Off Duty, was mich außer Dienst beschäftigt hat

Das Buch "Halt Kriminal Polizei" las ich in meiner Polizeiausbildung. Es prägte mich für meinen späteren Beruf wie kaum etwas Anderes. Ich entwickelte ein Selbstverständnis um auch in der Freizeit jederzeit bereit zu sein.
Das Buch "Halt Kriminal Polizei" las ich in meiner Polizeiausbildung. Es prägte mich für meinen späteren Beruf wie kaum etwas Anderes. Ich entwickelte ein Selbstverständnis um auch in der Freizeit jederzeit bereit zu sein.

Kripo Heinz war einer der bekanntesten Polizisten in der Stadt und er war auch bei der Geiselnahme 1972 dabei. Er wurde in meiner Ausbildung ein Vorbild für mich.

 

Für Ihr war es selbstverständlich, dass er nach Dienstschluss notfalls bereitstand.

Mein Revier war mitten in der Stadt. Parkplätze hatten wir nicht, nicht mal unser Chef. Wir sind alle mit den Öffentlichen zur Arbeit gefahren. Nur einer in meinem Revier hat sich einen Platz in einer Tiefgarage gemietet, für etwa 250,-/Monat. In Uniform ist eigentlich auch keiner zur Arbeit gekommen, das wäre für jeden von uns auf Dauer zu stressig und gefährlich gewesen. Wenn man sich bei der Arbeit mit dem Bodensatz der Gesellschaft rum schlagen muss will man nach der Arbeit seine Ruhe haben. Wir haben auch allen unseren Praktikanten immer sehr davon abgeraten in Uniform zur Arbeit zu kommen, das Risiko ist für unerfahrene Beamte einfach zu groß. Ich habe selber schon Kollegen „zusammengeflickt“ die auf dem Heimweg ein „Einschreiten“ hatten und dies nicht unbeschadet überstanden haben. Einer ist sogar dienstunfähig geworden, weil er so massiv was abbekommen hat.

Gesehen habe ich auf meinen Wegen zur Arbeit viel. Betrunkene, Kollegen die raufen mussten, unangemeldete Demonstrationen von Salafisten und Linken, Randalierer, Idioten mit Airsoftwaffen, Schlägereien, Lebensmüde...

Teile meines Off-Duty EDCs. Pistole, Ersatzmagazin, Fesseln und Pfeffer waren eigentlich immer dabei.
Teile meines Off-Duty EDCs. Pistole, Ersatzmagazin, Fesseln und Pfeffer waren eigentlich immer dabei.


 
Meine geklaute Tageszeitung

Es waren einige Tage die sich Kollegen von Landdienststellen kaum vorstellen können. Ich musste fast jeden Tag raufen. Überall waren nur Idioten und Besoffene. Jeder Widerstand eines Kunden bedeutete eine schriftliche Stellungnahme von jedem beteiligten Kollegen. Wenn es nun notwendig war auf der Straße für Ordnung so sorgen wurden wir noch zusätzlich am Schreibtisch gebunden. Ich hatte also nach jeder Schicht genug gearbeitet und wollte nur noch Heim und schlafen, obwohl ich immer zu jenen gehört habe die nicht weg geschaut haben und eingeschritten sind, wenn es nötig war. Ich bin also an einem dieser Tage nach der Ablösung durch die Nachtschicht aus dem Revier gekommen und was sehe ich neben mir? Ein besoffener Vollidiot pisst an unser Revier! Ich hatte so die Schnauze voll, dass ich einfach dran vorbei gegangen bin. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre dem Typen ein 150 Euro Bußgeld sicher gewesen. Lustigerweise haben wir so was immer als „Belästigung der Allgemeinheit“ angezeigt und nicht nach der örtlichen Stadtsatzung, dadurch konnte die Stadt höhere Bußgelder erlassen. Wir hatte auf kleinstem Raum über 1000 Gastro-Betriebe, daher immer viele solche Anzeigen.

