Messer im Polizeidienst

(oder auch Sicherheitsdienst)

 

Wie ich schon beim Messerkampf geschrieben habe, trage ich kaum noch Messer, seit dem ich Polizist bin. Das Messer als Waffe ist ein Aspekt der sich kaum mit der Arbeit als "Law Enforcer" vereinbaren lässt. Als ich mir das Benchmade SOCP gekauft habe und die entsprechenden Videos dazu angeschaut habe ist mir die Idee gekommen etwas dazu zu schreiben, denn dieses Messer und seine dazu entwickelten Techniken öffnen auch einige wenige Optionen um auch im Sicherheitsgewerbe oder dem Polizeidienst ein Messer als defensive Waffe einsetzen zu können.

Trageversuch mit dem Benchmade SOCP unter dem Einsatzgürtel.
Trageversuch mit dem Benchmade SOCP unter dem Einsatzgürtel.

Ich habe weder im Sicherheitsgewerbe noch im Polizeidienst "Kampfmesser" im erweiterten Sinn getragen. Das Kämpfen mit einem Messer ist in keiner Weise sozial akzepiert, es ist wenig effektiv um Angriffe zu stoppen und es verursacht schwere Verletzungen die in keinem Verhältnis dazu stehen, dass man für die öffentliche Sicherheit verantwortlich ist. Messer lassen einen gewaltsamen Konflikt fast immer eskalieren. Dazu ist die Gefahr sehr groß, dass ein gewalttätiges Gegenüber versucht einem ein Messer zu Entreißen um es zum Angriff zu nutzen. Noch dazu sind Messer nicht als "Waffe" im Sinne der Polizeigesetze einsetzbar.

 

Aber das Benchmade SOCP ist genau dafür konstruiert, das es so verborgen getragen werden kann, dass niemand es bemerkt. Sollte nun z.B. jemand versuchen die Dienstpistole zu entreißen kann man mit der Waffenhand die Pistole sichern und das Messer mit der anderen Hand und aus jeder Richtung greifen und den Angreifer mit Stichen zurück drängen. Diese Stiche werden meist auch verhältnismäßig geringe Verletzungen verursachen. Diese Handlungsoptionen sind sehr interessant. Ich empfehlen dennoch kein Messer zur Verteidigung zu führen. Dazu kommt, dass die große Anzahl an Einsatzmitteln die meisten sowieso überfordern: Pistole, Schlagstock, Pfeffer, Fesseln, Taschenlampe (bald hoffentlich den Taser) und dann soll man dazu noch ein Messer im Notfall verwenden? Das wird nicht funktionieren. 

Wesentlich wichtiger sind die Multitools und Rettungsmesser.

 

Ich verwende seit vielen Jahren lediglich zwei Messer im Dienst. Das Leateman Wave und das Victorinox Rettungsmesser. Da ich die Zange des Leaterman nur sehr wenig benötigte habe ich seit etwa 5 Jahren nur noch das Rettungsmesser bei der Arbeit dabei. Ich habe es ein mal benutzt um eine Autoscheibe einzuschlagen. Mit dem Schraubenzieher kratze ich gelegentlich Zulassungsplaketten von Kennzeichen ab. Es ist ein sehr gutes und durchdachtes Messer dem ich voll vertraue. Und ich vermute, dass ich die anderen Optionen des Messers auch in absehbarer Zeit benötigen werde. Das Leatherman und das Rettungstool trage ich übrigens in einem "Safariland open top Zubehörholster".

Das Victorinox Rettungsmesser begleitet mich schon seit vielen Jahren bei der Arbeit.
Das Victorinox Rettungsmesser begleitet mich schon seit vielen Jahren bei der Arbeit.

Interessante aber qualitativ sehr schlecht Messer, wie das "Stratofighter" unten auf dem Bild, bekommt man auf den bekannten Märkten in Tschechien.

 

Rescue Tool von Victorinox (mitte) und das sehr gute Reality Blade von Böker (unten). Beim Böker kann man den Glasbrecher durch einen Aufsatz tauschen der einen Kugelschreiber vortäuscht.
Rescue Tool von Victorinox (mitte) und das sehr gute Reality Blade von Böker (unten). Beim Böker kann man den Glasbrecher durch einen Aufsatz tauschen der einen Kugelschreiber vortäuscht.
Tiberline Tool, Wenger "Snife" (swiss Knife) Sonderserie und das Leatherman Wave.
Tiberline Tool, Wenger "Snife" (swiss Knife) Sonderserie und das Leatherman Wave.

