Zivilschutz, Vorsorge für den Krisenfall, oder auch "Preppen"

-Auch der Staat ist ein Prepper

-Grundlegendes für eine private Krisenvorsorge

-Survival Kit und Bug Out Bag

-Dokumente und Urkunden sichern

-Brandschutz

-Die Abgründe der Prepperszene

 

Die Arroganz und Überheblichkeit einiger deutscher Medien die über die "Duck and Cover" Kampagne herziehen ist wirklich furchtbar. Damals hat die US Regierung Verantwortung übernommen und aktiv etwas zur Sicherheit ihrer Zivilbevölkerung getan. Und heute erreicht man, bei einem Stromausfall, nicht mal mehr den Notruf mit dem Handy. Und kein einziges der früheren 160 Hilfskrankenhäuser gibt es mehr.

Für mich ist das "Preppen" eine Kombination aus sinnvoller Vorbereitung und Hobby. Es gibt viele die sich bei der Krisenvorbereitung verrennen und nicht mehr rational handeln. Das fängt mit den einfachen Anschaffungen der offiziellen Empfehlungen an und geht für manche so weit, dass sie Gerätschaften zum Ackerbau beschaffen und Bunker bauen. Dazu gibt es eine gute Simpsons Folge: Homergeddon - Homer Goes To Prep School- (Staffel 24, Folge 9). Darin sieht man einige, unter Preppern, weit verbreitete Denkweisen kritisch aufgearbeitet. Es gibt so viele Blogs, Youtube Videos usw. in denen Ratschläge zum Preppen gegeben werden. Lasst Euch von den Panikmachern nicht anstecken. Jeder muss selber wissen was und wie viel er anschafft. Aber Denkt auch an das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen in Matthäus 25 1-13 und dem Öl das ausgeht ;-)

Auch der Staat ist ein "Prepper":

Es gab in der deutschen Geschichte immer wieder Situationen in denen Vorsorge seitens der staatlichen Organe als überlebenswichtig angesehen wurde. Dies betraf und betrifft das Militär, die Politik, aber eben auch die Zivilgesellschaft. Die Angst vor einem russischen Angriff war direkt nach dem Krieg schon so groß, dass einige Wehrmachtseinheiten bei ihrer Gefangennahme in Österreich durch die Amerikaner für einige Tage überhaupt nicht entwaffnet worden sind. Dies wurde mir vor vielen Jahren von einem Zeitzeugen berichtet. Die Amerikaner wollten notfalls die deutschen Einheiten sofort gegen die Russen einsetzen, falls diese ihren Vormarsch nicht stoppen sollten. Als Beispiel für die zivilen Vorbereitungen in dieser Zeit sei erwähnt, dass bereits 1946 der "Luftschutzverein" gegründet wurde. Dies war der Vorläufer unseres heutigen THW, das 1950 aufgebaut wurde.

Foto links: Die Bewohner eines Jugendheimes in Köln üben 1959, angeleitet vom Bundesluftschutzverband, das Bekämpfen eines Dachstuhlbrandes im Heim (Quelle: Zeitschrift Bevölkerungsschutz Ausgabe 195905).

 

Je länger die schlimmen Zeiten vorbei sind, desto weniger werden sie gefürchtet. Und daher waren die staatlichen Vorsorgemaßnahmen direkt nach dem 2. Weltkrieg vermutlich am eindrücklichsten. Damals ging es aber nicht nur um materielle Vorbereitungen, sondern vor allem auch um eine politische.

Das Katastrophenschutzfahrzeug einer kreisfreien Stadt. In vielen Landkreisen bekommt der Katastrophenschutz wieder mehr Bedeutung. Vor allem großflächige Stromausfälle werden gefürchtet.

Foto links: Stahlbehälter zum verstecken / vergraben der Ausrüstung der schweizer Stay Behind Organisation "P26".

 

In den 50er Jahren wurden von den Amerikanern geheime Gruppen aufgebaut wie "Kiebitz" oder der "Bund deutscher Jugend". Diese sollten nicht nur als Untergrundkämpfer bei einem russischen Einmarsch bereit stehen, sondern auch vorher, vor allem gegen Kommunisten aktiv werden. Diese Gruppen waren auch damals illegal und so kam es, dass die amerikanischen Geheimdienste und die deutschen Verfassungsschutzämter teilweise gegeneinander arbeiteten. Aber auch für den Verfassungsschutz gab es damals keine größere Gefahr als den Kommunismus. Später wurde die Stay Behind Organisation Gladio aufgebaut, die vom BND organisiert wurde. Die Vorbereitungen auf Kriege und Krisen liefen also auf sehr vielen Ebenen ab und aus heutiger Sicht ist einiges davon nicht mit einem Rechtsstaat vereinbar!

