ABC-Schutz (radioaktive, biologische und chemische Gefahren)

Teil: 1

-Schutz vor Atombomben

-Geigerzähler und Dosimeter

-ABC Auswertaustattung

-Abwehr von Biowaffen

-Abwehr und Spüren von Giftgas

 

 

Teil 2:

-Die "Scheißhaus-Parolen"

-Zivilschutzbunker und Schutzräume

-Die ABC-Schutzmaske ("Gasmaske")

-Der ABC-Selbsthilfesatz

-ABC-Schutzanzüge

-"Resident Evil" ist nur ein Film...

-Sonstiges

 

Zum Teil 2 geht es HIER

Schutz vor Atombomben und radioaktiver Strahlung

Es begann mit diesem Arbeitstisch, darauf gelang Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann 1938 zum ersten Mal eine Kernspaltung. Zu sehen im Deutschen Museum.
Es begann mit diesem Arbeitstisch, darauf gelang Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann 1938 zum ersten Mal eine Kernspaltung. Zu sehen im Deutschen Museum.

Ob man ABC-Schutzausrüstung benötigt muss sich jeder selber überlegen. Ich halte die ABC-Abwehr bei der privaten Krisenvorsorge nicht für dermaßen wichtig, um diese ganzen Ausrüstungsgegenstände anzuschaffen, ich finde sie einfach interessant. Ich bin aber sehr wohl der Meinung, dass die ABC-Abwehr von den Behörden und BOS-Organisationen nicht ausreichend beachtet wird.

 

Evtl. hat man Industriebetriebe in der Nachbarschaft oder Ähnliches was eine derartige Gefahr verursachen kann. Ich persönlich habe z.B. vor Kernkraftwerken keine Angst. Aber auch ich war schon zwei Mal bei Bränden im privaten Bereich sehr froh, dass ich eine Gasmaske zur Hand hatte. Vermutlich hätte ich sonst bei einem dieser Brände eine schwere Rauchgasvergiftung erlitten (das ein normaler Filter einen nicht vor CO und CO2 schützt muss aber jedem klar sein). Auch in den meisten Streifenwagen sind Gasmasken, weil sie schnell und einfach einen gewissen Schutz vor vielen Gefahren bieten.

Eine eigentlich immer falsch verstandene Tatsache will ich sofort klar stellen. Denn diese ist grundlegend. Im Falle einer Atombombenexplosion ist die Halbwertszeit der radioaktiven Strahlung sehr kurz. In nur etwa 7 Stunden halbiert sich jedes Mal die vorhandene Stahlung. Daher kann man sich i.d.R. 14 Tage nach der Explosion problemlos wieder im betroffenen Gebiet bewegen (Hiroschima wurde schnell wieder besiedelt). Aus diesem Grund sind ABC-Schutzbunker fast immer für 14 Tage Aufenthaltsdauer ausgelegt. Im Falle eines GAUs in einem Kernkraftwerk ist das anders, genau so wie auch bei schmutzigen Bomben. Dort ist die Halbwertseit sehr viel Länger (Tschernobyl ist immer noch Sperrgebiet).

Als das Kernkraftwerk in Fukushima explodiert ist haben sich viele wieder Gedanken über den Strahlenschutz gemacht. Ich natürlich auch. Als ich gemerkt habe, dass Geigerzähler in großen Mengen gekauft werden habe ich auch sofort zugeschlagen und mir den FAG Kugelfischer SV500 bei ebay gekauft. Ein Händler hatte davon einen großen Posten und man konnte zuschauen wie etwa alle 6h die Preise für diese Geigerzähler massiv angezogen haben. Ich habe mir damals diesen Geigerzähler nicht gekauft weil ich Sorgen vor der Strahlung aus Japan hatte. Ich habe den Reaktorunfall lediglich als Anstoß genommen mir endlich einen Zähler zu kaufen. Die nächsten Tage behielt ich den Markt weiter im Blick. Es war erschreckend zu sehen, wie schnell der ganze Markt leer gekauft war. Conrad Elektronik hatte mehrere Monate keinen einzigen Geigerzähler mehr verfügbar. Und das obwohl bei uns überhaupt keine Gesundheitsgefahr bestand. So gut unser Versorgungssystem ist, es ist auch in vielen Punkten sehr anfällig.

