Prügel in der Nacht

oder auch: Wir machen die Drecksarbeit unserer Gesellschaft

oder auch: Wir hatten die besten Praktikanten der ganzen Behörde

oder auch: Die Leiden der L... (Insiderwitz)

 

 

Es war mal wieder Samstagabend, und dieser Abend begann eigentlich recht lustig. Für uns jedenfalls. Denn am Morgen hatten wir in einem Wald einen Haufen Fundsachen an uns genommen. Dabei war nicht nur der Ausweis vom Verlierer, sondern auch noch ein bisschen Gras. Nach dem wir ihm alle seine Sachen, die er am Vorabend im Drogen und Alkoholrausch verloren hatte, wieder ausgehändigt hatten, eröffnete ich ihm die schlechte Nachricht, dass wir auch sein Gras gefunden haben und er nun Beschuldigter im Strafverfahren ist. Ja, ich muss ehrlich sagen, dass wir später noch viel Spaß damit hatten uns über den „Verlierer“ lustig zu machen. Wir sind halt auch nur Menschen.

 

Wir hatten zum Glück etwas Luft und konnten ein paar wenigen unserer anderen Pflichten nachkommen und etwas ermitteln. Aber es war halt doch wieder so spät, dass uns ein altes Ehepaar in Schlafanzügen öffnete. Ich hatte ein etwas schlechtes Gewissen, aber unsere Zeit auf Streife ist knapp. Wenn wir nur Abends zu den Ermittlungen kommen müssen wir wohl oder übel auch dann bei unseren Bürgern klingeln.

 

Es begann nun ein schöner Teil dieser Nachtschicht. Etwas verspätet konnten wir uns zum Abendessen in unserem Sozialraum versammeln. Einer unserer Praktikanten gab seinen Ausstand mit Lasagne. Sie war soo lecker. Zwei unserer Praktikanten verließen uns leider nach 4 Wochen wieder. Es ist immer schön den jungen und motivierten Kollegen etwas beizubringen. Die Kollegin davon hatte so dermaßen viel in diesen wenigen Wochen bei uns erlebt, wie es vermutlich noch nie ein Praktikant vor ihr hat. Sie hielt sich tapfer und meisterte die teilweise furchtbaren Nächte bestens. Für manche wären diese Erlebnisse wohl schon zu viel geworden. Ihr Praktikum war noch nicht vorbei und sie hatte noch etwa 8 weitere Stunden Streifendienst vor sich...

 

Die Stimmung war gut und wir erzählten „Kriegsgeschichten“. Ich erzählte den Kollegen noch, dass ein „Opfer“ von einem Tage zurück liegenden Einsatz immer noch nicht aus dem Koma erwacht ist. Es war ein derber Einsatz gewesen in dieser zurück liegenden Nacht. Wir standen zusammen und konnten den „Erstzugriff“ bei diesem Tötungsdelikt sehr gut abarbeiten. Es war eine Nacht gewesen die geprägt war von Gewalt, Erste-Hilfe, Spurensicherung und Beweisführung. Wir konnten in aller Ruhe zu Ende essen und uns dann an unsere übliche Tätigkeit in den Nächten machen: Schreibdienst. Denn tagsüber haben wir in der Regel keine Zeit zum Schreiben.

 