Angeblich hatte P26 keinen Kampfauftrag, die in deren Lagern aufgefundenen Waffen wie das G150 Schallabsorbergewehr in 10,4mm und die MP5-SD lassen aber Anderes vermuten.
Angeblich hatte P26 keinen Kampfauftrag, die in deren Lagern aufgefundenen Waffen wie das G150 Schallabsorbergewehr in 10,4mm und die MP5-SD lassen aber Anderes vermuten.

Aber der Staat sorgte nicht nur militärisch und politisch vor, sondern auch im Zivilschutz, um den es hier ja eigentlich geht.

Das Foto würde ein super Rätsel abgeben: Wer weiß was das für ein Zugabteil ist? Es ist ein Wagen der DB, der zu einem Lararettzug umgebaut werden konnte.
Das Foto würde ein super Rätsel abgeben: Wer weiß was das für ein Zugabteil ist? Es ist ein Wagen der DB, der zu einem Lararettzug umgebaut werden konnte.

Das erkennt man an den breiteren Türen um Krankentragen durchschieben zu können. Da der Zivilschutz stark vernachlässigt wird wurden alle derartigen Planungen aufgegeben und im Jahr 2020 mussten Coronapatienten in TGVs transportiert werden. Die Krankentragen wurden dafür oben auf den Sitzlehnen montiert.

Das Buch "Bunker aus dem Kalten Krieg" ist eines meiner liebsten überhaupt! Es zeigt einem viele verborgene Dinge in unserem Land, die noch aus dieser Zeit stammen. Wie z.B. die alten Lazarettzüge auf dem Foto oben. Aber es geht dort auch um das eingelagerte Notgeld, die Warnämter, das Fernsprechnetz der Bundesbahn usw. Das alles hatte den Zweck die Zivilbevölkerung zu schützen und als Staat handlungsfähig zu bleiben.

Mehr über Schutzräume und Bunker erzähle ich HIER.

Einer der interessantesten und intensivsten Pläne zur Vorsorge war vermutlich die berliner Senatsreserve. Berlin war ja durch die Blockade und die damals notwendige Luftbrücke schwer gezeichnet und niemand wäre auf die Idee gekommen den Sinn dieser Reserve anzuzweifeln. Darin waren z.B. 190.000 Tonnen Getreide, 4.000.000 Glühbirnen, 10.000 Nachttöpfe, 5.000 Fahrräder und noch vieles mehr. Bis ins Jahr 2017 mussten von den Behörden noch Lebensmittelkarten bereitgehalten werden. Etwas von dem Wenigen was auch heute noch getan wird ist die Einlagerung der "Zivilen Notfallreserve", die hauptsächlich aus Grundnahrungsmitteln besteht.

 

Als der 2. Weltkrieg lange vorbei war und der Kalte Krieg für beendet erklärt wurde fing eine neue Zeit an. Der 3. Weltkrieg wurde von den offiziellen Stellen als unwahrscheinlich angesehen und fast alle Vorsorgemaßnahmen wurden eingestellt. 1997 wurde der "Bundesverband für den Selbstschutz" aufgelöst und 2001 das "Bundesamt für Zivilschutz". Ich selber war früher in einer Hilfsorganisation tätig und merkte dort wie sehr die  Qualifikationen der Helfer und die Handlungsfähigkeit der Organisation unter dieser offiziellen Sichtweise litt. So wurden dort z.B. keinerlei Lehrgänge mehr abgehalten die im Falle einer großflächigen Katastrophe erforderlich gewesen wären (z.B. ABC-Schutz oder Gruppenführerlehrgänge). Es kam was kommen musste, die Behörden waren in mehreren großflächigen Katastrophen kaum noch handlungsfähig und 2004 wurde das "Bundesamt für Bevölkerungsschutz" gegründet. Man hätte viel Geld sparen und Wissen erhalten können, wenn man nicht vorschnell sinnvolle Organisationen aufgelöst hätte. Ein großer Schritt war nun die Herausgabe der offiziellen Empfehlungen vom BBK zur privaten Vorratshaltung. Von diesem Moment an mussten sich Prepper nicht mehr als "Spinner" rechtfertigen, sondern hatten quasi eine "staatliche Legitimation" für ihr Handeln. Mittlerweile hat das BBK sogar extra Medien für Kinder, mit Max und Flocke. Wisst Ihr übrigens, warum so viele Blogger den BBK Ratgeber zeigen und thematisieren? Weil er kostenlos bestellt werden kann und weil man sich damit keine eigenen Gedanken zum Thema machen muss. Ich werde daher nicht auf dessen Inhalt eingehen.