An diesem Tag bin ich also wenigstens durch intensives Wegschauen ruhig nach Hause gekommen. Aber als am nächsten Tag meine Frühschicht vorbei war bin ich wieder nach Hause gegangen. Ich habe mir eine Tageszeitung gekauft und mich an der Tramhaltestelle auf die Bank gesetzt. Und da war sie: Etwa 40 Jahre alt und so was von geisteskrank..... Sie hatte an diesem Tag ihre Tabletten nicht genommen. Also schrie sie wirres Zeug in der Gegend rum. Ich versuchte meine Zeitung zu lesen und nicht zu viel davon mitzubekommen. Ich wollte ja schließlich nach Hause. Aber meine Tram war noch nicht in Sicht. Sie schrie also weiter „In Wallhalla.....“ „Ihr werdet es erleben.....“. Sie machte das Satanszeichen und zeigte jedem den Stinkefinger. Neben mir saß ein junges Paar vom Land, die fanden die Show richtig gut und hatten Spaß beim Zuschauen. Jetzt machte die Bekloppte mit ihren Fingern eine Pistole und erschoss einen Passanten nach dem Anderen. Ich verkroch mich wieder hinter meiner Zeitung. Aber so einfach war das alles natürlich nicht, sonst würde ich es Euch nicht erzählen. Als meine Tram einfuhr meinte die Bekloppte, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre ihr Leben zu beenden. Sie trat auf die Gleise, breitete die Arme aus und ging der Tram entgegen.... Der Fahrer bimmelte was das Zeug hält und bremste so schnell es ging. Was blieb mir jetzt also Anderes übrig als nun doch noch etwas zu Arbeiten. Ich legte meine Zeitung auf die Bank und zog sie von den Gleisen. Nach dem die Tram nun nach der Vollbremsung eingefahren war musste ich mit der Frau sprechen und ergründen was der Mist sollte. Aber die wollte nur in die Tram und weg fahren. Aber das konnte ich jetzt auch nicht mehr zulassen. Dann schmeißt sie sich vor die nächste Tram, ein Auto oder sonst wo hin. Ich bat sie da zu bleiben, aber sie wollte nicht. Ich fasste sie am Arm, aber sie riss sich los. Jetzt musste ich das machen was ich an diesen arbeitsreichen Tagen unbedingt vermeiden wollte, ich hielt ihr meinen Ausweis vor die Nase und sagte „Ich bin von der Polizei und sie bleiben jetzt hier“. Aber sie dachte nicht dran und meinte „Nein, ich fahr jetzt mit der Tram“. Ich hatte wirklich keine Lust in meiner Freizeit auch noch Raufen zu müssen. Also nahm ich mein Handy und wollte die Kollegen rufen. Aber kaum hatte ich es in der Hand riss sie es mir aus der Hand und schleuderte es auf den Boden! Da lag es nun in Einzelteilen unter der Tram. Die Zeit des Redens war jetzt vorbei. Ich packte ihren Arm und drehte ihn auf ihren Rücken. Ich zog meine Fesseln aus der Jackentasche und drückte ihr die erste Fessel ums Handgelenk, aber das zweite Handgelenk bekam ich nicht zu fassen. Sie war mittlerweile auf ihren Knien und ich über ihr. Während ich versuchte sie zu fesseln schauten mir natürlich jede menge Leute zu. Das junge Pärchen stand neben mir und fand alles ziemlich spannend. Auf meiner anderen Seite kam nun der Gutmensch. Der Gutmensch kommt immer wenn Polizisten Gewalt anwenden müssen. Er sieht die Gewalt und findet das falsch. Aber das die Gewalt einen guten Grund haben kann geht über sein Vorstellungsvermögen. In diesem Fall war der Gutmensch eine Frau die mich anfauchte „Ich bin Ärztin, ich kann das nicht akzeptieren was sie da machen.... Jetzt haben Sie ja bewiesen dass sie stärker sind und können die Frau los lassen....“

Jeder hier kann sich vermutlich vorstellen was passieren kann wenn man solche Leute nicht unter Kontrolle bringt. Hier könnt ihr es jedenfalls als Echtfall sehen (Min. 1:52):


Ich hatte mich also in eine gaanz blöde Situation gebracht. Ich war alleine, mein Handy war kaputt, ich bekam die Situation nicht mehr unter Kontrolle und um mich rum stand die halbe Stadt. Also sagte ich zu dem jungen Pärchen neben mir „Ruft die Polizei, sagt dass ich Unterstützung brauche“.
Als sie den Notruf wählte sagte ich zu ihm: „Komm, los, pack mit an“. Da war Begeisterung in seinem Gesicht. Er war in der nächsten Sekunde bei mir, packte ihren Arm und half mir sie zu fesseln. Nun war das Gröbste überstanden. Die Bekloppte setzte sich jetzt in den Schneidersitz, beugte ihren Kopf nach unten und rührte sich nicht mehr. Die Weltverbesserin stand immer noch neben mir und redete irgend einen Mist, dass sie jetzt da bleiben muss und aufpasst usw. Was genau sie wollte weiß ich nicht, war mir auch egal. Irgendwann sagte ich ihr nur, dass sie sich jetzt wichtig machen will, es ihr aber vorher egal war als es um das Leben der Verrückten ging. Nach wenigen Minuten schossen aus allen Ecken die Streifenwagen herbei. Die erste Streife war ein VW Bulli von meinem Revier der hinten voll war mit Schüler-Praktikanten, alle etwa 15 Jahre alt. Ich konnte die Verrückte an die Kollegen übergeben. Meine Zeitung war in der Zwischenzeit tatsächlich schon geklaut worden. Mit einer Streife bin ich zurück zum Revier gefahren und hab den Kollegen geholfen die Einweisung zu schreiben. Die nächsten Tage gingen genau so weiter. Erst etwa zwei Wochen später normalisierte sich alles etwas.

Das junge Pärchen habe ich am nächsten noch angerufen und mich bedankt. Eine Kollegin eines anderen Reviers ist mir auch mal in ihrer Freizeit zu Hilfe geeilt, als ich alleine im Dienst auf einem Markt einen renitenten „Flüchtling“ bändigen musste. Der war ich genau so dankbar wie diesem Pärchen, denn alleine bekommt man eigentlich niemals jemanden gefesselt der sich wehrt.

