Meinen Ehering hat die Nutte verkauft

Es ist die Geschichte für große Lacher bei jedem Familienfest: Ich habe meinen Ehering bei einer Schlägerei im Strip Club verloren!

 

Die wahre Geschichte ist natürlich etwas komplexer, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass vermutlich irgend eine Nutte meinen Ehering bei einem der vielen Goldhändler im Bahnhofsviertel für ihr Kokain versetzt hat....

 

Es war der Neujahrsmorgen in der Frühschicht im Großstadtrevier. Ich habe immer gerne an Neujahr in der Früh gearbeitet. So konnten ein paar der jungen Kollegen feiern gehen und ich konnte Feuerwerk machen. Dafür musste ich halt an Neujahr um 04:30 Uhr aufstehen. Die Kollegen der Nachtschicht hatten, wie immer an Silvester, eine harte Nacht hinter sich. Die Zellen waren um 05:30 Uhr voll belegt, als ich in die Dienststelle kam. Die meisten Kollegen versuchten noch schnell, die nötigsten Berichte am Computer fertig zu bekommen, und einige waren immer noch draußen auf der Straße und mussten sehr handfest für Ordnung sorgen. Der Kollege und ich haben uns extra zusammen einteilen lassen, er war jung, engagiert und scheute sich nicht davor, seine Maßnahmen auf der Straße durchzusetzen. Er war also genau von dem Kaliber, das wir in der Altstadt brauchten. Der Rückendeckung unserer Führung waren wir uns auch immer sicher, sonst hätte man unter dem besoffenen Partyvolk nicht für Ordnung sorgen können.

 

Es ging sehr schnell, dass wir einen Streifenwagen übernommen hatten und die ersten Kollegen ablösen konnten. Die hatten in dieser Nacht jede Menge Raufereien mit Besoffenen hinter sich bringen müssen. Wir fuhren los und nach etwa 5 min. erreichte die Streifen der Funkspruch, dass es soeben in einem Strip Club um Bahnhofsviertel eine Messerstecherei gegeben hatte und genügend verfügbare Streifen dort anfahren sollten. Ich fuhr, wie meist, schaltete Blaulicht und Horn ein und gab Gas.... 

 

Der Tatort war nicht weit weg, im Nachbarrevier, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Wir waren eine der ersten Streifen. Ein Kollege der örtlichen Dienststelle redete mit dem "Opfer". Dieses Wort schreibe ich absichtlich in Anführungszeichen, denn unsere "Opfer" haben meist selber Dreck am Stecken.

 

 

Der "Bürger" schläft, der Schandi wacht...
Der "Bürger" schläft, der Schandi wacht...

Das "Opfer" sah furchtbar aus. Sein Gesicht hing ihm in Fetzen runter und er war über den ganzen Körper mit Blut überströmt. Nach einer Weile hatten wir durch die Befragung von ihm und seinem Begleiter in etwa raus bekommen, was passiert war. Er geriet mit dem Türsteher in Streit. Als es handgreiflich wurde, brachte der Türsteher den Mann zu Boden, packte ihn im Genick und drückte sein Gesicht absichtlich in eine zerbrochene Glasflasche auf dem Gehweg (es war also vermutlich kein Messer im Spiel gewesen, wir konnten es jedoch auch nicht ausschließen). Der Täter war nicht mehr auf dem Gehweg vor dem "Lokal", sondern ist in den Strip Club geflüchtet. Während ein Kollege versuchte, das Gesicht des Mannes zu verbinden, fuhren auf der Straße immer mehr Streifenwagen vor. Dabei waren ein Hundeführer, ein Einsatzleiter, ein Rettungswagen und der Notarzt. Wir berieten mit dem nun eingetroffenen Einsatzleiter das weitere Vorgehen. Ich schätze, dass mittlerweile über 15 Einsatzfahrzeuge auf der Straße standen. Das war zweifellos ein beeindruckender Anblick.

 

Der Einsatzleiter entschied sich dafür, dass wir den Club unverzüglich stürmen, um den Türsteher festzunehmen. Mein Kollege und ich, der Hundeführer und eine weitere Streife betraten den Club als Erste....

Es war Winter, wir waren warm angezogen, hatten unsere Lederjacken und Lederhandschuhe an. Ich hatte in meiner Schutzweste am Rücken zusätzlich eine Stichschutzeinlage aus Kettengeflecht eingelegt, um mich gegen Stiche in den Rücken zu schützen. Im Club war es warm, wir fingen schnell das Schwitzen an.... Die Pistolen und Taschenlampen hatten wir im Anschlag...es war dunkel.... Denn das lichtscheue Gesindel, das sich dort regelmäßig traf, mochte kein Licht..... Der belgische Schäferhund neben mir war aufgedreht und zog an der Leine.... Er wollte arbeiten....hatte vermutlich "Hunger".... Ich hasse es, neben Diensthunden ein Gebäude zu stürmen, denn sie können nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden...

 

Wir wussten, dass hinter uns weitere 10 Kollegen zur Unterstützung waren. Aber wir waren die Ersten. Wir würden jede geworfene Flasche, jeden geworfenen Barhocker und jedes Messer als Erste abbekommen. Wir arbeiteten uns weiter vor. Der Eingangsbereich war mit mehreren schwarzen Sichtschutzwänden sehr verwinkelt.

