Off Duty, was mich außer Dienst beschäftigt hat

Mein Revier war mitten in der Stadt. Parkplätze hatten wir nicht, nicht mal unser Chef. Wir sind alle mit den Öffentlichen zur Arbeit gefahren. Nur einer in meinem Revier hat sich einen Platz in einer Tiefgarage gemietet, für etwa 250,-/Monat. In Uniform ist eigentlich auch keiner zur Arbeit gekommen, das wäre für jeden von uns auf Dauer zu stressig und gefährlich gewesen. Wenn man sich bei der Arbeit mit dem Bodensatz der Gesellschaft rum schlagen muss will man nach der Arbeit seine Ruhe haben. Wir haben auch allen unseren Praktikanten immer sehr davon abgeraten in Uniform zur Arbeit zu kommen, das Risiko ist für unerfahrene Beamte einfach zu groß. Ich habe selber schon Kollegen „zusammengeflickt“ die auf dem Heimweg ein „Einschreiten“ hatten und dies nicht unbeschadet überstanden haben. Einer ist sogar dienstunfähig geworden, weil er so massiv was abbekommen hat.

Gesehen habe ich auf meinen Wegen zur Arbeit viel. Betrunkene, Kollegen die raufen mussten, unangemeldete Demonstrationen von Salafisten und Linken, Randalierer, Idioten mit Airsoftwaffen, Schlägereien, Lebensmüde...

Teile meines Off-Duty EDCs. Ersatzmagazin, Fesseln und Pfeffer waren eigentlich immer dabei.
Teile meines Off-Duty EDCs. Ersatzmagazin, Fesseln und Pfeffer waren eigentlich immer dabei.


 
Meine geklaute Tageszeitung

Es waren einige Tage die sich Kollegen von Landdienststellen kaum vorstellen können. Ich musste fast jeden Tag raufen. Überall waren nur Idioten und Besoffene. Jeder Widerstand eines Kunden bedeutete eine schriftliche Stellungnahme von jedem beteiligten Kollegen. Wenn es nun notwendig war auf der Straße für Ordnung so sorgen wurden wir noch zusätzlich am Schreibtisch gebunden. Ich hatte also nach jeder Schicht genug gearbeitet und wollte nur noch Heim und schlafen, obwohl ich immer zu jenen gehört habe die nicht weg geschaut haben und eingeschritten sind, wenn es nötig war. Ich bin also an einem dieser Tage nach der Ablösung durch die Nachtschicht aus dem Revier gekommen und was sehe ich neben mir? Ein besoffener Vollidiot pisst an unser Revier! Ich hatte so die Schnauze voll, dass ich einfach dran vorbei gegangen bin. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre dem Typen ein 150 Euro Bußgeld sicheer gewesen. Lustigerweise haben wir so was immer als „Belästigung der Allgemeinheit“ angezeigt und nicht nach der örtlichen Stadtsatzung, dadurch konnte die Stadt höhere Bußgelder erlassen. Wir hatte auf kleinstem Raum über 1000 Gastro-Betriebe, daher immer viele solche Anzeigen.

