Darf man die Wildererwaffe behalten?

Der Landmann Preetz JGL-Automat ist ein klassisches Wilderergewehr. Dieser hier ist aus meiner Sammlung.
Der Landmann Preetz JGL-Automat ist ein klassisches Wilderergewehr. Dieser hier ist aus meiner Sammlung.

Fast alle Jagdgesetze der Länder haben, wie im Bay. Art 42 folgende Formulierung stehen:

 

Personen, die in einem Jagdrevier unberechtigt jagen oder eine sonstige Zuwiderhandlung gegen jagdrechtliche Vorschriften begehen oder außerhalb der zum allgemeinen Gebrauch bestimmten Wege ohne Berechtigung hierzu zur Jagd ausgerüstet angetroffen werden, ... ihnen Waffen, ... abzunehmen.

 

Das Wort "abzunehmen" ist sehr untypisch für eine polizeiliche Befugnis (jagdpolizeilich). In anderen Gesetzen würde z.B. stehen "Sicherstellen zur Vorbereitung der Einziehung", oder lediglich "Sicherstellen", beides würde implizieren, dass die Waffe als Beweismittel oder Einziehungsgegenstand dienen soll. Aber in den Jagdgesetzen steht "abnehmen". Was weiter mit dem Gewehr passieren soll steht schlichtweg nicht im Gesetz. Jeder wird erst mal davon ausgehen, dass die Polizei hinzugezogen wird und die Waffe als Beweismittel und als "Einziehungsgegenstand" dem Strafverfahren beigelegt wird.

 

Eigentum: Die Sache gehört einem und man kann damit tun was man will.

Besitz: Man verfügt über die Sache, darf damit aber nur im Sinne des Eigentümers handeln (z.B. Mieten eines Pkw).

 

Wenn ich einem Wilderer sein Gewehr "abnehme" bin ich auf alle Fälle Besitzer davon. Ob die Befugnis sein Eigentum bricht ist eher fraglich. Denn der Sinn des Gesetzes ist darauf ausgelegt, den Jäger vor dem Wilderer zu Schützen und durch die Wegnahme auch Beweismittel zu sichern.

Wenn man jetzt aber bedenkt, dass vermutlich 1/3 der Wilderer Jagdscheininhaber sind und diese ihre Taten evtl. mit einem mehrere tausend Euro teuren Gewehr verüben wäre es ja nur ratsam wenigstens zu versuchen Eigentümer davon zu werden.

 

Im Rahmen eines Täter-Opfer Ausgleichs wird man nur schwer Eigentümer des Gewehres werden. Denn der Revierinhaber ist kein "Opfer". Das Wild gehört ihm nicht, Geschädigter von Jagdwilderei ist die Rechtsordnung.

 

Sollte man mit dem Wilderergewehr nun nicht zur Polizei gehen, sonder einfach zur Waffenbehörde und versuchen die Waffe bei sich eintragen zu lassen, dann sollte man vorher Diebstahl und Unterschlagung prüfen:

Diebstahl begeht man, wenn man dem Wilderer das Gewehr in der Absicht weg nimmt es sich rechtswidrig zuzueignen. Man darf die Waffe also eher nicht nur mit dieser Absicht weg nehmen.  Die Absicht dahinter muss also schon die Beweissicherung und der Eigenschutz sein.

Bei der Unterschlagung spielt die Wegnahme keine Rolle, sondern nur das rechtswidrige Zueignen. Ob die Zueignung durch das Eintragen lassen rechtswidrig ist kann ich nur schwer sagen. Im Zweifelsfall vermutlich schon. Diesen Weg sollte man also nicht gehen! (Vor allem nicht als Jagdaufseher, da man dann eine Strafverfolgungspflicht hat und die Wilderei sowieso anzeigen MUSS).

 

Die Chancen sind vermutlich sehr gering, dass es funktioniert. Aber wenn es wirklich so weit ist, dass man seinen Nachbarjäger Sepp beim Wildern erwischt hat und man seine Blaser R8 oder BD14 in den Händen hält könnte man Folgendes versuchen:

Die hinzugezogene Polizei bitten die Sicherstellungsbescheinigung auf einen selber auszustellen und nicht auf den Wilderer. Denn schließlich hat man die Tatwaffe nun im Besitz. In seiner Zeugenvernehmung kann man darauf eingehen, dass man nach Abschluss des Verfahrens das Gewehr wieder ausgehändigt haben möchte.

Wesentlich mehr Chancen auf Erfolg wird es aber haben wenn man etwas weniger egoistisch vorgeht. Der Vorstand des örtlichen Jagdvereines könnte beim Gericht beantragen, dass die Waffe nach der Einziehung dem Verein übereignet wird um sie als Schulungs- und Leihwaffe für Jungjäger oder für die Jagdausbildung zu verwenden. Dieser zweiten Variante rechne ich durchaus Chancen auf Erfolg aus.

Auch der Wildereisachbearbeiter der Polizei kann einen entsprechenden Antrag schreiben und die Überlassung an die Polizeidienststelle für Schulungs- oder Jagdschutzzwecke beantragen.

Jedem Richter wird beides lieber sein als die teure Jagdwaffe zur Verschrottung zu geben. Verkauft werden eingezogene Waffen heutzutage ja nur noch sehr selten. 

 

 

 

(Bitte, meine lieben Leser, nehmt das alles hier nicht zu ernst! Alleine die gelungene Festnahme eines Wilderers ist leider sehr selten. Das hier ist mehr ein Spiel mit den Gesetzen. Und evtl. hilft es doch dem Ein oder Anderen in der Praxis). Sollte jemand andere belastbare rechtliche Theorien dazu haben würde ich mich freuen sie zu hören ;-)

 

Nachtrag vom Nov. 2017: Das Thema scheint wirklich einige zu interessieren... Aber derzeit fällt mir leider nicht viel mehr ein was ich dazu schreiben kann.