Der Afghane

An diesem speziellen Tag musste ich nicht alleine nach Hause gehen gehen. Ich wurde abgeholt und ging mit meiner weiblichen Begleitung zur U-Bahn runter. Auf der Rolltreppe sah ich den Kunden des Tages dabei wie er einen Streit mit einer Frau "ausdiskutierte". Er trieb sie also mit Schlägen in das Gesicht vor sich her. Ich schaute meine Begleitung an und deutete mit der Hand am Ohr an, dass sie die Kollegen rufen soll. Es ist doch eine gute Sache wenn man sich mit intelligenten Menschen umgibt. Nur einige Sekunden später waren die ersten Streifen unterwegs zu uns... Ich fauchte den Asylanten an „Lass die Frau in Ruhe“. Das tat er auch sofort... und kam mit geballten Fäusten auf mich zu. Meine Rechte tastete nach meiner Pistole unter dem T-Shirt, meine Linke zog das Pfeffer aus der Hosentasche. Ich sagte zu ihm „bleib sofort stehen, Polizei“. Aber er hatte andere Pläne... Er schaute mich verächtlich an und meinte nur „was willst Du“ und schubste mich. Für eine zweite Warnung blieb keine Zeit mehr als er mir an die Gurgel wollte. Das Pfeffer landete mitten in seinen Augen. Er rannte sofort los, die Rolltreppe nach oben. Eine Sekunde später griff mich ein Anderer von der Seite an. Auch für diesen war noch genug im Pfeffer drin. Er ging sofort zu Boden als ihn das Zeug in den Augen traf. Ich rannte dem Afghanen hinterher.

In der Zwischenzeit hörten die Kollegen es am Funk „Die nächsten Streifen zum …Platz. Kollege braucht eilige Unterstützung. Pfeffersprayeinsatz nach einer Körperverletzung“. Der Südländer rannte als ob der Teufel hinter ihm her wäre. Ich hinter ihm her. Alle Rolltreppen nach oben und durch das Sperrengeschoss. Ich rannte und rannte. Ich rief „haltet ihn auf“. Und tatsächlich versuchten ein paar Passanten den „Flüchtling“ (Wortwitz) aufzuhalten, was ihnen leider nicht gelang. Als er oben an der Straße ankam fing das Pfeffer an zu wirken und ihn verließen die Kräfte. Er klappte zusammen und sackte auf das Pflaster. Ich blieb zwei Meter vor ihm stehen und kreiste um ihn. Ich zog meinen Rucksack nach vorne und holte meine Fesseln raus. Ich stürzte mich auf ihn und fesselte ihn. Ich kniete mich auf seinen Rücken. Er bäumte sich auf und versuchte davon zu kriechen und mich abzuwerfern. Ich stand auf, packte ihn am Kragen und Gürtel und sog ihn wieder flach und lang. Dann kniete ich mich wieder auf ihn.
Der Gutmensch dürfte auch diesmal nicht fehlen. Es war ein Mann der mich von der Seite anfauchte: „Das ist eine Schweinerei, machen sie die Handschellen sofort ab“. Ich sagte zu ihm, dass er gar nicht weiß um was es geht und sich nicht einmischen soll. Aber er fauchte weiter... Ich packte ihn am Kragen, zog ihn zu mir und sagte „ Der hat in der U-Bahn grade ne Frau zusammen geschlagen und jetzt mach dass Du weg kommst“. Das hat gesessen! Er trollte sich sofort, der Depp! Nun kam es wieder, das Blaulichtermeer. Die halbe Straße war voller Streifenwagen. Ich bin mit den Kollegen runter zum Bahnsteig. Aber die Frau die der „Schutzsuchende“ verhauen hatte war weg. Wir hatten also nicht mal einen Strafantrag, geschweige denn eine Geschädigte. Der Zweite, den ich auch gepfeffert hatte, war auch weg. Vermutlich waren es eh alles „Freunde“. Wie sagt man so schön bei uns „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“.

Der Afghane hat eine Anzeige bekommen, wegen der Körperverletzung gegen die unbekannte Frau und dem Widerstand gegen mich. Vermutlich ist das Verfahren eh eingestellt worden. Der besagte Afghane hat so viele Leute bei uns in der Stadt zusammengeschlagen, dass er von der Stadt wenige Monate später ein Betreuungsverbot für die Altstadt bekommen hat. Und einige Monate danach wohnte er in der örtlichen Psychiatrie. Dort „wohnt“ er nun seit vielen Jahren. Sein Asylverfahren war schon abgelehnt als ich ihn kennen gelernt habe. Meine Meinung dazu behalte ich natürlich besser für mich und mache weiter meine Arbeit.

Meine Off Duty Ausrüstung seht Ihr hier. Mein EDC ist eigentlich seit Jahren fast unverändert.Was auf dem Bild fehlt ist ein Notizbuch, ohne das verlasse ich eigentlich nie das Haus.

Mein EDC mit Walther PPS, TW1000 Pfefferspray, ASP Fessel, ESP Stofffessel usw...
Mein EDC mit Walther PPS, TW1000 Pfefferspray, ASP Fessel, ESP Stofffessel usw...

Was habe ich nun aus diesen beiden Fällen für Schlüsse gezogen? Mein Ausrüstung hat sich sehr gut bewährt, Gutmenschen sind blöd (wusste ich eigentlich schon vorher) und das eigene Handy ist das wichtiste Einsatzmittel. Ich hatte auch noch andere Einschreit-Fälle. Die sind aus meiner Sicht aber nicht so gut geeignet um sie hier zu erzählen. In einem Fall habe ich eine geworfene Flasche abbekommen, die mich aber zum Glück nicht verletzt hat. Bei diesem Fall habe ich mich taktisch sehr ungeschickt verhalten, daher will ich auch die näheren Umstände hier nicht erläutern.