Und dann gibt es da noch die unter Einsatzkräften weit verbreiteten billigen Einhand-/Rettungsmesser für wenig Geld. Sie machen meist das was sie sollen und vielen Kollegen reicht so ein Messer völlig. Man macht damit selten etwas falsch, wenn man wenig Geld ausgeben will.

 

 

In fast jedem Streifenwagen liegt ein dienstlich gelieferter Nothammer mit Gurtschneider. Der Haken an der Sache ist nur, dass diese in jedem Fahrzeug wo anders sind. Oft liegen sie auch nur einem Haufen Ausrüstung, ganz unten, im Kofferraum. Da würde ich im Notfall lieber gleich den Schlagstock verwenden um eine Scheibe einzuschlagen. 

Man muss noch folgendes realistisch betrachten: Bei einem Unfall, bei dem die Autotüre nicht aufgeht, sind normalerweise immer die Seitenfenster sowieso kaputt. Bei Unfällen werden Nothämmer ganz selten benötigt. Mir persönlich ist niemals ein solcher Fall begegnet. Und die Gurtschlosse lassen sich meist auch nach einem Unfall noch öffnen. Aber im Polizeidienst benötigt man dennoch beides! Und zwar um Personen gewaltsam aus einem Fahrzeug zu holen (oder einen eingeschlossenen Hund). Das kommt regelmäßig vor. Dafür sollte man, soweit es möglich ist, nicht den Schlagstock verwenden. Denn dieser lässt viele Glassplitter in den Innenraum fliegen. Am besten klebt man das Fenster mit Klebeband am und benutzt dann einen Glasbrecher oder Nothammer. So verursacht man fast keine Splitter und der Schaden und das Verletzungsrisiko ist am niedrigsten. Im Notfall ist das natürlich alles nebensächlich.  

Der Glasbrecher / Gurtschneider BodyGuard von SWISS+TECH mit Lampe und Alarm.
Der Glasbrecher / Gurtschneider BodyGuard von SWISS+TECH mit Lampe und Alarm.
"resqme" Glasbrecher mit Gurtschneider. Befestigt am TW1000 Pfefferspray im Auto.
"resqme" Glasbrecher mit Gurtschneider. Befestigt am TW1000 Pfefferspray im Auto.

In meiner Einsatztasche habe ich mittlerweile ein extra Messer zum abkratzen von Zulassungsplaketten. Das entstammte mal einem kleinen "Wettkampf" mit einem Kollegen, wer das coolere Werkeug zum Entstempeln hat. Das CRKT Stiff Kiss.

Walther bietet bei den Messern ein gutes Preis/Leistungs Verhältnis. Das obere ist gerade noch dienstlich brauchbar, ein größeres Messer würde ich auf keinen Fall tragen.
Walther bietet bei den Messern ein gutes Preis/Leistungs Verhältnis. Das obere ist gerade noch dienstlich brauchbar, ein größeres Messer würde ich auf keinen Fall tragen.
Das Bechmade SOCP in der Überziehweste.
Das Bechmade SOCP in der Überziehweste.
Im Privatleben ein No-Go: Sichtbare Clips. Jeder weiß sofort, dass man ein Messer trägt. Im Dienst ist das nebensächlich.
Im Privatleben ein No-Go: Sichtbare Clips. Jeder weiß sofort, dass man ein Messer trägt. Im Dienst ist das nebensächlich.

Das Blackhawk Gideon ist eines der sehr wenigen Messer die über eine Wegnahmesicherung verfügen und daher prinzipiell für den Polizeidienst geeignet sind. Ich sehe eine mögliche Verwendung aber kaum im Streifendienst, sondern eher im Bereich der Spezialeinheiten.

 

Quelle: http://blackhawk.com/products/accessories/knives/fixed/gideon-tanto

Das durchdachte Cop-Tool von Böker. Dazu gibt es inzwischen auch eine anständige Scheide. Quelle:    https://www.boker.de/fahrtenmesser/boeker-plus/taktische-einsatzmesser/cop-tool-02bo300
Das durchdachte Cop-Tool von Böker. Dazu gibt es inzwischen auch eine anständige Scheide. Quelle: https://www.boker.de/fahrtenmesser/boeker-plus/taktische-einsatzmesser/cop-tool-02bo300

 

 

Hier ist noch ein interessantes Video dazu. Schaut mal in dem seinen Kanal rein, er hat einige gute Videos. Außerdem verwendet er den selben Thermos Kaffeebecher wie ich!!!