Wir gingen gesund nach Hause, nur die Katze nicht

-- Noch in Bearbeitung und mit Tippfehlern ---

 

-Die Parks, die Trinker aber kein Gras

-Der Rückspiegel

-Die Raser mit der heißen Motorhaube

-Der Autoknacker in Uniform

-Das Mädchen auf dem Schuldach

-Die betrunkenen Asylbewerber, die Kappe, der Kotzhaufen und der Zaun

-Die Betrunkene Nervensäge

-Der Fastenmonat

-Die Pause

-Der Trunkenbold und das Verlangen gesund nach Hause zu gehen

-Was passierte am nächsten Tag

-Das Fazit dieser Nacht

 

 

Gewöhnlich war diese Nacht nicht. Ich liege noch im Bett, mein Kopf fängt wieder an weh zu tun und ich versuche mich an alles zu erinnern was in diesen 12 Stunden passiert ist. Ich bezweifele, dass mir das gelingt. Aber das ist auch nicht so wichtig, entscheident ist nur, dass wir alle gesund nach Hause gegangen sind. Daran hatte ich zwischenzeitlich nicht mehr geglaubt.

 

 

Die Parks, die Trinker aber kein Gras:

 

Es war die Nacht von Freitag auf Samstag. Beim Weg zur Arbeit dachte ich mir, dass nicht besonderst viele Menschen in der Stadt unterwegs gewesen sind. Am Computer las ich meine Mails, erledigte zwei Anrufe und fuhr dann mit der Kollegin raus. Wir waren uns beide schnell einig, dass wir die Parks und beliebten Treffpunkte nach unserer Kundschaft absuchen wollen und ein paar Leute kontrollieren, evtl. würde ja etwas Gift beim Schütteln aus ihren Taschen fallen. Aber erst mussten wir für einen Kollegen zu einer Frau nach Hause fahren um ihr das Ergebnis ihrer Blutuntersuchung mitzuteilen. Wir hatten sie einige Tage zuvor beim Auto fahren kontrolliert und aufgrund ihrer auf halb acht hängenden Augenlieder zur Blutentnahme gefahren. Sie hatte viel zu viel THC im Blut. Und das auch noch zwei Mal innerhalb einer Woche. Sie war nicht Zuhause und wir fuhren durch unseren großen Stadtpark. Es war dort seltsam wenig los. Ein paar Leute saßen dort und tranken auch Bier, was bei uns verboten ist. Aber sie sahen nicht aus als ob sie dort Probleme machen. Nur zwei kontrollierten wir. Sie saßen versteckt in einer Ecke. Sie hatten kein Bier dabei und waren wirklich nicht klar im Kopf. Sie wunderten sich etwas über die Kontrolle (wir haben kaum Zeit für solche gefahrenabwehrenden Kontrollen). Als ich ihnen sagte, dass sie benommen wirken und keine Bierflaschen neben ihnen liegen sagte einer von ihnen "Ich bin besoffen, wir haben auf dem Lidl Parkplatz gesoffen". Sie hatten kein Gras für uns dabei, also wollten wir zu einem Spielplatz weiter fahren.

 

Der Rückspiegel:

 

Wir waren nun kaum mehr als 15 Minuten auf Streife und jetzt ging es mit den Einsätzen los. Jemand hatte versucht den Rückspiegel eines Autos abzureißen und wollte gerade flüchten. Im Verhältnis zu den anderen Blaulichtfahrten dieser Nacht fuhr ich nun recht gemütlich in ein Wohnviertel. Nach kurzer Suche sahen wir eine gruppe winkender Passanten. Bei ihnen stand ein Mann. Wir nahmen den Mann zur Seite und fragten was passiert ist. Er meinte, dass er gegen ein geparktes Auto gefahren ist. Er schwankte leicht und war betrunken. Dann fragte ich eine Zeugin was passiert ist und sie sagte, dass sie gesehen hat wie der Mann an ihrem Außenspiegel gezerrt hat und dieser nun kaputt ist??? Dann hab ich den Mann noch mal gefragt ob er mit dem Auto gefahren ist und das andere angefahren hat, was er bejahte. Unsere zweite Streife traf ein. Wir drückten ihm den Alkomaten in die Hand und er hatte ordentlich getankt. An beiden Autos waren perfekt zusammen passende Schäden, was zur Beweisführung der Trunkenheitsfahrt wichtig ist. Während ich Fotos mit dem Zollstock machte hörte ich die Kollegin bereits einen Arzt zur Blutentnahme zu unserer Dienststelle anzufordern. Eine weitere Zeugin erzälte mir, dass die Freundin des Unfallfahrers ihm den Fahrzeugschlüssel weg genommen hat, als dieser versucht hat abzuhauen. Als es Wiederworte gab hat sie ihm vor allen Anwesenden eine gescheuert. Ich sah, dass der Kollege den Führerschein des Fahrers bereits in der Hand hielt, diesen würde er nicht wieder bekommen.