Die Mädchenschule, oder auch "Der Pimmelmann"

Ich stand damals kurz vor der Versetzung zu einer anderen Dienststelle. Und ich kannte dort keinen einzigen Kollegen. Ich hatte mich lediglich bisher beim Dienststellenleiter vorgestellt. Aber an diesem Tag würde ich die ersten Kollegen kennen lernen.

 

Es gab eine Mädchenschule, die ich im neuen Dienstbereich bereits kannte. Und genau dort fuhr ich gegen Mittag mit dem Auto vorbei. Ich war auf dem Weg meine Kinder vom Kindergarten abzuholen. Auf dem linken Gehweg liefen zwei etwa 12 jährige Mädchen in die selbe Richtung. Und zeitgleich ging ein etwa 40 jähriger Mann auf dem selben Gehweg in die entgegengesetzte Richtung, auf mich zu. In dem Moment als wir alle vier auf einer Höhe waren meinte ich im Augenwinkel zu sehen, wie der Mann sich von vorne, durch den Hosenladen, in die Hose griff. Es war eine seltsame und zur Situation unpassende Bewegung die ich wahrnahm und auch nicht richtig erkennen konnte. Ich fragte mich ob der Typ jetzt mitten an der Straße pinkelt. Das wäre an dieser Stelle völlig unpassend gewesen, hätte mich dann aber auch nicht weiter beschäftigt.

 

Ich hielt am rechten Straßenrand und schaute was hinter mir passierte. Die beiden Mädchen gingen einfach weiter und hatten offenbar nichts gemerkt. Der komische Typ ging in Richtung Stadt weiter. Aus der Haltung seiner Arme musste ich vermuten, dass er seinen Pimmel in der Hand hatte. Ich fuhr unauffällig weiter, wendete nach hundert Metern und fuhr erneut an dem Typen vorbei. Und tatsächlich, er lief mit raus hängendem Pimmel an der Mädchenschule vorbei und wedelte damit herum.

 

Jetzt passierte das, was immer vor einem „Einschreiten“ passierte. Ich spürte das Adrenalin, wie damals als Kaufhausdetektiv vor meinen ersten Zugriffen am Ausgang eines Geschäftes. Das nun Folgende war keine große Sache. Aber ich traf die Entscheidung eine Streife hinzuzuziehen und ich würde für alles auch die Verantwortung tragen müssen. Und wie meist bei solchen Situationen, war mir auch klar, dass der Fall für mich nicht mit einem Anruf erledigt sein wird.

 

Ich verriegelte meine Fahrzeugtüren und hielt erneut am rechten Straßenrand. Der Pimmelmann war etwa 200 Meter hinter mir und ging weiter in Richtung Stadt. Ich nahm mein Handy und rief den Notruf. Dem Kollegen sagte ich, dass ich einen Exhibitionisten verfolge und er mir eine Streife schicken soll. In dem Moment ging er an meinem Auto vorbei. Ziemlich sicher hatte er mich nun bemerkt. Seine Hose war mittlerweile wieder zu und er ging weiter. Ich verfolgte ihn wenige hundert Meter und gab der Einsatzzentrale unseren Standort weiter durch. Das Dumme war nun aber, dass er in Richtung Fußgängerzone ging. Dort konnte er sehr schnell in einem Geschäft verschwinden und dort besteht bei einer Festnahme auch eher die Gefahr, dass sich Passanten einmischen und die Amtshandlung stören. Ich traf nun also die Entscheidung ihn selber festzunehmen.

 

Ich sagte dem Kollegen am Handy, dass ich ihn jetzt festnehme und gab ihm unseren genauen Standort durch. Dann überholte ich den Typen, hielt wieder und stieg mit Dienstausweis in der linken und einem Schlagstock in der rechten Hand aus.

 

Er wirkte ungepflegt und sah geistig etwas „belastet“ aus. Er sah aus wie einer dieser Typen die man notfalls einfach in den Boden rammt wenn es ungemütlich wird. Aber auch diese Leute können gefährlich werden, also wollte ich kein Risiko eingehen. Ich sprach ihn unmissverständlich an „Ich bin Polizist, bleiben sie bitte stehen“. Und er folgte. Ich bat ihn die Hände aus den Taschen zu nehmen und er folgte. Den Dienstausweis zeigte ich ihm sofort, denn das ist gesetzlich vorgeschrieben und würde mir bei einem „Unterlassen“ schnell rechtliche Probleme bereiten. Den Schlagstock hielt ich auf den Boden gerichtet, aber etwas von meinem Körper weg, so dass er sehen konnte, dass ich bereit war sofort zuzuschlagen.

 

Ich fragte was das eben sollte....er stellte sich dumm. Ich fragte ob er es normal findet neben zwei Kindern seinen Pimmel raus zu holen.... er meinte, dass er auch nicht weiß warum er das gemacht hat. Nun hatte ich schon mal ein Geständnis. Freundlich und bestimmt erklärte ich ihm, dass eine Streife auf dem Weg ist und er vorläufig festgenommen ist. Ich belehrte ihn über alles mögliche und wir unterhielten und kurz. Einige Passanten schauten schon und fragten sich was bei uns passiert. Ich steckte nun meinen Dienstausweis so in eine meiner Oberschenkeltaschen, dass er deutlich sichtbar war. Ein älterer Mann wollte aus seiner Ausfahrt raus, aber er würde warten müssen. Ich wollte und konnte meinen Blick in diesem Moment nicht von meinem Kunden wenden. Zum Glück verstand er in etwa die Situation.