Es war ja auch zu erwarten, dass in dieser Nacht nicht viel Zeit für die Schreibarbeit bleiben würde. Ich hörte einen Ruf des Dienstgruppenleiters und ging zu ihm. Es wurden aus einem Auto Schüsse abgegeben, was von anderen Autofahrern beobachtet worden war. Ich eilte zurück zu meinem Schreibtisch, zog die Schutzweste über und die Lederjacke. Weitere Kollegen eilten über den Flur, mit Jacken und Funkgeräten in den Händen zu unseren Fahrzeugen. Ich drückte den Startknopf des BMW und schaltete das Blaulicht an. Während sich das Tor unseres Hofes öffnete machte die Kollegin die Maschinenpistole bereit.....Das Tor war offen, ich drückte den Knopf für das Martinshorn und gab Gas. Einen Kilometer vom Ort der Schüsse entfernt hörten wir eine andere Streife am Funk. Sie fuhren einem verdächtigen Auto hinter her. Ich riss das Lenkrad nach links, um noch eine Querstraße zu erwischen und dem verdächtigen Auto den Weg abzuschneiden. Ich gab noch mehr Gas. Da wir fast in Sichtweite waren schalteten wir das Blaulicht aus und fragten die Kollegen auf welcher Höhe sie waren.... wir würden es nicht mehr schaffen ihnen den Weg abzuschneiden. Ich bog die nächste wieder rechts ab und wir sahen am Ende der Straße das verdächtige Auto mit dem anderen Streifenwagen hinten dran... ich drückte das Gaspedal durch und schoss den Kollegen hinter her. Trotz 100km/h innerorts schien es ewig zu dauern bis wir an ihnen dran waren. Die Kollegin sagte ihnen über Funk Bescheid, dass wir dran sind und bereit zum Zugriff. Ich zog die Pistole aus dem Holster und hielt sie in der rechten Hand oben auf dem Lenkrad bereit. Passender Weise wurde genau in dem Moment vor uns eine Ampel rot. Ich schaltete das Blaulicht an und wir keilten das Auto zwischen uns ein. Ich schnallte mich ab, trat die Türe auf und rannte so schnell es ging hinter unseren Streifenwagen herum. Noch bevor ich die Fahrer im Blick hatte hörte ich einen Kollegen schreien „Polizei, Motor aus, wir wollen die Hände sehen“. Im Auto saßen zwei junge Frauen. Links sah ich die Kollegin mit der MP von vorne sichern. Der Kollege holte die Fahrerin raus, ich sagte ihr sie soll die Hände auf das Autodach legen und sich nicht bewegen. Dann holten wir die Beifahrerin raus. Als die Beiden durchsucht waren schaltete ich die kleine Lampe an meiner Schulter an und begann den Innenraum zu durchsuchen. Wir hatten "eine Niete gezogen". Wir erklärten beiden kurz warum wir sie so derb kontrollieren mussten und entschuldigten uns. Eine weitere Streife kam in dem Moment zur Unterstützung. Wir berieten uns kurz, dann fuhren wir wieder auseinander und fahndeten weiter. Am Funk hörten wir weitere Streifen die sich zu unserem Einsatz meldeten. Wir kreisten die Gegend um den Tatort ab. Hier und da kontrollierten wir oder die Kollegen weitere verdächtige Autos. Als die Chancen geringer wurden dass die Schützen noch dort sind fuhren wir zum Tatort und suchten diesen Ab. Leider wussten wir nicht genau an welcher Stelle geschossen wurde. Ich hatte Hoffnung, dass wir den Einsatz schnell runter fahren konnten wenn wir Platzpatronen finden würden. Aber leider war dort höheres Gras und wir fanden nichts. Wir mussten irgendwann ein Ei drüber hauen, denn ein Kennzeichen der Schützen hatten wir nicht.

 

Obwohl Samstag war mussten wir zur Dienststelle fahren und unsere Vorgänge weg arbeiten. Es hatte sich die letzten Tage so viel angesammelt, dass wir wirklich keine Zeit zum Streife fahren hatten.

 

Mitternacht war gerade erst seit einigen Minuten vorbei. Das Funkgerät stand auf meinem Tisch, was noch eine Angewohnheit aus meinem ehemaligen Großstadtrevier ist. Ich verlasse niemals den Streifenwagen ohne Funkgerät und auch tief in der Nacht höre ich immer mit, denn nur so können wir im Notfall so schnell wie möglich Unterstützung rufen und eben auch darauf reagieren. Genau das würden die Kollegen gleich auch dringend benötigen. Ich hörte, dass eine unserer Streifen zu einer Ruhestörung in einen kleinen Ort beordert wurde. Wenige Minuten später rief der DGL über den Gang „Massenschläger bei der Hochzeit in ….“. …. Ich rannte und fluchte....alle rannten.... ich tastete nach meinem Schlagstock, er war wo er sein sollte. Es ging los, die Wettfahrt gegen die Zeit. Denn die Kollegen waren vermutlich bereits in dem Ort nur wenige hundert Meter von der Schlägerei entfernt. Wir rasten durch die Nacht, die blauen Blitze blendeten mich, wenn sie sich in den großen Verkehrsschildern reflektierten. Die Straße war trocken und es war kein Verkehr. Ich bat die Kollegin mir das große Pfefferspray aus meiner Einsatztasche vor zu reichen. Sie legte es in die Mittelkonsole. Hinter uns erkannte ich im Rückspiegel das Blaulicht einer weiteren Streife. Sie waren dran, gut. Es ist wichtig geschlossen am Einsatzort einzutreffen. Sonst kommt man „unter die Räder“. Die Kollegin fragte die anderen wo ihre Standorte sind. Wenige Momente später war Geschrei am Funk „Wir brauchen eilige Unterstützung, hier hauen sie sich alle“. So ein Scheiß, die erste Streife ist bei der Aufklärung mitten rein geraten. Im Hintergrund war noch mehr Geschrei zu hören. Ich gab noch mehr Gas....