 

 

Die Raser mit der heißen Motorhaube:

 

Am Funk meldete die Einsatzzentrale zwei getunte Autos die auf der Bundesstraße Rennen fahren. Weitere Streifen hatten wir nicht. Also musste eine Besatzung vom Unfall abdrehen und Richtung Bundesstraße. Wir schossen schon wieder durch die Stadt. Vorbei an allen roten Ampeln, bei Stau auf den linken Fahrspuren usw. Sobald Autos im Weg waren benutzte ich die Hupe und Lichthupe, zusätzlich zum Martinshorn. Es sind mittlerweile etwa 4 Mitteilungen beim Notruf über die Raser eingegangen.  Nach einer 10 Minütigen Suche fanden wir sie auf einem Parkplatz. Sie behaupteten, dass sie dort bereits seit einer Stunden sind und wurden frech. Ich machte sie richtig rund. Die Mitteiler gaben an, dass sie sich mit etwa 160 km/h überholt hatten. Und wir konten ihnen nichts. Uns blieb nichts Anderes übrig als sie mit einer Kontrolle zu ärgern und ihnen Dinge anzudrohen die wir sowie nicht durchsetzen konnten.  Mit den Aussagen der Anrufer ließ sich nicht genug anfangen um eine Anzeige zu fertigen. Wir fuhren weiter, ich ärgerte mich. Denn eigentlich hätte man die Führerscheine dieser Vollidioten sofort in einen Schredder stecken müssen um das Leben anderer Verkehrsteilnehmer zu schützen. Aber das gibt unser Strafrecht nicht her.

 

Der Autoknacker in Uniform:

 

Wir schafften es keine 400 Meter weiter als die Einsatzzentrale uns erneut rief: "Auf dem ... Parkplatz bricht jemand mit einer Eisenstange ein Auto auf". Wir waren nur 100 Meter Luftlinie entfernt, auf der Rückseite von dem Parkplatz. Ich öffnete mein Holster und tastete nach dem Schlagstock. Die Kollegin zog die Handschuhe an. Wir schossen mit 60 km/h um die Ecke des Parkplatzes und sahen ihn mitten auf dem Platz bei einem einzelnen Auto stehen. Er schaute zu uns und machte weiter... Jetzt war schon fast klar, dass er das Auto nicht klauen wollte, sondern eher Hilfe brauchte. 

Wir ließen ihn dennoch die Hände hinter den Kopf nehmen und durchsuchten ihn kurz. Im Kofferraum lag sein Schlüsselbund und sein Handy. Die Besitzverhältnisse waren schnell geklärt. Er hatte sich von einer Autowerkstatt Keile, Spreizer und Schweißdraht besorgt und versuchte den Türgriff auf der Innenseite durch den Türspalt zu ziehen. Das versuchte er jetzt bereits seit 20 Minuten. Es kamen immer mehr Zuschauer und Bekannte unseres Autoknackers auf den Parkplatz und schauten zu. Ich versuchte mein Glück kurz mit meinem Sperrwerkzeug, was aber keine Chance auf Erfolg hatte. Er nahm mein Angebot an, dass ich es mit dem Schweißdraht versuchte. Ich schaute den Schweißdraht an und dachte an unsere Mitteilung "Eisenstange...?". Wir machten Witze mit den Zuschauern und hatten viel Spaß. Nach wenigen Minuten hatte ich den Draht erfolgreich in den Griff eingehängt und konnte daran ziehen. Und es passierte..... nichts. Nach einigen Versuchen war klar, dass die Türe nicht auf diese Art geöffnet werden konnte. Es war klar, dass wir nicht weiter helfen konnten, sondern nur der Abschleppdienst. Viel mehr Zeit hätten wir eh nicht investieren können um ihm zu helfen. Unsere Zeit war doch sehr begrenzt an diesem Abend. Wir verabschiedeten uns und wünschten noch viel Glück.