Für Menschen die in einem Abstand von wenigen Kilometern vom Nullpunkt entfernt sind spielen die Schutzmaßnahmen die entscheidende Rolle ob sie Überleben werden oder nicht.

 

Deckung, Deckung und noch mal Deckung!

Heute wird viel über das früher sehr bekannte "Duck and Cover" gelästert und geurteilt. Aber die Verantworlichen die im kalten Krieg den Bürgern Anleitungen für Schutzmaßnahmen an die Hand gegeben haben waren mutig und haben Verantwortung übernommen. Sie hätten im Falle eines 3. Weltkrieges vielen Menschen das Leben gerettet. Ich halte es daher für völlig fehl am Platz über "Duck and Cover" zu urteilen. Die Leute die das tun sind vermutlich auch die Selben die immer solchen Schwachsinn verbreiten, dass nach einem Atomkrieg jedes Leben unmöglich ist. Es hat seinen guten Grund warum Zivilschutzbunker für eine Aufenthaltsdauer von 14 Tagen ausgelegt waren und warum der Drill mit der Gasmaske immer noch Soldaten beschäftigt.

Diese Übersicht gibt einen Anhalt welche Brandfolgen nach einer "kleinen" 20kt Atombombe zu erwarten sind. Wichtig dazu: Ein 40kt Bombe hat nicht die doppelte Zertörungskraft, sondern nur etwas mehr. Was lernen wir daraus?

 

 

 

Wer einige Kilometer Abstand zum Nullpunkt hat und die Schutzmaßnahmen beachtet wird gute Chancen haben lebend raus zu kommen!

Und diese Tabelle aus dem Buch "Feuerwehr Grundlehrgang" zeigt ebenfalls welche Schäden zu erwarten sind bei einem Atombombenabwurf.

Für Rettungskräfte gilt: Abstand!

(Buch: "Feuerwehr Grundlehrgang")

Die Anfangsstrahlung tritt etwa eine Minute lang nach der Explosion auf. Um sich vor ihr zu Schützen muss man sich hinter eine möglichst dicke Deckung begeben. Das sollte man natürlich auch um der Hitzestrahlung und den umherfliegenden Trümmern von der Druckwelle auszuweichen!

Die Rückstandsstrahlung ist das was später als der bekannte "Fallout" vom Himmel runter kommt. Sollte man sich also vor der Anfangsstrahlung etwas geschützt haben und im Anschluss den Explosionsort gegen den Wind verlassen und sich vor der Inkorporation geschützt haben, hat man sehr gute Chancen seine aufgenommene Dosis wesentlich zu reduzieren. Und so kann man sich vor der Strahlenkrankheit schützen.

Verstrahlung: Die Strahlung dringt durch Schutzanzug, Kleidung und Körper. Davor schützt Deckung, Abstand und ein schnelles Verlassen des kontaminierten Bereiches. Und alles Andere was die aufgenomene Dosis gering hält.

Kontamination: Die Köperoberfläche wird mit strahlenden Teilchen "beschmutzt". In diesem Fall muss der Körper "entstrahlt" werden und die Kleidung entsorgt (waschen, duschen, bürsten...). Und alles tun, damit man keine Teilchen "inkorporiert".

