An roten Ampeln hielt ich nicht

 

-Der Buddha, das Wasser in der Badewanne und die Spritzen im Bett

-Der Kopftreter

-Der Unfall

-Die Strumpfmaske

-Das Essen wird geplant und bestellt

-Das Essen

-Das flüchtige Opfer

-Das Essen Teil 2

-Die "Pause"

-Pack schlägt sich, Pack verträgt sich...

-Die Bierflasche, der Handwerker und die Kopfplatzwunde

-Die Polen, der Schlagring und die Dienstpistole

-Mein Fazit

 

 

 

Mit dem Kollegen dieser Nachtschicht war ich zuvor noch nie auf Streife. Er war groß, durchtrainiert und war eine beeindruckenden Gestalt. Unsere Zusammenarbeit funktionierte in der Nacht zum Glück völlig problemlos. Es war Samstag, keiner von uns erwartete eine ruhige Nachtschicht. Aber es gibt Solche und Solche Nachtschichten. Und es wurde mehr eine Solche....

 

Als ich unsere Wache betrat war schon viel los, im Vorraum warteten einige Jugendliche. Ein Mädchen hatte sogar ihr Handy bereits zum Laden in eine unserer Steckdosen gesteckt, sie warteten wohl bereits länger. Drinnen waren alle Kollegen auf den Beinen, keiner saß rum. Zu sehen waren auch einige Kollegen der Kripo. Zweifellos war etwas passiert. Ich beeilte mich mit dem Umziehen und traf mich mit einigen meiner Kollegen beim Dienstgruppenleiter. Die Übergabe war für uns sehr kurz. Wir bekamen noch mit, dass ein Jugendlicher zusammengeschlagen worden ist und am Boden gegen den Kopf getreten wurde. Die Täter waren noch flüchtig. Aber wir mussten gleich raus, ein paar Einsätze waren bereits "offen". Auf dem Weg raus trafen wir noch Kollegen einer Nachbardienststelle. Diese mussten bei uns aushelfen und sollten einen Unfall aufnehmen, jedoch war der Unfallverursacher betrunken und sie führten mit ihm eine Blutentnahme durch.

 

 

Der Buddha, das Wasser in der Badewanne und die Spritzen im Bett:

 

Ein Bekannter eines Mannes vermisste seinen Freund. Zuhause konnte er ihn nicht antreffen, auf dem Handy nicht erreichen, und als er durch sein Fenster gesehen hatte sah er auf dem Wohnzimmertisch eine Kaffeetasse stehen. Dazu kam noch, dass er allgemein eher krank war. Die Kollegen der Vorgängerschicht meinten nur, dass wir auf alle Fälle in die Wohnung rein müssen. Wir beschäftigen uns nicht länger mit den Hintergründen. Es war klar, dass dafür keine Zeit war.

 

 

Als wir da waren nahm ich sofort meine Tasche mit meinem Sperrwerkzeug und wir gingen zum Haus. Wir klingelten an einer Wohnung nach der anderen. Nichts tat sich. Nach einer Weile fiel und ein, dass wir besser auch mehrfach an unserer Wohnung klingeln sollten, falls er doch nur schlief. Irgendwann ertöhnte die Stimme einer Nachbarin aus einem oberen Stockwerk an der Sprechanlage. Sie hatte Zweifel, dass wir wirklich von der Polizei sind. Nach einem Blick aus dem Fenster hatte sie sich überzeugt und öffnete uns. Der Kollege ging zu ihr hoch und erklärte ihr was los ist, nicht dass sie sich Sorgen machte. Ich ging zur Wohnungstüre im Erdgeschoss und klingelte, klopfte und rief nach dem gesuchten Bewohner. Der Kollege sagte mir, dass auch die Nachbarin ihn seit einigen Tagen vermissen würde.