Das Mädchen auf dem Schuldach:

 

Wir konnten kurz rein fahren, uns mit dem Dienstgruppenleiter besprechen und aufs Klo gehen. Ich wolle noch schnell die Personalien der Zeugen von dem vorherigen Unfall erfassen. Aber es war klar, dass wir wieder auf die Straße mussten und dafür keine Zeit war. Die zweite Streife war gerade zusammen mit dem Doktor beschäftigt unserem Unfallfahrer Blut abzunehmen. Ich merkte langsam, dass ich zuwenig getrunken hatte und ging zum Wasserhahn, das Kopfwehr fing bereits an. Nach etwa 10 Minuten auf der Dienststelle fuhren wir wieder los. Als sich das Tor unseres Hofes öffnete (und zwar genau in dieser Sekunde) meldete sich erneut die Einsatzzentrale: "Fahren sie bitte beschleunigt nach .... (der äußerste Winkel unseres Dienstbereiches). Da steht eine 12 Jährige auf dem Dach des Schulhauses und hat über WhatsApp Suizid angekündigt".

 

Wir schauten uns an.... "Das ist jetzt nicht war".... Ein Blick nach rechts und links auf die Straße, Ich schaltete Horn und Blaulicht an und gab Gas... Die Straße bestand plötzlich nur noch aus Kurven und anderen Autos die im Weg waren. Ich holte alles aus unserem BMW raus was das Auto und die Reifen mitmachten. Am Funk überschlug sich alles. Streifen aus der ganzen Region wurden zusammen gezogen. Unsere zweite Streife war mit der Blutentnahme fertig und konnte den Unfallfahrer vor die Tür setzen. Sie würden die selbe Strecke einige Minuten nach uns fahren. Meine Augen klebten auf der Straße und das Kopfweh wurde langsam stärker. Wir berieten, so gut ich das während dem Fahren konnte, das weitere Vorgehen. Die Kollegin forderte bereits vorab einen Rettungswagen an. Sollten wir die Feuerwehr alamieren? Diese wären auf alle Fälle vor uns an der Schule. Wir würden etwa 20 Minuen brauchen bis wir da waren. Die freiwilige Feuerwehr besteht aus Laien die oft nicht viel Einsatzerfahrung haben. Und sollte bei diesem Einsatz etwas schief gehen hätten wir uns rechtfertigen müssen warum wir sie als erste an den Einsatzort gelassen hatten. Die Entscheidung musste schnell gehen. Wir ließen sie alamieren, da wir so schnell wie möglich Einsatzkräfte an die Schule bringen wollten.

 

Auf einer langen Geraden sah ich eine Katze in Richtung Straße rennen. Ich bremste von den 140 km/h die ich etwa fuhr auf 60 ab. Sie schien am Straßenrand stehen zu bleiben. Ich fuhr weiter und sie.... rannte los. Sie schlug unter dem Streifenwagen ein. Im Rückspiegel sah ich sie in den Graben rollen. Ein Auto im Gegenverkehr sah es aus nächster Nähe und hielt an. Ich bremste kurz ab. Aber wir mussten weiter.... ich gab Gas. Was würden die jetzt über uns denken? Wir sagten über Funk bescheid und ich hofften, dass sich die Fahrer des anderen Autos telefonisch melden würden. Dann hätte man ihnen erklären können, dass wir beim besten Willen nicht stehen bleiben konnten.

 