 

Wir betraten den Raum der sich vor uns öffnete. Es war dunkel, die Wände waren mit schwarzem Filz verkleidet. Gegen Licht und um den Lärm drinnen zu halten. Die Musik dröhnte. Uns umkreisten kleine Lichter von einer Spiegelkugel an der Decke. In zwei Ecken saßen wenige Kunden und dabei waren zwei Stripperinnen, die kaum etwas anhatten. An der Bar war die "Puffmutter". Der Hund bellte, wir schrien und auch ich schrie... "Keiner bewegt sich"..."Die Hände, wir wollen die Hände sehen"! Jeder von uns hatte die Pistole in der Hand und schaute sich um, ob auch alle Hände an diesem tristen Ort sichtbar waren. Auf das Auftreten eines Messers wäre in Sekunden reagiert worden....   Hinter uns strömten noch mehr Beamte in den Club.

 

Die Situation war "eingefroren" und die Musik (oder besser der Krach) verstummte. Ich habe nicht mitbekommen, ob die Puffmutter ihn ausgemacht hat oder ob ein Kollege die Kabel aus der Anlage gerissen hat?

 

Neben mir saßen drei Männer mit einer Stripperin am Tisch. Ich fauchte den ersten an "Aufstehen, Hände an die Wand". Er maulte rum und wollte nicht... Ich wiederholte es und drohte handfeste Konsequenzen an. Er maulte weiter, stand auf und ging auf mich zu..... Wir packten ihn zu zweit, knallten ihn gegen die Wand und ich fesselte ihm die Hände auf den Rücken. Er maulte weiter und versuchte sich zu wehren... Ich drückte seinen Kopf nach unten, packte seinen Gürtel hinten in der Hose und beförderte ihn raus auf die Straße. Andere Kollegen übernahmen ihn draußen sofort und drückten ihn erneut gegen eine Wand. Ich zog meine Lederhandschuhe aus und duchsuchte ihn (mit Lederhandschuhen habe ich sogar mal einen Schlagring nicht gespürt bei der Durchsuchung). Er hatte fast nichts bei sich. Die Durchsuchung brachte also nicht viel ans Tageslicht. Außer etwas Koks, einem Koksröhrchen und zwei als gestohlen gemeldete EC-Karten. So konnte ich ihm die Festnahme erklären. Mittlerweile wurde auch ein breitschultriger Türsteher in Handschellen an mir vorbeigeführt und durchsucht. Ich meldete unsere Festnahme dem Einsatzleiter und wir fuhren unseren Kunden zur Dienststelle. Wir stellten seine Personalien fest, er wurde vernommen, die Sachen wurden sichergestellt, er bekam einen Platzverweis und wir entließen ihn. Das war nun alles recht schnell abgearbeitet.

 

Die restliche Zeit, bis die Spätschicht übernahm, verging recht schnell. Wir mussten zwar noch ein paar alkoholsierte "Überbleibsel" der Nacht von der Straße befördern, aber dies gestaltete sich nun zum Glück relativ problemlos. Gegen Mittag zog ich mich um und wollte die Dienststelle verlassen, um nun auch meinen Feierabend anzutreten. Jetzt bemerkte ich aber, dass mir etwas fehlte: Mein Ehering! Ich eilte zurück nach oben. Im Spind war er nicht. In meinen Jackentaschen war er nicht. Im Streifenwagen nicht, im Umkleideraum nicht.... Ich suchte alles ab und dachte nach. ....

 

Nun erinnerte ich mich, dass ich meinen Ehering bei der Einsatzübernahme, während der Fahrt, vom Finger gezogen und in eine Jackentasche gesteckt hatte. Im Verlauf des Einsatzes musste er mir aus der Jackentasche gefallen sein. Ich unternahm noch Einiges um ihn wieder zu finden. Aber er war weg. Verloren bei einer Rauferei im Strip Club!

In meiner Polizeiausbildung hatten wir einen sehr guten Waffenausbilder, dem auch am Herzen lag, uns die Wirkung von "Fremdwaffen" beizubringen, wie hier: Wurfsterne
In meiner Polizeiausbildung hatten wir einen sehr guten Waffenausbilder, dem auch am Herzen lag, uns die Wirkung von "Fremdwaffen" beizubringen, wie hier: Wurfsterne

Nachdem ich mich mit dieser Tatsache abgefunden hatte, war klar, dass ich einen neuen Ehering brauchte. Es liegt also nahe, zum selben Juwelier wie vor der Hochzeit zu gehen und einen neuen zu bestellen. Der Juwelier druckste rum und gab mir keine anständigen Antworten. Er meinte, dass er sich bei mir meldet. Nach einer Woche hatte ich ihn am Telefon und er wollte tatsächlich den dreifachen Preis von dem früheren haben! Dieser Sauhund meinte also, dass ich den Verlust meiner Frau nicht gebeichtet hatte und wollte mich über den Tisch ziehen (ein Teil des Preises war der "Finanzkriese" geschuldet). Ich bedankte mich freundlich, sagt ihm dass er ein Arschloch ist und kaufte meinen Ring wo anders für einen sehr anständigen Preis.

 

 

Mein Fazit:  Der Verlust meines Eheringes war sehr teuer für mich und er wäre vermeidbar gewesen. Aber wir sind alle gesund nach Hause gekommen, was nicht immer der Fall war. Und das ist das Einzige, was hierbei wichtig war.

Ich hoffe sehr für die Nutte, die meinen Goldring gefunden und im Bahnhofsviertel für eine ordentliche Portion Kokain versetzt hat, dass sie wenigestes für ein paar Wochen ihr Leben in einem guten Rausch besser ertragen konnte...

Das sind die Fliesen auf denen regelmäßig die Opfer lagen...
Das sind die Fliesen auf denen regelmäßig die Opfer lagen...