 

 

Ich nahm, wie meist, zuerst die Sperrhaken zur Hand. Wenn eine Türe nur ins Schloss gezogen ist hat man sie damit meist schnell geöffnet. Nach weniger als einer Minute klickte es und die Tür ging auf. Auf halben Weg stieß sie gegen Etwas und blieb halb offen stehen..... Wir schauten uns an..... Ich murmelte etwas widerwillig, dass er sicher hinter der Tür liegt.... Ich blieb stehen...., ich wollte nicht nachsehen. Der Kollege merkte es und ging wortlos an mir mit seiner Taschenlampe vorbei. Ich wusste nicht warum ich ausgerechnet in diesem Moment nicht weiter gehen wollte. Keiner von uns geht gern in eine Wohnung rein um eine Leiche zu suchen. Das fühlt sich seltsamerweise sehr ähnlich an, wie wenn man eine Wohnung nach einem bewaffneten Täter absuchen muss. Ich bin schon unzählige Male in solche Wohnungen ohne zu Zögern rein gegangen, aber in dem Moment wollte ich einfach nicht.

 

Der Kollege sah um die Türe. Dort lag niemand. Es lag Gerümpel auf dem Boden. Aus der Wohnung stank es heraus. Überall war Dreck. Es war keine Messiewohnung. Aber es war vermutlich die dreckigste Wohnung die ich je gesehen habe. Der Kollege ging gerade aus ins Wohnzimmer, ich hatte mich etwas gefasst und ging nach links Richtung Bad. Die Türe war halb offen und bewegte sich nicht. In der Wanne stand das Wasser, am Halter vom Duschkopf war ein Band befestigt. Es wirkte wie eine klassische Suizid Umgebung. Der Gestank war furchtbar. In der Toilettenschüssel steckte noch der Sauger um den Abfluss frei zu machen. Ich hielt meine Lampe um die Ecke und warf einen schnellen Blick hinter die Türe. Dort lag auch keine Leiche. Ich folgte dem Kollegen. Er murmelte etwas über die widerliche Küche. Ich nahm in meinen Augenwinkeln Buddhas und jede Menge andere Götzenstatuen war und Plakate aus dem dritten Reich. Der Kollege suchte sich gerade einen Weg auf den Balkon, während ich das Schlafzimmer in Angriff nahm... Auf dem Boden lag medizinisches Verpackungsmaterial und ein Gürtel, auf dem Bett lagen blutige Röhrchen zur Blutentnahme. Etwas Blut war auch auf dem Boden. Hinter dem Bett war der Fernseher vom Schrank gefallen und das Kabel hing über das Bett.... Die Leiche musste also hinterm Bett liegen.... Ich ging langsam um das Bett rum... Aber auch dort lag er nicht.

Wir trafen uns im Wohnzimmer um uns zu beraten und suchten alles oberflächlich ab um uns einen besseren Eindruck von der Situation zu machen. Der Wasserhahn im Spülbecken war dermaßen dreckig, dass sich überhaupt nicht mehr schließen lies und deshalb tropfte. In DVD-Ständern waren hunderte Dokumentationen. Es schien, als ob die Wohnung nur mit DVDs, Esoterik und Nazidevotionalien gefüllt war. Ich vermute, dass dort seit min. 10 Jahren nicht mehr geputzt worden ist. Ich vermutete zunächst, dass er sich aus irgend einem Grund selber Blut abgenommen hat. Dann fanden wir eine Packung Aspirin 100, wie sie Herzinfarktpatienten haben und zogen doch einen Rettungsdiensteinsatz in Betracht. Wir fragten an der Wache über Funk an, ob diese Rücksprache mit dem Krankenhaus halten konnten. Nach einigen Minuten hatten wir die Info, dass er kurz zuvor vom Rettungsdienst aus seiner Wohnung geholt worden war.

 

Der Einsatz war beendet. Ich zog die Türe wieder zu wie sie war, und wir gingen. Normalerweise hinterlassen wir einen Zettel an der Türe und schreiben am Computer einen Vermerk über die Wohnungsöffnung. Aber uns war klar, dass wir dafür in dieser Nacht keine Zeit haben würden. Am Funk gaben wir unseren Abschlussbericht und erwähnten die Türöffnung überhaupt nicht. Wir sagten nur, dass er im Krankenhaus liegt und wir wieder einsatzklar sind.

