Scherben auf dem Asphalt

Noch nicht ganz vollständig und voller Tippfehler. Das wird noch ausgebessert. Den Text habe ich gerade auf dem Handy geschrieben.

 

(als kleinen Spaß gliedere ich diese Geschichte, wie ich es mal in der 6. Klasse gelernt habe, in Einleitung, Hauptteil und Schluss :-)

 

 

Scherben auf dem Asphalt

 

Einleitung:

 

Ich muss regelmäßig an den Fahrer eines Abschleppwagens denken. Er kam zu uns um einen Falschparker abzuschleppen und war ziemlich "durch den Wind". Er stieg aus, kam zu uns, zeigt uns ein Hanyfoto und sagte: "Seht ihr den toten Hund? Den hab ich grade aus einem Auto raus geholt und er ist in meinen Armen gestorben"....

 

Die Kollegen wurden also zu einem der vielen Einsätze gerufen bzgl einem Tier in einem Auto. Es gab sie in meinem Revier regelmäßig. Und in 95% der Fälle hörte man dann am Funk "Das Auto steht im Schatten, dem Hund gehts gut, wir fahren wieder". Es gab so viele Fälle in denen besorgte und "tierliebe" Passanten die Polizei rufen ohne selber genau zu prüfen ob ein Hund in einem Auto wirklich Hilfe braucht. Diese Einsätze nervten uns ziemlich. Das Schlimmster derartige waren "Tierschützer" die sich als "Tierschutzpolizei" aufspielten. Sie fragten dann die Mitglieder von osteuropäischen Bettelbanden nach den Impfpässen für ihr Hunde um zu prüfen wie alt die Hunde sind und ob sie geimpft sind. Auch von diesen Leuten wurden wir regelmäßig gerufen, bis wir ihnen diesen Zahn zogen...

Samstagmittag stieg ich am Einsatzort aus dem Streifenwagen und erkannte sofort eine dieser "Tierschützerinnen". Sie hatte einen Hund auf dem Arm und wollte diesen einem Bettler nicht zurück geben. Sie sagte, dass er unterernährt wäre und der Impfpass nicht stimmen würde. Sie meinte allen ernstes, dass sie den Hund jetzt mitnehmen kann und ins Tierheim bringen darf!? Nach dem ich ihr eine ordendlichen Anschiß verpasst habe, was ihr einfällt Impfausweise zu kontrollieren forderte ich sie auf den Hund zurück zu geben. Den Hund und den Bettler mussten wird nun einpacken, sollte wirklich ein Verstoß vorliegen hätten wir die "Tierschützer" nicht abwimmeln können. Auf der Dienststelle begutachtete ein hinzugerufener Hundeführer den Hund und den Impfausweis. Und jetzt kommts: Ich hatte einen Kollegen der Tiermedizin stuiert hatte :-) (Kein Witz, er war "Polizeiobermeister Dr. ...).

 

Und es war ja klar: Dem Hund ging es wunderbar! Das ändert nichs daran, dass das organisierte Betteln mit Hunden abzulehnen ist, aber die Polizei waren schließlich wir. Und nicht irgendwelche selbsternannten "Tierschützer"! Bei der nächsten derartigen Begegnung mit dieser Frau belehrte ich sie förmlich, dass ich eine Strafanzeige wegen Amtsanmaßung gegen sie fertigen werde, sollte sie noch einmal einen Bettler kontrollieren. Ich habe sie nie wieder gesehen!

 

 

JPX Pfefferpistole mit montierter Kamera zur Beweissicherung.
JPX Pfefferpistole mit montierter Kamera zur Beweissicherung.

Hauptteil:

 

Aber nun zu dem, was ich eigentlich erzählen wollte:

 

 

Mein Kollege an diesem Tag stand kurz vor der Versetzung zu einer "Fachdienststelle". Er hatte daher etwas Angst davor Beschwerden oder Anzeigen zu bekommen. Aber auch ohne diese anstehende Versetzung war er immer etwas ängstlich wenn es darum ging eigene Entscheidungen zu treffen und sie konsequent durchzusetzen. Ich erinnere mich noch, dass es ein ruhiger, schöner und heißer Tag gewesen ist als wir Streife fuhren. Dann kam der häufige und nervige Einsatz für uns "Fahren Sie bitte in die ... Straße. Ein Hund sitzt in einem verschlossenen Auto".

Der Einsatzort war am Hintereingang eines weltbekannten Hotels. Die Mitarbeiter des Hotels standen dort und rauchten. Dabei hörten sie den besagten Hund aus einem Auto auf der anderen Straßenseite winseln. Die Sonne hatte sich so weiter bewegt, dass das Auto jetzt in der prallen Sonne stand. Wir hatten an diesem Tag etwa 30 Grad im Schatten, wie heiß es in dem Auto war würde ich gleich selber zu spüren bekommen.
Unsere Mitteiler meinten, dass sie den Hund bereits vor 30 Minuten zum ersten Mal gehört hatten und seit etwa 15 Munition war dem Hund kein Mucks mehr zu entlocken.
Die Scheiben des Van waren hinten alle verdunkelt. Wir konnten lediglich das helle Halsband erkennen, wie es sich durch das flache Hecheln auf und ab bewegte. Er reagierte bereits auf gar nichts mehr. Er versuchte nur noch zu überleben... Und ich musste wieder an den Hund denken bei dem die Kollegen gezögert und den Abschleppdienst zur Fahrzeugöffnung gerufen hatten...

