Der Objektschutz

-Die Mondanbeterin

-Die Wildpinkler

-Die schlechten Spione

-Der Ernst der Lage

-Mein Fazit

 

 

Da war dieser Objektschutz. Er war bei den Kollegen unbeliebt. Aber da wir sehr viele Konsulate, jüdische Einrichtungen und wichtige Personen bei uns im Dienstbereich hatten war der Objektschutz für uns Teil unserer täglichen Arbeit. Mir persönlich machte der Objektschutz nichts aus. Ich sah es als leicht verdientes Geld an. Natürlich war es meist langweilig, aber ich nahm diese Arbeit niemals auf die leichte Schulter.

 

Von einigen Kollegen war, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, immer folgender Satz zu hören: Das bringt doch alles eh nichts, wenn jemand einen Anschlag begehen will schafft er es auch. Aber diese Äußerung ist nur zum Teil richtig. Denn bevor jemand einen Anschlag begeht erkundet er das Ziel vorher. Und wenn er nun gute Sicherheitsvorkehrungen feststellt wird er seinen Anschlag wo anders begehen! Und das funktionierte sehr gut. Im Laufe der Jahre die ich Objektschutz leistete bekam ich 2 Ausspähversuche mit. In beiden Fällen bemerkten die Kollegen verdächtige Personen und kontrollierten sie. Diese beiden Personen sind damit voll auf die Nase gefallen. Und dann werden dazu noch einige andere Ausspähversuche gekommen sein von denen wir nichts mitbekommen haben. Aber in allen Fällen wird unser Präsenz dazu geführt haben, dass bei uns eben nichts passiert und der Objektschutz war erfolgreich.

 

Wir hatten zwei Konsulate die besonders gefährdet waren. Wie oft wir dort eingeteilt waren schwankte sehr. Aber ich schätze mal, dass ich dort sicher zwei Mal die Woche stehen musste. Und das natürlich bei jedem Wetter. Dort konnten wir uns nicht „verpissen“, wie der Soldat sagen würde. Die Sonne schien uns auf den Kopf, der Schnee wehte uns um die Nase und mitten in der Nacht konnten wir den vielen Kaninchen, die dann aus ihren Bauen kamen, auf dem Rasen zuschauen. Wir standen dort sehr lange. Wir sahen, Kaninchen, Igel, Marder und sogar Füchse. Ich merke grade, dass wir erstaunlich selten Ratten nachts sahen…

 

Die Konsulate hatten auch einen eigenen Sicherheitsdienst. Es war recht unterschiedlich wie viel wir mit den Sicherheitsleuten zu tun hatten und genau so unterschiedlich war es was diese Leute konnten. Teilweise waren sie extrem gut ausgebildet und wir unterhielten uns über Ausweisfälschungen, Politik und Sicherheitstechnik. Bei manchen Konsulaten grüßten wir uns aber auch nur kurz durch den Zaun ohne weiter miteinander zu sprechen.

 

 

Die Pause haben wir genutzt ein paar Kindergartenkindern unsere "Funkstreife" zu zeigen.
Die Pause haben wir genutzt ein paar Kindergartenkindern unsere "Funkstreife" zu zeigen.

 

Die Mondanbeterin:

 

Damit euch nicht zu langweilig wird will ich aber gleich mit einer lustigen Geschichte anfangen. Ich saß, mitten in der Nacht, alleine in meinem Wachcontainer. Mein zweiter Mann war irgendwo auf der Rückseite des Gebäudes auf Streife. Durch das Fenster konnte ich einen schwachen Lichtschein sehen. Ich ging aus dem Container und sah eine Frau, ca. 40m weit weg, die am Zaun des Konsulates am Boden kniete und Streichhölzer anzündete. Damit versuchte sie einen kleinen Haufen Laub anzuzünden.

 

…. Das sind diese Momente in denen man sich immer fragt in welchem schlechten Film man grade gelandet ist…

 

Ich begriff wirklich nicht was da grade vor mir passierte. Ich griff mir eine MP und verließ den Container. Ich sagte meinem Kollegen über Funk Bescheid, dass er auf die andere Seite kommen soll. Diesen Funkspruch bekam auch unser „Außendienstleiter“ mit, der mit seinem Streifenwagen ganz in der Nähe war. Ich ging auf die Frau zu, sie blickte mich an, kniete jedoch weiter am Boden mit den Streichhölzern in der Hand. Als ich etwa 5 Meter von ihr entfernt war fragte ich „Was machen sie da“? Jetzt sprang sie senkrecht auf, schaute erschrocken und wollte weg gehen. Ich griff sie am Arm und fragte noch mal „Was haben sie hier eben gemacht“? In dem Moment sah ich auch schon meinen Kollegen und unseren Außendienstleiter näher kommen. Und ihre Antwort war etwas anders als ich erwartet hatte: „Ich genieße Luna. Den Mond…. Sehen Sie… der ganze Himmel ist voller Ameisen….“ Sie hatte so dermaßen einen an der Waffel, das kann man sich kaum vorstellen. Wie in einem schlechten Film erzählte sie uns weiter was der Mond für sie bedeutet und phantasierte von Ameisen die über den Himmel laufen. Sie behauptete, dass sie nichts anzünden wollte und konnte sich offenbar auch nicht mehr daran erinnern Streichhölzer in der Hand gehabt zu haben. Das sie vor einem Konsulat stand war ihr offenbar auch gar nicht bewusst. Das war jedenfalls gut für uns, so mussten wir wegen ihrer Zündelei kein großes Fass aufmachen. Jetzt ging unser Dialog aber interessant weiter, denn sie war weniger ein Fall für Staats- und Verfassungsschutz sondern mehr was für Streifenbeamte:

 

Ich: „Haben Sie Alkohol getrunken“?