 

 

Der Kopftreter:

 

Wir hörten in der Zwischenzeit am Funk, dass unsere anderen Streifen auf der Suche nach dem Kopftreter vom Nachmittag waren. Die Staatsanwaltschaft stufte sein Handeln als versuchten Totschlag ein. Ein zweiter Täter war bereits auf unserer Dienststelle. Wir fuhren zu unseren anderen Streifen in einen anderen Stadtteil und wollten bei der Suche helfen. Als wir gerade erst eine Straße abgesucht hatten benötigte die Einsatzzentrale eine Streife für einen Unfall.

 

 

Der Unfall:

 

Wir fuhren hin und nahmen den Unfall in Rekordzeit auf. Dies war der einzige Lichtblick in dieser tristen Nachtschicht. Die Unfallbeteiligten waren sehr nett und wir alberten noch etwas rum. Wir fuhren wieder los und suchten weiter nach unserem "Verbrecher".

 

 

Wir sollten ein Schulgelände absuchen. Denn Zuhause war der Kopftreter nicht. Auf dem Weg zu der Schule fiel uns ein Jugendlicher auf einem Fahrrad auf, der auf die Beschreibung des Gesuchten passte. Ich fuhr langsam neben ihn und der Kollege bat ihn aus dem Beifahrerfenster raus kurz zu Halten. Er bog in diesem Moment aber rechts in einen Park ab. Wir schauten uns kurz an und ich fragte: „Ist der uns grade abgehauen“? Der Kollege meinte: „Ich glaube der hat uns nicht gehört“. Wir waren und nicht sicher. Ich gab Gas und versuchte um den Park rum zu fahren. Der Park war langgezogen und lief an einem Fluss entlang. Vor mir, an einer Kreuzung hielten zwei Autos. Ich schaltete das Blaulicht ein und fuhr links vorbei. Einer von Beiden wollte in diesem Moment links abbiegen und wäre fast in unseren Streifenwagen gekracht. Ich konnte gerade noch nach links ausweichen und er bremste. Das war knapp. Vor allem hätte dieser Unfall auch wirklich Ärger gegeben, denn ohne das Martinshorn bin ich als Fahrer immer in einer ganz blöden Situation. Aber wenn ich dies eingeschaltet hätte wäre unser Verdächtiger gewarnt worden, er war schließlich nur 100m Luftlinie von uns weg. Wir kamen am anderen Ende vom Park an, der Kollege stieg aus und schaute in die Dunkelheit. Er sagte, dass er auf uns zukommt. Er drehte mit seinem Fahrrad um und wollte abhauen. Ich drehte um, fuhr gegen die Fahrtrichtung durch einen Kreisverkehr und umfuhr unseren Verdächtigen. Wir nahmen ihn in die Zange. Als wir uns beide zu Fuß mitten in dem Park trafen lag nur noch sein Fahrrad im Gebüsch. Er musste zwischen einigen Wohnblocks entkommen sein. Durch den Fluss auf der einen Seite war seine Fluchtrichtung klar. Wir fuhren weiter und suchten eine Straße nach der anderen ab. Der Kollege sah ihn, ich setzte zurück und raste in die Straße. Er war weg. Es war klar, dass er in einen Garten oder Hinterhof von mehreren Einfamilienhäusern geflohen war. Überall brannte noch Licht. Ich lies den Streifenwagen mitten auf der Straße stehen. Wir trennten uns. Mit gezogener Pistole und Taschenlampe suchte ich die Grundstücke ab.... wenn jetzt ein Bewohner aus dem Fenster sah... Alleine, dass jemand mit einer Lampe hinter seinem Haus rum schleicht hätte ihm einen ordentlichen Schrecken eingejagd. Auf den flüchtenden Jugendlichen hätte ich in diesem Fall nie geschossen,das wäre uns prinzipiell erlaubt in diesem Fall, was viele nicht wissen, aber wer weiß ob doch auf die Idee kommt uns anzugreifen.... Wir fanden ihn nicht. Eine weitere Streife fragte ob sie uns bei der Suche helfen sollte, aber wir waren uns nicht sicher ob der Richtige vor uns davon rannte oder nur ein kleiner Dealer, der uns gerade weniger als sonst interessierte. Ich hörte am Funk wie zivile Kollegen angefordert wurden um unsere Suche zu unterstützen. Wir zogen noch eine Weile durch das Viertel und fragten alle die uns begegneten ob sie jemanden gesehen haben. Im Anschluss kontrollierten wir noch ein paar bekannte Treffpunkte von Jugendlichen. Bereits seit einer Weile mussten wir beide Pinkeln. In einem Stadtpark blieb uns nichts Anderes übrig als hinter ein paar Büsche zu pinkeln. Hoffentlich hat uns dabei keiner gesehen...