 

Der Pimmelmann begann nun mir zu erzählen, dass er sich nichts aus Mädchen macht. Die hatten ihn immer in der Schule geärgert und zu ihm gesagt, dass er einen kleinen Pimmel hat. Diese Sachen die er mir erzählte waren so seltsam und unpassend. Sie waren das Innerste, Tiefste und Intimste das es vermutlich in seinem Kopf gab und das ihn seit Jahrzehnten beschäftigte. Und er erzählte es mir sofort und ungefragt. Zweifellos hatte er ganz massiv einen an der Waffel. Und fraglos hatte seine „exhibitionistische Handlung“ etwas mit den beiden 12 Jährigen zu tun. Was viele nicht wissen ist, dass sehr viele Sexualstraftäter mit Exhibitionismus anfangen, bevor sie noch schlimmere Taten begehen. Daher wird nach solchen Taten auch meist eine DNA-Probe beim Beschuldigten entnommen. Und für mich war klar, dass ich so jemanden niemals laufen lassen würde, denn diese Taten müssen unbedingt Aktenkundig gemacht werden.

 

Ein Streifenwagen schoss mit Blaulicht um die Ecke. Die Kollegen waren da. Ich sagte „Servus“ und dass ich der Neue bin der in zwei Wochen zu ihnen kommt. Es war zweifellos ein seltsames Kennenlernen. Ich drückte einem der Beiden meine Visitenkarte in die Hand und schilderte was passiert war. Wir vereinbarten, dass ich in wenigen Tagen einen Sachverhalt zu dem Vorfall schreiben würde. Sie durchsuchten ihn und fanden zum Glück keine Waffe.

 

Ich war froh, dass ich den Pimmelmann endlich los war. Mir war kalt, ich hatte keine Zeit gehabt meine Jacke aus dem Auto anzuziehen. Denn ich konnte den Typen unmöglich aus den Augen lassen. Er gehörte zu den Leuten bei dem ich ein Messer in der Tasche vermutet hätte und auch die Bereitschaft es einzusetzen. Und ich war auch noch zu spät um die Kinder abzuholen.

 

Später stellte ich fest, dass er noch nie etwas mit der Polizei zu tun gehabt hat. Damit hätte ich niemals gerechnet. Aber ich war froh, dass er nun im Computer zu finden war, denn er hatte ein gewaltiges Potential für weitere Sexualstraftaten. Ich begegnete ihm in der nächsten Zeit noch sehr oft. Er lief durch die Stadt. Es gibt solche Menschen, die psychisch belastet sind. Sie laufen den halben Tag einfach nur durch die Stadt. Wirklich schlau geworden bin ich nie aus diesem Verhalten.

 

Mein Fazit zum Pimmelschwinger: Keines!

Aber passt dennoch auf Euch und eure Kinder auf.

 

 

Gelegentlich hatte ich die Pistole auch im Rucksack (Maxpedition). Aber nur wenn es so heiß war, dass ich kein Hemd tragen konnte. Denn ein T-Shirt alleine ist etwas wenig um die Waffe zu verdecken.
Gelegentlich hatte ich die Pistole auch im Rucksack (Maxpedition). Aber nur wenn es so heiß war, dass ich kein Hemd tragen konnte. Denn ein T-Shirt alleine ist etwas wenig um die Waffe zu verdecken.

Die Geschichte ohne Namen

Ich habe lange überlegt wie die Überschrift zu dieser Geschichte lauten soll? Ich weiß es immer noch nicht. Eigentlich würde ich sie „Ein Land in Angst“ nennen. Denn so war damals die Stimmung die meine Geschichte hier mit schrieb. Die ersten Folgen der „Flüchtlingskrise“ wurden in Deutschland bemerkbar und die Menschen bekamen Angst. Die Waffengeschäfte wurden leer gekauft und in den Medien und sozialen Netzwerken war viel los. Damals bin ich in das Geschäft meines örtlichen Büchsenmachers gegangen. Ich werde seine Begrüßung niemals vergessen: „Hallo... schön dass Du da bist. Heute habe ich Zeit zum Quatschen. Ich habe eh nichts mehr was ich verkaufen kann“. Das Geschäft war voller Kunden und die Regale waren leer. Aber diese Überschrift wäre zu politisch, daher wird diese Geschichte keinen Namen bekommen.

 

Ich möchte nun aber noch eines vorweg nehmen: Ich will mich hier nicht politisch äußern und werde das auch nicht. Ich stehe als Polizeibeamter in einem Dienst- und Treueverhältnis zum Staat das ich sehr ernst nehme. Und das gebietet mir, dass ich mich aus der Politik raus halte. So heiß dieser ganze Fall politisch war und ich mitten rein geriet: Politik sollen Andere machen!