Als wir an der Schule ankamen war der Kollegin etwas flau im Magen. Meine Fahrweise war wohl etwas ruppig.  Wenn ich mich nicht dermaßen auf die Straße hätte konzentrieren müssen wäre es mir vermutlich ähnlich ergangen. Die ersten Kräfte der Feuerwehr und ein Rettungswagen waren bereits an der Schule. Sie hatten beim Eintreffen drei Jugendliche auf dem Dach gesehen. Darunter ein Mädchen. Sie sind geflüchtet. Wir beratschlagten mit den anderen Kräften das weitere Vorgehen. Ein Kollege in Zivil meldete, dass er in wenigen Minuten eintrifft. Ihm wurde die Beschreibung der Drei über Funk gegeben um die Gegend abzusuchen. Unsere zweite Streife fuhr die Adresse der Mitteiler an die die entsprechenden Nachrichten des Mädchens erhalten hatte. Nach einigen Minuten in denen wir das Schulgelände absuchten meldete die Mutter des Mädchens in unserer Wache, dass ihrer Tochter eben Heim gekommen ist. Der Kollege in Zivil fuhr sofort die Wohnadresse an. Unsere zweite Streife versuchte uns per Mail den Chatverlauf zu schicken, damit wir die Lage besser einschätzen konnten (Die Mail ist jedoch erst zwei Stunden später bei uns angekommen). Wir gaben die Wohnadresse in unser Navi ein, aber unser Weg endete kurz vor dem Ziel an einem Poller. Wir fuhren eine andere Straße die uns das Navi anbot und standen erneut vor einem Poller. Wir ließen den Wagen stehen und gingen ein paar hundert Meter zu Fuß. Bei der Familie des Mädchens gestaltete sich alles recht einfach. Wir begleiteten sie in die Jugendpsychiatrie. Mehr will ich zu diesen Umständen nicht erzählen. Sie war nett, wir unterhielten uns gut und sie fragte uns über unsere Arbeit aus. Die Fahrt ging recht lang durch die Nacht. Um ein Haar hätten wir zu einer weiter entfernten Psychiatrie fahren müssen. Mit etwa jeweils einer Stunde Fahrzeit hin und wieder einer zurück hätte unser Sprit nicht gereicht. Die Kollegen meldeten sich am Funk und fragen nach unseren Essensplänen. Wir vereinbarten, dass wir getrennt voneinander uns was beim Mc Donalds holen. Alles Andere würde in dieser Nacht nicht funktionieren. Mir fiel ein, als wir durch die Nacht fuhren, dass wir unser Fahrzeug noch gar nicht auf Schäden oder Spuren von der Katze abgesucht hatten. Ich sehnte mich nach der Dienststelle, denn dort lagen im Keller, in meinem Spind, in meinem Rucksack, in meiner Ersten-Hilfe Box Iboprofen 400 Tabletten.

Nach dem der Psychiater es geschafft hatte die vielen Türen seiner Station zu öffnen und wir das Mädchen übergeben hatten fuhren wir zum Mc Donalds. Unser Heimweg würde etwa 40 Minuten dauern und das wäre unsere letzte Möglichkeit etwas zu essen. Ich hatte gerade genug Geld für uns beide dabei. Wir fuhren los, wollten aber auf dem Rückweg aber noch bei der überfahrenen Katze vorbei, den Burger futterte ich während der Fahren. Nach dem ersten Bissen landete gleich etwas auf meiner Hose und verursachte einen 5cm großen Fettfleck. ... Was für eine Nacht war das nur? Unsere Getränke waren in wenigen Minuten leer. Die hatten wir auch dringend nötig, wir waren bereits 6 Stunden ohne Pause im Einsatz. Als wir 100 Meter vor der Unfallstelle waren und unseren Seitenscheinwerfer angeschaltet hatten kam der nächste eilige Einsatz. Wir sollten in den Bereich der Nachbardienststelle fahren die nur eine Streife in dieser Nacht hatte, dort meldete ein Nachbar Einbrecher in einem Wohnhaus. Ich schaltete das Blaulicht wieder ein (das Horn brauchte wir beim besten Willen nicht so spät in der Nacht auf der Landstraße) und gab Gas. Nach etwa 5 Minuten gab es Entwarnung, die Hauseigentümer konnten telefonisch erreicht werden. Sie waren zwei Tage früher aus dem Uraub gekommen und hatten aus irgend einem Grund Taschenlampen benutzt.  Aber statt diesem Einsatz mussten wir gleich weiter zu einer Sachbeschädigung. Es gab wieder keine Pause.

 

Die betrunkenen Asylbewerber, die Kappe, der Kotzhaufen und der Zaun

 

Die Nachbarin eines unbewohnten Grundstückes meldete, dass drei (augenscheinliche) Asylbewerber aus der nahen Unterkunft am Zaun randaliert hätten. Wir kreisten zunächst kurz durch das Viertel. Es waren keine Männer zu sehen auf die die Beschreibung passte. Die Nachbarin erzälte uns nun was passiert war. Am Zaun des Grundstückes waren Holzlatten heraus gerissen worden. Es lag dort eine Base Cap, eine Bierflasche und ein Kotzhaufen. Wir machten Fotos und nahmen alles auf. Dann fuhren wir rein. Es war bereits nach 1 Uhr Nachts. Wir konnten nicht mehr und wechselten mit den Kollegen die in der Wache waren. Sie mussten sofort raus, es wurden in einem Wohngebiet von mehreren Mitteilern Hilferufe gehört.