 

 

Die Strumpfmaske:

 

Wir wurden abgezogen. In einem anderen Stadtteil hatte jemand einen Mann beobachtet, wie er sich im Wohngebiet einen Strumpf über den Kopf zog und sofort davon rannte als er unseren Mitteiler bemerkte. Er wurde noch ein kleines Stück verfolgt, wo er sich zwischen Autos und Mülltonnen versteckte. Wir mussten alleine anfahren. In der besagten Straße sahen wir sofort einen osteuropäischen Mann der auf die Beschreibung passte. Der Kollege sprach ihn an, ich blieb einige Meter weiter mit der Pistole in der Hand stehen. Mir blieb keine Bewegung des Verdächtigen verborgen und ich ließ ihn nicht aus den Augen. Mein Kollege durchsuchte ihn nach Waffen und dem Strumpf. Im Augenwinkel sah ich einen Fahrradfahrer auf uns zufahren. Ich deutete ihm zu halten und behielt den Osteuropäer weiter im Blick. Als der Radfahrer neben mir hielt fragte ich ihn ob er jemand mit einer bestimmten Jacke und Hose gesehen hat....in dem Moment fiel mir auf, dass auch der Radfahrer genau die selben Farben trug wie der andere Verdächtige. Ich sagte ihm kurz, dass er seine Hände am Lenker halten soll und fragte ihn ob er Waffen bei sich hat. Mit meiner linken Hand tastete ich kurz seine Taschen ab, er hatte wirklich absolut nichts dabei. Zum Glück verstand er sofort den Grund für die kurze Kontrolle und wir mussten uns nicht lange mit Erklärungen oder Entschuldigungen aufhalten. Keiner von Beiden schien unser Gesuchter zu sein. Wir sagten kurz Danke für die Kooperation und fuhren sofort weiter. Wir suchten die Banken und Spielhallen in der Gegend ab... erfolglos. Wir führten noch eine Kontrolle durch, weil noch ein dritter Mann auf die Beschreibung passte. Auch dieser zeigte volles Verständnis und die Kontrolle war schnell vorbei. Mehr gab der Einsatz nicht her und wir mussten abbrechen.

 

 

 

Das Essen wird geplant und bestellt:

 

Über Funk berieten wir unsere Verpflegungspläne. Eine Kollegin hatte etwas dabei. Alle Anderen wollten etwas bestellen. Unser Kroate wurde ausgewählt und ich wählte das gefüllte Hacksteak.

 

 

Es war soweit. Am Funk meldete eine unserer Streifen die Festnahme des Kopftreters. Wir waren erleichtert, aber nicht weil er festgenommen war. Denn das wäre sowieso gelungen in wenigen Tagen. Sondern weil unsere Streifen endlich frei für weitere Einsätze waren. Aber einige von uns wurden immer noch benötigt. Der Festgenommene musste zu Untersuchungen begleitete werden. Es musste Diverses sichergestellt werden usw. Dabei erbaten die Kollegen der Kripo Unterstützung von uns.

 

 

Das Essen:

 

Da die Kollegen die eigentlich unser Essen holen wollen mit einem Herzkranken mitten auf der Straße beschäftigt waren musste ich mit meinem Kollegen schnell zum Kroaten fahren. Wir luden unsere Streife voll mit Leckereien. Wir hatten Hunger, es roch super. Als wir nur noch zwei Straßen vor unserer Dienststelle waren piepten unsere Funkgeräte.