Inkorporation: Strahlende Teilchen geraten in den Körper. Das ist was vom schlimmsten was passieren kann. Denn diese Strahlenquellen bekommt man meist nicht mehr aus dem Körper raus und man wird innerlich weiter verstrahlt und die aufgenommene Dosis erhöht sich immer mehr. Man schützt sich vor allem durch die ABC-Schutzmaske. Wichtig ist auch das Verschließen von Wunden usw. Aus diesem Grund sind im Selbsthilfesatz wasserdichte Pflaster und Ohrenstopfen. Denn im Krieg gibt es viele Trommelfellrisse (logischerweise).

Geigerzähler / Dosimeter und Grenzwerte

Die Strahlenmenge die man aufgenommen hat wird mit dem Dosimeter gemessen (die "Dosis" wird meist in mSv gemessen).

Die Strahlung die aktuell vorhanden ist wird mit dem Geigerzähler gemessen (die "Dosisleistung" wird meist in mSv/h gemessen).

 

Zum Messen von radioaktiver Strahlung gibt es hauptsächlich vier Arten von Geräten.

Dosisleistungsmessgeräte - "Geigerzähler" (z.B. Radex One, oder mein FAG SV500)

Dosisleistungswarngeräte (z.B. Graetz Gamma Test, Graetz Gamma Smart one, Automess DL-Warner 6126B, Nukealert, K8 Nuke Safeguard, Ecotest aGent-R)

Dosismessgeräte - "Dosimeter" (Stabdosimeter, Filmdosimeter, elektronische Dosimeter...)

Dosiswarngeräte - Dosimeter mit eingebautem Alarm (z.B. , Graetz GPD150G)

Für Einsatzkräfte spielen alle diese Geräte eine relevante Rolle. Aber um vor dem Vorhandensein einer erhöhten Strahlung, bei anderen Tätigkeiten, gewarnt zu werden sind vor allem die Dosisleistungswarngeräte wichtig. Diese werden auch für die private Krisenvorsorge gekauft (in den USA vor allem der Nukalert) und sind oft auch für Laien sinnvoll und zu bedienen.

 

Wichtig sind folgende, grob dargestellte Dosis Grenzwerte:

Aus- und Forbildung 1 mSv

Einsatz zum Schutz von Sachwerten 15 mSv

Abwehr von Gefahren für Menschen 100 mSv 

Einsatz zur Rettung von Menschenleben 250 mSv

Wesentlich genauer dargestellt findet Ihr das alles beim Bundesamt für Strahlenschutz. Gerade wenn man ältere Messgeräte hat muss man den unterschiedlichsten Werten rechnen und zurecht kommen. Im Internet findet Ihr divserse Seiten wo man diese umrechnen kann. 

Diese Umrechnungstablle für radioaktive Strahlung habe ich vor vielen Jahren erstellt.

Damit auch ich als Laie etwas mit den Werten des Geigerzählers anfangen kann habe ich auch diese Tabelle erstellt. Sollte jemand einen Fehler darin finden würde es mich freuen wenn er sich bei mir meldet. Verwettet bitte nicht Euer Leben darauf, die Tabelle liegt schon lange bei mir rum!

FAG Kugelfischer SV500 Geigerzähler mit Beta- und Gammasonde, Kopfhörer, Montageklemme und dem Kabel um das Batteriefach bei Kälte am Körper zu tragen.
FAG Kugelfischer SV500 Geigerzähler mit Beta- und Gammasonde, Kopfhörer, Montageklemme und dem Kabel um das Batteriefach bei Kälte am Körper zu tragen.

Denkt daran, dass die Sonde immer mit einer Plastiktüte überzogen werden sollte. Denn wenn sie mit strahlenden Teilchen kontaminiert wird bekommt ihr keine richtigen Messergebnisse mehr!

Der SV500 Geigerzähler hat eine eingebaute und eine externe Sonde. Auch das Batteriefach lässt sich extern verwenden, damit die Batterien in der Kälte am Körper getragen werden können. Ich habe mir Adapter dazu besorgt, damit ich ihn auch mit Mignon Batterien betreiben kann. Das funktioniert aber nur mittelmäßig.