Sie: „Nein, wieso“?

Ich: „Sie wirken so benebelt, haben sie Rauschgift konsumiert“?

Sie: „Ja, ich habe Marihuana geraucht“.

Kollege von hinten: „Haben Sie noch was dabei“?

Sie: „Nein, wieso“?

Kollege: „Haben Sie noch was Zuhause“?

Sie: „Ja, wieso“?.......

 

Wir forderten eine Streife zur Unterstützung an. Die Kollegen begleiteten Sie nach Hause und ließen sich ihr Gras aushändigen. Eine Anzeige hat sich natürlich auch für das Gras bekommen. Die Begegnung mit dieser Frau war jedenfalls etwas nicht Alltägliches. Man darf auch gar nicht erst versuchen solche Menschen zu verstehen, sondern hakt das alles besser einfach ab.

Auch mitten in der Stadt bauten wir gelegentlich Fahndungskontrollstellen auf.
Auch mitten in der Stadt bauten wir gelegentlich Fahndungskontrollstellen auf.

Die Wildpinkler:

 

 

Das eine Konsulat lag sehr nahe an einer sehr bekannten und gehobenen Disco. Und die Besucher (viele reiche Schnösel) gingen abends also genau an uns vorbei. Das war aber meist nur etwas lästig. Nur jedes Jahr an Sylvester war es dort immer richtig schlimm. Alle unsere Streifen hatten an Sylvester immer eine anstrengende Nacht und das war dort nicht anders. Wenn die betrunkenen Typen uns in Uniform gesehen haben meinten sie immer sich vor ihren Freunden profilieren zu müssen. Und wenn sie es hierbei übertrieben mussten wir einschreiten, dann war Ärger vorprogrammiert.

 

 

Ich sah mitten in der Nacht drei junge Männer. Einer von ihnen stellte sich an den Zaun des Konsulates und pinkelte los. Ich verließ den Wachcontainer, leuchtete ihn mit meiner Taschenlampe an und schnauzte los. Als er fertig war ließ ich mir gleich seinen Ausweis geben. Er meinte nicht gewusst zu haben dass dort ein Konsulat ist. Ich hatte keine Lust mit ihm zu diskutieren, ich notierte seine Personalien und sagte ihm, dass ich mich bei ihm melde. Während ich seine Daten aufschrieb bemerkte ich seinen Namen… Er hieß wie der Sohn eines sehr bekannten Ministers und war auch so alt. Ich sagte nichts dazu und fragte ihn auch nicht. Wir hatten das Glück Vorgesetzte zu haben die bei allen unseren Maßnahmen hinter uns standen. Als wir einige Stunden später zurück in unserer Dienststelle waren setzte ich mich gleich an den Computer und recherchierte. Nach einer Weile war klar, er war es nicht. Er hatte exakt denselben Vor- und Nachnamen und dasselbe Geburtsdatum, nur das Geburtsjahr passte um ein Jahr nicht. Ich atmete etwas auf. Ich hätte ohne mit der Wimper zu zucken die Anzeige gegen den Ministersohn vorgelegt, aber vorher hätte ich erst mal einige Vorgesetzten darüber informieren müssen. Ich erfasste die Anzeige und machte mir noch einen Spaß daraus damit meinem Gruppenleiter zu erschrecken.

 

 

Ein anderer interessanter Wildpinkler meinte es wäre eine gute Idee an unsere Synagoge zu pinkeln… Glaubt mir, das Bußgeld das die Stadt in so einem Fall erlässt ist wirklich hoch… Er wird es garantiert nicht noch mal machen.

 

Wenn wir mitten in der Nacht mal eine Pause machen wollten haben wir uns ab und zu in den Innenhof eines sehr bekannten Museums zurück gezogen.
Wenn wir mitten in der Nacht mal eine Pause machen wollten haben wir uns ab und zu in den Innenhof eines sehr bekannten Museums zurück gezogen.

 

Die schlechten Spione:

 

Es war ein schöner Tag. Ich stand mit meiner MP vor dem Konsulat und genoss die Sonne. Am Funk hörte ich die Einsatzzentrale eine Streife in der Gegend rufen „Fahren Sie zur … da wird der Mitteiler von zwei Männern verfolgt“. Der Mitteiler sollte nur 200 Meter weiter von mir stehen. Ich meldete mich am Funk ebenfalls für diesen Einsatz und ging in die Richtung. Zwei Reiter von uns meldeten sich ebenfalls (das Konsulat grenzte an einen großen Park in dem Polizeireiter eingesetzt wurden).