 

 

Das flüchtige Opfer:

 

„Die nächsten Streifen zur....Straße. Dort schlagen 8-10 Männer auf sich ein“. So ein Scheiß.... Ich schaltete das Blaulicht ein und fuhr vor die Dienststelle. Der Kollege sprang mit drei Tüten voller Essen raus, ich wendete. Als er zurück kam schoss eine weitere Streife aus dem Hof raus, an ihm vorbei, in Richtung Tatort. Wir schossen hinterher. Der Einsatzort war vor einer Asylbewerberunterkunft. Zwei Kollegen hielten etwa 10 jugendliche Asylbewerber in Schach. Ich wurde direkt vom Mitteiler angesprochen. Er trug eine Jacke mit der Aufschrift der freiwilligen Feuerwehr. Er sagte mir, dass eine Frau von einem Mann geschlagen worden ist. Ich fragte ihn wo die Frau ist. Er meinte, dass sie weg gegangen ist. Dann fragte ich ihn wo der Schläger ist. Er meinte, dass der auch weg gegangen ist. Ich fragte ihn, was die Asylbewerber gemacht haben. Er meinte, dass es unter ihnen ein „Handgemenge“ gegeben hat. Wir schauten in den Seitenstraßen nach den anderen Beteiligten und fuhren wieder. Niemand wollte dort etwas von uns.

 

 

 

Das Essen Teil 2:

 

Wir waren im Anschluss sehr schnell in unserer Küche und fingen an zu Essen. Wir beeilten uns. Es war nun etwa 22 Uhr und mein Hacksteak mit Reis und Pommes war super. Die Kripo war noch gut beschäftigt mit dem Kopftreter. Sie baten uns einen weiteren Beteiligten nach Hause zu fahren und sie bei den Vernehmungen zu unterstützen.

 

 

Die "Pause":

 

Ich war vermutlich der Einzige von uns der nun etwa eine Stunde Ruhe hatte. Ich konnte das Nötigste am Computer erledigen. Mein Kaffeebecher rettete mich durch diese Phase der Nachtschicht. Denn wenn das Adrenalin nachlässt funktioniert es nicht mehr ohne Koffein. Meine Powerbank schloss ich an eine Taschenlampe an und lud diese. Ich holte mir noch mehr Spezi aus dem Automaten und trank. Als mein Streifenpartner von der Kripo nicht mehr gebraucht wurde ging es weiter... (das Wort Pause ist hier nicht i.S. des Arbeitsrechts zu sehen! Sondern es bedeutet Sachbearbeitung am Computer)!

 

 

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich...:

 

Wir wurden zu einem Streit von einem „Ehepaar“ gerufen. Sie stritten sich um die Autoschlüssel und die Fahrzeugbriefe. Ich ging etwas missmutig in die Wohnung. Denn es war schon in etwa klar was uns erwarten würde. Die Frau war inzwischen alleine. Sie holte ihren riesigen Rotweiler aus einem Zimmer und schien ihn uns zeigen zu wollen??? Er stupfte mich kräftig an, schleckte meine Hand und wollte mit mir spielen. Sie war etwas hohl und kapierte nicht, dass wir sicher jetzt nicht mit ihrem Hund spielen wollten. Ich musste ihr zwei Mal sagen, dass sie ihren Hund in ein anderes Zimmer bringen soll, weil wir schließlich wegen etwas Anderen da waren.... Ihr „Noch-Ehemann“ hatte sich die Fahrzeugpapiere und Schlüssel genommen und ist abgehauen. Die Papiere sind auf sie ausgestellt. Sie wollte, dass wir ihr die Papiere zurück holen. Wir nahmen alles auf und fuhren wieder. Einige Stunden später in der Nacht erfuhren wir vom Ehemann (und durch Computerrecherchen), dass dieser die Autos bezahlt hat und daher die Besitzverhältnisse nicht so eindeutig waren wie sie behauptet hat. Wir verwiesen auf das „Zivilrecht“. Wir konnte in diesem Fall keine Maßnahmen treffen. Als wir vor einer Disko standen in der wir den Ehemann vermuteten und mit ihm sprechen wollte kam der nächste Einsatz der vor ging.

 

 

Die Bierflasche, der Handwerker und die Kopfplatzwunde:

 

Dreihundert Meter hinter uns soll es eine Körperverletzung gegeben haben. Ich schaltete „Blau“ ein und wendete. Ich schimpfte, denn wieder mal drängte sich ein Auto hinter mir durch, obwohl ich, auch für den letzten Deppen offensichtlich,  zurückstoßen musste.

 

Am Tatort wurde der Schläger von ein paar Zeugen gegen eine Wand gedrückt und festhalten. Das Opfer war bereits zu unserer Dienststelle gelaufen.