 

Zum Testen der Geigerzähler wird meist Uranglas, Porzellan mit Uranglasur oder Glühstrümpfe verwendet. Man bekommt auch genehmigungsfreie Prüfstrahler, die aber ziemlich teuer sind.

Das sind die alten Bundeswehr Stabdosimeter, die man recht günstig bei ebay bekommt. Wesentlich sinnvoller sind aber modernere Dosimeter.
Das sind die alten Bundeswehr Stabdosimeter, die man recht günstig bei ebay bekommt. Wesentlich sinnvoller sind aber modernere Dosimeter.

Foto: Blick durch das Dosimeter. Die Skala ist für einen echten Atomkrieg vorgesehen. Die Dosimeter z.B. in Krankenhäusern sind für erheblich geringere Strahlung ausgelegt. Solche Stabdosimeter sind meist schon sehr alt. Von meinem Satz sind auch mehrere defekt und sie zeigen falsche Werte an. Sie haben auch einen sogenannten "Selbstablauf", was bedeutet, dass sie sich selber entladen. Und das muss man beim Ablesen mit einberechnen. Bei meinen ist das 1% pro Tag. 

Das hier links ist eine Erkennungsmarke mit integriertem Dosimeter. Sie wurden in den Anfangsjahren der Bundeswehr an die Soldaten ausgegeben. Sie repräsentieren für mich, wie kaum etwas Anders, die damalige Angst vor einem Atomkrieg. Für mich ist die Beschäftigung mit der ABC-Abwehr lediglich ein "Hobby" und etwas was mich interessiert. Aber damals hat der Staat sogar jedem viel Geld bezahlt, damit er unter seinem Wohnhaus einen Bunker baut.

Quelle: Zeitschrift Bevölkerungsschutz Ausgabe 1967-02.

Das KSMD-RDC 3 D Thermolumineszens Dosimeter aus der DDR bekommt man oft für kleines Geld. Es misst, wie die meisten Dosimeter, Gamma- und Röntgenstrahlen. Zum Auslesen benötigt man ein Auswertgerät. Ob und in wie weit das für Privatpersonen funktioniert, kann ich nicht sagen. Zum ernsthaften benutzen würde lieber andere Dosimeter kaufen.

Das hier sind moderne Dosimeter der Bundeswehr. Das oben rechts ist das elektronisch Mirion SOR Dosimeter. Das schwarze ist von Thermo Electron Corporation. Das gelbe und blaue sind Filmdosimeter.

Das hier ist das FH 41S Dosiswarngerät von Frieseke & Hoepfner für den Strahlenschutz. Daneben ein Uranpellet Replik von EnBW.
Das hier ist das FH 41S Dosiswarngerät von Frieseke & Hoepfner für den Strahlenschutz. Daneben ein Uranpellet Replik von EnBW.

Dieser Dosiswarner piept, wenn die eingestellten Grenzwerte aufgenommen wurden. Zusätzlich beinhaltet es eine Dosisleistungswarnfunktion, wenn man sich plötzlich in stark strahlender Umgebung befindet. Mein FH41S ist für den Strahlenschutzeinsatz vorgesehen. Die Version FH41F hat höhere Grenzwerte und war für die Feuerwehr und den Zivilschutz vorgesehen. Die moderneren Versionen davon haben ein Display, auf dem man die aufgenommenen Werte ablesen kann (Z.B. die FH41z, FH41M). Eine Anleitung für das FH41z kann man beim BBK runterladen.

Das hier ist das Automess Dosisleistungswarngerät DL-Warner 6126. Sobald die Alarmschwelle von 25 mikro Sievert das Gerät erreicht fängt es an zu piepen.

Hier sind noch zwei Ausrüstungsgegenstände die mich schon lange faszinieren. Den Nukalert kann man bei sich tragen und er gibt Alarm wenn man einer größeren Strahlung als normal ausgesetz wird. Er ist ideal für Einsatzkräfte.