 

Ich war als erster da. Ich sah ihn auf der anderen Straßenseite. Als ich bei ihm war erzählte er mir, dass zwei Männer, getrennt vorneinander, ihm folgten. Und jedes Mal wenn einer von denen sein Handy ans Ohr nimmt macht das der Andere auch. Sie telefonierten also offenbar miteinander. Ich ließ mir seinen Ausweis geben und fragte über Funk ob er bei uns „bekannt“ ist, was er aber nicht war. Er sagte auch noch, dass er sich das schließlich nicht einbildete und zeigte mir einen der Beiden. Der besagte Mann stand etwa 150m weiter weg und schaute zu uns. Zwischenzeitlich waren die Reiter und die Funkstreife auch bei uns. Jetzt bin ich, über eine große Kreuzung, zu dem Verdächtigen gegangen. Er war etwa so alt wie ich, sah sportlich aus, hatte eine Basecap auf und die Hände in den Jackentaschen. Ich hatte das Griffstück meiner MP fest umschlossen und den Daumen am Sicherungshebel. Als ich etwa 10m an ihm dran war blieb ich stehen und sagte zu ihm „nehmen Sie bitte die Hände aus den Taschen“. Er folgte meiner Anweisung und nahm die Hände raus. Als ich zwei Schritte weiter in seine Richtung ging griff er plötzlich mit seiner rechten Hand wieder in die Jackentasche… Meine MP schwenkte in seine Richtung und mein Daumen am Sicherungshebel spannte sich… Ich erkannte noch rechtzeitig die Dienstmarke die er aus der Tasche gezogen hat … Er war von einer Behörde die für die Sicherheit des Konsulates zuständig ist. Sie observierten das Umfeld ihres Schutzobjektes und dabei ist ihnen aus irgendeinem Grund unser Mitteiler verdächtig vorgekommen. Auch dass sie bereits längst von ihrem „Verdächtigen“ erkannt („verbrannt“) worden waren interessierte diese beiden super Spione nicht. Ich versuchte ihm noch klar zu machen, dass er ein Vollidiot ist und ich eigentlich kein sonderliches Interesse daran habe befreundete Schlapphüte zu erschießen… Wie Homer Simpson stand er da, schaute mich an und fragte sich was ich von ihm will… er war unfassbar dumm!

 

Was ich im Anschluss unserem Mitteiler erzählt habe weiß ich leider nicht mehr genau. Jedenfalls habe ich ihm gesagt, dass er alles richtig gemacht hat. Ich ärgerte mich danach tagelang über das dumme und unprofessionelle Verhalten dieser beiden Schlapphüte. Spätestens als sie uns gesehen haben hätten sie beim Notruf Bescheid sagen können wer sie sind.

 

 

Mein Fazit: Wenn Polizeireiter einen sichern fühlt sich das ziemlich gut an. In dieser unklaren Situation Kollegen hinter mir zu haben die von ihrem Pferd aus einen guten Überblick haben verschaffte mir ein Sicherheitsgefühl das nur schwer zu beschreiben ist.

 

 

 

Der Ernst der Lage:

 

 

Da waren diese Anschläge. Ganz Europa war erschüttert. Jüdische Objekte in Frankreich wurden durch Terroristen angegriffen. Auf meinem Computer schaute ich live die Nachrichten. Und ich hatte nur noch wenige Stunden, dann würde auch ich an einer Synagoge Wache stehen...

 

Unsere Synagoge war ein einem sehr schönen Platz. Wenn wir dort Streife Liefen fühlte sich das sehr Bürgernah an. Das war auch der Grund warum ich dort gerne war. Die Touristen fragten uns nach dem Weg und wir sind mit allen Menschen dort schnell ins Gespräch gekommen. Wenn ich dort stand gab es normalerweise keine großen Kriminalfälle, keine Gewalt und keine Blaulichtfahrten. Es war irgendwie ein Ausgleich innerhalb des Dienstes. Aber an diesem Tag hatte ich nicht meine Hände gemütlich in den Taschen vergraben. Ich hatte das erste Mal auf diesem Platz eine MP in der Hand und ich rechnete mit dem Schlimmsten. Aber Gott sei Dank wurde unsere Stadt verschont!

 

 

Mein Fazit: Objektschutz ist viel wichtiger als die Meisten denken. Verständlich ist aber auch, dass kaum ein Kollege diesen Dienst mag. Für mich war es dennoch eine schöne Zeit und ich will die Erlebnisse nicht missen.

Viel mehr Geschichten fallen mit dazu aber grade nicht ein. Wenn ich mich irgendwann an mehr Erlebnisse erinnere werde ich diese hier ergänzen.

 

Meine Erlebnisse aus dem Jagdrevier findet ihr bei Jagdschutz. Und die Geschichte zur Bergung eines Vogelgrippe verdächtigen Schwans bei der "Operation Südwind".
Meine Erlebnisse aus dem Jagdrevier findet ihr bei Jagdschutz. Und die Geschichte zur Bergung eines Vogelgrippe verdächtigen Schwans bei der "Operation Südwind".