Genau in dieser Zeit ereignete sich in der U-Bahn eine Auseinandersetzung der sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Ich bin mir sicher, dass viele von Euch dieses Video damals gesehen haben. Es wurde innerhalb weniger Tage millionenfach geklickt und wurde weltweit thematisiert. Asylbewerber hatten eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Pendlern. Das was dort auf dem Video zu sehen ist war eigentlich nichts Außergewöhnliches. Ähnliches passiert in jeder U-Bahn einer Großstadt regelmäßig. Aber die Menschen hatten Angst und konnten sich mit dem Geschehen identifizieren. Auch ich sah damals das Video natürlich. Was nun aber relevant ist und viele nicht wissen oder wussten ist, dass die Personen auf dem Video davor und danach wesentlich relevantere Straftaten begangen hatten. Und so waren sie sehr schnell namentlich ermittelt. Mein letzter Informationsstand zu dem Fall war, dass die Täter namentlich bekannt waren, aber sich den Ermittlungen entzogen hatten und gesucht wurden.

 

Und um die Situation noch mal zu verdeutlichen: Dieser Fall war eines der wichtigsten Themen der Presse in einer Millionenstadt für etwa 2 Wochen. Und er wurde für das ganze Land zu einem Symbol der aktuellen politischen Ereignisse. Und für mein Präsidium war es ein wichtiges Aushängeschild professioneller Polizeiarbeit. Die zunächst unbekannten Täter wurden alle innerhalb weniger Tage ermittelt und festgenommen.

 

Die Arbeit war für diesen Tag getan. Ich würde auf einem Feldbett in der Dienststelle schlafen und am nächsten Tag wieder die Frühschicht haben. Es war Nachmittag und ich hatte noch etwas Zeit für mich. Ich entschied mich dafür in der Stadt etwas zu Essen und schaute noch was es im Kino gab. Und dort lief der Till Schweiger Film „Tschiller – Off Duty“. Die Ironie, dass mich Folgendes gleich auf dem Weg zu diesem Film treffen würde ist kaum zu überbieten. Aber das Leben schreibt ja bekanntlich die besten Geschichten. Es war ein richtig schöner und sonniger Tag und ich schlenderte durch die Fußgängerzone in Richtung Kino. Dazu muss ich noch sagen, dass diese Fußgängerzone eine der größten in ganz Deutschland ist und mir hierbei tausende Menschen begegnet sind. Es ist mir bis heute ein Rätsel, warum mein Blick genau bei diesem Mann hängen blieb. Ich erkannte ihn sofort und über meinen Rücken lief regelrecht ein Schauer, weil ich es kaum glauben konnte. 30 Meter neben mir liefen zwei Asylbewerber und einer davon war einer von den Gesuchten aus dem Handyvideo. Ich verlangsamte meinen Schritt, so dass sie vor mir liefen. Ich überlegte was ich machen sollte. Ich hatte als Kurzwahl die Nummer von unseren Zivilstreifen eingespeichert. Aber hierbei wäre mir das Risiko zu groß gewesen, dass diese nicht schnell genug bei mir sein konnten. Ich entschied mich dafür den Notruf zu wählen. Ich nahm mein Handy und suchte bei Youtube das Video raus und schaute es an. Und tatsächlich, der Typ hatte sogar genau die selben Kleider an wie auf dem Video. Ich war mir sicher, aber ich wollte irgendwie dennoch nicht die Verantwortung für den evtl. folgenden (und evtl. auch sehr großen) Einsatz übernehmen. Denn als ich daran dachte, dass gleich unzählige Streifen zu mir beordert werden würden und es doch nicht der Gesuchte, war ich mir plötzlich doch nicht mehr so sicher.... Ich hatte die Ermittlungen auch nicht genau verfolgt und wusste auch nicht ob überhaupt Haftbefehle für die Gesuchten bestanden.

 

Ich erbat eine Streife, da ich „jemanden aus der Fahndung erkannt“ hatte. Die Kollegen der Einsatzzentrale schickten eine Funkstreife los und ich observierte beide weiter. Das Gute in diesem Moment war, dass hunderte Menschen um uns rum standen und sie mich daher nicht so schnell erkannten. Aber das Dumme war, dass ich höllisch aufpassen musste, dass ich sie nicht aus den Augen verlieren würde.

 

Ich überlegte einen Notfallplan für den Fall dass ich verbrannte. Mein Entschluss fiel recht schnell. Ich würde mir den einen, den ich zweifelsfrei identifiziert hatte, sofort greifen und jeden Widerstand mit aller Härte brechen. Die Unterstützung wurde schließlich in wenigen Minuten da sein (was eine falsche Einschätzung war).

 

Die Minuten vergingen. Sie lungerten am Platz herum und ich auch. Aber die Streife kam nicht. Ich wusste in diesem Moment nicht, dass in meinem Dienstbereich alle Streifen gebunden waren und eine aus einem anderen Revier anfahren musste. Nach etwa 10 Minuten fuhren beide mit der Rolltreppe in ein Untergeschoss des Platzes und ich ging hinter her. Ich musste nun erneut den Notruf wählen und durchgeben wo wir uns befanden. Am Notruf hatte ich nun einen anderen Kollegen als vorher. Ich sagte ihm wo wir waren und was für Kleidung ich trug. Er fragte wen genau ich erkannt hatte. Jetzt kam ich nicht mehr drum herum es ihm zu sagen. Ich meinte, dass ich vermutlich einen der „U-Bahnschläger“ erkannt habe. Ich bat ihm aber gleich darum, dass er das nicht protokolliert oder weiter gibt, da ich mir „nicht sicher“ war. Nun legte ich auf und beobachtete beide weiter. Was ich in diesem Moment nicht ahnen konnte war, dass er meinen Verdacht sehr wohl protokolliert und weitergemeldet hat. Innerhalb weniger Sekunden waren mehrere vorgesetzte Stellen darüber informiert und die Kollegen beschleunigten ihre Anfahrt.