"Isar, versuchen sie bitte den Fahrzeughalter zu erreichen. Der Hund muss sofort raus geholt werden. Das Kennzeichen ist ...".
5 Minuten später kam die Antwort. Sie haben eine Handynummer rausbekommen und der Fahrzeughalter geht nicht ans Telefon. Mittlerweile saß der Hund mindestens 40 Minuten in der Hitze und hatte nicht mehr viel Zeit. Ich fragte mich ob er es überhaupt überleben würde. Und wir hatten mittlerweile etwa 20 Zuschauer...

 

Ich versuchte kurz mein Glück mit meiner Pickpistole und den Probierschlüsseln (Sperrwerkzeug), aber mir war schon klar, dass ich bei diesem Türschloss keinen Erfolg haben werde.

Ich sagte zu meinem Kollegen, dass ich die Scheibe jetzt einhaue. Er hatte Zweifel ob wir nicht den Abschlepper rufen sollen. Der hätte das Auto in Sekunden zerstörungsfrei geöffnet. Aber auf den hätten wir 15-30 weitere Minuten warten müssen. Ich fragte meinen Kollegen ob er schon mal ne Scheibe eingeschlagen hat und ob er es machen will. Aber er wollte es nicht machen. Dafür hatte ich auch Verständnis. 1. war es meine Entscheidung und Maßnahme und 2. hätte ein Strafverfahren gegen ihn seine Versetzung verzögern können.

Ich dachte mir, wenn wir schon so viele Zuschauer haben, soll unsere Aktion auch cool aussehen. Ich nahm meinen Tonfa aus dem Kofferraum. Mein Kollege ermahnte mich aber zum Glück einen Glasbrecher zu benutzen um nicht den Fahrzeuginnenraum mit Splittern zu übersähen. Damit hatte er völlig Recht. Und so kam endlich das Voktorinox Rettungsmesser zum Einsatz, dass mir mein Schwiegervater geschenkt hatte.
Ich schaute in das Auto um nach Türgriffen oder Knöpfen für die Zentralverriegelung zu schauen. Ich wurde aus den Knöpfen nicht schlau, also fragte ich laut in die Menge der Zuschauer ob irgendwer weiß wo die Zentralverriegelung von diesem Auto ist. Einer der Passanten konnte mir den Knopf an der Fahrertüre zeigen. Normalerweise schlägt man ein Seitenfenster hinten ein, da diese billiger zu ersetzen sind und die Weiterfahrt einfacher ist für den Fahrzeugbesitzer. Aber hinten waren drei Kindersitze montiert und darauf wollte ich auf keinen Fall Glassplitter haben.

 

Ich machte kurzen Prozess, im Bewusstsein, dass es bald ziemlich Ärger geben würde... Ich zog meine Handschuhe an und schlug die Scheibe ein. Ein Teil der Splitter flogen nach Innen. Die meisten blieben aber als Wand stehen und ich konnte sie mit meiner Hand nach außen auf die Straße kippen. Nun drückte ich den Knopf für die Zentralverriegelung. Der Kollege stand am Kofferraum um den Hund gleich raus zu holen. Aber es passierte nichts. Ich zog am Türgriff und es passierte wieder nichts (das ist ein saumäßig blödes Gefühl, wenn man Zuschauer hat). Ich versucht keine Miene zu verziehen und so zu tun als ob ich damit gerechnet hätte. Und mir fiel rettenderweise auch sofort ein Alternativplan ein (den hätte ich eigentlich schon vorher haben sollen). Ich ging zum Streifenwagen, zog meinen Einsatzgürtel aus und schloss ihn ins Auto. Jetzt zwängte ich mich durch das kleine Fahrerfenster und versuchte nicht noch mehr am Auto kaputt zu machen. Mein Kollege konnte dort unmöglich rein, ich glaube er war etwa 2,05m groß und musste sich sogar in jedem Türrahmen bücken. 

 

In dem Auto war es unfassbar heiß. In Sekunden lief mir der Schweiß das Gesicht runter. Ich will jetzt keine Schätzung abgeben wie heiß es da drin war, aber kein Mensch wäre freiwillig auch nur eine Sekunde in diesem Auto geblieben. Der Hund machte keinen Mucks, und das obwohl ich grade in sein Auto eingebrochen war. Ich kletterte über alle Sitze und die Kindersitze. Dafür musste ich auch noch Kopfstützen abmontieren. Als ich im Kofferraum angelangt war öffnete ich die seitlichen Verschlüsse der Hundebox. Es war eine Plastikbox, ähnlich einem Wäschekorb. Als ich die Verschlüsse geöffnet hatte und nach der Verriegelung für den Kofferraum suchte (ich wollte den Hund nicht durch das Auto nach vorne tragen) hörte ich das Klacken der Zentralverriegelung. Die Fahrzeugbesitzer sind in diesem Moment zurück gekommen. Mein Kollege öffnete den Kofferraum und ich bekam endlich frische Luft. Ich war in diesen Sekunden mehr mit meinem eigenen Kreislauf beschäftigt, aber ich hörte, dass sie sich sofort darüber aufregten, dass die Passanten wegen ihrem Hund die Polizei rufen. Die Frau fauchte schon meinen Kollegen an und der Mann nahm den Hund aus dem Kofferraum. Er brachte ihn in den Schatten und gab ihm Wasser. Die Beiden hatten auch ihre ganzen Kinder dabei. Nach 10 Minuten schien es dem Hund wieder besser zu gehen.