Quelle: http://www.nukalert.com/index_a.html

Das hier ist der RADSticker. Er ist die einfachste Form eines Dosimeters. Man klebt das Papierstück einfach irgendwo an sich hin und sieht darauf, wenn man einer erhöhten radioaktiven Strahlung ausgesetzt war, wenn es sich verfärbt.

 

Quelle: http://www.radiationdosimeter.org/

Mit diesen Messstellen, die überall in Deutschland verteilt sind, wird die aktuelle Strahlung gemessen. Die Werte des ODL-Netzes kann man im Internet abrufen (Klick auf das Bild)
Mit diesen Messstellen, die überall in Deutschland verteilt sind, wird die aktuelle Strahlung gemessen. Die Werte des ODL-Netzes kann man im Internet abrufen (Klick auf das Bild)

ABC Auswertausstattung, Rechenscheibe für Strahlung

Hier seht Ihr eine Schablone um den Fallout auf einer Landkarte vorherzusagen im Falle von Atombomben Abwürfen, und ein Rechenschieber mit dem sich Stahlungwerte, Detonationsstärken usw. berechnen lassen. Falls sich mal jemand gefragt hat wofür man Atombombenversuche gemacht hat? Z.B. zum Erstellen derartiger Rechnungen. In der Wüste von Nevada wurden aber auch deutsche Schutzräumtypen aufgebaut und bei den Atomtest mit erprobt.

Solche Rechenschieber habe ich auch oft in sehr großer Form in den Kommandoräumen von militärischen und zivilen Bunkern gesehen. Wenn das ganze Thema jemanden interessiert sollte er sich wirklich so eine "Auswertaustattung ABC-Abwehr" bei Ebay besorgen. Der Rechenschieber ist etwas von interessantesten was es an Ausrüstung dazu gibt. Er erlaubt lebenswichtige Berechnungen auf einfachste Weise. Bei einer Bunkerführung in Stuttgart meinte derjenige der uns geführt hat, dass in einem Atomkrieg die betroffenen Gebiete für Jahrzehnte verstrahlt wären. Als er auf meine gegenteilige Äußerung unverschämt wurde sagte ich ihm, dass er sich die 50cm große Rechenscheibe hinter sich an der Wand doch mal anschauen soll. Vermutlich war ihm das später ziemlich peinlich...

Schablone und Rechenschieber zur Vorhersage der Fallout-Ausdehnung und zur Berechnung der Stahlungswerte, bei Atombombenabwürfen. Damit kann man übrigens noch mehr Berechnungen als die hier gezeigten durchführen.
Schablone und Rechenschieber zur Vorhersage der Fallout-Ausdehnung und zur Berechnung der Stahlungswerte, bei Atombombenabwürfen. Damit kann man übrigens noch mehr Berechnungen als die hier gezeigten durchführen.
ABC-Abwehr Schablone der Bundeswehr, für Landkarten zur Vorhersage der Folgen von Atombombenabwürfen.
ABC-Abwehr Schablone der Bundeswehr, für Landkarten zur Vorhersage der Folgen von Atombombenabwürfen.

EMG-3 Geigerzähler und Strahlungs-Rechenscheibe der schweizer Armee.  Die Rechenscheibe kann man HIER kaufen. Welche Rechnungen man damit genau durchführen kann, weiß ich aber nicht. Sehr durchdacht ist die Front des Geigerzählers, denn dort ist eine Tabelle, mit der Jedermann etwas mit den Messerwerten anfangen kann. Leider habe ich kein Foto auf dem sie lesbar ist. Ihr findet aber per Google auch bessere Fotos davon.