 

Die Betrunkene Nervensäge:

 

Es klingelten zwei Frauen, sie waren deutlich betrunken und es war 2 Uhr Nachts. Sie wollten wissen ob wegen einem bestimmten Sachverhat eine Anzeige gegen sie erstattet wurde. Nach dem ich sie recht schlecht gelaunt darauf aufmerksam gemacht habe dass "normale Menschen" eine Auskunft in nüchternem Zustand zu Bürozeiten erbitten sagte ich ihnen, dass keine Anzeige gegen sie erstattet wurde. Nun fingen sie an irgend welche rechtliche Fragen über das Fertigen von Fotos zu stellen... Ich schickte sie raus und sagte ihnen, dass ich keine Lust hatte weiter mit ihnen zu sprechen. .... Vermutlich wird das nach der überfahrenen Katze die zweite Beschwerde aus dieser Nacht über mich werden... Aber das war mir jetzt egal, wir hatten andere Probleme. Aber ich konnte endlich meine Iboprofen nehmen und mir noch ein oder zwei Flaschen aus unserem Automaten lassen und trinken.

 

Wir berieten uns, ob wir für die Hilferufe weitere Kräfte zur Absuche anfordern wollten. Diensthunde und Hubschrauber konnten nicht kommen. Die Polizeistreifen aus den Nachbarrevieren wären viel zu wenige gewesen und hätten in den dortigen Dienstbereichen gefehlt. Es wäre nur die Feuerwehr in Frage gekommen. Die Kollegen vor Ort befragte noch mehr Anwohner und wir kamen zu dem Schluss, dass die Hilferufe nicht dermaßen ernst zu nehmen sind und vermutlich nur von einem bereits beendeten Streit stammten. Hätten wir die Lage falsch eingeschätzt würden wir echte Probleme bekommen...

 

 

Der Fastenmonat:

 

Da eine Kollegin die Anzeige bzgl. dem betrunkenen Autofahrer sofort fertig schreiben musste fuhr ich mit einem anderen Kollegen noch eine Ruhestörung an. Drei Frauen öffneten uns die noch mitten in der Nacht ihren "Fastenmonat" feierten. Wir ermahten zur Ruhe und fuhren zurück. Das war die Einzige von vielen Ruhestörungen die wir in dieser Nacht überhaupt anfahren konnten. Allen anderen Bürger die in dieser Nacht keine Ruhe hatten konnten wir nicht helfen. Sie warteten vergeblich auf die Polizei. Wir waren einfach zu wenige Beamte.

 

 

Die Pause:

 

Wenn ich hier "Pause" schreibe meine ich etwa eine Stunde im Bereich von 3 bis 4 Uhr in der wir am Computer das Nötigste erfassen mussten. Jeder normale Arbeitnehmer würde so etwas nicht mitmachen. Aber das ist der Beruf den wir uns ausgesucht hatten. Einem Kollegen gab ich jetzt auch noch eine Iboprofen. Wir unterhielten uns auch einige Minuten im Hof. Für die Anzeige mit dem betrunkenen Autofahrer musste ich jetzt noch die Fotos zu einer "Lichtbildtafel" verarbeiten. Es kam eine Weile kein neuer Einsatz. Die noch offenen Ruhestörungen sind wir nicht mehr angefahren. Das hätte uns völlig aufgerieben, wie ein Militär sagen würde.

 

 

Der Trunkenbold und das Verlangen gesund nach Hause zu gehen:

 

