2. Weltkrieg. Die Angst vor Giftgas war sehr groß, wegen den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.

Im 1. Weltkrieg wurde in großem Umfang Giftgas eingesetzt. Dabei handelte es sich z.B. auch um Tränengas, aber auch um tödliche Gase wie Phosgen, Yperit oder vor allem auch Chlorgas und Senfgas (nach Lommel und Steinkopf auch "Lost" genannt) . Die Angst vor einem weiteren Gaskrieg war dann so groß, dass die Soldaten im 2. Weltkrieg jahrelang ihre Gasmasken bei sich trugen, ohne sie zu brauchen. Es gab große Vorräte an den Nervenkampfstoffen Tabun, Sarin und Soman. Diese Giftgasvorräte wurden nach dem Krieg oft in den nächstbesten Tümpeln entsorgt und sind teilweise immer noch nicht geborgen (Link, Link). Heute ist der kriegerische Einsatz von chemischen Kampfstoffen sehr selten geworden. Die meisten Staaten der Erde haben das Chemiewaffenübereinkommen unterschrieben und verzichten darauf. Die Gefahr terroristischer Anschläge damit ist aber gestiegen, sie werden auch als Atomwaffen des kleinen Mannes bezeichnet. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch der gescheiterte Giftanschlag auf die Bodensee Trinkwasserversorgung im Jahr 2005.

Überlegt Euch gut, ob Ihr dieses Video anschauen wollt. Es zeigt Giftgasverletzte im Syrienkrieg 2013. Spätere Untersuchungen ergaben, dass es Saringas war.

Hier seht Ihr einen Versuchsaufbau zur einfachsten Herstellung von Hautkampfstoff durch Terroristen (Danke Frau Oberstleutnant, für Ihre Zeit und die Erklärungen dazu).
Hier seht Ihr einen Versuchsaufbau zur einfachsten Herstellung von Hautkampfstoff durch Terroristen (Danke Frau Oberstleutnant, für Ihre Zeit und die Erklärungen dazu).

Wenn es nicht so einfach wäre....

Die "Aum-Sekte" stellte das Sarin Gas für den Anschlag auf die U-Bahn Tokio z.B. selber her. Das Saringas war damals in flüssiger Form in Plastiksäcken, die in der U-Bahn platziert und mit spitzen Regenschirmen zerstochen wurden. Es gab 13 Tote und 1000 Verletzte.

Die "gebräuchlichsten" Kampfstoffe sind schon lange die Nervenkampfstoffe VX und Sarin. Sie wirken über die Luft und über Hautkontakt. Sie blockieren die Signale in den Nerven, um genau zu sein blockieren sie die Acetylcholinesterase. Die Gegengifte ("Antidot") sind Atropin und Obidoximchlorid. Diese werden Soldaten in Autoinjektoren mit auf den Weg ins Gefecht gegeben.

The Rock ist zweifellos einer der besten Actionfilme überhaupt. Aber im echten Leben wird Atropin in den Oberschenkelmuskel injiziert, und nicht in das Herz.

Als weiteres Mittgel gegen Nervenkampfstoff werden Piridostigmin Tabletten ausgegeben. Diese hemmen die Acetylcholinesterase und lagern es ein. Mann muss diese Tabletten in genau einzuhaltenden Abständen vor einem C-Angriff einnehmen. Sollte C-Kampfstoff eingesetzt werden wird die Einnahme der Tabletten gestoppt und die Acetylcholinesterase wird wieder verfügbar.

Film "Jarhead": Nach dem Unterschreiben der Verzichtserklärung, bzgl. Rechtsansprüchen gegen das US Militär, werden die Piridostigmintabletten, gegen Nervenkampfstoff, unter Kontrolle eingenommen.

"Scharfe" Atropininjektoren gegen Nervenkampfstoff oben und Übungsinjektoren unten, die vermutlich jeder Soldat bereits in der Hand hatte.
"Scharfe" Atropininjektoren gegen Nervenkampfstoff oben und Übungsinjektoren unten, die vermutlich jeder Soldat bereits in der Hand hatte.

Die Atropinspritzen waren früher wesentlich einfacher gestaltet. Die NVA verwendete bis zum Ende der DDR derartige Spritzen zum selber einstechen und ausdrücken. Das Foto links zeigt eine alte Bundeswehr Atropin Spritze.

 

Für einen "Prepper" gibt es kaum etwas, das schwieriger zu beschaffen ist wie Atropininjektoren. Ich habe etwa 4 Jahre gebraucht um meine auf legalem Weg zu bekommen. Wenn Ihr Atropin wollt redete mit eurem Hausarzt und kauft euch besser gleich normale Ampullen auf Rezept und Einwegspritzen.

Die Spürausstattung der Bundeswehr muss man alleine schon wegen dem tollen Set mit Ersatzteilen haben. Sie Spürpumpe ist natürlich von Dräger.
Die Spürausstattung der Bundeswehr muss man alleine schon wegen dem tollen Set mit Ersatzteilen haben. Sie Spürpumpe ist natürlich von Dräger.

Bedenkt, dass es die Prüfröhrchen auch zum Nachweis von CO, CO2 und vielem Anderen gibt. Die meisten auf dem "Sammlermarkt" sind schon sehr alt und nicht verlässlich. Kauft Euch zur Spürpumpe lieber aktuelle Röhrchen.

Und falls man coole Plastiktüten braucht findet man keine besseren als diese für ABC-Proben.
Und falls man coole Plastiktüten braucht findet man keine besseren als diese für ABC-Proben.

ABC-Schutzausrüstung der schweizer Armee mit Kampfstoffspürausstattung.

Das Erkennen von Kampfstoff, aus dem schweizer Soldaten Handbuch von 1959. Der Autor, Albert Bachmann, war sehr interessant. Er wurde später Leiter des Spezialdienstes, der Guerilliakrieg gegen evtl. einmarschierende Feinde führen sollte ("Stay Behind"). Er baute sogar, ohne Wissen seiner Vorgesetzten einen Sitz für eine schweizer Exilregierung in Irland auf. Dafür kaufte er dort ein Landgut. Als der Bundesrat 1980 davon erfuhr wurde alles Material aus Irland, in die Schweiz zurück gebracht. Denn der Bundesrat wollte sich im Kriegsfall in das Reduit zurück ziehen, und nicht ins Ausland flüchten.

Diese Übersicht zeigt Euch die Gruppen der unterschiedlichen Kampfstoffe. Am weitesten verbreitet ist heute Sarin und VX.
Diese Übersicht zeigt Euch die Gruppen der unterschiedlichen Kampfstoffe. Am weitesten verbreitet ist heute Sarin und VX.