In der Zivilschutzfibel von 1964 geht es hauptsächlich um einen möglichen Krieg. Die aktuelle Version davon, der Ratgeber zur Notfallvorsorge vom BBK, behandelt die Vorbereitungen auf Katastrophen und kann kostenlos HIER bestellt werden.
In der Zivilschutzfibel von 1964 geht es hauptsächlich um einen möglichen Krieg. Die aktuelle Version davon, der Ratgeber zur Notfallvorsorge vom BBK, behandelt die Vorbereitungen auf Katastrophen und kann kostenlos HIER bestellt werden.

Grundlegendes zur privaten Krisenvorsorge:

(Im Kalten-Krieg wurde die Krisenvorsorge übrigens nicht "Preppen", sondern "Selbstschutz" genannt)

Aus meiner Sicht ist das Wichtigste eine Wasserreserve im Haus. Diese lässt sich sehr einfach und billig organisieren. Jeder muss sich mal selber vorstellen was passiert wenn plötzlich nichts mehr aus der Leitung kommt... Man sollte eine Flasche Desinfektionsmittel für Wasser haben (Micropur, Certisil...). Dazu bekommt man auch sehr günstig Wasserkanister. Meine Wasserkanister stammen von der Bundespost und waren für Schaltstellenbunker bestimmt.

Das Zweitwichtigste ist ein Lebensmittelvorrat. Ich kann jedem die Monatstonne empfehlen, die ich HIER vorstelle. Was man auf alle Fälle auch benötigt ist eine alternative Kochgelegenheit (Spiritus, Holz, Benzin usw. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich mit Kochern nicht sonderlich gut auskenne. Am Markt hat sich in den letzten Jahren auch viel getan. Bedenkt einfach nur welche Brennstoffe in einer Krise noch verfügbar sein können. Ich verwende zum Kochen fast nur meinen Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform Kocher (oder einfach Esbit). Dafür habe ich auch mal günstig bei ebay einen Vorrat an Brennstoff bekommen. Und bereits unsere Großväter nutzten diesen Kocher. Aber für längere Zeit und für mehrere Personen ist ESBIT wirklich nicht die beste Wahl. Billig und einfach sind vor allem Spirituskocher. Diese kann man auch einfach selber aus Bierdosen bauen. Und mit 10-20 Flaschen Spiritus kommt man auch für wenig Geld ziemlich weit. Einer der besten Kocher ist vermutlich der Polaris Optifuel, der viele unterschiedliche Brennstoffe verwenden kann.

Ihr benötigt eine Lichtquellen und jede Menge Batterien. Da ich ein  Freund der Stadardisierung bin rate ich dazu nur Lampen, Radios usw. anzuschaffen die über "normle" Batterien verfügen. Taschenlampen mit Litiumbatterien, Ladegeräten usw. sind zwar toll, aber zur Vorbereitung auf eine langfristige und großflächige Krise sind sie eher weniger geeignet (außer evtl. mit einer Solaranlage). Taschenlampen sollten für einen Krisenfall über bauchbare Leuchtstufen verfügen, denn nun wird die Leuchtdauer wichtig. Mittlerweile gibt es auch sehr gute Campinglaternen mit LEDs die sehr lange leuchten.

Die "Prepperbatterien" bekommt man bei Aldi und Lidl für 1,60 Euro / 8 Stück.
Die "Prepperbatterien" bekommt man bei Aldi und Lidl für 1,60 Euro / 8 Stück.
Die Einheitslaterne der Bundeswehr ist nicht nur ein richtig tolles Teil, sondern sie ermöglicht den Einsatz von Kerzen, Bunkerkerzen (große Teelichter), Petroleum und Karbit. Dazu hat sie diverse Signal und Tarnaufsätze.
Die Einheitslaterne der Bundeswehr ist nicht nur ein richtig tolles Teil, sondern sie ermöglicht den Einsatz von Kerzen, Bunkerkerzen (große Teelichter), Petroleum und Karbit. Dazu hat sie diverse Signal und Tarnaufsätze.
Es gibt so viel Spielzeug am Markt.... Ich mag es ja auch, aber überlegt mal wie viel sinnvoller ein ganzes Paket an Elektro-Einwegfeuerzeugen mit Nachfüllventil ist. Und Benzin ist auch recht leicht zu besorgen.
Es gibt so viel Spielzeug am Markt.... Ich mag es ja auch, aber überlegt mal wie viel sinnvoller ein ganzes Paket an Elektro-Einwegfeuerzeugen mit Nachfüllventil ist. Und Benzin ist auch recht leicht zu besorgen.