Abwehr von B-Waffen / Biowaffen

Biowaffen stellen für viele ein schwer greifbare und diffuse Gefahr dar. Um etwas Klarheit zu schaffen will ich als erstes erklären, dass die wichtigsten Biowaffen Milzbrandsporen ("Antrax") und Botulinumtoxin sind. Davon abgesehen wurde mit sehr vielen unterschiedlichen Krankheitserregern geforscht, um sie für Waffenzwecke nutzbar zu machen (Pest, Q-Fieber, Tularämie, Ebola...). Es können Bakterien, Viren, Sporen, Toxine, Pilze usw. verwendet werden. Diese können sich auch gegen Pflanzen (z.B. Agent Orange), oder wirtschaftlich wichtige Tiere richten. Das Ziel kann sowohl der Tod von Menschen, wie auch das Schwächen der Wirtschaft sein. 

 

Geforscht wurde dabei viel, die Japaner führten im 2. Weltkrief z.B. furchtbarste Menschenversuche durch. Und die Amerikaner testeten im kalten Krieg Einiges an Freiwilligen, z.B. die Ansteckungsfähigkeit von versprühten Aerosolen in der Wüste. Auch wenn sich die Großmächte viele Optionen schaffen, und ihre Waffenarsenale vergrößern wollten, der Einsatz von Biowaffen wurde von ihnen fast nur mit Milzbrand und Botulinumtoxin ernsthaft vorbereitet. Bio- und Chemiewaffen können in Bomben gefüllt, oder von Flugzeugen abgesprüht werden. Auch das Ausbringen durch Terroristen und Agenten an der "kritischen Infrastruktur" ist denkbar. Bitte beachtet in diesem Zusammenhang auch den Anschlagsversuch in Deutschland mit Rizin, der rechtzeitig aufgedeckt werden konnte: https://de.wikipedia.org/wiki/Rizinfund_in_K%C3%B6ln

 

Milzbrandsporen sind selbst in kleinsten Mengen tödlich. Eine weiteres Problem davon ist, dass sie Jahrzehnte im Boden überdauern können. Ihr militärischer Nutzen wäre vor allem die langfristige Sperrung von Gelände gewesen. An Milzbrand wurde im kalten Krieg von Ost und West umfangreiche Forschung betrieben. Es ist davon auszugehen, dass in der Sowjetunion sogar ICBM mit Milzbrandsporen befüllt wurden (Interkontinentalraketen).  

Auf der schottischen Insel Gruinard Island wurden diese Schafe 1942 mit Milzbrandsporen ("Antrax") kontaminiert. Diese Sporen sind derart sesshaft, dass die Insel lange nicht betretbar war. Erst 1987 erfolgte die endgültige, extrem aufwendige, Dekontamination. In der Sowjetunion wurden Antraxversuche auf der "Insel der Wiedergeburt" im Aralsee durchgeführt. Über Milzbrand kann man sehr viel erzählen und es kam immer wieder zu Vorfällen damit. Z.B. gab es 1979 einen Unfall mit etwa 100 Toten in der Sowjetunion, an einer Einrichtung von Biopreparat. Über dieses riesige Biowaffen Programm des Ostens gibt es eine sehr  gute Informationsquelle. In dem Buch "Direktorium 15", das ein russischer Überläufer geschrieben hat, wird ausführlich über das Programm berichtet. Ich war etwa 16 Jahre alt als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe.

 

Botulinumtoxin wird aus Bakterien gewonnen und dann, ähnlich wie chemischer Kampfstoff eingesetzt. Es ist ein sehr wirksames Gift, das auf das Nervensystem wird. Aufgrund seiner Herkunft zählt es jedoch zu den Biowaffen. Dieses Gift bildet sich z.B. auch gelegentlich in schlecht gewordenen Konservendosen, die aufgeblasen aussehen. Ein Foto so einer Dose findet Ihr in meinem Bericht über Lebensmittelvorräte. Aber nicht nur die Weltmächte erhofften sich von diesem Biogift eine mächtige Waffe, sondern auch Terroristen, wie die japanische Aum-Sekte. Diese hatten sich dafür sogar extra einen MI-8 Hubschrauber gekauft. Mit ihren erheblichen finanziellen Möglichkeiten stellten sie diverse Bio- und Chemiewaffen her.