wir saßen am Computer als unsere zweite Streife zu einer Schlägerei gerufen wurden. Ich sage zum Kollegen "Lass uns gleich mitfahren". Am Funk sagen die Kollegen 60 Sekunden später "schickst Du die zweite Streife gleich mit". Wir machten uns fertig und gingen in den Hof "Eilige Unterstützung"......ertönte es am Funk. Wir rasten los.... Wir kamen an. Die Kollegen knieten auf dem Schläger drauf und versuchten erfolglos ihn zu fesseln. Um sie rum war eine Meute von etwa 15 Leuten die auf sie einredeten, sie beschimpften oder den Schläger beschimpften. Sie schafften es nicht den ziemlich starken Kerl zu fesseln. Wir versuchten es nun zu dritt, während einer die Meute auf Abstand hielt so gut es ging. Ich benutzte meinen Schlagstock um dem Arm auf seinen Rücken zu hebeln. Der Typ unter uns schimpfte und spukte. Irgendwann schafften wir es endlich beide Hände zu fesseln. Die Meute um uns rum versuchte die ganze Zeit an den Typen mit dem sie zuvor eine Schlägerei hatten ran zu kommen und ihn zu provozieren. Ich forderte weitere Unterstützung an, es konnte aber nur noch eine einzelne Kollegin kommen. Mehr war auf die Schnelle nicht verfügbar. Damit die Situation endlich unter Kontrolle gebracht werden konnte wollte ich den Verrückten so schnell wie möglich von hier weg bekommen. Wir zogen ihn zu unserem Streifenwagen, den laufen wollte er nicht. Ich war Bereit ihn jeden Moment niederzuschlagen, sollte er auf die Idee kommen mich zu Beißen! Denn es gibt kaum etwas vor dem ich mehr Angst habe bei der Arbeit. Zum Glück für ihn hatte er dies nicht vor, denn sonst wäre er mit einem Schadel- Hirn Traume in der Klinik gelandet...

Aber er weigerte sich seine Beine in unser Auto zu nehmen. Wir konnte sie nicht rein drücken, denn sonst hätte er uns in das Gesicht getreten. Die Meute am Straßenrand wurden nun gegenüber den Kollegen immer agressiver. Ich fuhr meinen Schlagstock aus und forderte ihn auf seine Füße rein zu nehmen. Er folgte nicht, ich schlug zu. Ich forderte ihn erneut auf... und schlug zu. Er schrie "schlag mich doch".... und ich schlug wieder zu.... Es funktionierte nicht. Ich ging um das Fahrzeug rum und öffnete die Türe hinten links. Ich zog ihn so weit über die Sitzbank bis der Kollege die rechte Türe schließen konnte. Nun hebelte ich den Bekloppten mit meinem Schlagstock so weit nach vorne, dass sein Gesicht bei seinen Knien war. Er drückte mich zurück. Er hatte eine ungeheure Kraft. Ich drückte ihn mit meinem ganzen Körper runter, verpasste ihm noch eins mit dem Knie und kündigte weitere "Zwangsmaßnahmen" sehr malerisch und der taktischen Einsatzlage angemessen an. In unserem Innenhof wartete eine unserer Praktikantinnen um uns zu helfen. Sie haben wir alleine in der Wache lassen müssen. Sie half uns den Kunden auszuladen. Er war nun ganz schön schlecht auf mich zu Sprechen. Da er sich weiterhin weigerte unseren Anweisungen zu Folgen und meinte, dass er nichts mit mir zu tun haben will bot ich ihm an, dass ich jetzt gehe und meine Kollegen ihn in die Zelle bringen. Das funktionierte. Ich war völlig aus der Puste und musste einige Minuten durchschnaufen. Wenig später hörte ich ihn in unserer Zelle rum heulen... so waren sie alle. Ich glaube er hat sogar wirklich nach seiner Mama gerufen! Eine Stunde später wiesen wir ihn in die Psychiatrie ein.

 

Als die Frühschicht zum Dienst kam kündigte ich dem nächsten Dienstgruppenleiter gleich an, dass alle evtl. auflaufenden Beschwerden gegen mich gerichtet sein werden. Ich fuhr heim und schlief!

 

 

 

Was passierte am nächsten Tag:

 

Der blöde Hund der meinen Schlagstock zu spüren bekommen hat kam am nächsten Morgen ziemlich lädiert in unserer Wache und hat sich für sein Verhalten entschuldigt. Früher hätte ich gedacht, dass ihm das anzurechnen ist. Aber wenn jemand von uns im Krankenhaus gelandet wäre hätte dem verletzten Kollegen das auch nichts genützt. Gegen derart gewaltätige Menschen hilft nur eines um sich selber und Andere zu schützen: Gewalt. Da helfen keine Sozialpädagogen, Richter oder deeskalative Maßnahmen. Da hilft nur Gewalt! Mit seiner Entschuldigung kann er sich den A.... abwischen.

 

Das Fazit dieser Nacht:

 

Ich denke jeder kann sein eigenes Fazit ziehen wenn er das hier gelesen hat. Ich werde mich nicht zu meinem persönlichen Fazit äußern, sonst wird es politisch...

Ich bin gesund nach Hause gekommen und alle Kollegen ebenfalls, nur die Katze musste ihr Leben auf der Landstraße lassen...