Kauft Euch keine Knicklichter zur Krisenvorsorge. Diese sind saumäßig teuer, funktionieren in einigen Fällen nicht. Ihr könnt sie nicht ausschalten usw. Es gibt aber inzwischen diverse Lampen mit ähnlichen Funktionen die für fast alle Situationen besser sind.

Aus China bekommt man Messer die im Preis- Leistungsverhältnis unschlagbar sind. Qualitativ besonders hevorgetan hat sich die Firma Ganzo.
Aus China bekommt man Messer die im Preis- Leistungsverhältnis unschlagbar sind. Qualitativ besonders hevorgetan hat sich die Firma Ganzo.

Nicht ohne Grund sind batteriebetriebene Radios auf jeder Vorsorgeliste zu finden. Sie sollten klein sein und auch über Kurzwelle verfügen. Die Geräte hier auf dem Bild sind aber ziemlich minderwertig. Mehr über Funkgeräte und Radios findet Ihr HIER, auf meinem Blog. Mit so einem Taschenalarm kann man seinen Schlafplatz absichern wenn man auf einer Flucht schlafen muss. Im Internet findet man tolle Anleitungen für "Alarmanlagen" aus Mausefallen mit Platzpatronen usw.

Survivalkit und "Bug Out Bag"

Mein Survialkit: Gold, Geld, SD-Karte, Esbit, Pfeife, Signalspiegel, Kompass, Tampon...
Mein Survialkit: Gold, Geld, SD-Karte, Esbit, Pfeife, Signalspiegel, Kompass, Tampon...

Das hier ist mein Survival Kit. Es basiert auf der Aludose der alten BW Notration. Wasserdicht verschlossen ist sie mit Panzerband. Darin ist haufenweise kleines Zeug. Z.B. Eine Speicherkarte mit Fotos aller wichtigen Unterlagen und Fotos der Familie (Zeugnisse, Familienbuch, Reisepass, Waffenbesitzkarte...), auf der Erkennungsmarke ist ein Foto der liebsten Menschen, Geld, Gold, Tampon, Angelzeug, Tabletten, Schleifstein, Kompass, Feuerstein... (eigentlich gehört in jedes derartige Kit auch Amphetamin wie Ritalin oder so, aber das ist natürlich rechtlich problematisch, evtl. tut es auch Koffein). Aber wer es wirklich ernst meint geht zu seinem Hausarzt und fragt ihn ob er ihm Ritalin verschreibt. Ein kleines Pfefferspray, oder Ähnliches, sollten eigentlich auch noch dran. Aber größer darf es eigenlich auch nicht mehr werden. Es ist klein genug für die Hosentasche, wo es in der Wildnis und im Feindesland hin gehört. Meiner Meinung nach wird das Survialkit aber stark überschätzt in seiner Bedeutung. Das Kondom hab ich mittlerweile raus genommen, denn sie funktionieren sehr schlecht zum Wasser sammeln. Der Tampon ist hauptsächlich zum Feuer machen gedacht, denn zum tamponieren einer Wunde eignet sich eine gepresste Binde wesentlich besser.

Meine Erste Hilfe Sets findet Ihr HIER. Wenn Ihr euch seit einigen Jahren damit nicht mehr beschäftigt habt solltet Ihr unbedingt das moderne Erste Hilfe Material anschauen. Es hat sich viel getan und es gibt so gutes Material dafür. Bedenkt aber, dass dieses wirklich sehr teuer ist.

Zur Krisenvorsorge sollte man aber viel günstiges Material beschaffen. Überlegt mal, wie viel Verbandmaterial Ihr braucht, wenn Ihr es mit einer Verletzung mehrere Tage nicht ins Krankenhaus schafft. Dafür eignen sich z.B. abgelaufene Kfz Verbandkästen oder auch militärisches Verbandmaterial, das man meist auch für wenig Geld bekommt.

