Das Erlegen wildernder Hunde und Katzen

(Foto links: Dieser Muffel Widder wurde bei mir von einem Hund gerissen)

 

Ich kenne viele Jäger und keiner von denen würde vorschnell ein Haustier töten. Zum einen sind dann Probleme mit den Anwohnern (und vor allem der Jagdgenossenschaft) des Jagdreviers vorprogramiert, zum Anderen steht der "Wert" eines Hausstieres in keinem Verhältnis zum "Wert" des Wildes. Das Wort "Wert" wird vielen in diesem Zusammenhang seltsam vorkommen, spielt für Jäger aber durchaus eine Rolle wenn sie das Töten eines wildernden Hundes abwägen müssen. Jäger haben nämlich die gesetzliche Pflicht ihr Wild vor Haustieren zu beschützen! Gesagt werden muss aber auch, dass die vielen Hauskatzen ein wirkliches Problem für wild lebende Tiere sind. Alle Katzenhalter können bestätigen, dass diese regelmäßig auch geschützte Tiere erbeuten, wie Siebenschläfer und Blindschleichen. Es muss weiterhin den Jagdschutzberechtigten die rechtliche Möglichkeit gegeben werden wildernde Hunde und Katzen zu töten!

Jeder Fall eines vom Jägern erschosssenen Haustieres löst in der Öffentlichkeit eine kontroverse Diskussion aus. Aus diesem Grund müssen von Haustieren getötete Wildtiere gründlich dokumentiert (fotografiert mit Notizen über Ort, Zeit usw.) werden. Sollte ein wildernder Hund erschossen werden müssen sollte dies unverzüglich der örtlichen Polizei gemeldet werden zusammen mit einer Anzeige gegen den Hundebesitzer (ubeaufsichtigtes laufen lassen eines Hundes im Jagdrevier als Owi oder Wilderei als Straftat). Es kann auch sinnvoll sein sich als erstes an die örtliche Presse zu wenden zusammen mit einem Foto eines gerissenen Rehs. Und auch wenn man "lediglich" einen steunenden Hund eingefangen und als Fundsache abgegeben hat sollte man das der örtlichen Presse mitteilen, so wird die Bevölkerung für das Problem sensibilisiert.

In Anti-Jagd Foren geistern Zahlen von angeblich erschossenen Haustieren rum. Diese sind als "Urban-Legend" zu betrachten und entbehren jeder Grundlage. Und jeder kennt irgend jemanden, dessen Hund von einem Jäger erschossen wurde. Und in manchen Storys wurden die Hunde direkt neben den Herrchen erschossen...
Katzenspur im Neuschnee außerhalb des Aktionsradius von Hauskatzen. An dieser Stelle kann es eigentlich nur eine Wildkatze (was mich freuen würde) oder eine verwilderte Hauskatze sein. Im letzteren Fall sollte sie erlegt werden.
Katzenspur im Neuschnee außerhalb des Aktionsradius von Hauskatzen. An dieser Stelle kann es eigentlich nur eine Wildkatze (was mich freuen würde) oder eine verwilderte Hauskatze sein. Im letzteren Fall sollte sie erlegt werden.
Vermutlich war die Spur von dieser Katze, die ich mehrfach und zu unterschiedlichen Tageszeiten auf der Wildkamera hatte. Die Schwanzspitze konnt man niemals darauf sehen.
Vermutlich war die Spur von dieser Katze, die ich mehrfach und zu unterschiedlichen Tageszeiten auf der Wildkamera hatte. Die Schwanzspitze konnt man niemals darauf sehen.
Ob man sich als Jäger oder Naturschützer an wildernden Hauskatzen stört muss jeder selber wissen. Ein ernsthaftes Problem für gefährdete Arten sind sie auf alle Fälle.
Ob man sich als Jäger oder Naturschützer an wildernden Hauskatzen stört muss jeder selber wissen. Ein ernsthaftes Problem für gefährdete Arten sind sie auf alle Fälle.

Auch diese schwarze Katze ist mir mehrfach begegnet. Und zwar mitten im Wald, dort hat wirklich kein Haustier etwas zu suchen hat.

 

Nachtrag vom 25.08.2017: Es ist erschreckend in welchem Umfang mir Hauskatze in letzter Zeit außerhalb des "300m Radius" begegnen. Der Einfluss auf Singvögel, Reptilien und Kleinsäuger ist mit Sicherheit dramatisch.

 

 

Abgesehen davon, dass der Jäger bei Minute 1:09 der ganzen Jägerschaft mit seiner bescheuerten Katzenfalljacke schadet, will ich kurz folgendes klarstellen: Ein Jäger darf Katzen zwar töten, sie sich aber nicht aneignen! Das ist eine strafrechtliche Unterschlagung!