 

Ich sah nur noch den Identifizierten und den Zweiten plötzlich nicht mehr. Er war in den Menschenmengen verschwunden. Da ich jetzt um so mehr Angst hatte auch noch den Ersten aus den Augen zu verlieren suchte ich ihn auch gar nicht und konzentrierte mich nur auf den Einen. Nach wenigen Minuten sah ich zwei uniformierte Kollegen eine Rolltreppe runter rennen und sich umschauen. Ich hob die Hand, als ob ich einen Bekannten aus der Ferne begrüße. Nach wenigen Sekunden erblickten sie mich und kamen in meine Richtung. Zeitgleich sah ich im Augenwinkel, dass mein Gesuchter die Rolltreppe ein Stockwerk weiter runter ging. Ich deutete den Kollegen die Richtung und ging sofort hinter her. Ich wollte ihn greifen. Ich wollte ihn festnehmen. …. Es sollte mein Festnahme werden.

 

Noch auf der Rolltreppe griff ich ihn am Arm und hielt ihm meinen Ausweis unter die Nase „Polizei“. Die Kollegen waren in wenigen Sekunden bei mir. Er war es und gab es sofort zu. Bei einer Abfrage stellten wir fest, dass gegen ihn seit etwa 12 Stunden ein Haftbefehle bestand. Wir fesselten ihn und brachten ihn zum Streifenwagen hoch. Der Zweite war verschwunden. Vermutlich hat er uns gesehen und ist schnell abgehauen. Die Kollegen bestätigten am Funk die Festnahme und gaben die Personalien von ihm durch. Nun wurde die Festnahme weitergemeldet, und zwar so ziemlich überall hin, sogar zum Innenministerium.

 

Ich war gut gelaunt. Vermutlich habe ich zwei Tage am Stück gegrinst. Ich genoss den nun folgende Abend und schaute mir „Off Duty“ an, im Bewusstsein, dass ich eben den „Most Wanted“ der Stadt festgenommen hatte, und das auch noch in der Freizeit. Ja, ich war stolz. Aber vor allem war ich richtig gut gelaunt. Wir konnten mal wieder zeigen, dass wir jeden bekommen und die Unterwelt in unserer Stadt keinen Spaß hat. Am nächsten Tag marschierte der Zweite der Gesuchten in unsere Wache und wollte irgend eine Frage stellen. Die Kollegen erkannte ihn sofort und nahmen auch ich fest. Der Dritte der gesucht wurde konnte von der Kripo etwa zwei Tage später aufgespürt werden.

Auch im Ausland wurde meine Festnahme von der Presse beachtet:

 

The second, aged 20, was arrested at the busy Karlsplatz in the city centre after an off duty policeman recognized him among the crowds.

 

 

 

Bitte bedenkt, das sehr viele Details in den Presseberichten falsch sind. So nannte mich die Bildzeitung einen „Kriminaler“, obwohl ich Funkstreife fuhr. Die englische Presse meinte, dass ich den Zweiten der Gesuchten festgenommen habe, obwohl mein Aufgriff der erste war usw. Aber das alles spielte keine Rolle für mich. Einige Monate später wurde ich zum Chef befohlen und dürfte erneut eine Leistungsprämie in Empfang nehmen. Das Geld und auch der Betrag der darauf stand sind absolut nebensächlich. Die Leistungsprämien sind eine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Und Polizisten müssen damit leben, dass ihre Arbeit von vielen Missachtet wird, von der Presse, der Politik und leider auch von vielen Bürgern. Da gibt es kaum etwas das einem so deutlich zeigt für was man auf der Straße kämpft, wie wenn der Chef einen ins Büro zitiert und für die Arbeit dankt, oder wenn Bürger neben unseren Festnahmen stehen und beobachten ob wir zurecht kommen und uns ihre Hilfe anbieten. Vor allem von Türken wurde mir oft Hilfe angeboten wenn wir in der Unterzahl waren und Kacke so richtig am Dampfen war. Danke dafür :-)

Einen Brief vom Polizeipräsidenten mit seinem persönlichen Dank habe ich ebenfalls für diese Festnahme bekommen der mir auch sehr viel bedeutet hat.

Eine Leistungspräme ist eine sehr ernsthafte anerkennung für die Arbeit. Vor allem in Zeiten in denen der Rückhalt durch Politiker schwindet ist so etwas eine wichtige Motivation.
Eine Leistungspräme ist eine sehr ernsthafte anerkennung für die Arbeit. Vor allem in Zeiten in denen der Rückhalt durch Politiker schwindet ist so etwas eine wichtige Motivation.

Einschreiten außer Dienst

Ich muss sagen, dass es in meinem Leben inzwischen etwas ruhiger geworden ist. Ich hatte die letzten Jahre nur sehr wenige außerdienstliche Einschreiten. Früher war das anders. Das hat mit meinem dienstlichen und privaten Umfeld zu tun. Aber ich trage dennoch fast immer mein "Off Duty EDC" bei mir.  Für mich gehört es zum Selbstverständnis als Polizeibeamter, dass ich auch in meiner Freizeit eingreife wenn es nötig ist. Vermutlich werde ich in den nächsten Jahren mehr und mehr meine Ausrüstung Zuhause lassen, aber das wird die Zukunft zeigen.