Der Schwerpunkt liegt hierbei nicht bei Erste-Hilfe Material, sondern bei der langfristigen Wundvorsorgung und Krankenpflege. Eine Bettpfanne ist dabei sinnvoller, als das 5. Tourniquet. Anstatt mehrfach die üblichen Erste-Hilfe Lehrgänge zu wiederholen, sollte man sich lieber weiterbilden, z.B. mit den medizinischen Lehrgängen für Schiffsoffiziere.

Klassische Medikamente zur Krisenvorsorge sind z.B. Tamiflu gegen Grippe und Jodtabletten, um die Schilddrüse vor radioaktivem Jod zu schützen.

Der Fluchtfall und der "Bug out Bag" (BoB)

Das "Bug out Bag" ist ganz sicher keine neue Erfindung. Diese Liste für das "Notgepäck" ist auch in der Zeitschrift Bevölkerungssschutz Ausgabe 1959-07 zu finden.

In den Bug Out Bags werden unterschiedlichste Werkzeuge gelagert. Ich persönlich würde als aller erstes einen Klappspaten dort rein tun, und wenn ich noch mehr Platz verfügbar hätte ein Bundeswehr Klauenbeil. Das dritte Werkzeug wäre ein mittelgroßes Brecheisen.

Überlegt ob eine Flucht für Euch und die Familie wahrscheinlich ist. Ich z.B. habe keinen "Fluchtrucksack" gepackt. In diesem Fall kann man sich aber wenigstens Packlisten erstellen und manche Ausrüstungsgegenstände, die eh nur irgendwo rum liegen, zentral lagern. So spart man im Notfall Zeit und geistige Kapazität. Ich will hier wirklich keine Packlisten hochladen, denn das machen andere Blogger schon zur Genüge. Und vor allem hat jeder andere persönliche Umstände. Aber ein Gegenstand wird fast immer vergessen zu erwähnen, ein gültiger Reisepass oder Personalausweis.

In Jahr 2020 werden ganze Städte wegen dem Coronavirus unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt und Grenzen werden geschlossen.
In Jahr 2020 werden ganze Städte wegen dem Coronavirus unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt und Grenzen werden geschlossen.

Wie will man ohne einen Ausweis nachweisen, dass man dort lebt, Verwandte hat, die man versorgen muss usw.? Denkt auch an den Moorbrand 2018, wo Ortschaften evakuiert wurden. Wie will man ohne Ausweis durch die Straßensperren kommen, mit seinen Angehörigen einen gemeinsamen Platz in Auffanglagern bekommen usw... Und wenn Du jetzt vielleicht meinst, dass die Polizei das ja im Computer nachschauen kann, überlege ob Computer immer fuktionieren und ob vielleicht schlichtweg Soldaten die Straßensperren betreiben werden. Fertigt zusätzliche Kopien und Fotos von euren Ausweisen an, hebt abgelaufene Ausweise auf und lagert sie an sinnvollen Orten.

Eigentlich gibt es zwei mögliche Szenarien für einen Bug out Fall. Entweder man muss in Minuten das Haus verlassen (Brand, AKW Unfall, Chemieunfall...) oder in einer Krise wird man dazu gezwungen. Beide Situationen verlangen andere Ausrüstung. Eher unwahrscheinlich, und meist auch nicht sinvoll, ist ein längerer Aufenthalt in der Natur. Eine Flucht wird nur sinnvoll sein wenn man auch ein Ziel hat. Bei den "Preppern" gibt es dazu meist zwei unterschiedliche Standpunkte: Die einen meinen, dass das Verlassen des eigenen Hauses fast nur Nachteile hat, was auch meist stimmt. Die anderen gehen von einem kompletten Zusammenbruch der Gesellschaft aus und bereiten sich auf eine Flucht in den Wald vor. Diese Prepper haben meist schon den Bezug zur Realität verloren. Aber hierzu muss ich auch ehrlich sagen, wenn Teile meiner Familie nicht 1945 vor den Russen in den Wald geflüchtet wären, würde es meine Familie heute nicht mehr geben! Sie haben ihre Heimat nie wieder gesehen. Und da diskutieren manche Menschen tatsächlich noch darüber, ob Krisenvorbereitung überhaupt sinnvoll ist!? Ich werde auch die Schlagzeile zum Hurrikan Katrina nicht vergessen "Die USA haben ein Flüchtlingsproblem", was ich sehr eindrücklich fand. Obwohl die USA mit der FEMA eine gut aufgestellte Katastrophenschutzbehörde haben waren sie nicht mal in der Lage, beim Hurrikan Katrina, die Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen.