 

Das war jetzt der Moment in dem ich mir dachte, wenn die jetzt dumm tun, dann werd ich giftig!

 

Als wir den Beiden jetzt sagten, dass wir ihre Scheibe eingeschlagen haben wurden sie noch unverschämter. Ich hörte mehrfach "Sie zeig ich an...." und sie beschwerten sich darüber, dass wir sie nicht angerufen haben (ihr Handy war lautlos geschaltet). Dann kam das, was von einem anständigen Schandi erwartet wird. Ich verpasste ihnen einen richtigen Anschiß und erklärte ihnen, dass sie durch ihr jetziges Verhalten sich eine Anzeige von mir eingehandelt haben. Und jetzt kam der nächst Kracher: Die Frau sagte so laut, dass es alle Passanten hören konnten: "Ein Hund ist eine Sache und kein Lebewesen"! Die Zuschauer konnten es nicht fassen was sie gehört hatten...

 

Zurück auf der Dienststelle erstattete ich zuerst meinem Chef bericht. Sobald ein Einsatz derart öffentlichkeitswirksam geworden ist gehörte sich das so. Ich machte am Computer einen Vorgang daraus und begann mich in die Rechtslage einzulesen. Eine Straftat haben die beiden Hundehalter nicht begangen, aber es gab eine spezielle Ordnungswidrigkeit nach der Hundehaltungsverordnung. Die Pressestelle bekam ebenfalls unverzüglich einen Bericht dazu. Mein Chef kam in das Büro und sagte halb als Frage und halb als Feststellung nur "Kosten". Damit meinte er die Kostenerhebung für polizeiliche Maßnahmen. Das Kostenrecht ist sehr kompliziert und der Fall muss erst für so etwas genau geprüft werden. Aber ich bin rechtlich in das Kostenrecht gekommen. Ich habe diesen Leuten also wirklich für das Einschlagen der Scheibe 50 Euro Gebühren berechnet. Drei Wochen später bekam ich eine e-Mail der Kostenstelle mit der Bitte einige Fragen mit einer schriftlichen Stellungnahme zu beantworten um die Kostenerhebung gerichtsfest zu machen. Wie hoch das Bußgeld für diese Tierquälerei gewesen ist weiß ich leider nicht mehr. Billig wird das in diesem Fall jedenfalls nicht gewesen sein.

 

 

In meinem Jagdrevier wurde nicht nur ein Mal Gras angebaut. Das letzte Mal konnten wir die Kiffer überführen. Mehr dazu findet ihr in meinem Jagdaufseher Tagebuch und bei Jagdschutz.

Schluss:

 

Die Pressestelle ließ es sich nicht nehmen und berichtete ausführlich über diesen Fall. Es gibt kaum etwas über das sie lieber berichten als "Tierrettungen". Und die Presse findet solche Geschichten auch immer toll. Wir waren also am nächsten Tag die Helden der Stadt.

Ich entdeckte unter einem Onlineartikel einen Kommentar, der zweifelsfrei von einem der beiden Hundehalter geschrieben wurde. Alle Kommentatoren sagten natürlich die übelsten Dinge über diese "Tierquäler". Und dieser eine relativierte das Verhalten und hatte das was wir bei der Polizei "Täterwissen" nennen :-) Auch ich habe es mir nicht nehmen lassen etwas zu kommentieren. Das was ich geschrieben habe war aber eher dezent und etwas entlarvend, ohne zu offenbaren wer ich bin.

Ich bin mir auch bis heute sicher, dass dieser Hund 15 Minuten später nicht mehr gelebt hätte. Auch wenn die Besitzer natürlich noch rechtzeitig zurück gekommen sind. Genau genommen haben wir den Hund also nicht gerettet. Aber wir hatten einen starken Auftritt. Und das Wichtigste ist, dass diese Leute ihren Hund garantiert nicht mehr im Auto in der Hitze stehen lassen. 

 

Und von dem auf der Straße angedohten "Anwalt"  habe ich leider nie etwas gehört, es wär lustig gewesen mit ihm zu sprechen. Wenn sie überhaupt beim Anwalt waren hat er ihnen vermutlich gesagt, dass sie besser ihren Mund halten und alles bezahlen sollen.

 

Der Bruchwald in meinem Jagdrevier. Mehr über Jagd- und Artenschutz findet ihr HIER.
Der Bruchwald in meinem Jagdrevier. Mehr über Jagd- und Artenschutz findet ihr HIER.