 

Er war ein Handwerker auf Montage. Er war ziemlich betrunken und hatte dem Anderen seine Flasche an den Kopf geschlagen. Ich machte Fotos und packte die Flasche ein. Der Kollege notierte die Personalien von unseren Zeugen. Darunter waren ein paar unserer regelmäßigen Zeugen. Das ist ein sehr seltsamer Schlag von Menschen. Sie teile uns immer alles mit was sie verdächtig finden und ihr Verhalten grenzt teilweise schon an Stalking gegenüber einzelnen Beamten, zu denen sie sich besonders hingezogen fühlen. Von einer wissen wir auch, dass ihre Bewerbung bei der Polizei abgelehnt wurde. Sie hatte es in der Vergangenheit dermaßen mit ihren „Mitteilungen“ übertrieben, dass ihr Verhalten als „Vortäuschen von Straftaten“ zur Anzeige gebracht wurde.

 

Wir brachten unseren Schläger zur Dienststelle. Dort trafen wir auch auf sein Opfer, dem das Blut immer noch das Gesicht runter lief. Der Staatsanwalt ordnete eine Blutentnahme an, wodurch eine unserer Streifen eine weitere Stunde gebunden war. Als ich am Erfassen der Körperverletzung war riefen die Kollegen, es ging schon wieder raus....Er wurde später für diesen Schlag mit der Flasche zu 6 Monaten Haft auf Bewährung und 1000 Euro Strafe verurteilt. Das war ein Urteil wie ich es niemals erwartet hätte.

 

 

Die Polen, der Schlagring und die Dienstpistole:

 

Die Türsteher eine Disko riefen uns. Ein paar polnische Arbeiter hatten bei ihnen Ärger gemacht und zwei ihrer Gäste Kopfnüsse verpasst. Wir kamen mit zwei Streifen gleichzeitig an. Die Türsteher gaben uns eine Beschreibung der Polen und sagten in welche Richtung sie geflohen sind. Ich umfuhr ihren Fluchtweg, so dass wir ihnen entgegen Fahren sollten. Und dann sahen wir einen der passte. Der Kollege rief im zu dass er stehen bleiben soll, was er nicht tat. Ich sprang aus dem Auto und forderte ihn ebenfalls auf. Er ging weiter.... Ich fuhr meinen Schlagstock aus und stelle mich ihm in den Weg. Das verstand er. Er wollte dennoch nicht kooperieren. Es war klar, dass wir den Richtigen hatten. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich jede weitere Maßnahme mit dem Schlagstock durchführen werde, packte ihn, drehte ihn um und wir fesselten ihn. Ich durchsucht ihn und fand in seiner Tasche einen Schlagring. Einige Passanten die vor einer Dönerbude standen riefen uns zu, dass sich in einem Hinterhof um die Ecke noch einer versteckt. Aber ich konnte meinen Kollegen auch nicht alleine lassen. Und in unseren Streifenwagen hätten wir den Festgenommenen auch nicht einfach setzen können. Denn unsere Rückbank war voll mit Einsatztaschen die nicht in den Kofferraum passen und unbeaufsichtigt hätte er problemlos flüchten können oder sonst was in unseren Auto kaputt machen können. Aber als die Passanten uns zuriefen, dass er nun zurück kommt (es war klar, dass er gleich um die Ecke kommt) bin ich zu der Ecke gegangen. Sonst wäre er uns noch in den Rücken gefallen. Die zweite Streife hatten wir bereits zu uns beordert. Da kam er um die Ecke. Er war ziemlich betrunken und passte auf die Beschreibung der Schläger. Ich musste nun davon ausgehen, dass auch er bewaffnet ist....