Ähnlich wie Drogen-Schnelltests gibt es auch Schnelltests auf bestimmte Krankheitserreger. Damit die Einsatzkräfte eine erste Einschätzung der Lage geben können sind diese eine große Hilfe, bis Spezialisten eintreffen.

 

Ihr könnt hier gerne lesen wie wir Vogelgrippe verdächtige Schwäne für das Veterinäramt geborgen haben bei "Operation Südwind". Denn dort arbeiteten wird genau so wie man es im Falle einer Biogefahr macht.

 

Abwehr / Spüren von Giftgas (C-Kampfstoff)

Englische Zigarettenbilder aus dem 2. Weltkrieg. Die Angst vor Giftgas war sehr groß, wegen den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.
Englische Zigarettenbilder aus dem 2. Weltkrieg. Die Angst vor Giftgas war sehr groß, wegen den Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg.

Im 1. Weltkrieg wurde in großem Umfang Giftgas eingesetzt. Dabei handelte es sich z.B. auch um Tränengas, aber auch um tödliche Gase wie Phosgen, Yperit oder vor allem auch Chlorgas und Senfgas (nach Lommel und Steinkopf auch "Lost" genannt) . Die Angst vor einem weiteren Gaskrieg war dann so groß, dass die Soldaten im 2. Weltkrieg jahrelang ihre Gasmasken bei sich trugen, ohne sie zu brauchen. Es gab große Vorräte an den Nervenkampfstoffen Tabun, Sarin und Soman. Diese Giftgasvorräte wurden nach dem Krieg oft in den nächstbesten Tümpeln entsorgt und sind teilweise immer noch nicht geborgen (Link, Link). Heute ist der kriegerische Einsatz von chemischen Kampfstoffen sehr selten geworden. Die meisten Staaten der Erde haben das Chemiewaffenübereinkommen unterschrieben und verzichten darauf. Die Gefahr terroristischer Anschläge damit ist aber gestiegen, sie werden auch als Atomwaffen des kleinen Mannes bezeichnet. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch der gescheiterte Giftanschlag auf die Bodensee Trinkwasserversorgung im Jahr 2005.

Überlegt Euch gut, ob Ihr dieses Video anschauen wollt. Es zeigt Giftgasverletzte im Syrienkrieg 2013. Spätere Untersuchungen ergaben, dass es Saringas war.

Hier seht Ihr einen Versuchsaufbau zur einfachsten Herstellung von Hautkampfstoff durch Terroristen (Danke für Ihre Zeit und die Erklärungen dazu, Frau Oberstleutnant).
Hier seht Ihr einen Versuchsaufbau zur einfachsten Herstellung von Hautkampfstoff durch Terroristen (Danke für Ihre Zeit und die Erklärungen dazu, Frau Oberstleutnant).

Wenn es nicht so einfach wäre....

Die "Aum-Sekte" stellte das Sarin Gas für den Anschlag auf die U-Bahn Tokio z.B. selber her. Das Saringas war damals in flüssiger Form in Plastiksäcken, die in der U-Bahn platziert und mit spitzen Regenschirmen zerstochen wurden. Es gab 13 Tote und 1000 Verletzte.

Die "gebräuchlichsten" Kampfstoffe sind schon lange die Nervenkampfstoffe VX und Sarin. Sie wirken über die Luft und über Hautkontakt. Sie blockieren die Signale in den Nerven, um genau zu sein blockieren sie die Acetylcholinesterase. Die Gegengifte ("Antidot") sind Atropin und Obidoximchlorid. Diese werden Soldaten in Autoinjektoren mit auf den Weg ins Gefecht gegeben.