 

Als wir am Gelände der Festhalle ankammen flüchteten ganze Familien in Festkleidung panisch. Vor uns standen Autos der Gäste die den Platz in die entgegengesetzte Richtung verlassen wollten. Wir kamen nicht weiter. Ich trat gegen die Türe, riss den Sicherungsstift auf dem Pfefferspray, warf ihn in den Fußraum und sprang raus..... Das Pfefferspray fiel auf den Boden, ich bückte mich um es aufzuheben........ Ich verspürte Angst, denn ich konnte in dieser Sekunde nicht sehen was vor mir passierte....... Aber es rannten nur weiter Familien mit Kindern an uns vorbei..... Die Kollegin riss ihren Schlagstock von der Einsatztasche. Wir suchten die beiden Kollegen, fanden sie glücklicherweise in wenigen Sekunden. Wir sprangen hin, stießen jeden weg der etwas von ihnen wollte. Der Schlagstock war erhoben und das Pfefferspray hielt ich jedem ins Gesicht. Geschrei... Geschubse und drohende Fäuste die uns entgegen gehalten wurden. Im Augenwinkel sah ich blutige Gesichter und Fäuste die in andere Gesichter geschlagen wurden. Neben mir lag eine bewusstlose Frau. Es war unmöglich ihr zu helfen, wir wären in Sekunden niedergeschlagen worden. Es flammte auf und es beruhigte sich wieder. Und das alles im Wechsel von wenigen Minuten. Ich drückte die Sendetaste vom Funkgerät „Wir brauchen mehr Kräfte, Lage ist völlig unübersichtlich, um uns rum wird immer noch geschlägert“.

 

Es kamen weitere Kräfte, und zwar viele... auch von weit her. Der Rettungsdienst musste von einer Großschadenslage ausgehen und beorderte ebenfalls einiges zu uns um einen Verbandplatz einzurichten. Es kamen immer mehr Streifenwagen und es wurden immer weniger Hochzeitsgäste. Aber das dauerte und wir mussten kämpfen. Um unsere Gesundheit und gegen …. Im Festsaal waren zuvor hunderte Gäste und es hing eine unfassbar riesige Fahne über allem. Die Hochzeit war zweifellos politisch geprägt. Ein Freund der Brautleute war in diesem Moment damit beschäftigt die durch die Schlägerei auf dem Boden verstreuten Goldmünzen einzusammeln.

 

Ich setzte ihnen die Spitze des Schlagstocks auf die Brust und stieß sie weg....ich legte ihn quer und stieß sie weg.... es sollte weh tun... den sie kommen wieder wenn es nicht weh tut. Sie wurden immer mehr, kamen auf uns zu und hielten die Fäuste bereits nach hinten um zuzuschlagen..... Ein Stoß aus meinem Pfefferspray ließ die Meute auseinander treiben und verschaffte uns Platz..... sie rannten weg und fluchten....sie beschimpften mich. Ich sah unzählige husten, auch wir husteten, denn das Pfeffer war in der Luft. Je unangenehmer es für sie hier wurde, desto weniger Lust hatten sie hier noch länger zu bleiben. Sie schickten ihre Frauen vor, in der Hoffnung, dass die ihre Leute aus unserem Gewahrsam befreien können und wir uns nicht trauen würden etwas gegen sie zu unternehmen. Als ich die Erste von ihnen mit dem Schlagstock weg stieß wurden sie giftig, dass ich es wagte ihre Frauen anzufassen. Ich gab ihnen zu verstehen, dass sie alle den Schlagstock zu spüren bekommen. Jetzt verstanden sie, dass ich auch sie sofort schlagen würde und zogen sie wieder weg von uns. (Polizeiarbeit ist manchmal ein schmutziges Geschäft).

 

Ein Kollege bekam einen Faustschlag ins Gesicht. Sie rauften miteinander, erst im stehen und dann am Boden. Ein weiterer Kollege eilte ihm zu Hilfe.... die Meute stürzte in ihre Richtung. Ich sprang dazwischen... und schlug zu...

 

Den Schlagstock erhoben und erneut bereit auf jeden einzuschlagen der auch nur einen Zentimeter näher rückte. Die Kollegen gewannen den Kampf gegen den besoffenen Schläger und legten ihm die Clejuso ums Handgelenk. Wir waren mittlerweile wieder draußen auf dem Parkplatz, im Hintergrund sah ich immer mehr Blaulichter. Als die ersten Rettungswagen etwa 100m weiter weg halten mussten trugen einige Gäste die bewusstlose Frau dort hin.