 

Im Falle einer Flucht habt Ihr hoffentlich ein Ziel. Das kann z.B. die Familie sein die wo anders wohnt, oder das Haus eines Freundes, das bei einer Flutgefahr höher gelegen ist. Die Flucht zu planen ist etwas wo man sich wirklich selber beweisen kann wie professionell man ist. Die Route wird auf der Karte geplant. Für alle möglichen Routen müssen Ausweichstrecken abseits von Autobahnen und Bundesstraßen gesucht werden. Denkt bei der Ausrüstung an Werkzeug um Leitplanken abmontieren zu können, sonst steckt Ihr ganz schnell auf einer Straße fest. Auf dem Weg könnt Ihr Erddepots vergraben oder planen. Treffpunkte, Tote Briefkästen und Erkennungszeichen suchen und absprechen. Die Funkverbindung testen. Alles in Karten notieren usw. Und genau so wird die Krisenvorbereitung zu einem sinnvollen Hobby, das Euren Horizont erweitert und die Familie schützt.

 

Erddepots anlegen?

Ihr findet im Internet einige Anleitungen über das Anlegen von Erddepots. Da ich es selber noch nie gemacht habe und keine Erfarungen damit habe will ich hier nicht groß Zeug erzählen mit dem ich mich nicht auskenne. Aber wenn man Zuhause nichts lagern kann, oder für die Flucht zu seinem Ziel Vorräte bereit haben will, kann es eine Möglichkeit sein um sich vorzubereiten. Bedenkt aber bitte auch, dass Ihr mit dem Anlegen von Erddepots schnell in den Fokus der Behörden geratet. So harmlos es ist seine Konservendosen im Wald zu vergaben, es wirkt verständlicherweise sehr verdächtig.

Wasserleitungsrohre aus dem Baumarkt für ein Erddepot. Man kann noch einen Esbit Kocher rein tun, es gut abdichten und später z.B. aufsägen (von mir auch liebevoll "Ravioli-Bombe" genannt).
Wasserleitungsrohre aus dem Baumarkt für ein Erddepot. Man kann noch einen Esbit Kocher rein tun, es gut abdichten und später z.B. aufsägen (von mir auch liebevoll "Ravioli-Bombe" genannt).

Bei der schweizer Stay-Behind Organisatzion P26 wurde Verwitterungsmittel eingelagert um Tiere von deren Erddepots fern zu halten, damit diese nicht am frisch bewegten Erdreich graben. Über die entsprechenden deutschen Organisationen ist leider fast nichts bekannt. Ihr könnt aber das Buch eines ehemaligen BND Mitarbeiters dazu lesen.

So könnte der erste Teil einer Fluchtplanung aussehen.
So könnte der erste Teil einer Fluchtplanung aussehen.

Dokumente und Urkunden sichern

Die Bedeutung eines Archivs wird so lange unterschätzt, bis es einstürzt oder abbrennt, wie 2009 in Köln. 1975 wurde damit angefangen alle relevanten Unterlagen der BRD als Mikrofilm im Barabrastollen im Schwarzwald einzulagern (auch "Zentraler Bergungsort" genant). Der Bergungsort unterliegt dem höchsten Schutz des Kriegsvölkerrechts und wurde extra wegen der Gefahr eines 3. Weltkrieges angelegt. Und Dank den dortigen Mikrofilmen kann einiges aus dem kölner Archiv rekonstruiert werden. Es macht meiner Meinung nach durchaus Sinn das selbe Prinzip für sich und seine Familie zu übernehmen. Meine Vorsorgemaßnahmen gliedern sich in 3 Teile:

 

1. Alle wichtigen Dokumente werden zentral in einem Ordner griffbereit gelagert. Wenn man ihn erst suchen muss wird man ihn vermutlich im Brandfall nicht retten können. Beim Standesamt und Einwohnermeldeamt bekommt man Meldebescheinigungen, Heiratsurkunden, Geburtsurkunden, beglaubigte Kopien vom Familienbuch usw. Kopien der Reisepässe gehören dort genau so rein wie Schulzeugnisse, Ausbildungsnachweise, Arbeitszeugnisse, Waffenbesitzkarten, Jagdschein, eigene Veröffentlichungen usw.