The Rock ist zweifellos einer der besten Actionfilme überhaupt. Aber im echten Leben wird Atropin in den Oberschenkelmuskel injiziert, und nicht in das Herz.

Als weiteres Mittgel gegen Nervenkampfstoff werden Piridostigmin Tabletten ausgegeben. Diese hemmen die Acetylcholinesterase und lagern es ein. Mann muss diese Tabletten in genau einzuhaltenden Abständen vor einem C-Angriff einnehmen. Sollte C-Kampfstoff eingesetzt werden wird die Einnahme der Tabletten gestoppt und die Acetylcholinesterase wird wieder verfügbar.

Film "Jarhead": Nach dem Unterschreiben der Verzichtserklärung, bzgl. Rechtsansprüchen gegen das US Militär, werden die Piridostigmintabletten, gegen Nervenkampfstoff, unter Kontrolle eingenommen.

"Scharfe" Atropininjektoren gegen Nervenkampfstoff oben und Übungsinjektoren unten, die vermutlich jeder Soldat bereits in der Hand hatte.
"Scharfe" Atropininjektoren gegen Nervenkampfstoff oben und Übungsinjektoren unten, die vermutlich jeder Soldat bereits in der Hand hatte.

Die Atropinspritzen waren früher wesentlich einfacher gestaltet. Die NVA verwendete bis zum Ende der DDR derartige Spritzen zum selber einstechen und ausdrücken. Das Foto links zeigt eine alte Bundeswehr Atropin Spritze.

 

Für einen "Prepper" gibt es kaum etwas, das schwieriger zu beschaffen ist wie Atropininjektoren. Ich habe etwa 4 Jahre gebraucht um meine auf legalem Weg zu bekommen. Wenn Ihr Atropin wollt redete mit eurem Hausarzt und kauft euch besser gleich normale Ampullen auf Rezept und Einwegspritzen.

Die Spürausstattung der Bundeswehr muss man alleine schon wegen dem tollen Set mit Ersatzteilen haben. Sie Spürpumpe ist natürlich von Dräger.
Die Spürausstattung der Bundeswehr muss man alleine schon wegen dem tollen Set mit Ersatzteilen haben. Sie Spürpumpe ist natürlich von Dräger.

Bedenkt, dass es die Prüfröhrchen auch zum Nachweis von CO, CO2 und vielem Anderen gibt. Die meisten auf dem "Sammlermarkt" sind schon sehr alt und nicht verlässlich. Kauft Euch zur Spürpumpe lieber aktuelle Röhrchen.

Und falls man coole Plastiktüten braucht findet man keine besseren als diese für ABC-Proben ;-)
Und falls man coole Plastiktüten braucht findet man keine besseren als diese für ABC-Proben ;-)

ABC-Schutzausrüstung der schweizer Armee mit Kampfstoffspürausstattung.

Das Erkennen von Kampfstoff, aus dem schweizer Soldaten Handbuch von 1959. Der Autor, Albert Bachmann, war sehr interessant. Er wurde später Leiter des Spezialdienstes, der Guerilliakrieg gegen evtl. einmarschierende Feinde führen sollte ("Stay Behind"). Er baute sogar, ohne Wissen seiner Vorgesetzten einen Sitz für eine schweizer Exilregierung in Irland auf. Dafür kaufte er dort ein Landgut. Als der Bundesrat 1980 davon erfuhr wurde alles Material aus Irland, in die Schweiz zurück gebracht. Denn der Bundesrat wollte sich im Kriegsfall in das Reduit zurück ziehen, und nicht ins Ausland flüchten.

Diese Übersicht zeigt Euch die Gruppen der unterschiedlichen Kampfstoffe. Am weitesten verbreitet ist heute Sarin und VX.
Diese Übersicht zeigt Euch die Gruppen der unterschiedlichen Kampfstoffe. Am weitesten verbreitet ist heute Sarin und VX.