An diesem Tag bin ich also wenigstens durch intensives Wegschauen ruhig nach Hause gekommen. Aber als am nächsten Tag meine Frühschicht vorbei war bin ich wieder nach Hause gegangen. Ich habe mir eine Tageszeitung gekauft und mich an der Tramhaltestelle auf die Bank gesetzt. Und da war sie: Etwa 40 Jahre alt und so was von geisteskrank..... Sie hatte an diesem Tag ihre Tabletten nicht genommen. Also schrie sie wirres Zeug in der Gegend rum. Ich versuchte meine Zeitung zu lesen und nicht zu viel davon mitzubekommen. Ich wollte ja schließlich nach Hause. Aber meine Tram war noch nicht in Sicht. Sie schrie also weiter „In Wallhalla.....“ „Ihr werdet es erleben.....“. Sie machte das Satanszeichen und zeigte jedem den Stinkefinger. Neben mir saß ein junges Paar vom Land, die fanden die Show richtig gut und hatten Spaß beim Zuschauen. Jetzt machte die Bekloppte mit ihren Fingern eine Pistole und erschoss einen Passanten nach dem Anderen. Ich verkroch mich wieder hinter meiner Zeitung. Aber so einfach war das alles natürlich nicht, sonst würde ich es Euch nicht erzählen. Als meine Tram einfuhr meinte die Bekloppte, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre ihr Leben zu beenden. Sie trat auf die Gleise, breitete die Arme aus und ging der Tram entgegen.... Der Fahrer bimmelte was das Zeug hält und bremste so schnell es ging. Was blieb mir jetzt also Anderes übrig als nun doch noch etwas zu Arbeiten. Ich legte meine Zeitung auf die Bank und zog sie von den Gleisen. Nach dem die Tram nun nach der Vollbremsung eingefahren war musste ich mit der Frau sprechen und ergründen was der Mist sollte. Aber die wollte nur in die Tram und weg fahren. Aber das konnte ich jetzt auch nicht mehr zulassen. Dann schmeißt sie sich vor die nächste Tram, ein Auto oder sonst wo hin. Ich bat sie da zu bleiben, aber sie wollte nicht. Ich fasste sie am Arm, aber sie riss sich los. Jetzt musste ich das machen was ich an diesen arbeitsreichen Tagen unbedingt vermeiden wollte, ich hielt ihr meinen Ausweis vor die Nase und sagte „Ich bin von der Polizei und sie bleiben jetzt hier“. Aber sie dachte nicht dran und meinte „Nein, ich fahr jetzt mit der Tram“. Ich hatte wirklich keine Lust in meiner Freizeit auch noch Raufen zu müssen. Also nahm ich mein Handy und wollte die Kollegen rufen. Aber kaum hatte ich es in der Hand riss sie es mir aus der Hand und schleuderte es auf den Boden! Da lag es nun in Einzelteilen unter der Tram. Die Zeit des Redens war jetzt vorbei. Ich packte ihren Arm und drehte ihn auf ihren Rücken. Ich zog meine Fesseln aus der Jackentasche und drückte ihr die erste Fessel ums Handgelenk, aber das zweite Handgelenk bekam ich nicht zu fassen. Sie war mittlerweile auf ihren Knien und ich über ihr. Während ich versuchte sie zu fesseln schauten mir natürlich jede menge Leute zu. Das junge Pärchen stand neben mir und fand alles ziemlich spannend. Auf meiner anderen Seite kam nun der Gutmensch. Der Gutmensch kommt immer wenn Polizisten Gewalt anwenden müssen. Er sieht die Gewalt und findet das falsch. Aber das die Gewalt einen guten Grund haben kann geht über sein Vorstellungsvermögen. In diesem Fall war der Gutmensch eine Frau die mich anfauchte „Ich bin Ärztin, ich kann das nicht akzeptieren was sie da machen.... Jetzt haben Sie ja bewiesen dass sie stärker sind und können die Frau los lassen....“

Jeder hier kann sich vermutlich vorstellen was passieren kann wenn man solche Leute nicht unter Kontrolle bringt. Hier könnt ihr es jedenfalls als Echtfall sehen (Min. 1:52):


Ich hatte mich also in eine gaanz blöde Situation gebracht. Ich war alleine, mein Handy war kaputt, ich bekam die Situation nicht mehr unter Kontrolle und um mich rum stand die halbe Stadt. Also sagte ich zu dem jungen Pärchen neben mir „Ruft die Polizei, sagt dass ich Unterstützung brauche“.
Als sie den Notruf wählte sagte ich zu ihm: „Komm, los, pack mit an“. Da war Begeisterung in seinem Gesicht. Er war in der nächsten Sekunde bei mir, packte ihren Arm und half mir sie zu fesseln. Nun war das Gröbste überstanden. Die Bekloppte setzte sich jetzt in den Schneidersitz, beugte ihren Kopf nach unten und rührte sich nicht mehr. Die Weltverbesserin stand immer noch neben mir und redete irgend einen Mist, dass sie jetzt da bleiben muss und aufpasst usw. Was genau sie wollte weiß ich nicht, war mir auch egal. Irgendwann sagte ich ihr nur, dass sie sich jetzt wichtig machen will, es ihr aber vorher egal war als es um das Leben der Verrückten ging. Nach wenigen Minuten schossen aus allen Ecken die Streifenwagen herbei. Die erste Streife war ein VW Bulli von meinem Revier der hinten voll war mit Schüler-Praktikanten, alle etwa 15 Jahre alt. Ich konnte die Verrückte an die Kollegen übergeben. Meine Zeitung war in der Zwischenzeit tatsächlich schon geklaut worden. Mit einer Streife bin ich zurück zum Revier gefahren und hab den Kollegen geholfen die Einweisung zu schreiben. Die nächsten Tage gingen genau so weiter. Erst etwa zwei Wochen später normalisierte sich alles etwas.