 

Ich schrie ihn an, dass er die Hände aus den Taschen nehmen soll. Er stand vier Meter vor mir. Er folgte nicht und sagte etwas von Döner. Ich rief „ich will deine Hände sehen“. Er machte keine Anstalten seine Hände aus den Taschen zu nehmen und ging weiter Richtung Dönerbude... Ich zog meine Pistole und richtete sie auf ihn.... nun verstand er.... Ich sah wenige Meter hinter ihm, hinter der Scheibe der Dönerbude, den Dönermann stehen....in meiner Schussrichtung... Ich ging ein paar Schritte zur Seite um meinen Schusswinkel zu ändern. Ich sah den Lichtschein vom Blaulicht der Anderen und sagte ins Funkgerät, dass sie schneller anfahren sollen. Als er seine leeren Hände aus den Taschen nahm steckte ich die Pistole wieder ein und nahm wieder meinen Schlagstock in die rechte und das Pfeffer in die linke Hand. Ich überlegte ihn sofort zu pfeffern bzw. wo ich ihm gleich hin schlage wenn er eine falsche Bewegung macht.... Die Kollegin sprang aus dem Streifenwagen, wir packten ihn, drückten ihn zu Boden, knieten auf ihn und fesselten auch ihn. Er hatte richtig dicke Oberarme und ein starkes Genick. Er war aber viel zu betrunken um uns etwas entgegen zu setzen. Er begann nach uns zu treten und weigerte sich in unseren VW Bulli einzusteigen. Er stemmt seinen Fuß gegen das Auto. Wir versuchten es im Guten... Er wollte nicht.... Der Kollege trat sein Bein weg, ich drückt seinen Kopf nach unten und schob ihn in den VW Bus. Sein Kopf knallte gegen die Bordwand. Etwas Anderes als hunderte Male „kurwa“ wollte er offenbar nicht sagen. Es war nun klar, dass wir den einen ins Ausnüchterungsgewahrsam nehmen und den anderen Festnehmen mussten. Einige Passanten baten uns sofort ihre Hilfe an. Das sind die Momente in denen man stolz ist auf seine Stadt, in denen Bürger und Polizei zusammen halten und wo man gerne arbeitet.

 

Den Bekloppten steckten wir gleich in eine Zelle. Den mit dem Schlagring setzen wir in ein Büro. Er verweigerte jede Kooperation und hatte keinen Ausweis dabei. Ein Landsmann versuchte uns beim Übersetzen zu helfen. Aber als er auch noch seinen Landsmann beleidigte ging er wieder. Ich machte ihm klar, dass er uns entweder sagt wie er heißt und seinen Ausweis gibt, oder dass wir ihn einsperren. Er wollte nicht kooperiere und fand sich ebenfalls in unseren Haftzellen wieder, wo er innerhalb weniger Minuten einschlief.

 

Eine Stunde bevor die Frühschicht den Dienst übernahm beriet ich mich mit dem Staatsanwalt und wir weckten den bewaffneten Polen. Er log uns von vorne bis hinten an. Unser Fingerabdrucksystem gab genau in dem Moment den Geist auf und wir konnten nicht mal so versuchen ihn zu identifizieren. Ich nannte bis zum Dienstschluss vier verschiedene Namen und er war wirklich der Meinung, dass wir ihm diese glaubten.... Er wurde weiter festgehalten und wir machten Dienstschluss.

 

 

Fazit:

 

In dieser Nacht hatte ich eigentlich keine Zweifel, dass wir gesund nach Hause kommen. Aber ich hatte Zweifel, dass es unsere Kundschaft gesund nach Hause schafft. Wir sind durch diese Nacht gekommen ohne jemand verletzen zu müssen. Ohne geeignet Einsatzmittel wie den Taser ist so etwas aber nur sehr schwer zu garantieren. Wenn wir auch nur eine Streife weniger gewesen wären in dieser Nacht hätten wir massive Probleme gehabt.

 

Alle unsere Pläne präventiv zu kontrollieren mussten wir mal wieder über Bord werfen. Dafür blieb mal wieder keine Zeit. Alle Dealer, Autotuner und potentiellen Problemverursacher blieben unbehelligt.

Für alle Anliegen der Gemeinde, nach Ruhestörungen, Gastronomieauflagen oder der Einhaltung der Taxiverordnung zu schauen sind wir nicht mal ansatzweise gekommen. Alle Gemeinden im Umland haben in dieser Nacht keinen einzigen Polizisten gesehen. Wir haben nicht mal daran gedacht dort hin zu fahren, denn sonst hätten wir unsere Einsatzlagen überhaupt nicht bewältigen können.

 

Mein Fazit wäre ein politisches. Also halte ich meinen Mund und mache weiter meine Arbeit...