2. Die wichtigsten Dokumente daraus werden als Kopie (evtl. auch beglaubigt) zusätzlich bei Freunden oder Verwandten weit weg gelagert.

3. Alle diese Unterlagen werden abfotografiert oder gescannt und auf einer SD-Karte gespeichert. Diese kommt in das Survivalkit oder Bug-Out Bag. Auf dieser Speicherkarte haben meist problemlos noch die wichtigsten Familienfotos Platz. Denkt daran wie viele Familien 1945 auch ihre Fotoalben bei ihrer Flucht mitgenommen haben, auch Ihr wollt diese wichtigen Erinnerungen nicht verlieren.

 

Jedes Mal wenn ich nach London reise fotografiere ich alle meine Karten im Geldbeutel ab, um bei einem Diebstahl alle Daten daraus schnell verfügbar zu haben. Das ist quasi eine sehr kleine und ähnliche Vorsorgemaßnahme.

Der Ordner mit allen wichtigen Unterlagen liegt griffbereit. Ein Zweiter mit Kopien davon liegt bei Verwandten im Ausland.
Der Ordner mit allen wichtigen Unterlagen liegt griffbereit. Ein Zweiter mit Kopien davon liegt bei Verwandten im Ausland.
Diese Abschrift aus dem Familienbuch ist auf wasserfestem Plastik kopiert. Andere derartige Dokumente habe ich auch in Folie laminiert.
Diese Abschrift aus dem Familienbuch ist auf wasserfestem Plastik kopiert. Andere derartige Dokumente habe ich auch in Folie laminiert.

Brandschutz

Ich habe bereits mehrfach ernsthafte Brände im privaten Bereich erlebt. Daher habe ich in jeder höher gelegenen Wohnung in der ich gewohnt habe immer diese Abseilausrüstung bereit liegen gehabt.
Ich habe bereits mehrfach ernsthafte Brände im privaten Bereich erlebt. Daher habe ich in jeder höher gelegenen Wohnung in der ich gewohnt habe immer diese Abseilausrüstung bereit liegen gehabt.

Die Idee dazu stammt von jemand aus meiner Familie. Er wohnte etwa im 8. Stock und in seinem Wohnviertel ging einige Wochen ein Feuerteufel um. Und sogar in seinem Treppenhaus schlug er zu. Er schob nachts einen großen Altpapiercontainer in den Hausflur und zündete diesen an. Zum Glück rauchte dieser so stark, dass die Bewohner wach wurden bevor es richtig brannte.  Eine Feuerleiter gab es an seinem Wohnhaus nicht. Und auch ich habe bereits in Wohnungen gelebt in denen es keine Fluchtwege gab.

Wer sich "Prepper" nennt und keinen Feuerlöscher im Haus hat sollte sich wirklich schämen ;-)

 

Zum Brandschutz habe ich immer, schon seit vielen Jahren, Rauchmelder installiert. Mitten in der Wohnung lagen immer eine Löschdecke und ein Feuerlöscher bereit. Diese bekommt man für anständige Preise bei IKEA oder auch regelmäßig bei Aldi.

 

Bei einem Großbrand in einer Industrieanlage (dienstlich) hatte ich vor einer Weile eine Feuerlöschgrante in der Hand. Das war ein irres Teil, etwa so groß wie ein Kugelgrill. Wer die ultimative Ausrüstung sucht besorgt sich so was (bitte erkennt die Ironie!!!!) .

Und auch diese Wolf Löschpistole ist ganz schön tactical. Leider gehört sie nicht mir.

 

Geht bitte ein mal durch eure Wohnung / Haus und schaut euch um. Überlegt was passiert wenn es brennt. Kommt ihr aus der Haustüre raus wenn ihr nichts mehr seht? Oder schließt Ihr die Türe ab und hängt den Schlüssel ans Brett? Dann werdet Ihr vermutlich dort nicht raus kommen. Lasst ihn dann besser im Schloss stecken.

Habt Ihr Rauchmelder installiert?

Ist das Treppenhaus der einzige Ausgang aus einem hohen Stockwerk? Braucht ihr einen alternativen Fluchtweg mit Abseilausrüstung oder Leiter?

Habt Ihr einen Feuerlöscher? Löschdecke ? Kübelspritze...?

(Kübelspitzen sind viel besser als ihr Ruf)

Teilweise ist es schon etwas erschreckend was für Menschen für den Brandschutz zuständig sind.... Diesen Feuerlöscher konnte ich vor vielen Jahren bei meiner Arbeit als Detektiv fotografieren.