Das junge Pärchen habe ich am nächsten noch angerufen und mich bedankt. Eine Kollegin eines anderen Reviers ist mir auch mal in ihrer Freizeit zu Hilfe geeilt, als ich alleine im Dienst auf einem Markt einen renitenten „Flüchtling“ bändigen musste. Der war ich genau so dankbar wie diesem Pärchen, denn alleine bekommt man eigentlich niemals jemanden gefesselt der sich wehrt.

Der Afghane

An diesem speziellen Tag musste ich nicht alleine nach Hause gehen gehen. Ich wurde abgeholt und ging mit meiner weiblichen Begleitung zur U-Bahn runter. Auf der Rolltreppe sah ich den Kunden des Tages dabei wie er einen Streit mit einer Frau "ausdiskutierte". Er trieb sie also mit Schlägen in das Gesicht vor sich her. Ich schaute meine Begleitung an und deutete mit der Hand am Ohr an, dass sie die Kollegen rufen soll. Es ist doch eine gute Sache wenn man sich mit intelligenten Menschen umgibt. Nur einige Sekunden später waren die ersten Streifen unterwegs zu uns... Ich fauchte den Asylanten an „Lass die Frau in Ruhe“. Das tat er auch sofort... und kam mit geballten Fäusten auf mich zu. Meine Rechte tastete nach meiner Pistole unter dem T-Shirt, meine Linke zog das Pfeffer aus der Hosentasche. Ich sagte zu ihm „bleib sofort stehen, Polizei“. Aber er hatte andere Pläne... Er schaute mich verächtlich an und meinte nur „was willst Du“ und schubste mich. Für eine zweite Warnung blieb keine Zeit mehr als er mir an die Gurgel wollte. Das Pfeffer landete mitten in seinen Augen. Er rannte sofort los, die Rolltreppe nach oben. Eine Sekunde später griff mich ein Anderer von der Seite an. Auch für diesen war noch genug im Pfeffer drin. Er ging sofort zu Boden als ihn das Zeug in den Augen traf. Ich rannte dem Afghanen hinterher.