 

Die Kräfte von uns wurden immer mehr und wir gewannen die Kontrolle. In Anbetracht unserer sehr spät beginnenden Beweissicherung und dass die meisten Beteiligten bereits geflüchtet waren, konnten wir einen großen Teil des Geschehens rekonstruieren. Fotos, Personalien, Absprachen mit dem Rettungsdienst am Verbandplatz. War ich froh die vielen Kollegen zu sehen. Der Vermieter der Festhalle war etwas verzweifelt, hielt sich aber gut. Sein Personal ist heil raus gekommen. Die Gäste hatten ihn noch gedrängt nicht die Polizei zu rufen, während ihre Leute sich aufs Maul hauten. Aber er ließ sich zum Glück nicht davon abhalten.

 

Nein, ich werde Euch nicht erzählen was der Auslöser der Schlägerei gewesen ist. Nur so viel, es hatte mit der Musik zu tun. Also das Dümmste was man sich nur vorstellen kann.

Da sich die Beteiligten später im Krankenhaus wieder begegneten mussten wir die Notaufnahme bewachen.
Da sich die Beteiligten später im Krankenhaus wieder begegneten mussten wir die Notaufnahme bewachen.

 

Die Nacht war weit fortgeschritten und unsere Zellen füllten sich langsam. Aber natürlich war die Nacht noch nicht vorbei. Wir mussten am Computer „Erfassen“. Personalien, Maßnahmen.... Fotos auslesen usw. Eigentlich hätten wir das alle müssen, aber eine Streife musste raus. Im entlegensten Ort vom Dienstbereich hatte ein Türsteher einen orientierungslosen jungen Mann im Marihuana Rausch aufgegriffen und machte sich Sorgen um ihm. Eine Streife musste dort hin, ich hatte wirklich kein gutes Gefühl dabei, denn sie waren dort alleine und wir hatten eine Streife weniger in der Stadt. Etwa eine dreiviertel Stunde später riss mich das Funkgerät wieder aus der Konzentration vor dem Computer. Der Kollege meldete völlig außer Atem, dass sie einen massiven Widerstand mit dem jungen Mann im Rettungswagen hatten. Der Kollege war selber verletzt und sie würden ihn nun zur Dienststelle bringen. Scheiße!

 

Er saß nun vor mir in der Ausnüchterungszelle. Die Kollegen nahmen ihm die Handschellen ab und zogen seine Kleider aus, damit er sich nicht damit suizidiert. Die Kollegen hielten seine Arme fest und ihre Blicke hafteten fest auf ihm und nahmen jede Bewegung war. Es wurden ihm kurze und klare Kommandos gegeben. Die Situation war angespannt. Ich stand vor ihm  und machte ihm klar, dass ich bei der kleinsten falschen Bewegung zuschlagen werde. Er stand unter einem massiven Marihuana Einfluss und hatte Schwankungen in seinem emotionalen Zustand. Wenige Minuten zuvor hatte er sich zu einem ängstlichen Häufchen Elend verwandelt. Dieser Zustand konnte sich aber jede Sekunde wieder ändern. Ich sah nun in seinen Augen die blanke Angst vor mir und er begann am ganzen Körper zu zittern. Ich fragte mich, ob er sich aus Angst vor mir gleich in die Hose pinkeln würde. Es war ein seltsames Gefühl, dass jemand derart Angst vor mir hat. Ich fühlte mich schlecht.....Aber besser er hat Angst als dass der Nächste von uns ins Krankenhaus muss.... Ich fauchte ihn weiter an...

 

Als wir die Zelle verließen sah ich wieder das Gesicht meines Kollegen, an dem ein dünner Streifen Blut hinab rann und die Lücke in seinem Mund, wo der Randalierer ihm kurz zuvor einen Zahn ausgeschlagen hatte (der Kollege hatte übrigens noch weitere Verletzungen wegen denen er operiert werden musste und länger nicht dienstfähig war).

 

Ich kann die Lügen über das angeblich so "friedliche" Marihuana langsam nicht mehr hören. Falls ihr Euch fragt warum die Zahlen der Gewalttaten unter Marihuanaeinfluss so gering sind und die unter Alkohol so hoch: Weil bei Alkoholeinfluss einfach schnell ein Alkomatentest gemacht wird, der den Alkohol für die Statistik beweist. Bei den normalen Schlägereien wird aber keine Blutentnahme für einen Drogentest angeordnet.