Ich will Euch hier noch ganz kurz von zwei Bränden erzählen mit denen ich privat zu tun hatte:

 

Fall 1: Jemand hat mit dem Fahrradlenker in der Wohnung den Schalter für den Herd versehentlich betätigt. Auf dem Herd stand eine Plastikschüssel. Durch eine verschlossene Zimmertüre bemerkten wir die massive Rauchentwicklung sehr spät. In der Wohnung waren nur noch etwa 20cm Sicht. Zum Glück hatte ich eine Gasmaske griffbereit und kam raus. Es gab kaum Schäden und wir hatten viel Glück.

Fall 2: Eine Lichterkette eines bekannten Discounters (nennen wir ihn Al... oder vielleicht doch besser ..di) wurde an einem Fenster befestigt und fing am Morgen Feuer. Ich war mit der Familie im Weihnachtsgottesdienst und sah das Feuer durch das Kirchenfenster. Wir konnten den Bewohner, nach erfolglosen Versuchen die Türe einzutreten, wecken und das Feuer löschen (ich habe eine tolle Familie auf die im Notfall immer Verlass ist). Dieser Brand hat mich etwas traumatisiert und mein Bewusstsein hat zu meinem Schutz meine Erinnerung an alles was in dem Haus passiert ist gelöscht. Erst im Laufe der nächsten Monate kehrte meine Erinnerung zurück. Ich hätte so etwas kaum für möglich gehalten. Ich erlitt damals eine Rausgasvergiftung, was sich furchtbar anfühlte. Ich spürte damals, wie mir mit jedem Atemzug immer mehr Leben aus meinem Körper entwich. Dafür konnten wir jemandem das Leben retten. Ein sehr "lebenserfahrener" Freund hat bereits Jahre davor zu mir gesagt dass nach einer echten Lebensrettung immer viel geredet wird. Aber man wird niemals Dankbarkeit bekommen. Ich hatte ihm das nicht geglaubt. Aber auch dieser Mensch meldete sich nie wieder bei mir! Nur die örtliche Polizei rief mich an und dankte für unseren Einsatz.

Natürlich heben ich mir entsprechende Zeitungartikel auf.
Natürlich heben ich mir entsprechende Zeitungartikel auf.

Die Abgründe der "Prepper Szene"

Die Prepper werden vom Verfassungsschutz beobachtet...

Es wurde 2017/2018 viel im Internet darüber geredet und diskutiert, dass die Verfassungsschutzämter "Prepper" beobachten wollen. Die Presse bewies mal wieder eindrucksvoll, dass sie selber "Hetze" betreiben und nicht in der Lage sind differenziert zu berichten. Ausschlaggebend waren Ermittlungsverfahren gegen "Prepper" die Straftaten gegen unsere staatliche Ordnung geplant hatten. Wer wirklich mit kriminellen Mitteln gegen Andersdenkende vorgehen will ist kein Prepper, sondern eher ein Terrorist. Aber wer Konserven und Batterien für den Notfall im Keller lagert erfüllt seine staatsbürgerliche Pflicht zur Selbsthilfe und befolgt die Empfehlungen des BBK. Daher hat diese Beobachtung überhaupt nichts mit "Preppern", sondern etwas mit Staatsfeinden zu tun. In einigen dieser Kreisen ist es leider normal, dass die staatliche Ordnung als Feind angesehen wird. Und sollten diese „Prepper“ dazu noch Waffen erwerben und sich organisieren ist das alles zusammen eine Gefahr für unsere Gesellschaft und darf nicht akzeptiert werden. Interessanter Weise sind es genau diese Menschen, die Verschwörungstheorien und der Reichsbürgerideologie hinter rennen. Sie beschweren sich über die Schwächen unseres Staates und sind selber ein Teil des Problems. Sie jammern über eine "schwache Bundeswehr", würden aber nie auf die Idee kommen in der Reserve aktiv zu werden. Absolut keiner davon tut selber etwas um unsere Gemeinschaft (also auch den „Staat“) zu stärken. Keiner opfert seine Freizeit um im Roten Kreuz oder dem THW mitzuhelfen. Auf solche Menschen ist in einer Krise auch kein Verlass, denn sie denken nur an sich!

 

Nachtrag vom August 2019:

Eine Kleinigkeit muss ich doch noch richtigstellen / korrigieren, denn ich kenne einen pädophilen Reichsbürger. Und der ist sehr aktiv in der Bergwacht....