In der Zwischenzeit hörten die Kollegen es am Funk „Die nächsten Streifen zum …Platz. Kollege braucht eilige Unterstützung. Pfeffersprayeinsatz nach einer Körperverletzung“. Der Südländer rannte als ob der Teufel hinter ihm her wäre. Ich hinter ihm her. Alle Rolltreppen nach oben und durch das Sperrengeschoss. Ich rannte und rannte. Ich rief „haltet ihn auf“. Und tatsächlich versuchten ein paar Passanten den „Flüchtling“ (Wortwitz) aufzuhalten, was ihnen leider nicht gelang. Als er oben an der Straße ankam fing das Pfeffer an zu wirken und ihn verließen die Kräfte. Er klappte zusammen und sackte auf das Pflaster. Ich blieb zwei Meter vor ihm stehen und kreiste um ihn, wie ein Raubtier um die Beute. Ich zog meinen Rucksack nach vorne und holte meine Fesseln raus. Ich stürzte mich auf ihn und fesselte ihn. Ich kniete mich auf seinen Rücken. Er bäumte sich auf und versuchte davon zu kriechen und mich abzuwerfern. Ich stand auf, packte ihn am Kragen und Gürtel und sog ihn wieder flach und lang. Dann kniete ich mich wieder auf ihn.
Der Gutmensch dürfte auch diesmal nicht fehlen. Es war ein Mann der mich von der Seite anfauchte: „Das ist eine Schweinerei, machen sie die Handschellen sofort ab“. Ich sagte zu ihm, dass er gar nicht weiß um was es geht und sich nicht einmischen soll. Aber er fauchte weiter... Ich packte ihn am Kragen, zog ihn zu mir und sagte „ Der hat in der U-Bahn grade ne Frau zusammen geschlagen und jetzt mach dass Du weg kommst“. Das hat gesessen! Er trollte sich sofort, der Depp! Nun kam es wieder, das Blaulichtermeer. Die halbe Straße war voller Streifenwagen. Ich bin mit den Kollegen runter zum Bahnsteig. Aber die Frau die der „Schutzsuchende“ verhauen hatte war weg. Wir hatten also nicht mal einen Strafantrag, geschweige denn eine Geschädigte. Der Zweite, den ich auch gepfeffert hatte, war auch weg. Vermutlich waren es eh alles „Freunde“. Wie sagt man so schön bei uns „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“.

Der Afghane hat eine Anzeige bekommen, wegen der Körperverletzung gegen die unbekannte Frau und dem Widerstand gegen mich. Vermutlich ist das Verfahren eh eingestellt worden. Der besagte Afghane hat so viele Leute bei uns in der Stadt zusammengeschlagen, dass er von der Stadt wenige Monate später ein Betreuungsverbot für die Altstadt bekommen hat. Und einige Monate danach wohnte er in der örtlichen Psychiatrie. Dort „wohnt“ er nun seit vielen Jahren. Sein Asylverfahren war schon abgelehnt als ich ihn kennen gelernt habe. Meine Meinung dazu behalte ich natürlich besser für mich. Über unseren Rechtsstaat kann sich ja jeder selber seine seine Meinung bilden... Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Sicherheit der Bevölkerung keine Priorität mehr hat.

Meine Off Duty Ausrüstung seht Ihr hier. Mein EDC ist eigentlich seit Jahren fast unverändert. Mittlerweile habe ich eine andere Taschenlampe, da ich die Energizer Tango bei der Arbeit verwende. Was auf dem Bild fehlt ist ein Notizbuch, ohne das verlasse ich eigentlich nie das Haus.

Mein EDC mit Walther PPS, TW1000 Pfefferspray, ASP Fessel, ESP Stofffessel usw...
Mein EDC mit Walther PPS, TW1000 Pfefferspray, ASP Fessel, ESP Stofffessel usw...

Was habe ich nun aus diesen beiden Fällen für Schlüsse gezogen? Mein Ausrüstung hat sich sehr gut bewährt, Gutmenschen sind blöd (wusste ich eigentlich schon vorher) und das eigene Handy ist das wichtiste Einsatzmittel. Ich hatte auch noch andere Einschreit-Fälle. Die sind aus meiner Sicht aber nicht so gut geeignet um sie hier zu erzählen. In einem Fall habe ich eine geworfene Flasche abbekommen, die mich aber zum Glück nicht verletzt hat. Bei diesem Fall habe ich mich taktisch sehr ungeschickt verhalten, daher will ich auch die näheren Umstände hier nicht erläutern.
In einem anderen recht bedeutenden Fall konnte ich einen Gesuchten festnehmen. Sogar die internationale Presse erwähnte mich. Aber dieser Fall ist noch nicht lange her und gehört daher nicht hier her.

 

Gelegentlich hatte ich die Pistole auch im Rucksack (Maxpedition). Aber nur wenn es so heiß war, dass ich kein Hemd tragen konnte. Denn ein T-Shirt alleine ist etwas wenig um die Waffe zu verdecken.
Gelegentlich hatte ich die Pistole auch im Rucksack (Maxpedition). Aber nur wenn es so heiß war, dass ich kein Hemd tragen konnte. Denn ein T-Shirt alleine ist etwas wenig um die Waffe zu verdecken.