Und um jetzt doch noch ein kleines Bisschen politisch zu werden unterstelle ich den Grünen ist solchen Bundesländern wie Baden-Württemberg, dass ihnen "niedliche" und "kuschelige" Tiere wie massenhaft vorkommende Hauskatzen mehr am Herzen liegen wie seltene und gefährdete Tiere wie Blindschleichen, Salamander, Siebenschläfer usw. die oft von Hauskatzen nur zum Spaß und aus Zeitvertreib getötet werden!

 

(Für alle aus anderen Bundesländern die das nicht wissen: In BW hat die grün-rote Regierung den Jägern das Töten von wildernden Hunden und Katzen verboten.)

 

 

 

Und hier das BayJG dazu:

 

Art 42 Nr. 2

wildernde Hunde und Katzen zu töten. Hunde gelten als wildernd, wenn sie im Jagdrevier erkennbar dem Wild nachstellen und dieses gefährden können. Katzen gelten als wildernd, wenn sie im Jagdrevier in einer Entfernung von mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden. Diese Befugnis erstreckt sich auch auf solche Katzen, die sich in Fallen gefangen haben, die in einer Entfernung von mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude aufgestellt worden sind. Sie gilt nicht gegenüber Jagd-, Dienst-, Blinden- und Hirtenhunden, soweit sie als solche kenntlich sind und solange sie von der führenden Person zu ihrem Dienst verwendet werden oder sich aus Anlaß des Dienstes ihrer Einwirkung entzogen haben sowie gegenüber in Fallen gefangenen Katzen, deren Besitzer eindeutig und für den Jagdschutzberechtigten in zumutbarer Weise festgestellt werden können.

 

Beachtet hierzu, dass das Erschießen von Hunden rechtlich sehr kompliziert ist. Ich kann jedem nur raten ausnahmslos in klaren Fällen zu Schießen, sonst ist man sehr schnell seinen Jagdschein los.

Haustiere haben beim besten Willen nichts im Wald zu suchen.
Haustiere haben beim besten Willen nichts im Wald zu suchen.

Hier ist ein sehr sachliches Video über die Probleme mit den Katzen. Dort wird auch die interessante These aufgestellt, dass Hauskatzen ein viel größeres Problem sind als verwilderte Katzen.

Nachtrag vom 15.06.2018:

NRW verbietet das erlegen von wildernden Katzen. Und das obwohl die Singvögelbestände weiter stark sinken.

 

 

 

Nachtrag August 2017:

Müssen Jäger wildernde Hunde und Katzen erlegen?

Die von mir gestellte und natürlich provokante Frage beruht auf einer realen gesetzlichen Grundlage:

 

§ 23 BJagdG: Der Jagdschutz umfaßt nach näherer Bestimmung durch die Länder den Schutz des Wildes insbesondere ...vor wildernden Hunden und Katzen...

Art 40 BayJG Abs 2: Der Revierinhaber ist verpflichtet, den Jagdschutz in seinem Jagdrevier auszuüben.

Art 40 Abs. 1 BayJG: Der Jagdschutz umfaßt auch den Schutz des Wildes ... vor aufsichtslosen Hunden und Katzen.

 

Der Revierinhaber und Jagdaufseher muss also sein Wild vor Hunden und Katzen schützen! Dazu hat er, je nach vorliegendem Fall, die rechtliche Befugnis diese Haustiere zu erlegen. Aber es steht in keinem Gesetz auf welche Art er sein Wild schützen muss. Das bleibt ihm selber überlassen. Ein Verstoß gegen die Verpflichtung zum Jagdschutz ist weder im Bundes- noch im (Bayerischen) Landesjagdgesetz sanktioniert. Man kann also nicht dafür bestraft werden wenn man wildernde Hunde und Katzen ignoriert. Aber durch das Wegsehen verstößt man dennoch gegen das Jagdgesetz. Und die Jagdbehörde kann im schlimmsten Fall als Auflage das Einstellen eines hauptamtlichen Jagdaufsehers verlangen.

Man muss also bei diesem sensibelen und kontroversen Thema seinen eigenen Weg finden.

Als weitere Optionen bleiben das Aufstellen von Hinweisschildern, Appelle in der regionalen Presse an die Tierhalter, das Verscheuchen von Hauskatzen aus dem Revier (evtl. sogar mit Starenschreck, Pepperballs ...) oder auch das Einfangen (mit der Hand, mit Fallen (mit Baldrian?)).

 

 

Noch mal ein Nachtrag aus den Gesetzen:

Rechtlicher Hinweis:

Erlegen von Wild aus Kfz ist verboten: §19 Abs. 1 Nr.11

Erlegen von Tieren gem. Naturschutzrecht aus Kfz ist verboten: §4 Abs.1 Nr.9

Erlegen von wildernden Katzen aus dem Kfz ist nicht verboten!