 

Durch die Erfahrungen als Streifenbeamter sehe ich mittlerweile vieles differenzierter. So würde ich mich bei einer normalen Schlägerei eher nicht einmischen. So böse sich das für Außenstehende anhören mag, aber ein Leitsatz von Streifenbeamten ist "Pack schlägt sich - Pack verträgt sich". Bei Schlägereien trifft es nur ganz selten "Unschuldige". Und wenn man sich dort einmischt verbünden sich fast immer beide gegen einen selber. Und wenn man die Polizei ruft behaupten alle das nichts passiert ist.

 

Für die Mehrheit der Polizisten bei uns ist es leider unvorstellbar, dass sie in ihrer Freizeit dienstlich tätig werden. Auch wenn sie das nie zugeben würden. Die Meisten bereiten sich gedanklich auch überhaupt nicht auf so etwas vor und haben nicht mal ihren Dienstausweis oder ein Pfefferspray dabei. Meiner Meinung nach ist das prinzipiell auch in Ordnung, dienstlich haben wir schon genug mit dem Bodensatz der Gesellschaft zu tun. Aber ich finde es dennoch schade was für eine Einstellung viele Polizisten haben.  Viele wollen Karriere machen, hatten aber noch nie in ihrer Freizeit ein Buch mit Polizeibezug in der Hand.

 

Wenn die Politik will, dass ihre Beamten auch außerdienstlich Einschreiten muss sie ihnen dabei auch behilflich sein. So war es eine sehr gute Sache als die Innenminister und die Bahn sich darauf geeinigt hatten, dass Polizisten in Uniform kostenlos Bahn fahren dürfen. Das war ein Gewinn für alle Seiten: Politik, Bahn, Polizisten und Bürger. Ich bin einige Jahre auch recht viel in Uniform Bahn gefahren und hatte dort auch recht viele Einschreitfälle (meist Personalienfeststellungen für Schaffner). Mit einem Kollegen zusammen stellten wir bei der Auswertung aller Einschreitfälle fest, dass wir beide alleine einen sehr großen Anteil an den protokollierten Einschreitfällen hatten. Viele Kollegen waren zu faul im Anschluss ein Protokoll auszufüllen und andere sahen vermutlich einfach weg! Eine Kollegin der Bereitschaftspolizei stieg mit mir vor vielen Jahren in den Zug, sprach mich auf meine Ausrüstung am Gürtel an und wollte wissen warum ich das alles dabei habe!? Sie meinte "bei mir ist noch nie etwas im Zug passiert". Eine derartige Einstellung ist aber nicht das was der Dienstherr oder der Bürger erwartet. Und wenn ein Polizist in Uniform in der Bahn sitzt kann man wirklich erwarten, dass er wenigstens Notizbuch, Pfefferspray und Fesseln dabei hat.

Worauf ich bzgl. der Politik aber raus wollte ist, dass auch das außerdienstliche Führen von Waffen liberal gehandhabt werden soll. Wenige Wochen vor dem Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin hat der Senat den dortigen Kollegen das außerdienstliche Führen ihrer Dienstwaffen verboten. Und das in Zeiten des Terrorismus!? In meiner Ausbildung nahm ich an einer Studie zu genau diesem Thema teil. Uns wurden Videofilme gezeigt und dann wurden wir gefragt wie wir reagieren würden. Und für mich war schnell klar, dass ich idR. nur einschreiten würde wenn ich bewaffnet bin. Warum wird bei den Länderpolizeien nicht die Möglichkeit eröffnet, dass sich Polizisten über eine Ersatzbescheinigung eine private Waffe zum verdeckten tragen kaufen. In den USA werden teilweise sogar zwei Waffen dienstlich geliefert. Eine Dienstpistole und eine zweite kleine Waffe für das Tragen "Off Duty"

 

Fazit:

Die Kollegen haben früher immer den Kopf geschüttelt über meine vielen Einschreitfälle. Das hatte vermutlich auch damit zu tun, dass ich nicht weg gesehen habe. Aber eben auch damit, dass ich ein Scheißemagnet gewesen bin. Für vieles konnte ich wirklich nichts.

 

Leider wird man bei einem außerdienstlichen Einschreiten öfter Probleme bekommen als man erwartet. Und Dank sollte man, je nach Situation, auch nicht erwarten. Ich habe mal einen Ladendieb geschnappt. Die Filialleiterin zeigte ihn nicht an und sagte mir nicht mal Danke!

 

Und zum Schluss stelle ich noch folgende Behauptung auf: Polizeibeamte die zuvor als Soldaten gedient haben werden eher ein Selbstverständnis ihres Berufes entwickeln um auch in der Freizeit für die Bürger da zu sein. Denn das Leben als Soldat prägt einen mehr als viele denken. 

 

Liebe Kollegen. Bleibt im Fall der Fälle ruhig, überlegt erst und ruft im Zweifelsfall sehr frühzeitig eine Streife zu Unterstützung. Alleine und mit mangelnden Einsatzmitteln wird es schnell gefährlich.