 

Wir mussten raus, obwohl noch so viel drinnen zu arbeiten war. Wir fuhren eine Ruhestörung an, die bereits vor Stunden gemeldet wurde. Wie zu erwarten, war bereits niemand mehr dort und inzwischen schliefen alle, die Gestörten und die Störer (was für ein blödes Wortspiel). Wir fuhren weiter. Am Straßenrand lag ein Reh. Ich hielt, ich wollte schauen ob es auch wirklich Tod war und sich nach dem offensichtlich statt gefundenen Unfall nicht noch quälte. Es war Tod. Es war eine Geiß und ich konnte ihre Zitzen sehen. Ob das Kitz den Verlust überleben würde... vermutlich schon.... es müsste aufgrund der Jahreszeit schon einige Monate alt sein. Als ich neben unserem Streifenwagen im Straßengraben stand kam ein Alarm eines Geschäftes über Funk. Es war ein Gartencenter, das sich nur wenige hundert Meter entfernt befand.

 

Wir trennten uns und suchten das Gebäude von außen ab. Links hielt ich meine winzige USB aufladbare Taschenlampe mit den 360 Lumen und die rechte Hand war an der Pistole. Es verleiht einem Sicherheit in der dunklen Nacht wenn man eine Waffe bei sich hat. Ich glaubte zwar bei diesem Alarm nicht wirklich an einen Einbruch, aber in den letzten Monaten hatten wir viele Einbrüche in Geschäfte und wir stießen auch auf die Einbrecher. Manche flüchteten und andere nahmen wir fest. Alle Fenster und alle Türen waren unversehrt.

 

Diese Scheißnacht waren die letzten Stunden von zwei unserer Praktikanten, bevor sie wieder zurück in ihr Ausbildungsseminar mussten. Während der Übergabe an die Frühschicht suchte ich sie in den Büros und verabschiedete mich von ihnen. Ich bin leider nicht viel mit ihnen zusammen Streife gefahren, aber ich hatte keinerlei Zweifel daran, dass aus ihnen sehr gute Cops werden. Sie waren gute Kameraden in den Kämpfen die wir in den wenigen Wochen zusammen schlagen mussten. Es ist wirklich und wortwörtlich viel Blut geflossen in diesen Wochen. War ich ihnen ein gutes Vorbild? Ich hatte den Eindruck, dass ich ihnen etwas beibringen konnte, aber davon war einiges nicht im Sinne Ihres Lehrplans. Ich werde mir bei den nächsten Praktikanten mehr Mühe geben mich an die Lehrbücher zu halten. Denn der Lehrplan ist nicht schlecht, nur ich habe mir im Laufe der Jahre eine etwas andere Sicht auf die Dinge angewöhnt. Ich lag bereits mehrfach im Krankenhaus und möchte dort nicht noch öfter in Flaschen pinkeln und ich will meinen Kindern nicht erklären müssen warum der Papa nicht auf sich aufgepasst hat. Habt Ihr übrigens gewusst, dass diese Praktikanten von uns als „Probezeitbeamte“ entlassen werden, wenn sie bei der Arbeit schwer verletzt werden? Und weil vor der Verbeamtung auf „Lebzeit“ erneut eine ärztliche Überprüfung steht gehen viele mit ihren Leiden jahrelang nicht zum Arzt, teilweise mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. Aber seltsamerweise halten die „Polizeigewerkschaften“ das für kein Problem das man öffentlich ansprechen muss?

 

 

Mein Fazit dieser Nacht:

 

Sie war einfach nur scheiße! Wir haben unsere Arbeit gemacht und wir standen dicht zusammen im Kampf. Wir mussten Niederlagen erleiden, denn unsere Gesundheit ist eine der wichtigsten Prioritäten. Aber ich bin mir sicher, dass wir eine gute Arbeit gemacht haben. Schlüsse habe ich nicht aus den Einsätzen gezogen. Die Frage ist nur ob unsere Gesellschaft irgendwann erkennen wird, dass die Gesundheit von Polizisten wichtiger ist als die von Gewalttätern? Denn wir stehen mit diesem Gewalttätern nicht auf einer Stufe! Wir setzen Gewalt nicht aus eigener Motivation ein, sondern um uns und Andere zu schützen. Und natürlich um die Strafverfolgung sicherzustellen. Aber die ganzen Schläger dieser Welt verletzen andere Menschen aus Spaß (Lust wäre eigentlich das bessere Wort). Da ist ein unendlich großer Unterschied, den leider so viele Weltverbesserer nicht sehen wollen wenn Polizisten Gewalt anwenden müssen.